Warten auf Cargonet: Eine Winterrunde um Trondheim

Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.

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Nach dem trüben Winter war es höchste Zeit, dass die Urlaubssaison wieder losgeht. Einziger Haken: Man sehnte sich allmählich nach Frühlingsluft und Wärme. Auf unserer Flugbuchung stand jedoch was von 'Trondheim'. Hmmm, wer hat das bloß gebucht?

Nein, ernsthaft: Der skandinavische Winter ist etwas einzigartiges und wunderschönes. Auch wenn ich etwas mehr auf Wärme gepolt war, freute ich mich doch sehr auf 'richtigen' Winter, viel Schnee und diese herrliche trockene Kälte.

Samstag, 09.03.2013

Am Flughafen hatte ich schön viel Zeit. Es streikte gerade mal niemand (puuuh!), die Schlangen waren kurz, und so blieb Zeit für ein kleines Frühstück bei Marché. - Als Flug nach Trondheim hatten wir ein günstiges Angebot mit KLM über Amsterdam bekommen. Schon kurios, dass KLM dreimal am Tag Amsterdam - Trondheim nonstop fliegt.

KL1778 Hamburg 9.55 - Amsterdam 11.15

Im Flieger saßen hinter mir drei junge Männer, die ziemlich nach Rauch und Alk rochen. Wenigstens verstummte die laut geführte Unterhaltung sehr schnell und in Amsterdam mussten sie von einem Mitreisenden geweckt werden, als alle anderen Passagiere schon raus waren. Die Maschine war ausgebucht, der Flug dennoch ganz angenehm. Die lange Wartezeit in Amsterdam war ärgerlich. Vielleicht hätte die Variante mit 3/4 h Umsteigezeit auch gereicht. Nil kam mit dem Flieger aus Zürich kurz nach mir an. Gemeinsam setzten wir uns bei den Gates an die große Panoramascheibe, hinter der ein Wetter herrschte, auf das wir in unserem Urlaub gewiss verzichten konnten, das wir - zumindest in dieser Konsistenz - dort wohl auch nicht erleben würden. Es goss in Strömen, die Wolken hingen tief über den Terminals.

Umsteigen im Regen, Flughafen Schiphol.

Während der Wartezeit fielen die vielen, recht drastisch formulierten Durchsagen auf, in denen Passagiere darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie ihren Flug verspäten und dass das Gepäck wieder aus dem Flieger geholt wird, wenn man sich nicht umgehend am Gate einfinden würde. Ansonsten scheint Amsterdam wohl hauptsächlich eine internationale Drehscheibe zu sein. Ich habe noch nie in einem Flughafen so wenig die einheimische Sprache gehört.

KL1175 Amsterdam 14.15 - Trondheim 16.35

Anfangs war der Flug genauso aufregend wie der letzte, nämlich überhaupt nicht. Unter uns nur Wolken, Wolken, Wolken. Immerhin wurde es über uns größtenteils blau. Erst über der Nordsee zeigten sich erste Durchblicke auf das Meer. In Jütland waren Limfjord und die Chemiefabrik von Thyborøn deutlich zu sehen. Dann wieder Wolken. Erst über dem norwegischen Hochgebirge wurden wir gewahr, dass das Weiße unter uns nicht zwangsläufig Bewölkung war. Nein, es handelte sich um eine fast grenzenlose, unberührt wirkende Schneelandschaft. Der Flieger glitt in relativ niedriger Höhe über die weiße Bergwelt, die sich nach Norden zu vollkommen wolkenfrei unter uns erstreckte. Der Pilot machte sogar eine Durchsage, dass man diesen Ausblick doch genießen solle. Die Lebensgeister der eben noch vor sich hin dösenden Passagiere erwachten nach und nach angesichts des herrlichen Ausblicks.

Genau lokalisieren kann ich nicht, wo wir gerade waren. Vielleicht die Rondane?

Nachdem es schon ein Sandwich und Getränke nach Wahl gegeben hatte, gab es nun noch etwas Gebäck und für mich einen Tee dazu. Lange dauerte es nun allerdings nicht mehr, bis die Wildnis in einen schmalen Streifen kultivierten Landes am östlichen Ufer des Trondheimsfjords überging. Mit Blick auf Hommelvik drehte der Flieger über dem Fjord direkt auf die Landebahn von Værnes zu.

Blick Richtung Osten, in der Ferne die für sich stehenden Bergkomplexe in Schweden.

Als wir die Koffer hatten, ging es an einem Schnüffelhund des Zolls vorbei zum Ausgang. Nil wurde kurz ins Separet gebeten, weil dem Hund offenbar die Bonbons in seiner Tasche gefallen hatte. Wären es Haschkekse gewesen, wäre Nil sicher nicht so schnell wieder rausgekommen...

Von Budget erhielten wir einen VW Golf, leider ohne Tempomat. Das ist bei den langen Strecken und drastischen Vmax Begrenzungen hier oben ziemlich schade. Vor Skatval warteten wir in den letzten klaren Sonnenstrahlen auf einen möglichen Zug, aber daraus wurde bis zum Untergang des großen Beleuchters nichts mehr. Die Luft war allerdings phantastisch, wenn auch sehr kalt. Schnee lag hier auf Meereshöhe nicht ganz so viel.

Wir befinden uns nun auf dem südlichsten Abschnitt der norwegischen Nordlandsbahn. Bekannt sind aus anderen Reiseberichten ja schon die Abschnitte nördlich Mo i Rana übers Saltfjell und am Saltfjord entlang nach Bodø. Dort fahren die wenigen Züge dieser Strecke tagsüber zu günstigen Zeiten. Problematisch zu fotografieren ist nun der mittlere Teil zwischen Mosjøen und Steinkjer. Auf dem Abschnitt fahren nachmittags praktisch gar keine Züge. Das setzt sich im Prinzip auch südlich Steinkjer fort, doch kommt zwischen Steinkjer und Trondheim ein dichter Takt mit den Nahverkehrstriebwagen der Trønderbahn hinzu. So hat man hier dann doch noch genug zu tun. An diesen südlichen Teilen der Nordlandsbahn war man bisher schon häufig auf dem Weg gen Norden oder zurück vorbeigekommen, hatte aber meist nur im Vorüberfahren mal ein Bild gemacht. Landschaftlich braucht sich dieser Abschnitt, der immer wieder Ausläufer des Trondheimsfjordes berührt und dazwischen kleine Höhenzüge quert, aber nicht zu verstecken. Ein Ziel dieses Urlaubs war, uns diesem Abschnitt nun mal genauer zu widmen. Aufgrund der Flughafennähe boten sich dafür Anfang und Ende des Urlaubs an und der Wetterbericht unterstützte dies.

Nun in Stjørdal noch Geld abgehoben und alles für ein Pølsebrød Essen eingekauft, dann ging es die E6 hoch nach Åsen, wo wir über booking.com eine Hütte auf dem Gullberget Camping gebucht hatten. Dort hatte ich früher auch schon mal genächtigt. Leider bekamen wir die Hütte nur sehr langsam warm, aber mit Jeans und Rollkragenpullover ließ es sich aushalten.

Sonntag, 10.03.2013

In der Hütte wurde es im Laufe der Nacht richtig warm. Trotzdem oder gerade deshalb tief und fest geschlafen. Die Decken wanderten bald auf die Seite.

Morgens bei strahlend blauem Himmel aufgewacht und in Ruhe ein Käffchen gekocht. Von der See her zog eine Hochnebelfront auf, die bei der Abfahrt allerdings schon wieder der Sonne Platz gemacht hatte. Unser Plan war nun allerdings, für den Dagtog irgendwo bei Levanger ein schönes Motiv aufzusuchen. Konkret wussten wir dort zwar nichts, aber auf zahlreichen Vorbeifahrten im Auto und auch per Bahn hatte ich im Hinterkopf, dass da was gehen müsste. Nun war es allerdings so, dass bei Aufbruch in die Richtung da oben der Hochnebel fett als geschlossene Decke vor uns hing. Also in die Gegenrichtung umdisponiert. In der Schleife zwischen Skatval und Langstein lag bei den schönsten Punkten zwar noch der Bergschatten über dem Gleis, aber wir fanden immerhin ein hübsches Weitblick Motiv. Als wir dort aus dem Auto stiegen, war das Grummeln der Di4 schon deutlichst zu hören...

Der Tageszug in den Ländereien zwischen Skatval und Langstein.

Immerhin, für ein ungeplantes Motiv hatte das gut geklappt. Mit dem Schnee sah das schon klasse aus. Und dass der Zug keinen Finkevogn (Generatorwagen) hatte, wie man es seit Umstellung auf die modernisierten und klimatisierten B5 Wagen immer wieder auf Bildern sah, war fürs Erscheinungsbild gewiss kein Nachteil. Einen VT nahmen wir noch mit hübschem, gerade frisch entschatteten Fjordblick, dann beschlossen wir, doch mal nordwärts nach Motiven zu schauen.

Die Trønderbahn mit Trondheimsfjord im Hintergrund.

Dort lockerten die Wolken auch immer mehr auf. Im Bereich Skogn / Levanger verdaddelten wir dann leider viel Zeit mit Rumschauen. Als wir für den nordfahrenden Gz einen tollen Ausblick am westlichen Ortsrand von Levanger fanden, dabei aber merkten, dass paar Büsche zu viel am Bahndamm standen, war keine Zeit mehr für einen Wechsel. In der Ferne trötete es schon.

Cargonet extrem pünktlich: Ein Nordfahrer kurz vor Levanger. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es mit dieser Firma noch sehr sehr mühsam werden würde...

Nun schauten wir aber doch nochmal hinter Levanger. Dort entdeckten wir natürlich das Hauptmotiv für den Güterzug. Nun ja, kann man machen nix. Immerhin blieb uns ein Zugpaar der Trønderbahn. Für den Südfahrer fanden wir einen eindrucksvollen Ausblick mit der Schwerindustrie von Verdal im Hintergrund. Dort wurde gerade eine Bohrinsel zusammengesetzt. Den Gegenzug gab es von der Brücke, die man für den Güterzug hätte nutzen sollen.

Hinter Levanger geht es über einen Hügelrücken, dann kommt die Bucht von Verdal mit der Bohrinselwerft in Sicht.

Ein Stück vorher gehts am Hof Seterhaug vorüber.

Anschließend stellten wir uns noch bischen für den Cargolink Autozug südwärts, doch der hätte schon weit vor Plan kommen müssen, um uns ins Konzept zu passen. Da man sonst für den Rest des Tages nur noch VTs gehabt hätte, sah unsere Planung nun vor, uns 'in den Bergen' um den Wintersportverkehr ab Åre zu kümmern. Dort schien heute die große Abreisewelle erwartet zu werden. Zwischen 13 und 16 Uhr war die Abfahrt von sechs Zügen zu erwarten. Außerhalb der Saison wäre nur ein Nahverkehrstriebwagen gefahren. Einziges Manko dort: Es gibt nur wenige Stellen, an denen die Bahn ins Licht kurvt. Wir wollten unser Glück einfach mal probieren.

Åre liegt in Jämtland und ist der bedeutendste Wintersportort Schwedens. Hier werden Meisterschaften von Weltrang abgehalten. Bahnmäßig ist Åre an die Storlienbahn angeschlossen, die von den großen Nordsüdachsen im Osten des Landes westwärts über die Länshauptstadt Östersund und Åre zum Grenzbahnhof Storlien führt. Die Fortsetzung ist ab Storlien die nicht elektrifizierte Meråkerbahn durch Norwegen nach Trondheim. Ganzjähriges Grundangebot der Strecke sind zwei Paare Östersund - Trondheim mit norwegischen Bm92 Dieseltriebwagen und ein Nachtzug Göteborg - Stockholm - Östersund - Storlien. Ganz neu kommen drei Norrtåg Nahverkehrszüge bis Duved hinzu. Der kleine Wintersportort Duved liegt gleich hinter Åre und ist quasi der Abstellbahnhof für den großen Wintersportort. Je nach Saison kommen weitere Züge hinzu, wobei das Gros in Duved endet, obwohl rund um Storlien auch noch große Wintersportgebiete liegen.

Bereits in Schweden. Die Eisdecke der Straße ist besser zu befahren als erwartet.

Die Fahrt ab Verdal durch die Gebirgseinsamkeit war faszinierend. Die Straße auf dieser Nebenverbindung war trotz Eisdecke für unseren Spikes losen Golf gut befahrbar. Pünktlich gegen 1 trafen wir in Åre ein. Wir hatten hier high life erwartet und vor allem Massen von Abreisenden. Wenn schon so viele Züge fahren, müsste auf der Straße ja entsprechend viel Verkehr sein. Aber eigentlich war davon überhaupt nichts zu spüren. Tja, motivmäßig war es dann tatsächlich nicht so einfach, aber der Mount Åre (Åreskutan, 1420m) bildete für die ersten Fahrten, natürlich alle mit schwarzer Rc, einen markanten Hintergrund. Am besten gefiel uns noch eine Stelle bei Såå, wo man von der Straße zu einem kleinen BÜ auf Scooterspuren laufen konnte. Am Motiv ebnete mir Nil mit seinen Schneeschuhen ein wenig den Standpunkt.

Einer der zusätzlichen Züge im Wintersportverkehr mit alten Liegewagen. Im Hintergrund ragt der Åreskutan auf.

Der Norrtåg tauchte leider nicht mit dem erwarteten X60 auf, sondern als Reginchen. Es war die Rennregina, die vor paar Jahren den Vorläuferverkehr auf der noch nicht voll verfügbaren Bottniabahn bestritten hatte.

Norrtåg fährt neuerdings auch drei zusätzliche Zugpaare auf der Storlienbahn.

Kurz vor Undersåker fanden wir den letzten Blick mit dem Berg im Hintergrund. Schöner erwies sich allerdings der Blick in die Gegenrichtung für den bald anstehenden IC. Dabei standen wir an der Scheune eines Bauernhofes, der zunächst unbemannt schien. Später fuhr ein Auto auf den Hof und man schaute lang und ausgiebig in unsere Richtung. Na ja, das Auto fuhr weiter, doch lange brauchten wir nicht zu warten, bis vom Wohnhaus ein 'Hej dere!' zu uns rübergebrüllt wurde. Auf unsere Antwort folgte die Frage 'fotografiert Ihr Züge' (aah, man kennt dieses Hobby!) und auf unsere Bestätigung ein 'macht das!'.

Der nächste Wintersport-Extrazug mit alten Liegewagen. Der Åreskutan rückt allmählich in größere Ferne.

Der IC stellte uns lange auf die Probe. Lt Auskunft mit +11 in Undersåker angekommen, ließ man ihn dort 20 Min auf das pünktlich entgegenkommende Norrtåg Reginchen warten. Wahrscheinlich hat DB Regio (steckt partiell hinter Norrtåg) der Betriebsleitung klar gemacht, dass verspätete Züge halt auf pünktliche warten müssen, IC hin oder her. Der IC kam dann trotz schwarzer Garnitur sehr schön.

Der Intercity nach Åre hat Undersåker verlassen.

Danach suchten wir weiter südostwärts. Hinter Järpen würde nochmal ein Stück kommen, wo die Bahn weiter südwärts rein kurvt. So war es dann auch. Ein kleiner Feldweg BÜ schien ein geeigneter Standpunkt zu sein. Irgendwie fand ich es hier aber doch arg motivlos. Ob weiter südostwärts noch brauchbare Alternativen kämen, wussten wir nicht. Für den nun als zweites anstehenden Veolia Zug wollten wir auch nicht zuuu weit voraus fahren, da mit jedem km die Sonne tiefer stehen würde. So blieben wir also hier am an sich wunderbaren Ufer des "Liten", eines Sees. Den erst kommenden IC weitwinkelte ich etwas und den Veolia Zug nahm ich etwas 'verspielt' vom See aus mit einer Sauna im Vordergrund auf. Na ja...

Nach kurzer Wende kommt dieselbe IC-Garnitur wieder zurück - hier südöstlich Järpen.

Blick vom Ufer auf den See Liten.

Blick vom Liten auf den Liten. Schnee wird über das Eis geblasen.

Blick vom Liten auf das Ufer mit einer kleinen Strandsauna und dem Veolia-Wintersportzug.

Nun stand die Sonne schon mächtig tief und wir freundeten uns schon mit dem Gedanken an, dass man gemütlich in die Schlussetappe nach Östersund gehen könnte. Als wir bei Mattmar die Bahn an einer vermeintlich unfotografierbaren Stelle querten, sahen wir ein Stück weiter allerdings eine noch vom prallen Abendlicht ausgeleuchtete Stelle. Also gedreht und hin da! Als unsere dritte Punktlandung des Tages gelang hier ein Bild vom norwegischen Bm92.

Zwischen all den Wintersportzügen muss auch Platz sein für die ganzjährige Triebwagenleistung nach Trondheim. Der kleine Norweger war total überfüllt.

Dachten wir jetzt, dass es das nun gewesen sei, hatten wir uns schon wieder geirrt! Den Bahnhof Trångsviken erreichten nämlich noch einige letzte Sonnenstrahlen, die wir für den sogleich anstehenden Nachtzug nach Malmö verwendeten. Leider stand das Licht so waagerecht, dass ein hübsches Bahnwärterhaus vom Zug arg eingeschattet wurde.

Im letzten Lichtschimmer rollt der Nachtzug nach Malmö in den Bahnhof Trångsviken ein.

Dachten wir jetzt 'das wars', so sollten wir recht behalten. Kurz nach 6 trafen wir im per Internet vorausgebuchten Hotel Älgen zu Östersund ein. Ein einfacher 70er Jahre Schuppen in Bahnhofsnähe, aber für 28 Euro pro Person vollkommen in Ordnung. Zum Essen ging es in die altbekannte Dönerbude, die ich allerdings besser in Erinnerung hatte. Diese Fleischmasse im doppelten Sinn war schon etwas eklig. Anschließend kontrollierten wir am Bahnhof noch den verspäteten IC von Stockholm nach Duved. Wahre Menschenmassen ergossen sich aus den sieben Wagen, aber der Zug fuhr immer noch gut besetzt weiter. Und im Bahnhof stand der Zug, auf den wir vorhin gehofft hatten: Ein Norrtåg X62. Die Dinger sehen ganz gefällig aus. Und so entstand heute doch noch ein Foto!

Montag, 11.03.2013

Auch im Hotel konnte ich hervorragend schlafen. Für heute war nirgends brauchbares Wetter angekündigt. Uns zog es ohnehin nach Norwegen zurück. Irgendwie hatten die schwarzen Züge nicht gerade die Lust auf mehr Schweden verstärkt. Wobei das natürlich Quatsch ist, denn auf anderen Strecken zeigt sich Schweden ja von einer hochinteressanten und abwechslungsreichen Seite. Man muss halt nicht so bald wieder an die Storlienbahn, wobei ich den gestrigen Skiverkehr schon mal ganz interessant fand. In Jahr 1994 konnte ich sowas schonmal weiter oben im Gebirge miterleben, doch heute enden und beginnen leider die meisten Züge in Duved, also noch vor der Gebirgshochfläche.

Genug sinniert. Erstmal gab es das Hotelfrühstück, welches schon ab 6.30 dargereicht wird. Das Buffet war absolut abwechslungsreich. Damit insgesamt Daumen hoch für Hotel Älgen, das durch die Bahnhofsnähe auch für Zugreisende interessant ist.

Nun hatten wir trotz Nichtwetters noch einen Punkt in Schweden auf der Liste. Dieser Punkt gehört auch noch zum Thema Skiverkehr nach Jämtland: Der neue Nachtzug der Inlandsbahn. Dieser verkehrt in der Wintersaison einmal die Woche von Östersund nach Malmö und zurück, und zwar zur Erschließung der Skiregion Vemdalen über die südliche Inlandsbahn. Den wollten wir uns zumindest mal anschauen. Beim Aufbruch zeigte sich allerdings auch ein beträchtlicher Anteil an blauem Himmel, der ja schon wieder Hoffnung machte. Zwar fuhren wir geradewegs in ein dickes Wolkenfeld hinein, doch auf Höhe Fåker kamen wir darunter hervor. Es verpieselte sich dann auch bald. Erstmal stand nun noch der tägliche Plantriebwagen südwärts an, der in Svenstavik mit dem Nachtzug kreuzt. Den nahmen wir von einem Rodelhügel nördlich des Bf Fåker.

Dem schwedischen Forum Postvogn zufolge gab es nur einen Fahrgast in diesem Zug, einen Eisenbahnfreund.

Für den NZ wollten wir etwas ostwärts schauen, kamen aber nicht weit, weil wir bald einen Topp Ausblick von einem Höhenzug auf die Ebene des Storsjön hatten, und zwar mit der Bahn davor. Dorthin war es von der Straße zwar ein Stück zu gehen, aber die Schneedecke war gut begehbar. Der Ausblick war klasse. Spannend wurde es nun wieder am Himmel, wo sich mehr und mehr Wolkenflusen und -felder zeigten. Und bis zum Zug war noch so lange Zeit... Die Flusen hatten sich allerdings bald wieder aufgelöst. Noch zehn Minuten bis zur planmäßigen Durchfahrt. Dann die Durchfahrzeit. Keine Wolkengefahr. Aber auch kein Zug. Zahlreiche Gedanken über größere Verspätung oder gar Ausfall wurden laut. Das erwies sich jedoch als unnötig. Mit etwa plus 8 bummelte ein creme-rotes Zugband weiter hinten durch die Bäume. Yippieh! Und es hing sogar die schmucke, farblich passende MZ vorm Zug. Das gefiel!

Seit Jahrzehnten gibt es in Schweden keinen Diesellok bespannten Personenverkehr mehr. Insofern stellt dieser Inlandsbanan-Nachtzug ein ziemliches Novum dar. Die Frage ist höchstens, inwieweit man einen nur einmal wöchentlich und nur in der Wintersaison verkehrenden Zug als wirklichen "Planzug" akzeptieren will... IBAB-NZ nördlich Fåker.

Gut gelaunt ging es durch den Schnee zum Auto zurück. Der Plan war nun, entlang der Storlienbahn nach Norwegen zurück zu fahren. Bei Brunflo hatten wir zwar nicht entsprechend unserer Erwartung den NZ eingeholt, dafür entdeckte Nil vor der Einfahrt von der Hauptstrecke die Lichter einer Lok. Wir brachten uns im Bf in Position und bekamen im Streiflicht unsere zweite MZ des Tages vor die Linse, allerdings hinter einer Railpool Traxx. Das war der Kalkleerzug nach Verdal, äußerst pünktlich übrigens! Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass uns dieser Zug paar Tage später noch gut beschäftigen sollte.

In Brunflo begegnet uns der Kalkzug nach Verdal. Wir sollten ihm im Laufe des Urlaubs nochmal begegnen...

Da wir uns bei der Weiterfahrt nach Östersund bald massiver Bewölkung gegenüber sahen, stoppten wir bei Optand für einen IC und einen Norrtåg. Letzterer kam sogar als X62, aber ohne Licht, der IC kam erstmal gar nicht. Dafür fing es an zu schneien.

Die X62 sind ein Beispiel, weshalb es doch noch Sinn macht, in Schweden Züge zu fotografieren. Von dem formschönen und farblich ansprechend lackierten Norrtåg Coradia Nordic darf daher ein Belegbild nicht fehlen.

Irgendwann hatten wir keine Lust mehr auf den IC, der selbst mit den gemeldeten +45 und auch mit +55 nicht kam. Also ab auf die Straße gen Westen. Der Verkehr war nicht besonders stark und so hatten wir ein angenehmes Fahren. Immer wieder gingen Schneefälle runter, gelegentlich zeigte sich ein vereinzelter Sonnenstrahl. Der Güterzug sollte Östersund kurz vor uns verlassen haben und wir schauten nach ihm, wenn die Strecke in Sichtweite rückte. Er war aber nicht zu sehen und sollte gemäß Bildblatt sogar Boden gut machen. In Trångsviken sollten wir ihn planmäßig wegen Kreuzungsaufenthalt eingeholt haben. Doch dass die Kreuzung nicht stattfinden würde, hatten wir vorhin schon am Anzeiger in Brunflo gelesen. Der kreuzende Norrtåg kam uns dafür kurz darauf auf der E14 entgegen: Ein Bus mit handgeschriebenem Zettel 'TÅG' im Frontfenster...

Vom Güterzug weiterhin keine Spur. Wir hofften auf seinen Aufenthalt in Storlien. Hier musste die Ellok ab und lt norwegischem Bildblatt sollte es erst nach anderthalb Stunden weitergehen. Hinter Duved, wo wir eine Runde zum absolut zugfreien Bahnhof drehten, wurde die Fahrbahn der E14 immer eisiger. Unser Golf zeigte aber hervorragende Bodenhaftung. Er ließ sich überhaupt sehr gut fahren, war nicht ganz schwach und hatte einen ganz kleinen Wendeplatz; man kam aus jeder Bushaltebucht ohne "Sägen" in die Gegenrichtung raus. Der fehlende Tempomat blieb somit der einzige Minuspunkt.

Es ging nun über die Hochfläche, die so herrliche Ausblicke auf die Berge bietet, wenn nicht gerade wie heute Schneegestöber herrscht. Es ging durch Ånn. Erinnerungen an einen Abend bei Selbstgebranntem in der Dienstwohnung des pensionierten Stationsvorstehers, Sightseeing mit dem amtierenden Fdl während langer Zugpausen in die Umgebung und an meine bisher einzigen Schritte auf Skiern werden wach, aber das gehört in den Reisebericht des Jahres 1994...

Wir erreichten den Bf Storlien. Ein abgestellter NZ-Park für heute Abend, zwei lange Reihen abgestellter und ausgemusteter OBAS Wagen, sonst nichts. Kein Güterzug, nichtmal die Ellok des Güterzuges. Im Schnee auf den Gleisen keine frischen Spuren. Wir mussten den Gz überholt haben, oder er war wegen des stark verspäteten ICs gar nicht vor uns losgefahren.

Wir hatten keine Lust zu warten. Bis zum nächsten Etappenziel Dombås war es noch ein ganzes Stück und es war mittlerweile rund 14 Uhr. Tomtom warf als Ankunft Dombås 19 Uhr aus. Unterkunft hatten wir noch nicht. Beim Stamm-Hüttenplatz Faksfall Camping ging niemand ans Telefon. Also weiter durch das Schneegestöber. Auf der Westseite des Gebirges war es ziemlich warm, das Autothermometer zeigte nur knapp unter Null und die Straße war absolut freigetaut.

Pinkelpause im Schneegestöber irgendwo unterhalb Meråker.

Durch Trondheim ging es etwas zäh, da die Umgehungsstraße ausgebaut wird. Nach Ende des Trondheimer Speckgürtels wurde die Straße allerdings schnell wieder leerer. Nachdem Nil hinter Støren nochmal mehrere Autos auf einem Überholabschnitt hinter sich lassen konnte, hatten wir praktisch niemanden mehr vor uns. Mit Tankstopp in Oppdal ging es in der Dämmerung über das verschneite Dovrefjell. Eine in der Dämmerung hell leuchtende Schneelandschaft. Ach ja, unsere Rechnung, dass der Sprit mit zunehmender Entfernung von der Küste immer teurer würde, ging gewaltig daneben. In Dombås waren die Tanken rund 1-2 NOK günstiger als zwischen Oppdal und Trondheim.

Wir steuerten Faksfall Camping an, wo im Haupthaus auch durchaus Licht brannte. Doch die Klingel an der Rezeption war demontiert. Ein Herr sah uns von oben durchs Fenster und kam runter. Er erklärte, dass der Platz geschlossen und nicht von Schnee geräumt sei. Na gut, also ein Stück weiter bei Bjørkhol Camping reingefahren, wo auch jemand auf unser Klingeln hin kam und uns eine schöne Hütte für 600 NOK die Nacht aufschloss. Wir machten gleich drei Nächte klar. Nach einem Einkauf in Dombås gab es, quasi als Ausgleich zu den Vorabenden, Lachs mit Tomaten und Eisbergsalat. Natürlich hatten wir wieder viel zu viel...

Dienstag, 12.03.2013

Dombås hat sich in all den Jahren als günstiger Ausgangspunkt für die gesamte Dovrefjellregion erwiesen. Es gibt hier mehrere größere Hüttenplätze mit guten Hütten (mit Du/WC), die preislich erträglich sind - dafür sorgt vermutlich die Konkurrenz. In Dombås zweigt von der elektrifizierten Dovrebahn Oslo - Trondheim (drei Schnellzugpaare, eines davon, der "Rote", lokbespannt, dazu ein Nachtzug- und mehrere Güterzugpaare) die Raumabahn nach Åndalsnes ab, eine Dieselstrecke mit vier Talent-Verbindungen je Richtung und einem Güterzugpaar.

Ein Hauptziel hier von Dombås aus war für uns der Raumabahn Güterzug, der jetzt morgens zu einer fotofreundlichen Zeit nach Dombås hochkommt. Also um 7.45 aufgebrochen. Wir wollten ihm bis zur Stuguflåtenbru entgegenfahren. Hatte es morgens erst noch geschneit, so klarte es im Laufe des Frühstücks immer mehr auf und wir waren frohen Mutes. Allerdings gurkten wir dann doch unter meist bewölktem Himmel hinter Lesja so richtig in die Schneewolken hinein. Vor Lesjaverk nahmen wir den vorausfahrenden Talent mit gewaltiger Schneewolke aber natürlich ohne Sonne.

Talent mit Schweif...

An der Stuguflåtenbru hinter Bjorli standen wir im Schneegestöber und hörten von ganz unten im Tal schon den kräftig arbeitenden Lokmotor. Die Euro4000 kann also auch laut! Da aber keine Aussicht auf Sonne war, drehten wir um und fuhren wieder zurück. Dabei hatten wir noch so viel Vorsprung, dass wir bei Erreichen etwaiger Sonnenabschnitte nach einer Fotostelle schauen konnten. Dieser Fall trat östlich Lesja ein. Bekanntermaßen ist das hier mit den Stellen so eine Sache, da die Bahn weit oberhalb in den Hängen langführt. Die erstbeste aufwärts führende Piste nahmen wir. Das ganze war motivlos und spitzlichtig und der Zug kam eh ohne Sonne...

Nun begann eine blöde Rumdödelei. Eben diese bestens bekannte Suche nach den letzten Wolkenlöchern, die ich mir eigentlich abgewöhnen wollte. Auf dem Fjell fuhr man in die fetten Schneewolken rein, unten bei Dovre brach eine Sonnenfläche gerade wieder zusammen. Resultat des ganzen war immerhin der Rote an einem Hilfsmotiv im Bf Dovre.

Irgendein kleiner Sonnenspot verirrt sich immerhin auf den Roten bei der Durchfahrt durch den Bf Dovre.

Danach erstmal demotiviert in die Hütte gefahren, wo es ein zweites Frühstück gab. Selbstredend saßen wir dort die ganze Zeit in der prallen Sonne. Lange hielten wir das natürlich nicht aus. Wir beschlossen, dem nächsten südfahrenden Güterzug in Richtung Fjell entgegen zu fahren. Hinter Dombås führte die Straße allerdings geradewegs in die Schneewolken hinein. Bei Valasjön betrug die Sicht z.T. keine 100m. Wir beschlossen, trotzdem weiterzufahren. Das erwies sich als richtig, denn hinter Hjerkinn entließen uns die Wolken in eine wunderschöne, sonnenbeschienene Schneebergwelt. Gelegentlich ging zwar auch hier mal ein Schneeschauer runter und der extreme Wind war natürlich eisig, aber es wurde zunehmend sonniger. Was nun allerdings nicht kam war die erwartete Eisenbahn.

Da wir ab ca 20 Min vor planmäßiger Durchfahrt ständig Streckensicht hatten, gingen wir erstmal von Verspätung aus und topften uns nochmal um, als das Licht an der ersten Stelle zu spitz wurde. Doch das nutzte alles nichts, der Zug kam einfach nicht. Planmäßig stand nun eine längere Zugpause an. Suuuper gelaufen! Als das Licht gar nicht mehr stimmte, schauten wir zunächst in Hjerkinn rum und fuhren dann zum Vålåsjøn weiter. Dort konnte man in einer Stunde einen Güterzug im Streiflicht bekommen. Theoretisch jedenfalls. Praktisch spendeten jedoch einige stationäre Wolken permanenten Schatten. Man wartete da allerdings sehr schön am Seeufer auf einer kleinen Halbinsel, zu der ein Hüttenbesitzer freundlicherweise die Zufahrt von Schnee freigebaggert hatte. Heute waren die Hütten auf der Halbinsel allerdings unbemannt. Plötzlich ging alles sehr schnell! Eine halbe Stunde vor Plan tauchte der Güterzug auf. Und ich hatte weder die Kamera griffbereit noch das richtige Objektiv drauf. Schön blöd! Also schnell auf den Schnee Abraumhügel hoch und mit viel zu wenig Brennweite den Zug verarztet. Von dem Bild wird nur ein kleiner Ausschnitt zum Vorzeigen geeignet sein.

Wilde Wetterwechsel bei Vålåsjøn an "Dovregubbens Hall", angelehnt an die "Halle des Bergkönigs" von Edvard Grieg: Youtube (Vorsicht, unklassische Version!).

Wenn dieser Zug so stark vor Plan verkehren konnte, wird der von uns heute Mittag vermisste Zug das vielleicht auch gekonnt haben. So viel Verfrühung ist zumindest unter der Woche nicht typisch für Norwegen. Nach einigen Stimmungsbildern - es gingen wieder mal heftige Schneeschauer runter - und Erkundung des neuen Ausweichbahnhofs Vålåsjøn, dessen ESTW Modul äußerlich einem typisch einheimischen Holzhaus angepasst war, beschlossen wir, auch den bald entgegen kommenden Bm73 am Vålåsjøn aufzunehmen. Nil wollte ihn von vorn nehmen, ich wollte gern dieselbe Perspektive wie eben nochmal probieren. Außerdem leuchtet der Blaue bei so spitzem Lichtstand nur noch im Streiflicht.

Der Blaue mit Schweif am Vålåsjøn.

Erst überlegten wir, ob wir nicht nach Dombås runter fahren sollten. Doch die zunehmend klare Stimmung über dem Fjell mit einigen tiefen Wolken bei Dombås ließ uns erstmal paar Landschaftsbilder im Gegenlicht machen.

Gegenlichtstimmung an der Fokstumyra I...

... und II.

Danach meinten wir zu glauben, dass es für das Streiflichtmotiv am Vålåsjøn noch eine Chance für einen Vorschuss geben könnte. Ein Güterzug sollte dort unmittelbar nach Sonnenuntergang nordwärts vorüber kommen. Wenn der auch so früh käme wie die anderen Gz heute, könnte man das hinbekommen. So stellten wir uns wieder auf der schönen Halbinsel an das Seeufer. Die Stimmung mit dem klaren Abendlicht war wunderbar. 2008 hatten wir hier mal den Güterzug golden glänzend hinbekommen. Damals waren allerdings kaum Containerstellplätze belegt gewesen. Mit paar einzelnen verstreuten Containern hatte einfach die 'Geschlossenheit' des Zugverbandes gefehlt. Nun, das Problem stellte sich heute nicht, denn der Güterzug kam nicht vor Plan und auch nicht nach Plan - wir bekamen ihn schlichtweg nicht zu sehen. Es war zum Schluss sehr kalt geworden, so dass wir nach Weggang des Lichtes von der Strecke kurz vor Planzeit ins Auto stiegen. Aber auch von der Straße war kein Güterzug zu sehen gewesen. Wir freuten uns nur noch auf unser indisches Reisgericht in der Hütte, dessen Zutaten wir aus dem Coop besorgten. In Björkhol wartete eine herrlich warme Hütte auf uns! Nach dem kalten Wind heute war ich ganz schön müde. Nach dem Abendessen drehte ich noch ne Verdauungsrunde über den Hüttenplatz, dessen einzige Gäste wir offenbar waren. Ein glasklarer, wunderbarer Sternenhimmel lag über mir. Man konnte sich gar nicht satt sehen.

Mittwoch, 13.03.2013

Der Tag begann mit einem restlos klaren Himmel. Da konnte man nochmal den langen Abstecher nach Bjorli wagen. Diesmal wollten wir auch den Talent schon hinter Bjorli haben, so dass wir bereits 7.15 Uhr aufbrachen. An der Ausfahrt des Campingplatzes mussten wir allerdings zwei LKWs vorlassen. Wir sollten sie bis Bjorli vor uns behalten. Sie fuhren an sich sehr zügig, gerade in den anfänglichen Siedlungen, so dass ich erst gar nicht überholen wollte. Doch wenn die beiden auf einen langsameren PKW aufliefen, hieß es halt 'langsam machen'. Unterm Strich waren wir letztendlich paar Minuten zu knapp dran, als dass wir den VT auf der Stuguflåtenbru sicher gehabt hätten. So warteten wir lieber mal an einem BÜ östlich Bjorli, wo der VT dann auch vortrefflich im Morgenlicht klappte. Die Kälte war allerdings trotz Trockenheit durchdringend. Das Autothermometer zeigte -25 Grad an!

Der erste Talent von Åndalsnes wirbelt wie immer massig Schnee auf.

Nun hatten wir auf den Güterzug noch gut Zeit, so dass wir sogar bis Verma hinunterschauten, ob denn die Kylling bru schon Sonne abbekäme. Sie bekam, super! Der Zug muss von hier bis zur Stuguflåtenbru noch durch die Kehre, so dass man ihn da oben ohnehin nochmal bekommen würde. Tja - alles war gut, Wetter topp, unsere Stimmung war hervorragend, denn es konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Wirklich nichts? Gefühle von Ernüchterung bis Wut machten sich breit, als der Zug auftauchte. Gleich hinter der Lok herrschte Leere. Vor den ersten beladenen Wagen waren zwei leere Tragwagen eingereiht. Der Zug wirkt so vollkommen auseinandergerissen. Das sieht ziemlich besch... aus.

Der Güterzug auf der Kylling bru. Nein, das heißt nicht "Hähnchenbrücke". Benannt ist die Brücke nach der Hofsiedlung "Kylling" oberhalb der Brücke.

Ich war fix und fertig. Das mag für viele Leser nicht nachvollziehbar sein. Aber ich versuche schon seit Jahren, die spektakuläreren Motive an der Raumabahn mal (wieder) vollwertig umzusetzen. Bei etwa einem halben Dutzend Aufenthalte in Dombås oder der Dovrefjellregion ließ das Wetter keine Möglichkeit zu. Jetzt stimmte mal das Wetter, der Güterzug fährt sogar zur passenden Zeit, und dann so ein Mist. Wieder musste man von hier wegfahren, ohne ein vollwertiges Bild hinbekommen zu haben. Hätten wir doch wenigstens den Triebwagen auf der Stuguflåtenbru, dem eigentlichen Hauptmotiv, umsetzen können. Von dieser Brücke habe ich sonst noch keine Winterbilder gesehen. Insofern bitte ich um Verständnis, dass ich eine Scheißlaune hatte und dies hier auch unverblümt berichte.

Ein wenig beruhigte ich mich damit, dass man die Lücke im Zug durch elektronische Bildbearbeitung füllen könnte. Deshalb hielt ich mit der Kamera bei der Überfahrt über die Stuguflåtenbru auch ordentlich auf die Containerkette. Aber ich hatte keine Ahnung, ob ich das hinbekommen würde. Mit derlei Basteleien bin ich einfach zu unerfahren. Und eigentlich fotografiere ich auch lieber meine Fotos als das ich sie mir bastel.

Im Nachhinein bin ich mit meiner Bastelei ganz zufrieden. Dennoch - als "vollwertig" werde ich das Bild sicher nie akzeptieren können. Cargonet auf der Stuguflåtenbru.

Da der Güterzug in Bjorli kurz anhielt, bekamen wir noch ein drittes, jetzt zum Glück sehr frontales Bild hin.

Und nochmal mit der hier nicht so auffälligen Containerlücke östlich Bjorli.

Da nun auch auf der Dovrebahn paar interessante Fahrten anstanden, sahen wir zu, dass wir zügig nach Dombås zurück und aufs Fjell gelangten. Der Himmel war weiterhin wolkenlos und tiefblau. Eigentlich hätte man jetzt richtig gut gelaunt sein sollen. Wir hatten eigentlich bei Kongsvoll am Nordende der Gebirgshochfläche noch paar Motive offen. Doch das konnten wir für die nun folgenden zwei Südfahrer nicht schaffen. Deshalb überlegten wir was neues. Bereits vorn an auf der Hochfläche, wo die Bahn durch das Hochmoor Fokstumyra fährt, konnte man von der E6 nach rechts zu einigen Almhöfen abbiegen. Wir hofften, von dort den Hang weiter aufwärts zu kommen, um mal ein Bild von oben zu machen. Das Laufen über die Schneedecke klappte dann auch ganz gut, auch wenn man mal einbrach. Und der Ausblick war tatsächlich topp. Der Cargolink Zug und der rote Personenzug klappten hier einwandfrei. Schade war höchstens, dass nun schon zwei Jahre lang alte und neue Fahrleitungsmasten standen und noch immer die alten in Betrieb waren.

Blick von den Almwiesen von Domås Seter auf den Cargolink Zug.

Und der Rote kommt direkt hinterher.

Der Plan war nun, dem Zuggespann hinterher zu fahren. Denn der Rote sollte den Cargolink in Brennhaug überholen. Dahinter hätte man sich nochmal um den Cargolink kümmern können. Doch wie wir hier wieder zum Auto zurück wollten, gab es erstmal Lex Wildernes in Bestformhielt! Unten an der Straße, hier mitten in der Wildnis, hielt ein Reisebus an und spuckte eine riesige Jugendgruppe aus, die den Weg zu unserem geparkten Auto hochlief. Und kaum war der Bus weg, kam ein zweiter und spuckte noch mehr skibewaffnete Kinder aus. Die wuselten bald alle um unser Auto herum. Unfassbar! Letztendlich war allerdings nicht die Jugendgruppe schuld, dass unser Plan scheiterte. Wir trafen kurz hinterm Roten, der vor Dombås ja die große Schleife fahren musste, in Brennhaug ein. Aber da stand nichts im Bahnhof; der Cargolink war über alle Berge.

Lex Wilderness, das Gesetz der Wildnis: Du bist nie allein! Plötzlich wimmelte es auf der Alm von skiwütigen Schulkids.

Daher fuhren wir aufs Fjell zurück und bis Kongsvoll. Ein bald anstehender Güterzug müsste hier noch so gerade genug Seitenlicht bekommen. Erstmal kam noch der Blaue, der Bm73, von oben. Doch vom Güterzug, der gestern ja so weit vor Plan gekommen war, dass wir ihn gar nicht gesehen hatten, fehlte auch heute jede Spur. Und heute waren wir bereits 40 Min vorher in ständigem Sichtkontakt der Strecke gewesen.

Immerhin gelingt ein Nachschuss auf den Blauen bei Kongsvoll.

Wir siedelten um zu einer Strecke mit mehr Seitenlicht. Doch der Güterzug kam nicht. Ein Blick auf die Cargonet Website brachte Klarheit: Der Zug fuhr entgegen Bildfahrplan nur noch freitags! Selbiges galt für den Gegenzug, auf den wir gestern vergebens zu Tagesende am Vålåsjøn gewartet hatten. Irgendwann hatte Cargonet offenbar das Angebot massiv “an der Nachfrage orientiert”, sprich eingeschränkt, ohne dass der Bildfahrplan von Jernbaneverket angepasst worden wäre. Geil! An Mi-Fr sollte allerdings in einer guten Stunde der nächste Güterzug südwärts kommen. Für den suchten wir den Standpunkt am Militärlager Hjerkinn auf, einen der wenigen Standpunkte auf dem Fjell für nachmittags. Wie immer war dort keine Menschenseele zu sehen. Es stand sich schön in der Sonne. Der Ausblick auf die weiße Bergwelt war einzigartig. Allerdings hatte sich der Himmel nun zunehmend mit Schleierwolken zugezogen. Eine solche war selbstverständlich auch für den Güterzug zuständig, welcher ca mit -20 durchkam. Oh Mann, war das alles mühsam!

Deshalb gibt es eben an dieser Stelle einen Blick auf die sonnige Bergwelt.

Als nächstes sollte ein Nordfahrer kommen. Uns fiel nichts besseres ein, als den nochmal wie gestern am Vålåsjøn zu machen. Diesmal hatte ich auch das richtige Objektiv drauf und als Lok war eine leuchtende Railpool 185 eingesetzt. Auch wenn die Sonne schleierbedingt etwas getrübt war, so kam der Zug ganz schön.

Immerhin ganz vernünftig klappt dieser Cargonet Zug am Vålåsjøn.

Die Schleier verpieselten sich nun wieder. Als letzte Fahrt vor Sonnenuntergang sollte nun noch der südfahrende Blaue kommen. Da uns das Motiv vom Schießplatzlager in Hjerkinn gefallen hatte und im Winter wesentlich besser kam als zur schneelosen Zeit, wollten wir den Blauen dort nochmal probieren. Das Warten auf den Personenzug hatte den Vorteil, dass man bis kurz vor Planzeit im Auto sitzen bleiben konnte. Der Wind hatte wieder aufgefrischt und selbst zur Mittagszeit gab es kaum mehr als -15 Grad. Und der Mittag war längst vorüber. Ein Tine-Laster auf der parallelen E6 machte die ganze Sache hoch spannend, war aber glücklicherweise doch schon wieder ein gutes Stück weg, als der Zug am Auslösepunkt war. Somit gelang uns doch noch ein vollwertiges Bild mit dem tollen Panorama.

Blick von der Militärbasis Hjerkinn auf die Bahn. Im Hintergrund erhebt sich die Nystugguhøa (1757m).

Zurück in Dombås fotografierten wir den Talent im Bf, tranken dann zwecks Wettercheck einen Kakao in Frichs Cafeteria (mit WLAN), die jetzt auch abends auf hat (bis 22.30) und fuhren dann nochmal nach Fokstua hoch, wo wir den nordfahrenden Roten in der Dämmerung vor dem Abendhimmel aufnahmen. Das war's nun aber endgültig.

Der Talent nach Åndalsnes ist zur nächsten Fahrt bereit.

Der Rote fährt auf der Fokstumyra in der Dämmerung Trondheim entgegen. Hab' den Vordergrund etwas aufgehellt.

Mit Einkauf bei Coop landeten wir wieder in der Hütte. Nach dem Abendessen bezahlten wir schon mal. Das Wirtsehepaar wohnt tatsächlich in einem größeren Holzhaus mitten auf dem Platz. Wir klönten eine Weile und verabschiedeten uns dann herzlich.

Donnerstag, 14.03.2013

Wieder wachten wir bei klarem blauen Himmel auf. Nach dem Frühstück, dass ich wie immer alleine zu mir nahm (Nil frühstückt nicht), machten wir die Hütte klar und setzten uns in Bewegung. Hätte man heute vielleicht doch noch mal mit der Raumabahn starten sollen? Für den VT auf der Brücke waren wir allerdings eh zu spät, und unser Wunsch war heute, mit den drei Vormittagszügen auf der Dovrebahn weiter im Norden etwas zu machen. Bei der Durchfahrt durch Dombås waren weiter westlich Richtung Romsdalen dichte Wolken zu sehen. Womöglich wäre man dort eh nichts geworden, wie so oft.

Das Fjell war einfach nur blauweiß, wunderschön. Nur die Anzeige im Auto mit ‘-22°’ machte etwas nachdenklich. Wir hatten noch viel Zeit und fuhren bis Drivstua hinunter. Unser Problem war, dass innerhalb von einer Stunde drei Züge kommen sollten. Erst Cargonet, also die Gütersparte der Staatsbahn, dann Cargolink, und dann der Rote, also der El18 bespannte Personenzug von der NSB. Das war es dann aber für viele Stunden. Also hatte man nur sehr bedingt Chancen, zwischendurch ein neues Motiv zu wählen - schon gar nicht entgegen der Fahrtrichtung der Züge. Bei Drivstua war der Lichtstand schon zu spitz, so dass wir wieder hoch aufs Fjell fuhren. Dort war die weite weiße Winterwelt auch einfach am eindrucksvollsten.

Ich selbst wählte den Snøhettablick unmittelbar bei Hjerkinn. Nil wurde von mir auf Wunsch ein Stück vorher an der Straße abgesetzt. Dass die Snøhetta frei von Wolken ist, kommt nur äußerst selten vor. Deshalb musste die Chance genutzt werden. Der Sonnenstand war allerdings ein wenig kritisch; das Licht wurde spitzer und spitzer. Der Cargonet-Güterzug hätte gern vor Plan kommen dürfen. Tat er aber nicht. Er kam allerdings auch nicht zur Planzeit oder danach. Meine Güte, ging das schon wieder los? Aufgrund des Lichtstandes hätte ich nun an ein anderes Motiv an der Straße wechseln müssen, doch ich traute mich nicht weg. Irgendwann hatte ich es zwar ohne Abfrieren meiner Finger geschafft, dem Smartphone über die Cargonet Seite zu entlocken, dass für den gewünschten Zug die Entladezeit in Alnabru (Oslo) um anderthalb Stunden nach hinten verlegt wurde, aber mittlerweile hätte ja auch sofort Cargolink kommen können. Erst als statt dessen eine Schneefräse langsam aus dem Bahnhof Hjerkinn hinaus fuhr und ihrer Arbeit nachging, traute ich mich zu wechseln.

Da ist die Snøhetta mal nicht in Wolken gehüllt, da kommt auf der Schiene nur gelber Kleinkram vorbei. Immerhin ist der Kleinwagen mit seiner Schneefräse so kurz, dass man die Snøhetta per Tele schön nah ranholen kann.

Nil wollte noch an seinem Punkt bleiben. Ich suchte mal weiter. Zum Glück hatte ich mitbekommen, dass die Fräse wieder im Bf Hjerkinn verschwunden war, und verplemperte nicht zu viel Zeit. Ich parkte an einem Haus unmittelbar südlich der Fylkesgrenze und stapfte durch den Tiefschnee, um einen brauchbaren Standpunkt zu finden. Leider hatte ich den bloß noch nicht, als der Rote als erster Zug um die Ecke kam.

Der Rote hätte einen besseren Standpunkt verdient gehabt.

Nun schnell Taxi für Nil gespielt, der eine Anhöhe direkt an der Grenze besteigen wollte. Dann schnell wieder zu dem Haus zurück und eine optimalere Position aufgesucht. Beide Güterzüge konnten nun sofort kommen. Und so war es auch. Erst kam Cargonet mit El14 und dann Cargolink mit Railpool 185. Mir gefällt die Farbgebung mit dem roten Streifen und dem blauen Unternehmensbanner sehr gut.

Für den Cargolink hatte ich endlich einen schönen Standpunkt gefunden. Gut, dass drei Züge hintereinander kamen :-/

Tja, da hatte man nun drei Züge innerhalb von 20 Min, die man mehr oder weniger an derselben Stelle nehmen musste. Und nun würde südwärts für fünf Stunden Ruhe sein. Optimale Bedingungen zum fotografieren sehen anders aus! Wir traten die Fahrt nordwärts an. Wir wollten uns an den verbleibenen Tagen um die südliche Nordlandsbahn kümmern. Irgendwie hatten wir die Dovrebahn noch nie so schwach befahren erlebt wie dieses Mal. So stand uns die Lust nach einer Strecke, auf der zumindest ein stündlicher VT-Grundtakt besteht, wie es auf der Nordlandsbahn südlich Steinkjer der Fall ist. So ist man gerade Cargonet nicht ganz so auf Gedeih und Verderb ausgesetzt.

Bei Driva schauten wir uns oben am Hang noch ein Motiv an, das wir auch gern sofort mit Zug umgesetzt hätten, aber es kam ja nichts. Also weiter. Erst hinter Berkåk, als wir uns dem Ausweichbahnhof Garli näherten, rückte die Zeit näher, an der in Soknedal, dem nächsten Bahnhof, der nordgehende Blaue und ein südgehender Gz (der oben auf dem Fjell erst nach der langen Zuglücke nach 15 Uhr ist) begegnen sollten. Nun ist dieser Abschnitt der Dovrebahn relativ bewaldet, so dass nicht gerade an jeder Ecke ein Motiv “fotografier mich!” geschrien hätte. Aber noch vor Garli entdeckten wir eine schöne Stelle für den Nordfahrer. Für den Gz suchten wir weiter und fanden nur Ersatzlösungen. Na gut - das ging nicht anders. Den Blauen konnten wir dann auch wunderbar umsetzen.

Der Blaue hat Berkåk hinter sich gelassen und rollt talab in Richtung Støren.

Nil wollte nun mit Schneeschuhen ans andere Ende des Fotoabschnitts von eben gehen und ich fuhr mit Auto zu einer anderen Stelle nördlich Garli. Machen wir es kurz: Das, was in der Ferne immer wieder wie ein Zug klang, entpuppte sich immer wieder als LKW auf der nahen E6. Der Zug kam nicht. Nach einer Zeit habe ich den Cargonet-Fahrplan noch mal genauer angeschaut, und siehe da: Aus den Verkehrstagen Mi Do Fr war inzwischen Mi Fr geworden. Suuuuper! Damit waren donnerstags zwei Züge hintereinander gestrichen worden! Damit soll man mal rechnen. Nach den Bildblättern konnte man wirklich nicht mehr gehen. Das kannte ich bisher nur aus den norwegischen Sommerferien, wo der Verkehr bekanntlich deutlich ausgedünnt wird…

Ich sammelte Nil wieder ein und wir tätigten den großen Sprung nordwärts. Durch Trondheim kamen wir trotz der Großbaustellen zügig hindurch. Unser nächster Programmpunkt war etwas gewagt: An zwei Wochentagen, u.a. donnerstags, soll der TXL-Kalk-Containerzug aus Schweden die Meråkerbahn herunter kommen. Wir wollten den Zug auf der Strecke kurz vor Hell erwarten, wohl wissend, dass wir da gar nichts anderes zu fotografieren hätten, wenn der Zug denn nicht käme. Mit solch einem unregelmäßigen Privatzug kann ja alles mögliche sein. Allerdings hatten wir nun schon so häufig vergeblich gewartet, dass wir für diese Aktion abgebrüht genug waren.

Zu allem Überfluss entdeckten wir, als wir gegen 16 Uhr im Zielgebiet eingetroffen waren, auch noch ein richtig gutes Motiv mit einer S-Kurve direkt am Ufer des Stjørdalselven, die so aussah, dass sie zufällig auch noch um 17 Uhr zur Planzeit des Zuges Licht abbekommen könnte. Der Schatten eines Steilhanges, auf dem wir standen, wich sogar mit zunehmender Drehung der Sonne mehr und mehr vom Gleis, obwohl die Sonne dem Horizont gefährlich nahe kam. Das war alles richtig klasse. Zu gut. Irgendwann stellten wir fest, dass wir uns eigentlich beide sicher waren, dass wir hier vergebens stehen. All zu sehr hatten uns die Erfahrungen der letzten Tage geimpft.

Hier, ein kurzes Stück hinter der Startbahn von Værnes, gab es in der Luft mehr Verkehr als auf der Schiene.

Dann in der Ferne mal wieder dieses Geräusch, das man in letzter Zeit an der E6 auch so häufig gehört hatte, das wie das Pfeifen eines Zuges klingt, aber nur eine bestimmte Frequenz eines LKW-Motors in der Ferne ist. Das Geräusch kam allerdings noch mal. Das wird doch nicht…? Dann wieder und lauter! Da kam tatsächlich der Zug! Wahnsinn! Eindeutige Zuggeräusche! Pünktlich auf die Minute! Spannend wurde es noch durch einen LKW, der plötzlich auf der kleinen Nebenstraße neben der Bahn auftauchte, ein weißer mit Anhänger. Zum Glück war der jedoch schnell durchs Bild geeilt, als der Zug gerade hinten um die Ecke kam. Keine Gefahr! Der Zug kam wunderbar. Das Bild entschädigte für so einiges!

TXL ist pünktlich: Der Kalkzug nach Verdal durchfährt unser Motiv am Stjørdalselven noch rechtzeitig, bevor die Schatten kommen.

Der Zug machte in Hell Kopf und ging dann weiter nordwärts bis Verdal. Lange würde die Sonne nicht mehr scheinen, aber die Kurve kurz vor Skatval musste noch mal sein. Hier muss man für die schönste Perspektive über die hier extrem stark befahrene E6 rüberfotografieren. Wenn da im Moment der Zugdurchfahrt ein LKW durchs Bild gemusst hätte, wäre es nichts geworden. Aber es klappte! Damit war der Tag doch noch zu einem sehr guten Abschluss gekommen.

Und nochmal nach Kopfmachen mit Hof Hilan und dem markanten Hilberga (ca 270m).

In Stjørdal kauften wir Pølser und Salat und fuhren nach Åsen, wo wir die letzten beiden Nächte wieder in Gullberget Camping gebucht hatten. Diesmal erhielten wir Hütte 14. Wie vergangenen Samstag war es ganz schön frisch in der Hütte. Die kleinen Heizungen kamen nach dem Anstellen kaum gegen die Kälte an. Nach dem Abendessen mopste ich noch aus der Nachbarhütte den zusätzlichen Heizkörper, von dem wir noch vom letzten Samstag wussten.

Freitag, 15.03.2013

Wieder wachten wir unter strahlend blauem Himmel auf. Das war ja schon mal eine positive Voraussetzung für alles weitere. Wie bereits letzten Sonntag war das erste Hauptziel ein gescheites Foto vom nordfahrenden Dagtog. Nach dem Frühstück brachen wir in nördliche Richtung auf.

Schönster blauer Himmel über Hof Gullberget, der den Campingplatz beherbergt.

Auch heute zeigte sich im Norden eine geschlossene Wolkendecke, doch rechneten wir uns noch eine gewisse Sonnenchance für Levanger und Umgebung aus. So war es dann auch. Wir hatten extra Zeit eingeplant, um die Kurve vor Bergsgrav, bei Rinnan, anzuschauen, bevor wir uns endgültig für ein Motiv entschieden. Hier kurz vor Verdal hatte man die Grenze der Bewölkung definitiv erreicht. Einzelne Ausläufer oder Anhängsel waberten noch vor der Sonne rum. Das Motiv war allerdings ganz nett. Bei Skogn, also auf der anderen Seite von Levanger, sah das Wetter allerdings wesentlich sicherer aus. Deshalb und weil wir feststellten, dass der Zug ganz schön lange von Skogn bis Bergsgrav braucht (allein mit 4 Min Aufenthalt in Levanger), fuhren wir erstmal nach Skogn zurück, wo wir den Zug simpel in weiter Winterlandschaft nehmen konnten.

Der Dagtog wird in Kürze Skogn erreicht haben.

Danach ging es gleich hinterher. Etwas kritisch war das Unterfangen, weil wir in Rinnan noch über den BÜ rüber mussten. Am Ende eines Zweispurabschnitts ließ Nil auch noch einem Schleicher den Vortritt, der wiederum am nächsten Kreisverkehr einem Holzlaster den Vortritt ließ. Nette Menschen, die Norweger und netter Mensch, der Nil. So brauchten wir uns jedenfalls im weiteren Fahrtverlauf keine Gedanken um zu hohe Geschwindigkeiten und daraus resultierende horrende Strafen machen. Keine Gedanken? Na gut, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass durch zweimalige Überholvorgänge das eine Problem (Schleicher) zum anderen (mögliche schwarz gekleidete Männchen mit Radarpistole hinterm nächsten Baum) verlagert werden konnte. Da war aber zum Glück keiner. Der BÜ Rinnan belohnte uns, indem er sich erst einschaltete, als wir justemente hinüber waren. So ging ein zweites Bild vom nordgehenden Dagtog, dem einzigen Roten (von vieren), der hier unten bei Tageslicht umsetzbar ist. Wie wir hinterher sahen, ist der Bauernhof im Hintergrund links übrigens Militärgelände. Wir hatten uns schon über die Panzer im Garten gewundert…

Der Dagtog nochmal vor der Kulisse der Verdaler Fjordbucht und den im Norden noch massiv hängenden Wolken. Zum Glück wollten wir dort nicht weiter hin.

Nun vergnügten wir uns bisserl mit Triebwagen, immer noch bei Rinnan mit verschiedenen Bauernhöfen. Da gab es ganz nette Motive, und es war eine Wohltat für uns, dass man außer den wenigen “interessanten“ Zügen den stündlichen Grundtakt mit Triebwagen hatte.

Die Trønderbahn bei Hof Lite Salthammar.

Danach war es Zeit, sich für den Cargonet Güterzug zu postieren. Den wollten wir einfach an der Stelle mit dem schönen Blick über den Fjord und die Bohrinselwerft von Verdal nehmen. Natürlich hatte ich mich überzeugt, dass der Zug heute fährt. Es handelte sich um den Zug, den wir gestern bei Berkåk vergeblich erwartet hatten, weil er nur noch Mi und Fr fährt. Aber heute ist ja Freitag. Oder hält Cargonet für uns eine andere böse Überraschung bereit? Nein, das war nicht der Fall. Pünktlich kam die Fuhre um die Ecke. Und die E6 im Hintergrund war gerade schön autofrei. Zuglok war die Vorführ Euro4000, die noch in Vossloh Farbgebung mit Railcare Schriftzug daher kam. Sie ist jetzt an Cargonet ausgeliehen. Cargonet hat wohl gerade Lokmangel, bei dem hohen Verkehrsaufkommen (ha-ha-ha!).

Noch immer wird hinten in Verdal eine Bohrinsel zusammengeschraubt, als der Cargonetzug den kleinen Hügelrücken bei Mulen erkämpft.

Auch diesem Zug fuhren wir mal vorsichtig hinterher. Bereits hinter Levanger waren wir schon wieder gleichauf. Schnell war der Zug tatsächlich nicht. In Langstein hatten wir fünf Minuten Vorsprung. Wer auf der E6 in diesem Bereich schon mal gefahren ist, weiß, dass man bei dem starken Verkehr auf fast ausschließlich einspuriger Richtungsfahrbahn nicht wesentlich schneller als V-zul sein kann. Bei der als Ziel überlegten Brücke in der wunderschönen Bauernlandschaft von Alstad machte uns zunächst eine Leitung Sorgen, die quer über die Bahn führte. Aber wenn man den Bildausschnitt zwischen die Drähte und die Spitze einer Schneepflugtafel klemmte, ging es. Der Hintergrund mit der zerklüfteten Fjordbucht von Langstein ist halt ganz hübsch.

Und nochmal paar Buchten des Trondheimsfjordes weiter südlich.

Einen Bm92 gab es hier auch noch, dann erkundeten wir mal den weiteren Verlauf dieses abseits der E6 gelegenen Streckenstücks. Während die E6 zwischen Langstein und Skatval einen Hügelkamm überfährt, muss die Bahn die Hügelkette in einem größeren Halbkreis bezwingen.

Der Bm92, ebenfalls auf dem "schönen Abschnitt" zwischen Langstein und Skatval.

In dieser Gegend stehen einige sehr schmucke, große Bauernhöfe. Einen schönen Bahnblick von einem Hang aus entdeckten wir dann noch kurz vor Skatval. Das war was für nachmittags. In Skatval besorgten wir uns im örtlichen Supermarkt Proviant, mit dem wir uns westlich von Langstein, wieder in dem “schönen Abschnitt”, vor einem großen Gehöft aufstellten. Dieser Hof war eigenartig. Irgendwie eine Lehrlingswerkstatt mit Wohnheim und angeschlossenem Kindergarten, hier mitten in der Einöde. Im Internet klingt das fast wie eine konspirative Kommune: http://www.aglovgs.no/ Aber egal, wir hatten hier ein tolles Fotomotiv und konnten paar Polarbrød mit Tubenkäse (ich) oder mitgebrachten Kartoffelsalat (Nil) verdrücken.

Der Ausblick von der Aglo-Kommune auf den Fjord, westlich von Langstein.

Danach hatten wir keine Lust, groß anderswohin zu fahren und steuerten den schönen Fotohang an, den wir vorhin entdeckt hatten. Dort konnte man sogar direkt im Motiv parken. Leider führte eine Leitung quer durchs Bild, aber die war kaum zu sehen. Bis zum nächsten besonderen Zug war noch viel Zeit, so dass es erst einige Triebwagen gab.

Blick von unserem Panoramaparkplatz am Rande einer Wohnsiedlung auf die Fotokurve.

Dann sollte der erste Zugteil des gestern auf der Leerfahrt nach Verdal fotografierten Containerzuges auf der Rückfahrt nach Schweden “gemacht” werden. Das Konzept sieht vor, dass Mo und Do der Leerzug von Schweden nach Verdal geht. Di und Fr fährt nun der erste beladene Zugteil bis Storlien hoch und die Lok kehrt spätabends Lz nach Verdal zurück. Mi und Sa am Vormittag geht es dann mit dem zweiten Zugteil hoch nach Storlien, von wo der Zug komplett nach Husum zurückkehrt. Nicht nach Nordfriesland, sondern ins schwedische Västernorrland. EVU ist TXL. Vor Plan war der Zug nicht aufgetaucht. Wir hatten sogar die Möglichkeit, mit dem Auto schnell für einen Gegenzug um den Berg herum zu flitzen.

Von demselben Hügel blickt man zur anderen Richtung auf den Bahnhof Skatval.

Zur Planzeit des Kalkzuges machten wir uns durch den Tiefschnee auf den Weg runter auf die Wiese, wo wir den unberührten Schnee nun leider zertrampeln mussten, wo wir aber die Leitungsdrähte nicht mehr im Bild hatten. Leider tat sich auch zur Planzeit nichts. Da wir uns aber sicher waren, dass gestern nicht nur ein halber Zug nach Verdal gegangen war, harrten wir mal weiter aus. Und tatsächlich, nachdem ein VT nach Langstein hochgefahren war, der den Gz bereits in Skatval hätte kreuzen müssen, tauchte der Güterzug doch noch langsam am Hügelkamm auf.

Da ist er wieder: Sichtlich als halbe Portion taucht der nunmehr beladene Kalkzug in der Kurve vor Skatval auf.

Nun war 15 Uhr durch und wir hatten nichts so rechtes mehr auf dem Zettel. Dafür begann nun der Berufsverkehr aus Trondheim raus mit Halbstundentakt, dazwischen noch der Zug nach Mo i Rana. Zwei Züge nahmen wir mal wieder an altbekannter Stelle östlich Skatval mit dem Tafelberg Blick. Etwas überraschend war für uns, dass die Verstärkerzüge aus Bm93 bestanden.

Nun geht der Berufsverkehr aus Trondheim richtig los. Dem Bm92...

...folgt nach einer halben Stunde ein Bm93 als Verstärker - beide aufgenommen östlich Skatval.

Zwischendurch drehten wir mal eine Runde um den aus der Ferne sehr fotogenen Abschnitt zwischen Skatval und Stjørdal. Doch leider fehlten die Möglichkeiten, an die Strecke zu kommen. Morgens hätte man sicher einen tollen Ausblick von der ostwärts verlaufenden Nebenstraße.

Als wir das also hatten, rollten wir noch mal gen Norden. In Langstein gab es Fernschüsse über die Fjordbucht rüber. Dabei standen wir auf der Zufahrt zu einem Gehöft. Das Auto vom Gehöft kam zum Glück erst, als wir mit Fotografieren fertig waren. Es fuhr dann aber so auf uns zu, dass wir nur die Möglichkeit hatten, rückwärts zum Bahnübergang zurückzurollen. Na ja, war ja wohl seine Zufahrt. Gefragt hat er aber nicht, was wir da taten.

Der Abschnitt bei Langstein ist landschaftlich eindrucksvoll - so an der zerklüfteten Küste des Trondheimsfjords. Züge sind hier allerdings gar nicht so einfach umzusetzen. Dieser Fernblick gefiel uns allerdings beiden.

Der Ausblick von der Bahnhofsbrücke in Åsen gefiel, doch südwärts war halt “nur” Stundentakt, und der war ja nun gerade durch. Daher fuhren wir nach Ronglan weiter. Übrigens hatte irgendwann gegen 16 Uhr ein Zug mit zehn Minuten Verspätung angefangen, und nun machten es ihm alle nach. So eine dicht befahrene eingleisige Strecke ist halt furchtbar empfindlich. In Ronglan gab es einen Nachschuss auf den Talent nach Mo i Rana, der sogar als Doppler kam.

Ein Nachschuss auf den aus einem Bm93-Doppel bestehenden "Schnellzug" nach Mo i Rana im Bf Ronglan.

Eine Streiflichtaufnahme am See Nesvatn zwischen Ronglan und Åsen scheiterte an der Pünktlichkeit dieses einen Zuges, mit der wir nicht hatten rechnen können. So gab es nur einen Notschuss.

Ein Notschuss allerdings, der mir hinterher gut gefiel.

Als wir dann auf der Bahnhofsbrücke Åsen bereit für den nächsten Südfahrer waren, hätten wir einen pünktlichen Zug gebraucht, denn die Sonne war klar für Untergang. Die Schatten krochen zusehends am Bahndamm hoch. Nur im allerletzten Büchsenlicht ging sich der um eine Viertelstunde verspätete VT aus.

Und als letztes ging doch noch der Ausblick von der Bahnhofsbrücke Åsen - im allerletzten Büchsenlicht.

Danach war Einkaufen angesagt. Zum Glück gibt es auch in Åsen einen großen Supermarkt, wo wir uns noch mal alle Zutaten für ein Tikka Masala besorgten, das wir in der Hütte brutzelten. Mit den Ergebnissen des heutigen Tages konnten wir hochzufrieden sein, auch wenn nur drei “richtige” Züge dabei waren (vor der Cargonet-Streichorgie wären es vier gewesen).

Samstag, 16.03.2013

Es ist erstaunlich, aber man kann sich tatsächlich auch in Norwegen daran gewöhnen, morgens bei wolkenlosem Himmel aufzuwachen. So auch heute. Nach Klarmachen der Hütte starteten wir um 7.30 in Richtung Norden. Neben der Trønderbahn mit ihrem samstäglichen Zweistundentakt hatten wir heute den nordfahrenden Dagtog, einen Cargonet Güterzug südwärts und den MZ- Zug mit den grünen Containern, den wir ja nun schon sehr gut kennen. Und alle drei 'richtigen' Züge sollten nahezu gleichzeitig kommen; der Dagtog sollte mit Cargonet in Levanger und mit der MZ in Bergsgrav kreuzen. Das stellte uns vor gewisse Herausforderungen (um nicht zu sagen 'Einschränkungen') bei der Motivwahl, weil wir gern beidseitig von Levanger fotografiert hätten. Nach einigen weiteren Erkundungen gab es erstmal einen Bm92 als Birkendurchblick, den ich mich gestern nicht mit dem Dagtog zu machen getraut hatte.

Der Birkendurchblick. Gestern hatten wir hier den Dagtog konventioneller von der anderen Seite der Birken aus aufgenommen.

Die ganze Zeit hatten wir im Hinterkopf gehabt, dass der Cargonet Zug auch früher kommen könnte, weil paar Kreuzungen weggefallen waren. Kam er aber nicht. Wir hatten dafür in einer hübschen Fotokurve gewartet. Als es Zeit für den Dagtog wurde, wechselten wir zu einem Bauernhof mit Blick auf Fjord und das Holzwerk von Skogn.

Der Dagtog mit der Firma "Norske Skog" im Hintergrund, die sich am Trondheimsfjord passenderweise im Ort Skogn befindet. Skog bedeutet so viel wie Wald bzw Holz. Der Gleisanschluss vom Bf runter zur Fabrik scheint momentan eher nicht genutzt zu sein, obwohl hier früher viel Holz aus Schweden per Bahn angeliefert wurde.

Mit der Kreuzung in Levanger rechnend fuhren wir danach sofort wieder zu der Panoramakurve kurz vor Levanger zurück. Bald hörten wir das laute Gewummer einer beschleunigenden Diesellok. Erwartungsvoll bauten wir uns auf. Was kam, war jedoch nix. Offenbar hatten wir den Dagtog bei der Ausfahrt aus Levanger gehört. Nein, der Cargonet Gz tauchte nicht auf. Und: Ja, wir hatten uns vorher vergewissert, ob der Zug die Streichorgie überlebt hatte. (Nachtrag: Und ja, ich hatte falsch geguckt. Der fragliche Zug tauchte auf der Cargonet Seite gar nicht mehr auf!) Aber wir konnten bleiben, denn die grünen Container sollten ja direkt hinterher kommen. So war es dann auch. So unzuverlässig Cargonet war, so zuverlässig zeigte sich wieder mal TXL.

Auf ihn ist Verlass: Der Kalkzug zieht mit leichter Verfrühung aus Levanger raus.

Da der Zug in Langstein Kreuzung bekommen würde, fuhren wir ihm einfach mal hinterher. Auf den Cargonet Zug bauten wir nicht weiter, der konnte sonstwo sein. Ohne Hetze gelang uns in der Einfahrt Skatval ein weiteres Foto der hübschen Fuhre.

Und nochmal bei der Einfahrt in den Bahnhof Skatval.

Nun sollte es dem Zug auf die Meråkerbane voraus gehen. Dabei stellten wir uns bei der Motivsuche allerdings so dödelig an, dass statt zweier Fotos im Tal gar keins drin war. Als der Zug an uns vorüberzog, waren wir noch bei der tiefsten Motivsuche. Und wir waren weitestmöglichst von einer Brücke rüber an die E14 entfernt bzw entschieden uns dann auch noch für die entfernteste. Blöd! Im weiteren Fahrtverlauf E14 aufwärts liefen wir bald auf eine lange Kolonne PKWs auf, deren erstes Fahrzeug nichtmal die zulässige Geschwindigkeit fuhr. Irgendwo auf dem Steigungsabschnitt rund um Meråker müssen wir den Zug aber überholt haben, jedenfalls trafen wir in Storlien mit deutlichem Vorsprung ein. Die 185 für die Weiterfahrt stand schon bereit, und bald konnten wir beide Loks nebeneinander fotografieren.

Der erste Teil des Holzzuges steht hinter der 185 auf dem Gleis, und der zweite Teil ist soeben aus Verdal eingefahren.

Wer hätte das gedacht, dass man in Storlien mal Rangierarbeiten mit Güterzug fotografieren würde.

Das Zusammenbasteln der beiden Zugteile und die Bremsprobe nutzten wir, um dem Zug bis Enafors voraus zu fahren, wo wir ihn einfach im Bf mit einem hübschen Bahnwärterhaus aufnahmen. Allein die Fahrt über die Hochebene mit der Kulisse der umliegenden hohen Schneeriesen im Sonnenschein war den Abstecher wert!

Gemeinsam mit Ellok und Diesel wird nun die lange Reise einmal quer durchs Land angetreten - beobachtet an einem Bahnwärterhäuschen in Enafors.

Es war wunderbar warm geworden. Nur im Pullover gab es vor dem EG Enafors eine kleine Mittagsrast, bevor wir den Rückweg antraten. Diesmal ging es flüssiger. Zwar waren auch wieder erstaunliche Schleicher unterwegs, aber die konnte man vernünftig überholen. Zwischen Stjørdal und Skatval gab es dann noch einen Triebwagen der Trønderbahn.

Ein letztes Streckenbild zwischen Stjørdal und Skatval - direkt von der E6 aus.

Anschließend testeten wir paar Feldwege durch schönste Hügellandschaft aus, die zu irgendwelchen abgelegenen Höfen führten. Motivmäßig brachte uns das jetzt aber nicht wirklich weiter. Nach dem finalen Tankstopp am Bahnhof Stjørdal fotografierten wir dort noch einen nordfahrenden VT, bevor es geradewegs zum Flughafen ging. Unser Auto sah vielleicht aus...

Und die letzte Bahnhofsaufnahme vor dem hübschen EG von Stjørdal. Das Gebäude gehört zu einer ganzen Reihe von Bahnhofsgebäuden, die der Architekt Paul Armin Due 1902 erbaute (das von Ronglan hatten wir ja schon gesehen).

Das Einchecken lief problemlos. Zwar war nur ein Automat funktionstüchtig und an der Sicherheitskontrolle wollte der Mensch unter jedes Objektiv schauen, aber außer uns waren kaum andere Kunden da. Nichtmal eine Stunde nach dem letzten Bahnfoto saßen wir im Flieger.

KL1176 Trondheim 17.15 - Amsterdam 19.45

Um uns herum saß eine norwegische Schulklasse. Na ja, hätte schlimmer kommen können, z.B. eine deutsche ;-) Offenbar kannten die (ca 16-17jährigen) Schüler das mit der kostenlosen Getränkeverteilung nicht, denn zunächst nahm niemand etwas von der Stewardess. Sie bot nun an, dass die Schüler einfach klingeln sollten, wenn sie doch etwas wollten. Dieses Angebot musste sie später bitter bereuen. Die Schüler machten gnadenlos davon Gebrauch. Jedes Mal, wenn sie wieder vorn bei ihrer Karre war, drückte der nächste Schüler auf den Serviceknopf. Ab dem dritten oder vierten Mal wurde sie dann aber doch etwas weniger freundlich. Problematisch dabei: Die Schüler machten das glaub'ich gar nicht mal, um sie zu ärgern. Sie merkten das schlichtweg nicht, dass sie die Stewardess durchs ganze Flugzeug scheuchten und vorn von ihrer Arbeit abhielten. Die pure Ignoranz, das pure Nichtmerkertum...

Wir starteten direkt über die Fotostelle vom Donnerstag am Flussufer, wo wir nach Süden reindrehten. Also genau so wie der am Donnerstag fotografierte Norwegian Flieger. Bei einem von KLM kredenzten lecker Weißwein genossen wir den Ausblick auf die unberührten weißen Schneewelten der norwegischen Gebirge. Dazu gab es ein ordentlich belegtes Käsesandwich. Über dem Ijsselmeer verloren wir allmählich an Höhe und flogen noch eine ganze Weile parallel zur Küstenlinie unter den Wolken entlang.

In Amsterdam ging es mit Nil noch auf ein Weinchen bzw für Nil 'Heineken eiskalt' (lt Nil auch nicht anders genießbar) in die Flughafenwirtschaft. Rund um den Tresen saßen einsame Reisende auf ihren Wegen von überall in der Welt und zurück... Dann war Abschied angesagt. Ich begab mich zu meinem Gate, wo sich um mich herum nach und nach eine riesige Jugendgruppe auf dem Rückweg von einem Austausch einfand. Interessanterweise kamen die aus allen möglichen Ländern zurück: Frankreich, England und Finnland hörte ich aus den interessanten Gesprächsfetzen. Und eine Reisende aus Shanghei traf zufällig ihre Freundin. Irgendwann, als das Gate besetzt wurde, mussten alle den Sitzbereich verlassen und nochmal neu betreten, diesmal aber mit Bordkartenkontrolle.

KL1789 Amsterdam 21.25 - Hamburg 22.30

Der Ausblick beim Start auf die beleuchteten Siedlungen mit ihren gleichmäßig verschnörkelten Straßenzügen war herrlich! Meine Güte, was für eine Festbeleuchtung leisten sich die Niederländer. Aber vom Flieger sah das genial aus! Diesmal kamen die Stewardessen sogar - im Gegensatz zum Hinflug - mit dem vollen Getränkeprogramm durch. Das hatte allerdings zur Folge, dass sie den Müllsammeldurchgang hektisch im Sinkflug machen mussten, als die Anschnallzeichen längst leuchteten. Alles in allem bekommt die KLM von mir allerdings den dicken Daumen - und zwar hoch! Helligkeit anderer Art sah man unter einem beim Landeanflug auf Hamburg. Oh weh, der Winter ist noch nicht zuende, die Felder waren alle dick verschneit!

An Nil geht ein herzliches Dankeschön fürs Ertragen von Freud' und Leid, die wieder mal häufig dicht beieinander lagen. Und das, obwohl das Wetter ja nun wirklich keine Wünsche offen gelassen hatte. So konnten wir beim Warten auf Cargonet immerhin schön Sonne tanken.

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