Die Nebenbahnen der Donau - Rumänien April 2016

Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.

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Irgendwann im Januar entwickelten Yannick und ich das Bedürfnis, entgegen der ursprünglichen Jahresplanung doch noch eine Woche Rumänien einzuschieben. Hauptinteressengebiet war dabei der Nordosten. Eine Region, in der man noch gar nicht war und von der man auch kaum Bilder sieht. Vermutlich ist die Gegend da nicht so aufregend, aber uns lachte ja schon immer die von Süden nach Iaşi führende Hauptstrecke an, auf der der recht rege Personenverkehr im Fern- und Nahverkehr noch fest in der Hand Diesellok bespannter Züge sein sollte, sowohl 60er Kutter als auch 65er GMs.

Während wir bisher immer mit der Bahn angereist waren und im Westen des Landes den Mietwagen aufgenommen hatten, sollte es diesmal ganz lapidar mit der Lufthansa nach Bucureşti gehen. Ab dort würde man sich alles per Leihwagen offen halten. Bei einer Einwochentour fanden wir die schnelle Fluganreise auch etwas zweckmäßiger. Der Wetterbericht sah nun nicht ganz so toll aus. Gerade im Nordosten sollte kaum mit Sonne gerechnet werden können. So kam an Iaşi erstmal wieder das große Fragezeichen dran und man loggte sich erstmal in einem Bukarester Viersternehotel ein. Für die Hauptstadt und Umgebung hatten wir schon Ideen genug.

Freitag, 22.04.2016

Da der Flug morgen früh ab Frankfurt gehen sollte, fuhr ich bereits heute Nachmittag in einem gut ausreservierten, dann aber gar nicht entsprechend vollen ICE 771 nach Frankfurt runter:

ICE 771 Hamburg-Dammtor 15.17 - Frankfurt Hbf 19.00

Ach wie schön, hinter Hamburg kam die Durchsage, dass jetzt die Kinderbetreuer durch den Zug kämen, die viele spannende Spielideen im Gepäck hätten. Leider kam die Durchsage so stotternd und unmotiviert, dass man eher denken konnte, dass es sich um eine traurige Sache handeln würde. Ich hatte derweil von meinem ab Kassel reservierten doofen Platz ohne Aussicht auf einen in Hamburg nicht beanspruchten mit guter Aussicht gewechselt. Das war nicht ganz verkehrt, weil es ab Hannover dann doch noch gut voll wurde. In Kassel stieg hingegen niemand zu...

Wir kamen pünktlich in Frankfurt an. Yannick nahm mich in Empfang, und gemeinsam ging es erstmal mit einem furchtbar rumpeligen, lahmen Strab SEV zu Yannick nach Hause und anschließend noch zu Fuß zu einem lokalen Burgerbrater.

Samstag, 23.04.2016

Es regnete. Na ja, das durfte es auch gern hier in Frankfurt. Mit einem Bus, der wohl nur ein Viertel der Zeit des SEV gestern brauchte, landeten wir ruckzuck wieder in der Innenstadt. Beim Warten auf die S-Bahn beobachteten wir, dass Zugzielanzeige auf dem Bahnsteig und Blechelse offenbar unterschiedliche Datenquellen haben. Die auf Gleis 103 angezeigte S2 nach Niedernhausen waren in Wirklichkeit eine Bahn nach Friedrichsdorf und eine nach Kronberg. Bei der Friedrichsdorfer gab Blechelse die Gleisverlegung bekannt, als die S-Bahn abfuhr...

Am Flughafen klappten Check in und Sicherheitskontrolle problemlos, so dass sogar noch etwas Zeit für ein entspanntes Frühstück mit Panoramablick auf verregnete Flugzeuge war.

LH 1418 Frankfurt 9.35 MESZ - Bukarest 12.50 OESZ

Der Flug war komplett ausgebucht. Es handelte sich um einen A321. Scheint etwas länger zu sein als der A320. Der Flug führte uns zunächst komplett über Wolken. Erst über Ungarn fing die Bewölkung zu bröseln an und ließ mehr und mehr den Blick auf den Boden zu. Als Verpflegung gab es ein Käsesandwich oder wahlweise Zitronenkuchen und jede Menge zu trinken. Man konnte sich sogar einen Sekt geben lassen. Stößchen!

Beim Anflug auf Bukarest hatten wir uns nochmal die Landkarte angeschaut. Dabei stellten wir fest, dass "Otopeni" und "Henri Coandă" zwei verschiedene Bukarester Flughäfen sein mussten. Mit bangem Blick schauten wir erstmal auf unsere Buchungen, ob wir das Auto denn auch an demselben Flughafen gebucht hatten, zu dem die Lufthansa uns mitzunehmen gedachte. Passte! Beides war Otopeni. Puuuh! Letztendlich landeten wir dann wie erwartet auf dem auf der Karte mit Otopeni beschrifteten Flughafen, an dessen Empfangsgebäude "Henri Coandă" stand. Alles klar?

Leider sollte es nach pünktlicher Landung wirklich noch geschlagene zwei Stunden dauern, bis wir im Leihwagen den Hof verließen. Es ging damit los, dass unsere Gepäckstücke wohl mit die allerletzten waren, die auf das Ausgabeband purzelten. Als wir gegen 13.30 am Sixt Schalter ankamen, war erst niemand da. Dann kam der Angestellte, doch vor uns waren noch zwei andere Kunden dran. Erst eine Familie, bei der unheimlich viel zu klären war und am Ende die Kreditkarte nicht funktionierte. Dann eine Frau, die nicht gebucht hatte und erstmal unheimlich viel Beratung brauchte. Als wir dann endlich dran waren, dauerte es trotz Vorbuchung noch sehr lange. Und wegen der für 30 € mehr mitgekauften Auslandsfahrberechtigung (aber nicht nach Serbien, Moldawien und Ukraine *g*) dauerte es noch fünf Minuten länger, weil dafür ein Formular für die Grenzpolizei erstellt werden musste...

Mit einem Shuttlebus sollten wir nun vom Tiefgeschoss zum Car Rental Village gefahren werden. Irgendwie hatten wir die Großfamilie, die als erstes in der Schlange gestanden hatte, überholt, denn die kamen irgendwann aus dem Gebäude, schauten sich desorientiert um und verschwanden im gegenüberliegenden Parkhaus. Als unser Shuttle abfuhr, sah man sie gerade ratlos im Parkhaus umher irren. Nein, wir haben den Busfahrer nicht auf die Familie hingewiesen. Das war nun unsere Rache für einen nicht unwesentlichen Teil der Wartezeit.

Doch kleine Sünden bestraft der liebe Gott bekanntlich sofort. Als wir auf dem Sixt Parkplatz angekommen waren, schaute der Sixtmann nämlich ähnlich ratlos wie vorher die Familie aus, denn unser Auto stand nicht auf dem Hof. Er meinte, er hätte ja eigentlich genug Dusters, aber die Polizeiurkunde für die Auslandsfahrten sei leider auf den einen Wagen ausgestellt. Wie er durch ein Telefonat feststellte, war das Auto noch in der Wäsche. Zehn Minuten Geduld bitte. Uns störte es nicht so sonderlich. Das Wetter war herrlich und warm, der Raps der umliegenden Felder duftete schön herüber, es war Urlaub! Immerhin betrug die Wartezeit dann auch nur reale zehn Minuten und keine balkanischen. Die hatten aber gereicht, um die Familie auch auf dem Parkplatz aufzufahren. Dennoch - wir konnten vor denen vom Hof fahren, weil die natürlich wieder eeeewig brauchten ;-)

Vor Abfahrt erst schauten wir mal in den Fahrplan. Wir hatten angedacht, uns noch ein wenig um die Transferoviar Strecke Titan Sud - Olteniţa zu kümmern, auf der ja die ex deutschen 624 fahren. Um 15.00 sollte in Budeşti Kreuzung sein. Voll durchrationalisiert - die Strecke hat abgesehen von Bucureşti Sud (ungenutzt aussehendes Containerterminal) nur einen Kreuzungsbahnhof! Budeşti oder Umgebung würden wir jedenfalls nicht mehr schaffen. Aber die Ankunft des einen Zuges um 15.50 in Titan Sud, also quasi Bucureşti, sollte zu schaffen sein. Über die Centura, den Nordostring, der in weiten Teilen deutlich besser ausgebaut war als der letztes Jahr befahrene Südring, gelangten wir zügig in den Sector 2 von Bukarest. In Titan Sud stand ein Triebwagen im Bahnhof hinterstellt, den wir direkt mal fotografiert haben.


Die Züge nach Olteniţa beginnen in Titan Sud, einem Bukarester Vorortbahnhof mit Metro- und Tram-Anbindung.

Dann ging es dem Zug aus Olteniţa ein Stück entgegen. Leider führte das Gleis hier im Stadtgebiet ununterbrochen direkt neben einer breiten Ausfallstraße entlang. Doch das westliche Esig von Bucureşti Sud, natürlich ein Signal deutscher Bauart, erklärten wir schnell als geeignet für den ehemals deutschen Triebzug. Und wir hatten Glück. Der Linienbus, dessen Haltestellenschild am Signalmast angebracht war, war rechtzeitig weiter gefahren. Das Taxi, das mitten auf der Straße seine Fahrgäste aussteigen ließ, war ein Dacia und passte. Lediglich ein Radfahrer, der direkt vor unseren Linsen durchfuhr, wurde zum Problem, das allerdings gerade noch aufging.


Entlang einer Hauptstraße geht es bis Bucureşti Sud. Danach werden Bahn- und Straßenring passiert und es wird schlagartig ländlich. R 15192 verlässt Bucureşti Sud nach Titan Sud.

Der weitere Plan sah vor, dem nächsten Westfahrer erkundenderweise bis Olteniţa entgegen zu fahren. Das taten wir nun auch. Auf der Straße waren einige ziemliche Raser am Start. Einer von denen klemmte Stück weiter in einem betonierten Straßengraben fest. Die Kunde muss sich in dem Dorf wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Die Leute traten überall aus ihren Grundstücken und Höfen, um zur Unglücksstelle zu pilgern. Die ersten Dörfer schienen vornehmlich von Zigeunern bevölkert zu sein. Erst weiter hinten, so ab Vasilaţi, wurden die Gesichter der Dörfler wieder heller. In den Zigeunerdörfern war auf der Straße highlife, doch auch in den anderen Dörfern war mal wieder viel mehr los als in einem deutschen Dorf...

Die Kundschaft brachte paar nette Stellen für den Westfahrer nachher ein - jedenfalls nordwestlich Budeşti. Dahinter führte die Straße nicht mehr ganz so bahnparallel, und uns fehlte zu den erforderlichen Stichfahrten nun einfach die Zeit, wenn wir den Zug noch in Olteniţa bekommen wollten. Letztendlich hätten wir uns die Fahrt Budeşti - Olteniţa - Budeşti schenken können. In Olteniţa fanden wir gar keine dem Lichtstand angemessene Möglichkeit. Auf der Rückfahrt vergeigten wir sogar wegen eines unergiebigen Schlenkers durch Valea Roşie ein Bild vom Gegenzug mit Rapsfeld vor Budeşti. Dazu trug allerdings auch nicht unwesentlich bei, dass der Gegenzug, also der Südostfahrer, mit -5 in Budeşti eintraf. Immerhin konnten wir hier nun den Westfahrer vernünftig mit Speicher und Esig umsetzen.


R 15194 verlässt Budeşti in Richtung Hauptstadt. Ganz hinten ist noch der Gegenzug zu erkennen.

Leider hatten wir erst hier daran gedacht, unsere Kamerauhren auf OESZ umzustellen... Der Zug war viel schneller als erwartet. Ein schönes Hp Foto mit dem EG von Gălbinaşi schafften wir schon gar nicht mehr. Der Zug durchquert hier eine hübsche Sumpfwiesenlandschaft am Rande der Dâmboviţa. Eine Stelle kurz vor der großen Stadt hatten wir noch impetto, einen Einschnittrand (der dann doch niedriger war als von der Hinfahrt erinnerlich) zwischen Tânganu und Halta Frunzăneşti (Ort Frundeni).


Und nochmal R 15194 zwischen Tânganu und Frunzăneşti.

Es war jetzt 18.15 und es reichte uns für heute. Zwar stand die Sonne noch ganz schön hoch, aber das Licht wurde schwächer, und wir hatten keine Lust mehr... Wir hatten in Sector 3 (diese Bezeichnungen erinnern mich an düstere Science Fiction Geschichten...) im Best Western Hotel Mari Vila ein Zimmer für zwei Nächte gebucht. Das Hotel lag ideal, um schnell ostwärts aus der Stadt zu kommen. Im Hotel war genau gar nichts los, es war schön ruhig. Leider waren wir auch abends im Hotelrestaurant die einzigen Gäste, was ich immer nicht so schön finde. Wir schmiedeten noch Pläne für morgen. Die Wettervorhersage war sehr schlecht. Und zwar für morgen, für übermorgen, für überübermorgen... Ab Mittwoch wurde Hoffnung auf Sonne gemacht.

Sonntag, 24.04.2016

Das Frühstück wurde im Best Western Mari Vila im Bukarester Sector 3 ab 7 Uhr serviert. Wir waren um 7.40 unten und bekamen Marmeladentoast und Spiegelei (wahlweise auch Omelette usw) mit reichhaltiger Salatbeilage serviert. Um 8.20 fuhren wir mit dem Auto nach Titan Sud rüber, parkten direkt vorm EG an der Straße auf einem offiziell markierten Parkplatz und besorgten uns Fahrkarten. Wenn heute schon keine Aussicht auf Sonne wäre, wollten wir wenigstens etwas Zug fahren. Vielleicht würde man noch schöne Motive entdecken...


Titan Sud am Morgen. Noch haben wir diffuse Sonne.

R 15185 Titan Sud 8.55 - Olteniţa 10.28

Nach der Abfahrt gab es gleich erstmal im nächsten Bahnhof Bucureşti Sud einen knapp zehnminütigen Kreuzungsaufenthalt. Wie bereits eben in Titan Sud schien auch hier die Morgensonne noch sanft aus dem Dunst hervor. Wir sparten uns aber das Foto, hatten wir doch gelesen, dass in Bucureşti Sud das Fotografieren wegen der Präsenz von Wachschutz (wieso eigentlich?) schwierig sei. Tatsächlich stand sogar ein Polizist auf dem Bahnsteig!

Der Schaffner in unserem Transferoviar Zug kam in Begleitung eines Security Mitarbeiters durch. Der hatte doch gleich was an uns auszusetzen. Yannick hatte die bodenlose Unart besessen, seinen Fuß auf die Heizungsleiste zu stellen - eine bequeme Sitzposition, die ich aus Deutschland in Wagen dieser Art als allgemein üblich bezeichnen würde. Aber gut - so übertrieben das auch war, so positiv fand ich dann doch, dass hier nicht der sonstige Zustand allgemeiner Gleichgültigkeit gegenüber öffentlichen Einrichtungen bestand. Das zahlte sich dahingehend aus, dass der Triebwagen auch innen einen sauberen und guten Eindruck machte.


Unser Triebwagen von innen. Er war nur zum Schluss so leer.

Wir hatten tatsächlich noch paar Punkte notieren können, die von der Straße aus nicht so erkennbar waren. Aber auch vom Zug aus fanden wir den Abschnitt zwischen Hauptstadt und Budeşti interessanter als den hinteren. Zwar ist die Gegend schon relativ flach, doch gibt es entlang der Flusstäler einige kleinere Abbruchkanten, die für gewisse Höhenunterschiede sorgten. Wie wir gestern schon erkannt hatten, wurde die Piste nicht ganz langsam befahren. Zwischen den Dörfern ging es mit 69 km/h durch die Gegend. Vermutlich zeigte der Tacho 70 ;-)


Unser Zug wendet in Olteniţa auf die Gegenleistung.

Vor Olteniţa hatte es zu regnen begonnen. Dennoch gelang uns in der dortigen Bahnhofsbotanik noch das eine oder andere Sonnenbild zwischen den Regentropfen. Leider sah sich der Tf außerstande, vorn die Schlussscheibe abzunehmen. Er war gerade durch einige Damen im ersten Wagen abgelenkt, die sich lautstark mit ihm unterhielten.

R 15188 Olteniţa 10.50 - Titan Sud 12.29

Der Regen hatte die Schienen glatt gemacht. Nachdem wir in den ersten Haltepunkt hineingeglitscht waren, hatten wir ne schöne Flachstelle. Und der Tf verbrauchte auf der Fahrt ne halbe Sandkiste beim anfahren und bremsen. Es wurde immer finsterer. Langsam näherte sich der angekündigte große Regen von Westen. Diese Zugbegleiterbegleiter trugen die Aufschrift "Teamguard" und eine schusssichere Weste. Wir konnten jetzt nicht gerade behaupten, dass das unser Sicherheitsgefühl erhöht hätte. Aber deren Name sagte ja schon, dass es auch gar nicht um uns, sondern um den Schutz des Zub ging. Vielleicht sollen sich die Teamguards heldenhaft vor den Schaffner werfen, wenn der arme Zigeunerbauer statt des Fahrausweises seine Pistole aus dem Gemüsekorb zieht...

Zurück in Titan Sud, das eher nordöstlich des Ortszentrums von Titan liegt, schauten wir als erstes nach unserem Wägelchen, um das herum sich zwar eine Pfütze gebildet hatte, das aber sonst unversehrt war. Dann eruierten wir, wo wir denn eine Fahrkarte für die Tram herbekämen. Den Nachmittag über wollten wir nämlich gern die Hauptstadt besichtigen und dabei möglichst viel mit der Strab erkunden. Tatsächlich gab es neben diversen Verköstigungsbuden eine kleine Fahrkartenbutze der Tram. Die junge Dame dort drin sprach sogar englisch und verkaufte uns zwei Tageskarten und zwei Fahrkarten. Also, das ist nämlich so: Man muss eine elektronische Fahrkarte haben. Die kostet in nicht wieder aufladbarer Form 1,80 Lei. Und darauf wurde nun die Tageskarte für 8 Lei aufgeladen. Also haben wir pP 9,80 für eine mit 8 Lei bepreiste Tageskarte gezahlt. Alles klar? Und das Dingen gilt nicht für die Metro.

Wir wollten uns nun einfach mal in die nächste Bahn setzen und dann in der Stadt mal schauen, wie wir zum Nordbahnhof kämen, der im Westen der Stadt liegt. Die Linien 36, 46, 56 gab es hier. Als erstes fuhr eine 46 vor. Zum Nordbahnhof! Das war jetzt etwas zu einfach! Nein, war natürlich prima. Auf OSMAND (Anzeige App für Open Street Maps für das Smartphone) hatte ich nämlich nur die Strab Strecken ohne Linien dargestellt, und ein im Netz entdeckter Tram Netzplan war irgendwie "anders". Da stimmten bereits in Titan Sud die Linienangaben nicht. Übrigens heißt "Titan Sud" nur bei der Bahn so. Tram- und Metrostation heißen "Republica". Südlich der Station erstreckt sich der riesige Komplex der Faur Werke, die Heimat der Malaxa. Leider schienen weite Teile des gewaltigen Werkes nicht mehr genutzt zu sein.

Gut, wir saßen also in einer grob zusammengezimmerten, jeglichen Schnickschnack entbehrenden Straßenbahn stadteinwärts. Keine Haltestellenanzeige, keine überflüssigen Netzpläne, keine Durchsagen, nichts! Aber sie fuhr, die Türen funktionierten und man konnte auf brettähnlichen Sitzen dem Geschüttel halbwegs trotzen. Das war eine Schaukelei und Rumpelei! Ich ging davon aus, dass meine Organe nach einem halben Tag davon so geschüttelt wären, dass sie gerührt worden sein könnten.


Die Bukarester Straßenbahn wird keine Berühmtheit für ihren Komfort erlangen...

Glücklicherweise war wohl nur die Außenlinie entlang des Bulevardul Basarabia so mies. Weiter stadteinwärts war viel neu trassiert. An einer Stelle ging es sogar durch einen schicken Tunnel. Ärgerlich war nur, dass es über dem Tunnel zum Nordbahnhof eigentlich links ab gegangen wäre. War aber kein Problem. Irgendwann bog die Tram rechts ab, und nach einer ausgedehnten Schleife befanden wir uns fünf Minuten später über dem Tunnel in der richtigen Richtung.

Die dreiviertelstündige Tramfahrt einmal nördlich um das Zentrum rum hatte uns fast ausschließlich durch finstere, graue Schluchten von Betonburgen geführt. Wahnsinn, wie die Menschen hier zusammengesiedelt worden sind - und das ja wohl vielfach nichtmal freiwillig, wenn man die Geschichte Rumäniens so zurückverfolgt...

In verschiedenen Reiseberichten auf DSO war immer mal wieder von einem Schnellrestaurant im Bahnhof Bucureşti Nord zu lesen, in dem es rumänische Gerichte gäbe. Auf unseren zurückliegenden Rumänienreisen haben wir eigentlich nie so richtige rumänische Spezialitäten wie z.B. Krautwickeln kennengelernt, weil es in den Hotelrestaurants meist nur Essen gibt, das man überall in der Welt bekommen kann. Das höchste der Gefühle war der Maisbrei seinerzeit im Hotel in Veştem bei Sibiu.

Nachdem wir also einen erstaunlich vollen Bahnhof inspiziert hatten, in dem z.B. ein ex deutscher 624 als Transferoviar Schnellzug von/nach Galaţi oder eine 65 mit zwei Wagen ebenfalls nach Galaţi und eine weitere 65 mit drei Wagen nach Târguvişte standen, fanden wir das Restaurant "Springtime", das Werbung für seine rumänischen Gerichte machte. So weit so schön. Von den rumänischen Gerichten hingen da auch hübsche Bilder bzw man konnte direkt auf die Sachen zeigen.

Der Haken an der Sache war nur, dass man vorher an der abseits stehenden Kasse sagen musste, was man haben wollte. Ich mir also mühsam mein "Sarmale cu carne" gemerkt und tapfer an der Kasse aufgesagt. Ooooh, das war zu einfach. Carne war aus. Nur vegetarisch! Das verstand ich vor allem dank der Übersetzung der netten Dame hinter mir in der Schlange vor der Kasse. Ok, vegetarisch fand sie lecker, vegetarisch nahm ich. Brot dazu? Nein danke. Wirklich kein Brot dazu? Nö, echt nicht. Wie berechtigt die Nachfrage war, merkte ich am Abholtresen. Auf dem Bild waren die Sarmale, also die Krautwickeln, zusammen mit nem Berg von diesem ebenfalls authentisch rumänischen Maisgriesbrei zu sehen. Den wollte ich ja nun auch haben! 3,05 Lei sagte er. An der Kassa zu zahlen natürlich. Ich ließ mir von ihm genau sagen, wie das heißt, wiederholte das aber wohl derartig hoffnungslos ausgesprochen, dass er mir direkt die 3 Lei (auf die 0,05 kam es dann auch nicht mehr an...) abnahm und an der Kasse vom Imbiss in seiner Reichweite einbongte.

Jedenfalls hielt ich nun überglücklich meine Sarmale mit Mămăliga in der Hand. Yannick hatte sich schlicht und einfach für einen Dönerteller entschieden. Übrigens - und das ist das schönste daran - niemand vom Personal ärgerte sich über den blöden Deutschen, der sich so hilflos anstellte, sondern alle hatten ihren Spaß. Die Frau hinter mir in der Schlange machte sogar eine anerkennende Bemerkung, dass ich mich an rumänischen Gerichten versuchen wolle. Und nachträglich las ich, dass die Sarmale in der Karwoche wohl grundsätzlich nur fleischlos gegessen werden. Dass sich da sogar ein Schnellrestaurant dran hält...

Nach dieser willkommenen Stärkung sollte es in die Innenstadt und zum Präsidentenpalast (heute Parlamentspalast) gehen. Mittlerweile hatten wir leider feststellen müssen, dass die Erkundung der Innenstadt mit der Tram kaum möglich war, weil die Straßenbahn großzügig aus dem Zentrum ferngehalten wird. Auf den Kernbereich der Stadt führten diverse Stichstrecken zu, die dann vorher endeten. Wir hatten nun Glück. Ich hatte immer noch nicht kapiert, dass ich mir bei OSMAND die Straßenbahn- und Buslinien ja einblenden lassen kann. Daher stiegen wir auf gut Glück in die erste Strab, die auf der Südseite des Bahnhofsgebäudes angefahren kam, eine einteilige Tatra! Und groß war die Freude, als sie an der Strada Berzei in südliche Richtung abbog und uns zum Parcul Cismegiul brachte.

Von dort hatte ich gedacht, dass man zu Fuß schön durch den Park zum Präsidentenpalast gehen könnte. Schön wäre das auch sicher gewesen, wenn nicht a) der Regen immer stärker geworden wäre und ich nicht b) auf der Karte das falsche Gebäude für den Palast gehalten hätte. Hmmm, ich hatte nach dem Bau mit dem größten Querschnitt gesucht. Der hätte es doch sein müssen? Grummel... Nach Durchquerung des wirklich schönen Parks nach Osten waren wir schon ziemlich nass. Während Yannick die umliegenden Geschäfte nach einem Regenschirm absuchte, googelte ich schnell, wo der Palast nun wirklich liegt.


Hier gibt es Regenschirme! Dumm nur, dass es auch in Rumänien Geschäfte gibt, die sonntags geschlossen haben...

Das war zum Glück nicht sooo weit weg. Wir hätten nur den Park nach Süden verlassen müssen. Kann ja mal passieren. Auf OSMAND war da nur eine Grünfläche eingezeichnet. Der Grundriss des Palastes kam erst zum Vorschein, als man näher heranzoomte. Und das beim zweitgroßflächigsten Gebäude der Welt, sowas...

Ich hab in Washington das Weiße Haus nur aus der Ferne durch die Büsche gesehen, weil ich dann schnellstens für den Nachtzug zum Bahnhof zurück musste. Hier wurde es nicht besser. Wir haben noch die Dâmboviţa gequert und den Palast vor uns über den Bäumen aufragen sehen, doch mehr ging nicht. Wir waren total durchnässt. Erstmal liefen wir zum Schutz vor dem Regen runter in die Metrostation Izvor. Sanft und leise glitten die Züge hier durch den Tunnel. Wir hätten direkt von hier zu unserem Auto nach Republica / Bf Titan Sud zurückfahren können. Aber das wäre zu einfach gewesen. Eine Strab gab es auf dieser Seite des Palastkomplexes zwar nicht, wohl aber eine Bushaltestelle. Der Bus, mit dem wir mehr vom Palast gesehen hätten, war gerade weg, also erstmal weiter von den Autos vollspritzen lassen. Und bei den hiesigen Straßenverhältnissen konnten die in hohen Bögen spritzen! Dann kam ein Bus Richtung Piaţa Unirii. Den nahmen wir und wechselten dort nach einem letzten Blick auf den Palast auf die Straßenbahn.


Bukarest im Regen... Blick entlang des Bulevardul Unirii zu Nicolae CeauČ™escu seinem Regierungshäuschen.

Zu extrem kalt und nass für eine Strab Rundfahrt fühlten wir uns noch nicht. Und so testeten wir mit Riesenumwegen noch weitere in Richtung Stadt führende Stichstrecken: Piaţa Unirii - Parcul Carol - Calea Dudeşti - Bucur Obor - Piaţa Sf Gheorge.


Bukarest im Regen II... Piaţa Sf Gheorge.

Von dort ging es zu Fuß rüber zur Piaţa Sf Vineri. Ab hier machten wir uns auf die Heimreise. Durchgängig wäre ab hier die 56 gefahren, doch wir nahmen einfach eine als erstes auftauchende 40 und beschlossen, irgendwo umzusteigen, wo auch die beiden anderen ans Ziel führenden Linien dazu kämen. In der 40 fingen plötzlich zwei Leute an, sich immer lauter werdend zu streiten. Fast musste man Handgreiflichkeiten erwarten. Die Stimmung wurde immer agressiver! Das Lustige an der Sache war allerdings, dass die beiden Streithähne zwei ältere Damen waren, die mit weiteren Senioren zusammen unterwegs waren.

Weniger lustig war dann allerdings, dass sich nun drei junge Männer von dem Typ, von dem ich dachte, die wären alle als Türsteher nach Deutschland ausgewandert, in den Streit einmischten. Der Wortführer brüllte die Omis an, nur um seinerseits mit seinen Kumpels lautstark den Wagen zu unterhalten. Wir waren froh, als die wieder draußen waren. Bald hatten wir alle zu unserem Ziel führenden Linien zusammen und stiegen mal aus. Dummerweise hatten wir nicht geschaut, ob es dort auch einen Unterstand gäbe. Gab es nicht. Und es schüttete wie aus Kübeln. Nichtmal die Bäume am Straßenrand boten mehr Schutz. Mit der nächsten Tram versuchten wir es eine Station weiter - mit demselben Erfolg. Doch dann kam als nächstes eine 46, mit der es an den Faur Werken entlang zurück zum Auto ging. Und das stand auch noch unversehrt im reißenden Wildbach des Straßenrandes. Auf der Fahrt ins Hotel kamen wir uns vor wie der neue Riverbus in Hamburg. Wir konnten genauso durch Wasser fahren, die Straßen standen voll davon!

Beim Abendessen legten wir uns die Karten für die nächsten Tage. Für vielleicht zweieinhalb schöne Tage nach Iaşi hochfahren? Irgendwie machte das keinen Sinn mehr. Denn dort oben hätte es ja auch paar weitere Bahnen gegeben, die uns interessiert hätten. Das muss man wohl mal als separate Tour angehen. Vielmehr hatten wir heute an der Olteniţa Piste paar nette Stellen entdeckt, die wir gern noch umsetzen wollten. Das könnte man vielleicht als Abschluss tun. Und in der Zwischenzeit liebäugelten wir ein wenig mit der Strecke Roşiori Nord - Alexandria, wo sich 60er und Malaxas den Verkehr teilen sollen. Die Strecke führt zwar ebenfalls nur durchs Flachland auf die Donau zu, aber vielleicht würde ja was gehen.

Montag, 25.04.2016

Oh Mann, die Wettervorhersage wurde immer mieser. Die zweite Wochenhälfte war nun auch am "bröckeln". Zwar sagte man für Mi und Do noch gutes Wetter voraus, doch Freitag und Samstag waren schon mit aller Kraft am Zusammenbrechen. Was für ein Mist! Wir ließen es heute Morgen erstmal ganz ruhig angehen. Das Frühstück gab es dann überraschend eine Etage höher in Buffetform. Die Auswahl war groß, man konnte sich auch durch diverse einheimisch aussehende Balkanpasten und -salätchen durchschlemmen, während es draußen regnete und regnete.

Danach ließen wir uns viel Zeit. Die Motivation war jetzt nicht gerade auf dem Höhepunkt. Aber frisch gestärkt sah der Himmel nicht mehr ganz so finster aus, und wer sich paar Wochen zuvor noch über die Wasserarmut im Südwesten der USA beschwert hat, sollte sich über den herrlichen Regen doch regelrecht freuen! Jedenfalls hatten wir ein Konzept. Erstmal ganz entspannt die etwa zweistündige Fahrt nach Alexandria absolvieren, und dann an der dortigen Strecke kundschaften.

Wir fuhren genau den Weg, den wir schon letztes Jahr auf dem Weg von der Schwarzmeerküste nach Timişoara genommen hatten. Bzw ein kleines Teilstück davon... Erst ging es auf der Centura, dem Bukarester Südring entlang, wobei diesmal wieder zwei kleinere Stockungen vor diesen ungeregelten Straßenkreuzungen vorkamen. Dann ging es auf der DN6 südwestwärts. Zu der Fahrt kann ich nur dasselbe schreiben wie 2015: Viel Verkehr, aber sehr flüssig und zügig. Kurz vor Alexandria kam der Ort Vităneşti. Ein banger Blick zu unserer gebuchten Unterkunft: Doch, ja, sah sehr sympatisch aus, schön an einem See gelegen mit großer Terrasse. Nicht, dass man die gebraucht hätte. Es regnete immer noch. Aber immerhin hatte der Regen ein wenig nachgelassen…

In Alexandria suchten wir zunächst den Bahnhof auf. Um 12.20 waren wir da. Laut Kursbuch und Aushang hätte jetzt ein Zug nach Roşiori Nord abfahren müssen, laut Online Auskunft aber nicht. Ein Zug mit 60 und zwei Wagen stand da, Leute saßen drin. Aber der wartete auf die nächste Abfahrt um 14.08...

Für uns stand nun Kundschaft an. Wir beschlossen, erstmal nordwärts Richtung Roşiori Nord zu schauen. Na ja, es war nun nicht so, dass einem die Motive nur so ins Gesicht gesprungen wären. Einen BÜ zwischen Buzescu und Plosca mit paar Pappeln fiel auf. Dann schauten wir uns den Bf Plosca näher an. Das EG machte einen hübschen Eindruck und war ein potentielles Motiv für Morgens.

Unser Umherstreunen (ohne Kamera!) war nicht unbemerkt geblieben. Cheffe beobachtete uns neugierig und fragte auf unseren Gruß hin etwas. Wir fragten, ob er englisch oder deutsch könne. Konnte er aber nicht. Wieder mal rettete uns der Google Translator. Mit Hin- und Herreichen von Yannicks Iphone unterhielten wir uns nun wohl eine ganze Stunde lang. Zum Glück war ihm eine Smartphone Tastatur nicht fremd, er hatte selbst eines. Wir sagten ihm, dass wir Kollegen aus Deutschland seien. Er erzählte, dass er als Gehalt 350 Euro monatlich rausbekommen würde. Das sind wirklich andere Dimensionen...

Natürlich fand er die deutsche Bahn rasant und toll ("Züge sssst"), die rumänische hingegen überhaupt nicht ("Züge bäääh!"). Tja. Wie sollte man ihm erklären, dass die in seinen Gleisen grasenden Kühe und Esel eine enorm wohltuende Alternative zur deutschen Hektik darstellten? Köstlich amüsiert haben er und der gerade anwesende Streckengeher sich über einen der Bahnhofshunde, der den örtlichen Supski regelrecht anfiel, biss und letztendlich vertrieb. Die Szene hatte geradezu etwas "märchenhaftes", wie der schwarzgemalte „Böse“ des Dorfes vertrieben wurde, der in Wirklichkeit eine „arme Sau“ war... Zu uns und allen anderen war der Hund total freundlich. Hühner liefen im Bahnhof nicht herum. Der Fdl meinte, wenn er mal eines in den Gleisen sehen würde, nähme er es mit nach hause für den Topf.

Direkt hinterm Bahnhof ist jetzt die schweizer Agrarfirma Ameropa ansässig. Ab Juni bekommen die wohl regelmäßig Düngerzüge und verladen dafür landwirtschaftliche Güter zum Schiff nach Constanţa. Den schlechten Zustand seines Bahnhofs bekamen wir dann bei der Kreuzung um 14.38 mit. Der Nordfahrer durfte das Ausweichgleis offenbar nur mit halber Schrittgeschwindigkeit befahren...


Man musste schon sehr genau hinschauen, um eine Bewegung wahrzunehmen. Der Bummelzug aus Alexandria braucht wohl fünf Minuten, bis er vollständig in den Bahnhof Plosca einge"fahren" ist. Die Rinder fühlen sich jedenfalls absolut sicher.

Ein kurzer Abstecher weiter in Richtung Roşiori hatte noch die nette Ortsdurchfahrt Peretru zutage gefördert. Gerade mittags sollte vom Bahnsteig, mittags und abends vom nördlichen BÜ etwas mit der Flucht der Telegraphenleitung gehen. Für Querschüsse war hingegen eine diagonal auf die Bahn zuführende Straße noch ein Stück nördlich nicht verkehrt.

Nun ging es nach Süden. Zweimal am Tag fährt man aktuell noch von Alexandria bis Zimnicea weiter. Laut Plan sollten das beides Malaxas sein, doch eben bei der Kreuzung war der Südfahrer der Zug nach Zimnicea, und das war ja eine 60 mit zwei Wagen gewesen. In Alexandria gönnten wir uns beim Imbiss vorm Kaufland erstmal paar Mici, denn wir hatten mittlerweile gut Kohldampf bekommen. Ein Ort hinter Alexandria, in Poroschia, schauten wir mal eine Bahn querende Straße entlang. Gut, dass man Bahnübergänge ernst nimmt. Prompt mussten wir erstmal den Zug durchlassen, der in Alex lange Aufenthalt gehabt hatte. Und zu allem Überfluss brach jetzt gerade ein kleiner Sonnenstrahl durch die Wolken! Tja, hier war die Geländekante, die das Flusstal der Vedea begrenzte, so nah an die Bahn getreten, dass man sie als erhöhten Standpunkt hätte nutzen können. Ein Motiv, das wir an den nächsten Tagen mal haben wollten!

Wir schauten weiter. Andere aufgesuchte BÜs konnten dem von Poroschia aber nicht das Wasser reichen. Eine andere nette Stelle gab es dort, wo die Hauptstraße südlich Smârdioasa unter der Bahn durchführt. Ein Weiher, ein Teich und die Bahn auf einem Damm - da sollte was gehen! Uns machten nun aber erstmal paar im Süden erkennbare Aufhellungen am Himmel ganz wuschig. Nun ging es erstmal zig Kilometer weit durch richtig hügelige unendliche Felder ohne einen Ort dazwischen, bevor sich das Gelände zur Donau hin absenkte. Keine Chance, an die Bahn ranzukommen.

Wir wollten versuchen, von Zimnicea aus die Straße nach Fântânele bis zu deren BÜ reinzufahren. Vielleicht ginge dort ja was. Und das sah dann auch gar nicht so schlecht aus, denn dort war sogar ein sehr fotogener Schrankenposten. Und die Wolken hatten große Löcher bekommen! Problematisch wurde es, als der Wärter die Schranken dicht gemacht und uns bemerkt hatte. Das gefiel ihm ja nun ganz und gar nicht, dass wir fotografieren wollten. Er keifte praktisch durchgehend zu uns rüber. Wir wandten uns lieber erstmal etwas ab. Die Sonne war sowieso nicht voll da. Als der Zug kam, wandten wir uns aber wieder dem Motiv zu, hatten aber plötzlich einen störenden Pflock im Bild, wegen dem ich wohl in der Hektik arg weit nach links gehalten habe.


Der Schrankenposten kurz vor Zimnicea. R 9367 ist ggü Umlaufplan kein Malaxa, sondern ein "richtiger" Zug.

Zurück zum Ort und Bahnhof mussten wir natürlich über die Schranke rüber. Der Wärter war am telefonieren. Nun denn... Am Bahnhof konnten wir nach dem Lokumlauf tatsächlich die ersten Vollsonnenbilder des Tages machen. Das war ja mal richtig klasse! Und das Lok- und Zugpersonal winkte fröhlich.


Nach dem Lokumlauf kommt im Bahnhof von Zimnicea die Sonne voll raus!

Als wir zum Auto zurück gehen wollten, kam da plötzlich ein Polizeiwagen angefahren. Er hielt auch neben unserem Wagen, fuhr dann aber weiter. Damit war diese Episode hoffentlich durch. Wir fuhren dem Zug zu einer vorhin erspähten Gegenlichtstelle voraus. Dort war es egal, dass gerade zum Zug die Sonne verschwand. Dasselbe war dann deutlich ärgerlicher an der Weiherstelle, wo eine der sich rapide auflösenden Wolken rechtzeitig den Zug verdunkelte. Mit Sonne ging die Fuhre dann allerdings bei Poroschia und in Alexandria Nord, dem Hp mit der Fahrradständer-Überdachung.


Der Zug von Zimnicea in den weiten Feldern nördlich der Donau.


R 9368 rollt entlang der Ortschaft Poroschia.


Derselbe Zug fährt in den Hp Alexandria Nord ein.

Dann ließen wir ihn fahren. Wir waren auch neugierig, was denn wohl im Bahnhof stände. Laut Umlauf müsste das auch ein Malaxa sein. Das war dann aber die bereits mittags gesehene Garnitur mit dem blauen Wagen. Immerhin stand die Garnitur dort fotogen hinterstellt, so dass wir das immer wieder hervor kommende Abendlicht für paar Standaufnahmen nutzen konnten.


Und das ist der "Hauptbahnhof" von Alexandria, der 45000 Einwohner zählenden Kreisstadt des Judeţul Teleorman.

Auf dem Rückweg zum Auto sprach uns ein Eisenbahner sehr freundlich an. Der Geste nach interessierte er sich für eine Fotogenehmigung, wobei er lachend seine Späßchen machte. Wir taten so, dass wir unser gegenseitiges Nichtverstehen auch lustig fänden und nicht verständen, was er wollte. Er machte dann eine Bewegung der Art "ist ja auch egal", und gut war es...


Rapsblüte im Landkreis Teleorman, zwischen Alexandria und Vităneşti.

Mit kleinem Umweg über den Pappel BÜ hinter Buzescu, wo wir vergeblich auf DEN Güterzug warteten, wo aber statt dessen wieder geschlossenere Wolken kamen, ging es in den Gasthof nach Vităneşti. Gasthof "Hahn" war gebucht, Hanul Cocoşul, wobei "Hanul" der Gasthof und "Cocoşul" der Hahn ist, alles klar? ;-)

Irgendwie schienen wir als Ausländer mal was richtig Neues gewesen zu sein. Aber sowohl der englisch sprechende Kellner als auch die Dame, die offenbar die Unterkunft unter sich hatte, waren super freundlich. Aaah, booking.com, man erinnerte sich. Schade, der erst genannte Preis für zwei Nächte betrug 280 Lei, der booking.com Preis betrug dann 320 Lei. Der Unterschied von ca 4 Euro pro Nacht ist natürlich schon etwas hart. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass booking.com und ähnliche Dienste die Unterkunftssuche auf solchen Reisen um ein Vielfaches vereinfacht hat, und dafür bin ich auch bereit, etwas zu bezahlen. Der ziemlich neu wirkende Gasthof lag wirklich schön am See. Das Zimmer war picobello und lag ruhig auf der Hauptstraße abgewandten Seite des Gebäudes. Während des Abendessens im Restaurant konnten wir den Sonnenuntergang genießen. Uuuuurlaub!


Abendstimmung - beobachtet von der Terrasse des Hanul Cocoşul zu Vităneşti.


Der Sonnenuntergang - beobachtet von der Terrasse des Hanul Cocoşul zu Vităneşti.

Dienstag, 26.04.2016

Die Sonne von gestern Abend war schon wieder Geschichte. Es goss in Strömen. Und das sollte es noch den ganzen Tag weiter tun. Und die Dusche wurde heute Morgen nicht wirklich warm. Aber wir hatten schon wieder ein Konzept. Der Plan war, heute mal die ganzen anderen Donaunebenbahnen im Grenzgebiet von Oltenia und Mundenia, der Kleinen und der Großen Walachei, abzuklappern, um zu schauen, was da so rollt. Die meisten dieser Bahnen waren ja bei der Regiotrans Krise wieder zurück an die CFR gegangen.

Dummerweise fragten wir uns erst nach dem Aufstehen, warum wir uns genau den 8.23 Zug in Vlaşca anschauen wollten und warum man dafür nicht einfach den 10.20 Zug nimmt... Also nochmal umgedreht. Gegen 8.45 weckte ich Yannick erneut. Wach war er dann auch, aber irgendwie haben wir dann doch länger rumgeblödelt als geplant, so dass wir erst um 9.45 beim Frühstück waren. Wir ließen uns ganz simpel Brot mit Butter, Honig und Marmelade servieren. Leider erlebten wir hier schon zum zweiten Mal auf der Tour, dass als Brot Toast serviert wurde und kein frisches Weißbrot. Na ja, kannst nix machen. Der Kaffee war aber hervorragend! Für die kalte Dusche hatte sich die Managerin während des Frühstücks ungefragt (!) entschuldigt. Der Fehler werde gleich behoben sein.

Gut gestärkt ging es dann los. Der Zug 10.20 in Vlaşca war natürlich auch nicht mehr erreichbar. Aber er sollte nach Giurgiu runter fahren. Dann würden wir uns den Zug eben dort anschauen. Dazu fuhren wir gleich dem Hotel gegenüber in die Straße hinein, um über Purani, Răsmireşti nach Toporu an die Giurgiu Piste zu gelangen. Ab dort sollte man die ganze Zeit bahnparallel nach Giurgiu fahren können.

Die Fahrt war dann auch richtig schön. Die Gegend hier ist doch deutlich hügeliger als erwartet. Mit den Alleen, den verblühenden Rapsfeldern und dem ununterbrochenen Landregen fühlte ich mich irgendwie nach Vorpommern versetzt. Die Landschaft passte, und der Regen erinnerte mich an eine total verregnete Tour an die Prenzlauer Kreisbahn in den Neunzigern. Die sich durch Hügel und Seen windende Straße war bestens ausgebaut und herrlich leer. Hmmm, welche Gesetzmäßigkeit hatten wir da jetzt nicht beachtet? Da war doch was!?! Wenn eine Straße keinen Verkehr aufweist, wenn man in den Dörfern mit großen Augen staunend angeschaut wird, so wissen die Dörfler mehr als wir. Nämlich, dass wir gleich ein zweites Mal an ihnen vorbeikommen, und zwar in der Gegenrichtung. Und so war es dann auch. Die topp ausgebaute Landstraße DJ506a ging genau an der Landkreisgrenze in eine vollkommen üble Ackerpiste über! Und die war gerade jetzt bei der Nässe absolut unbefahrbar!


Willkommen im Landkreis Giurgiu, dem Landkreis mit der etwas anderen Prioritätensetzung beim Straßenbau.


In Teleorman waren die Straßen alle irgendwie besser.

Also mussten wir in einem weiten Bogen wieder zurück. Erst bis Vităneşti zum Hanul Cocoşul und von dort auf der DN6 nach Vlaşca. Wie bereits gestern bei Querung der Bahn in Vlaşca stand auch heute ein wartender südfahrender Güterzug im Bahnhof, diesmal einer von GFR. Nun ja, es regnete und regnete, insofern war es egal. Höchstens bei Verkehren von Malaxas auf dieser Piste könnte man sich hier bei Wetter auch um die Güterzüge mit kümmern. Die Straße entlang der Bahn südwärts ließ sich gut fahren und führte auch wieder durch eine Allee. Bald kam man am Bahnhof von Toporu vorbei. Stück weiter kam von rechts die Straße heran, auf der wir vorhin gern rausgekommen wären. Hier war sie wieder asphaltiert. Nicht asphaltiert war nun hingegen die Straße, die wir parallel zur Bahn weiterfahren wollten. Nach einem Schild "nur für Anwohner" endete die Asphaltdecke und es begann wieder die typische rumänische Ackerpiste. Da brauchten die Anwohner schon Kettenfahrzeuge, wenn sie dort weiter wollten. Wir warteten mit dem Blick in die verregnete Weite dann einfach mal auf den Bummelzug aus Giurgiu.


Wieder mal zeigt sich das Land auf die Donau zu außerordentlich menschenleer. 18 Kilometer sind hier zu fahren, bevor das nächste Haus und damit auch der erste Ort im Dunstkreis von Giurgiu in Sicht kommt! Der Nahverkehr von Giurgiu hat gleich Toporu erreicht. Giurgiu besitzt auch eine Bahnbrücke über den großen Strom. Der Fernverkehr auf der Schiene von und nach Bulgarien nimmt auch diese Strecke. Die direkte Verbindung Bukarest - Giurgiu wird nicht befahren.

Ok, wegen der Baureihe mussten wir uns nun definitiv nicht länger um diese Strecke kümmern... Nun interessierten uns noch die zwei Nebenbahnen westlich der Alexandria Piste, rund um die Oltmündung. Aufgrund der dürftigen Fahrpläne mussten wir erst die westlich des Olt auf die Donau zuführende Nebenbahn Caracal - Corabia erkunden und dann die Piste Roşiori Nord - Turnu Măgurele in umgekehrter Richtung. Auf der DN6 ging es also stramm durch bis Caracal. In Roşiori Nord war nur ein ganz schneller Abstecher zum Bahnhof drin, in dem Yannick einen Malaxa 900 stehen sah, während ich draußen wartete. Nichtmal Zeit für paar mittägliche Mici hatten wir - und das an solch einem Mistwettertag! Aber wir wollten ja den Zug sehen.

Und das wurde dann auch eine regelrechte Punktlandung. Die auf OSMAND verzeichnete Umgehungsstraße Caracals war erst im Bau, so dass wir mitten durch die Stadt mussten und am Gleis der Nebenbahn zur Abfahrtzeit des Zuges nach Corabia ankamen. Wir warteten einfach mal am BÜ und stellten uns in die erste Reihe, als er anging. Nach mindestens fünf Minuten Wartezeit, in der sich hinter uns ein langer Stau gebildet hatte, tauchte er auf, der Zug nach Corabia. Es war --- die Spannung stieg ins unermessliche! --- ein --- tataaaaa!!! --- vollgeschmierter Malaxa 900. Na suuuper! Das Fahrzeug wollten wir, das Geschmier weniger...

Das Blinklicht benötigte nochmal etwa dieselbe Zeit, bis es wieder ausging. Der Zug war über alle Berge, doch kein Rumäne fuhr los. Unglaublich! Wir dann also auch nicht. War ja eh kein Wetter. Als wir endlich die Stadt verlassen hatten und das Triebwägelchen auf der Landstraße langsam aber sicher wieder einholten, erkannten wir allerdings, dass die für Sonnenbilder interessante Westseite komplett sauber war.

Eine Verfolgung auf einer rumänischen Nebenbahn kann sich sehr schwierig gestalten, wenn unterwegs ein Schrankenposten liegt, der bereits irre früh dicht macht. Im Falle dieser dreimal am Tag bedienten Strecke befand sich der Posten am Hp Studina. Der Hp mit dem Posten konnte allerdings ein nettes Ensemble darstellen, das wir für morgen im Hinterkopf behalten wollten. Das Hauptmotiv der Strecke war in unseren Augen allerdings das Ensemble des nächsten, mittlerweile nicht mehr besetzten Bahnhofs Vişina. Hier konnte man sowohl mit den alten Weichenwärterbuden als auch mit dem EG etwas machen.

Dann war auch bald Corabia erreicht. Der Bahnhof liegt fast an der Donau. Wir wollten gerade interessiert um die Ecke des EG schauen, da griente uns die Visage eines Polizisten an, der von der anderen Seite ums EG lugte. Klar, das Flüsschen hier auf der anderen Seite des Bahnhofs ist eine Grenze. Ganz Corabia war voll von Grenzpolizei. Und da wird natürlich besonders der Bahnhof als die wichtigste Verkehrsdrehscheibe *g* überwacht... Wir überlegten, ob man es morgen doch mal irgendwie versucht, aber heute machte es eh keinen Sinn.

Wir fuhren nun parallel zur Donau wieder in unseren momentanen Wahlheimatkreis Teleorman zurück und kreuzten den Olt, an dessen Verlauf wir in den letzten beiden Jahren so viel gemacht hatten, nunmehr kurz vor seiner Mündung in die Donau. Eine wunderschöne Landschaft. Der Fluss ist hier ausnahmsweise mal nicht aufgestaut und mäandriert ziemlich durch eine kahlgeschorene Wiesenlandschaft mit vielen prächtigen Bäumen und bildet jede Menge verlockend aussehende Sandstrände. Auf der anderen Seite des Olt kamen wir nach Turnu Măgurele, dem Donau seitigen Endpunkt der letzten zu betrachtenden Nebenbahn in dieser Gegend. Hier gibt es nur zwei Zugpaare, eines so um 4 Uhr morgens herum, und das um kurz nach 16 Uhr ab Roşiori Nord, dem wir jetzt entgegen fuhren.

Die Strecke verläuft nun allerdings völlig abseits der Straße. Aus dem Donautal muss sie sich erstmal am Rande des Olttales auf die Hochebene hocharbeiten. Dort geht es erstmal über weite Felder. Das ist schon etwas kurios: Bei allen vier bislang besuchten Donau-Nebenbahnen geht es ab den Donaustädten Corabia, Turnu Măgurele, Zimnicea und Olteniţa nordwärts erstmal kilometerweit nur durch weite Felder, bis die Dörfer dann wieder in dichterer Folge kommen.

Interessant wird die Turnu Măgurele Strecke im Bereich Salcia, wo das in die Landschaft eingeschnittene Tal des Călmăţui gequert werden muss, in das sich die Bahn hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf windet. Und in dieser schönen offenen Wiesenlandschaft liegt das traumhafte Ensemble des Bahnhofs Salcia Teleorman, der noch besetzt ist und Formsignale besitzt - sogar jene seltenen gelbflügeligen Vorsignalwiederholer. Das wollten wir jedenfalls auch mal mit Sonne haben! Morgen dann hoffentlich…

Den Zug warteten wir ein Stück nordwärts am ansonsten unfotogenen Hp Troian ab. Es war --- ebenfalls ein Malaxa 900, noch dazu einer in schönem Pflegezustand. Wenn diese beiden Fahrzeuge auf diesen beiden Strecken morgen, oder wann immer die Sonne scheinen würde, so wieder fahren würden, wären wir wohl zufrieden. Für uns ging es in den Endspurt nach Alexandria, wo wir noch zwei Zuggarnituren checkten. Beides wieder Lok bespannte Züge mit 60 und zwei Wagen, der eine hatte sogar einen Dosto und einen normalen Wagen.

Wir hatten nun so einen Kohldampf, dass wir erstmal vorm Kaufland paar Mici einschoben, bevor wir ins Hotel zum Abendessen fuhren. Gestern hatte mir die Hähnchenbrust mit dem Mais-Griesbrei so gut geschmeckt, dass ich dasselbe nochmal nahm...


Und wir bekamen die Sonne heute doch noch zu sehen. Beim Untergang! - Beobachtet von der Terrasse des Hanul Cocoşul zu Vităneşti.

Die Wettervorhersage versprach immer noch einen sonnigen Tag für morgen. Um so wenig wie möglich falsch zu machen, strickten wir uns für morgen ein genaues Programm für jeden einzelnen Zug. Da könnte bischen was gehen. Wir waren gespannt. Aber es ist kaum zu glauben, wie zwei schöne Tage am Horizont auch mal über solch eine Schlechtwetterphase hinweg helfen können...

Mittwoch, 27.04.2016

Der Morgen begann früh und mit dem bangen Blick aus dem Fenster. Erstmal sah man nur diese uneindeutige Pampe, die alles sein konnte. Dann aber kristallisierte sich neben einem horizontnahen Dunst wirklich wolkenfreier blauer Himmel heraus. Das gefiel und das motivierte! Zum Glück hatten wir abends Bescheid gesagt, dass wir um 6.30 mit dem Auto raus wollten. Tatsächlich stand der Nachtwächter schon am Tor bereit und schloss auf. Das ganze Gelände war nämlich massiv eingezäunt. Bevor wir losfuhren, mussten wir allerdings auch noch Eis kratzen! Das nahmen wir aber gern in Kauf.

Bereits um 7 Uhr standen wir für den 7.20 Zug in Plosca auf der Ladestraße. Wir erlebten so richtig das Erwachen des Dorfes. Es duftete nach Landluft. Hähne krähten, die Leute strömten zu Ameropa, dem Landwirtschaftsbetrieb, oder zum Bahnhof. Berufsverkehr nach Alexandria. Was für ein schöner Morgen. Der Zug hatte dann auch eine hübsche Garnitur mit erträglich sauberer 60 und Wagen in blau und rot. Sehr schön!


Ein alltäglicher Morgen im Bf Plosca. Der Regionalzug von Roşiori Nord nach Alexandria fährt ein. Wir stehen auf dem "wilden" Bahnübergang vom Dorf zu Ameropa.


Ob diese Tierchen wohl dem Bahnpersonal gehören?

Für das anderthalb Stunden später in Plosca kreuzende Zugpaar hatten wir nicht so die must haves, wohl aber zwei Streckenabschnitte ausgeguckt, wo das Licht gut stehen würde. Einer davon war der Abschnitt südlich Roşiori. Nach der Aufnahme von Kaffee to go und 7days Croissants an einer Tanke am südlichen Ortsrand von Roşiori versuchten wir mal einen Feldweg am Rande eines eingedeichten Kanals zur Bahn vorzustoßen. Das gaben wir aber bald auf.

Der zerfurchte Ackerweg war durch die Nässe der Vortage derartig seifig-glitschig, dass der Duster nicht mehr lenkbar war. Wenn wir jetzt unfreiwillig den Deich runterglitschten, wäre unser schönes Konzept bereits nach dem ersten Zug zuende gewesen. Zum Drehen kam uns das Gleitverhalten Schmier (an den Reifen) auf Schmier (der Weg) allerdings entgegen. Mit dem zufällig richtigen Dreh hat das Auto fast auf der Stelle gewendet. Das hätte auch schief gehen können. Wenn alle vier Räder ein Schmiermäntelchen tragen, nutzt auch Allradantrieb nichts mehr. Wir waren froh, als wir wieder die Straße unter den Rädern hatten und sich die Erdkruste langsam von den Rädern pellte.

Aber wir gaben nicht auf. Wir entdeckten einen Weg, der nicht ganz so schlimm aussah und der vor allem nicht auf einem Deich verlief. Der wurde sogar bald besser und etwas trockener, so dass wir gut zu einem BÜ mit Baum kamen. Motivlich war das zwar minimalistisch, aber der Zug kam dort sogar besser als erwartet.


Der Regio nach Alex zwischen Roşiori und Peretru.

Außerdem war das einfach ein herrlicher Ort zum Frühstücken. Es war fast kein Verkehrslärm zu hören, dafür stand die Feldlerche am Himmel und zwitscherte ihr Sommerkonzert. Ich liebe diesen Vogel - dessen Gesang ich mit warmen Sommertagen in der Natur verbinde. Der Zug von eben sollte nun in Plosca mit dem Frühzug aus Zimnicea kreuzen. Laut Umlauf wäre das ein Malaxa. Zwar hatten uns die letzten Tage belehrt, dass hier wohl keine Malaxas (mehr) fahren, aber falls doch, wäre ein Nachschuss drin. Nun ja, es kam dann beides. Eine 60 vorm Malaxa. Da hätte der Nachschuss vielleicht doch etwas komisch ausgesehen. Deshalb liefen wir schnell vor, um das Gespann seitlich von vorn zu nehmen.


Und es gibt doch Malaxas auf dieser Strecke! Regio 9372 aus Zimnicea besteht aus einem der ersehnten Triebwagen, hat aber in Alex die 60 aus dem in Plosca fotografierten Zug vorgespannt bekommen. Wir stehen natürlich nicht auf dem Acker (wären da eh versunken...).

Der nächste Programmpunkt war nun erst wieder gegen 11 Uhr zu erwarten. Für den Zug hatten wir die Ortsdurchfahrt von Peretu im Auge. Da wir hier auf dem Feld aber so herrlich standen, blieben wir einstweilen dort und hörten noch ein wenig der Lerche zu. Dann kam uns noch die Idee, dass wir mal unser Scheibenwischwasser auffüllen könnten. Da kam nämlich überhaupt nichts raus. Wir fuhren nach Roşiori rein und suchten dort einen Supermarkt auf. Dort gab es aber zunächst erstmal nur das Wasser dazu. In der Tanke fanden wir den Rest. Hatten wir erst noch überlegt, das Zeug Sixt in Rechnung zu stellen, ließen wir den Gedanken angesichts einer Rechnung von zwei Euro für den Riesenkanister bald wieder fallen. Zum nächsten Zug ging es dann nach Peretu. Das Motiv war hier einfach die ländliche Idylle.

Schade war nur, dass zum Zeitpunkt der Zugdurchfahrt a) der Esel uns den Allerwertesten zudrehte, b) der einzige motorisierte Bauer des Dorfes seinen Wagen am nächsten Telegraphenmasten geparkt hatte und c) natürlich gerade kein Pferdegespann vorüberfuhr. Deshalb habe ich all diese Dinge, die sich im Abstand weniger Minuten abspielten zwecks elektronischer Zusammenraffung einzeln zusammenfotografiert...


Zu unserer Überraschung besteht der 11-Uhr-Zug nach Alexandria aus vier Doppelstockwagen! Hier erreicht er gerade Peretu. Das Bild fasst paar Augenblicke innert 2 Min zusammen, siehe Text.

Das war der Vormittag. Mit Blick auf den Bahnsteig in Roşiori Nord, wo die Lage ähnlich wie gestern war, ging es westwärts. Der gravierende Unterschied war aber, dass wir diesmal Zeit zum Essen fanden. In Mihăeşti sahen wir ein Terrassenlokal, wo der Grill angeheizt war. Das wurde schon mal vorgemerkt. Noch war es allerdings etwas früh fürs Essen. Bei Vorbeifahrten auf der Landstraße hatte der Bahnhof des Dorfes immer einen hübschen Eindruck gemacht. Rund herum kahl geschorene Wiesen, davor ein Brunnen, dahinter eine Art Deich, auf dem Imker ihre Körbe ausgebreitet hatten. Wir setzten uns eine Weile, in der bis auf einen Arbeitszug nichts kam, auf die Wiese und wechselten gegen 12.30 in das Grilllokal.


Ein Bauzug ist in den Bf Mihăeşti eingefahren.

Als wir im Lokal saßen, hörten wir mindestens drei Züge vorbei rollen. Wir hatten jetzt aber ein ganz anderes Problem: Bei der Bestellung von 10 Mici pro Person waren wir von der Größe der Micis von unserem Kaufland Grill in Alex ausgegangen. Die hier waren aber doppelt so groß. Üüüübel! Aber leeeecker! Senf gab es so viel wir wollten. Wir schafften immerhin 15 Stück...

Nun konnte man für den sicherlich nicht ganz so entspannten zweiten Teil des Tages jedenfalls gut gestärkt starten. Wir querten wieder den Olt und fuhren in Caracal zunächst den Bahnhof an. Die Zeit war jetzt jedenfalls. Laut Abfahrtsplan hätten in Gleis 1 die Züge nach Corabia und Piatra Olt bereitgestellt werden müssen. Der erste kam bald - ein sauberer Malaxa, yippieh! Der andere sollte laut online Auskunft gar nicht fahren...


R 9063 ist in Caracal zur Fahrt nach Corabia bereitgestellt worden. Nebenan wartet eine GFR 40 auf die Weiterfahrt. Hinten in der Abstellung stehen ein weiterer Malaxa 900 und ein zum Messzug umgebauter Malaxa 750 dahinter.

Die Verfolgung des Zuges nach Corabia begannen wir bei Deveselu. Dort wurden wir allerdings auf eine lange Probe gestellt, denn der Zug kam und kam nicht. Wir entdeckten allerdings im Internet, dass der Zubringer aus Craiova mit +33 im Zulauf war. Und tatsächlich kam das Malaxachen mit nurmehr rund 27 Min Verspätung angefahren. Und die Verfolgung klappte wirklich optimal! Wir kamen sogar in Studina beim Schrankenposten noch über die Gleise, parkten hinter der Schranke, erklärten dem Wärter, was wir wollten und er war kein Meckerposten, sondern einverstanden.


R 9063 bei Deveselu,...


hinter Deveselu,...


in Studina...


...und in Vişina.

In Corabia sind wir dann mal lieber nicht zum Bahnhof gefahren, sondern haben das Wägelchen zur Rückfahrt an der Ausfahrt abgewartet. Leider hatte der Wärter das Signal furchtbar früh zurückgelegt. Aber der Durchblick auf die Donau war mal was Charakteristisches...


Und ruckzuck geht es wieder zurück. Malaxa 77 0967 verlässt den an der Donau gelegenen Bahnhof Corabia.

Zügig gelangten wir nun wieder über die Oltmündung nach Turnu Măgurele. Da wir aufgrund der Verspätung ja nun fast eine halbe Stunde in Verzug waren, schied der geplante Blick von der Ortsumgehung Roşiori ganz im Norden der Turnu Măgurele Piste jedenfalls aus. Somit hatten wir aber etwas Zeit gewonnen, um am Bahnhof Turnu Măgurele zu kundschaften. Da hätte es auch einige nette Motivmöglichkeiten gegeben, doch dazu hätte der Zug vielleicht eine Stunde früher fahren müssen. So passte es einfach vom Licht her nicht. Übrigens befinden sich im Bereich Turnu Măgurele sage und schreibe drei Schrankenwärter. Für zwei Zugpaare am Tag!

Wir fuhren nun unser Hauptmotiv an, den Bahnhof Salcia Teleorman. Dazu parkten wir unterhalb des Bahnhofs und liefen oben über die Gleise für den klassischen Blick von der Ladestraße. Leider war das Licht schon zu weit rum, aber das war uns klar gewesen. Der Bahnhof war, wie gestern erwähnt, ein Kleinod, den mussten wir einfach haben. Ärgerlich wurde es, als Cheffe uns sah. Er brabbelte irgendwas zu uns rüber und unterstrich das mit einer Verbotsgeste. Wir machten eine Geste des Nichtverstehens und blieben einfach stehen. Immerhin belästigte er uns jetzt nicht mit ewigen Schimpftiraden. Statt dessen lief er seinem Alter angemessen würdevoll zu unserem Auto und fotografierte mit seinem Phone das Nummernschild. Vielleicht hätten wir ihm das Fotografieren unseres Autos verbieten sollen ;-) Außerdem telefonierte er mit irgendjemanden, vielleicht mit seinem Freund, dem Dorfpolizisten? Außerdem klagte er dem Zugpersonal sein Leid. Zumindest bei denen hatten wir aber nicht das Gefühl, dass sie ihn sehr ernst genommen hätten…


Ebenfalls ein Malaxa 900: R 9053 von Roşiori Nord nach Turnu Măgurele, hier im Bf Salcia Teleorman.




Und von hinten.

Wir tauschten lieber mal die Speicherkarten unserer Kameras aus, falls der Dorfpolizist den Fdl ernster genommen hat. Der Fdl war ein ganz alter, würdevoller. Es ist wirklich unglaublich. Pro Schicht kann der Mann ja kaum mehr als ein Zugpaar haben. Denn nach großartigem Güterverkehr sahen die Anlagen in Turgu Măgurele nicht gerade aus... Vielleicht wäre alles gut gewesen, wenn wir vorher bei ihm vorgesprochen hätten, vielleicht hat er sich einfach übergangen gefühlt? Wir hatten nicht vorher Bescheid gesagt, weil es dann nach einem „nein“ alles noch blöder ausgesehen hätte.

Leider müssen wir zugeben, dass uns dieses Erlebnis erstmal etwas runtergezogen hat. Zwar sagten wir uns, dass er von der Polizei eher ausgelacht wird, als dass wir in eine Fahndung kommen. Aber letztendlich weiß man nicht, wie die hier ticken. Unser Kenntnisstand ist nach wie vor, dass man seit einigen Jahren Züge fotografieren darf. Für die Rückfahrt des Zuges fuhren wir nochmal ganz nach Turnu Măgurele runter, wo wir den lütten Zug mit dem markanten Speicher umsetzten. Im Laufe der Fahrt rechneten wir jeden Moment damit, vor uns einen Polizeiwagen auftauchen zu sehen. Kam aber keiner...


Der Malaxa kehrt als R 9054 zurück, hier in der Ortsausfahrt Turnu Măgurele. Der Höhenzug im Hintergrund befindet sich schon am anderen Donau Ufer in Bulgarien.

Dann ging es nochmal nach Salcia Teleorman, wo wir allerdings den "Hintereingang" nahmen und deshalb weitestgehend unbemerkt blieben. Das Zugpersonal, dem Cheffe auf der Hinfahrt lauthals sein Leid geklagt hatte, grüßte jedenfalls wie immer fröhlich zurück. Und ein sehr schönes Bild gelang uns noch an der Ortsumgehung von Roşiori, wo für den Nachschuss gerade noch genügend Licht in den Einschnitt der Bahn kam.


Der VT verlässt den Bahnhof Salcia Teleorman. Der geflügelte Vorsignalwiederholer ist offenbar nicht mehr in Betrieb, denn das Ausfahrsignal stand in diesem Moment auf Fahrt.


R 9054 rollt nach Roşiori hinein.

Passend am Wegesrand konnten wir noch einen Zug von Alexandria bei Buzescu aufnehmen. Das relativ banale Motiv wurde durch einen Hirten aufgewertet, der mit seinen Ziegen an der Leine Gassi ging.


Am südlichen Ortsrand von Buzescu passiert R 9370 einen Ziegenhirten.

Das Programm hatte heute wirklich prima geklappt. Wir waren sehr zufrieden, meinten aber auch, dass die Gegend hier nicht so viel mehr hergibt. Daher hatten wir beschlossen, morgen mal das Frühprogramm auf der 624 Piste nach Olteniţa anzugehen. Deshalb hatten wir uns für heute Abend wieder im Best Western Mari Vila in Bukarest Ost, Sector 3, eingebucht. Da hatten wir noch ein gutes Stück zu fahren. Dabei machten wir uns auch etwas Sorgen wegen Polizeikontrollen. Die Sorge wegen der "verbotenen Fotos" nahm dabei allerdings im gleichen Maße ab, wie mit zunehmender Dunkelheit die Sorge um das kaputte Licht an unserem Auto (rechts nur Tagfahrlicht!) zunahm.

Beim Kreuzen der Bahnlinie nach Giurgiu in Vlaşca gab es auch dieses Mal Güterverkehr zu beobachten. Diesmal kreuzten hier zwei Kesselwagenzüge! Im übrigen ging die Fahrt schön reibungslos. Da wir uns meistens in einer Kolonne bewegten, mussten wir vielleicht auch nicht die ganz große Angst vor der Polizei haben. Es war für die fortgeschrittene Stunde allerdings noch extrem viel Verkehr. Jetzt zwischen 20 und 21 Uhr kam uns aus Bukarest ein Auto nach dem anderen entgegen. Und die südliche Bukarester Centura ist bei Dunkelheit erst recht kein Vergnügen. Aber alles klappte gut. Kurz vor dem Hotel besorgten wir uns unser Feierabendbierchen und paar Sachen für morgen von einer Tanke. Großen Hunger hatten wir nicht mehr. Um 21.30 waren wir am Ziel. Auf dem Zimmer gab es noch die Planungen für die ersten Morgenstunden. Immerhin würden wir sogar noch paar Happen vom Frühstücksbuffet mitnehmen können!

Donnerstag, 28.04.2016

Von unserem Zimmer konnten wir einen wunderschönen, klaren Sonnenaufgang beobachten. Auf den Feldern lag leichter Bodennebel. Wir nahmen unseren Kram zum Frühstück mit, um danach gleich aufbrechen zu können. Das Buffet war wieder klasse. Heute wollten wir uns nochmal um die 624 auf der Olteniţa Piste kümmern und paar aus dem Zug entdeckte Motive abgrasen. Als erstes wollten wir den Blick auf die Sumpfniederung des Flusses Dâmboviţa am Ortsrand von Gălbinaşi umsetzen. Dazu mussten wir auf den hübschen, verwilderten Friedhof. Am hintersten Ende an der Friedhofsmauer stand man relativ ungestört bzw hatte das Gefühl, niemanden der alten Leute bei der Gräberpflege oder ihrer Trauer zu stören. Der Ausblick war dann nicht verkehrt.


Durch die Flusswiesen der Dâmboviţa kommt R 15183 auf Gălbinaşi zugerollt.


Der urige Friedhof von Gălbinaşi diente uns als Fotostandpunkt.

Für den Gegenzug hatten wir uns einen Ausblick zwischen Podu Pitarului und Plătăreşti notiert. Na ja, so wahnsinnig hoch konnte man dort nun nicht stehen, aber immerhin hatte man mal ein Rapsfeld im Hintergrund.


In Richtung Hauptstadt unterwegs ist R 15186 zwischen Podu Pitarului und Plătăreşti.

Zum nächsten Südfahrer suchten wir den Bahnhof Budeşti auf. Yannick besorgte sich für den nötigen Buschrückschnitt sogar eine Gartenschere, nachdem er sich beim manuellen Versuch einen dicken Dorn in den Finger gerammt hatte.


R 15185 ist einer der wenigen Züge, die in Budeşti keine Kreuzung haben.

Langsam entschleunigte sich das Programm. Nicht, dass es bisher stressig gewesen wäre. Es ist einfach angenehmer, hier die Züge nicht verfolgen zu müssen. Dann konnte man nämlich jede einzelne dieser quirligen Ortsdurchfahrten regelrecht genießen. Was für ein Leben herrscht hier in den Dörfern auf den Straßen! Vor allem sind alle Altersgruppen vertreten, sehr viele Kinder und Jugendliche. Der eine Knirps half dem Vater bei der Ausbesserung der Gartenmauer, Ältere fuhren mit dem Fahrrad durch die Gegend. In Vasilaţi kurvten wir zwecks Motiverkundung ein wenig durch den gepflegten Ort. Die Nebenstraßen waren von massenweise Tieren bevölkert. Hunde lagen träge vor den Hofeinfahrten, Gänsefamilien mit wohl zwanzig Küken lustwandelten auf den Wegen.

Wir kamen uns hier wie andernorts zuvor auf dieser Tour ein wenig wie ein Fremdkörper vor. Autos sind hier definitiv ein Luxusgut, das für die Meisten unerreichbar ist. Auf den Nebenstraßen waren fast keine Autos zu sehen. Irgendwie meinten wir, dass in der dieses Jahr bereisten Gegend die Armut optisch greifbarer war als in den Landesteilen, die wir bisher kennengelernt hatten. Allerdings kann man auch nicht unbedingt erkennen, was an Autos auf den Höfen steht - die Mauern sind zu hoch. Wir fuhren bei Vasilaţi einfach mal an den kanalisierten Fluss ran und machten ein Päuschen. Danach gab es den nächsten Zug im Hp des Ortes.


Der nächste Zug hält im Hp Vasilaţi.

Dem Zug fuhren wir dann auch nochmal bis Olteniţa voraus, wo wir ihn gern bei der Einfahrt fotografiert hätten. Doch leider wurde dort bei unserer Ankunft gerade ein Triebwagen aus der Abstellung in Gleis 1 bereitgestellt, so dass es mit EG und Blick aus südöstlicher Richtung mit dem Licht auch diesmal nichts wurde. Im Bahnhof wieselten zwei von diesen in kugelsichere Westen verpackten Teamguards herum. Sie schauten allerdings nur argwöhnisch, sahen aber offenbar keine Gefahr für's "Team"...


In Olteniţa werden die Garnituren getauscht. R 15190 ist bereits bereitgestellt, während der Zug aus der Hauptstadt noch nicht eingetroffen ist.

Mittlerweile war es Mittag. Wie schnell das doch immer geht... Erst hatten wir ein Terrassenlokal in der sehr quirligen Innenstadt auserkoren. Der Stadtkern war lebendig, aber vollkommen betonisiert. Immerhin gab es viel Grün dazwischen. Auf einer Ehrenrunde zur Parkplatzsuche entdeckten wir allerdings eine Pizzeria. Auf Pizza hatten wir Appetit! Wir beschlossen, uns welche mitzunehmen und genüsslich am Flussufer zu verspeisen.

Am Donauhafen, der ein Stück außerhalb der Stadt liegt, fanden wir dann auch ein nettes Plätzchen vor dem Hafenmeister Gebäude und der Grenzpolizei. Dabei standen wir neben den alten Hafenbahngleisen und hatten einen hübschen Panoramablick über den Fluss auf Bulgarien. Nachdem Yannick angefangen hatte, seine Gewürzgurken an die streunenden Hunde zu verteilen, hatte er paar neue Freunde gewonnen...


Yannick hat neue Freunde!


Sie stehen Schlange vor unserem Auto.

Wenn man bei den Fotos den Hintergrund beachtet, erkennt man das Potential dieser Stelle. Hier könnte man eine kleine Terrasse mit nettem Café aufbauen - die Leute würden einem die Bude einrennen! Und vor langer Zeit mag das auch alles etwas liebevoller angelegt gewesen sein, mittlerweile war es aber völlig heruntergekommen. Nach einem Nickerchen brachen wir gegen 14.15 wieder auf. Der nächste Programmpunkt sollte die 15 Uhr Kreuzung in Budeşti sein, die wir allerdings am Rapsfeld aufnehmen wollten.


Rapsdurchfahrt westlich Budeşti.

Danach herrschte für die benötigten Westfahrer leider eine größere Zuglücke. Ostfahrer konnten kaum noch mit Frontlicht erwartet werden. Wir fuhren einfach mal in die hübsche, kahlgeschorene Gegend am Hp Gălbinaşi, um auf den nächsten Ostfahrer zu warten. Als wir dort ankamen, waren die Kahlschärer gerade am Werk - eine ganze Schafherde. Leider mussten wir damit rechnen, dass die Tiere "rechteitig" zum Zug durchgezogen wären, doch sie harrten hier eine ganze Weile aus, so dass sie mit Zug verewigt werden konnten.


Die Schafe waren noch alle da, als R 15193 aus der Hauptstadt aus dem Hp Gălbinaşi beschleunigt.

Im Westen hatte die ganze Zeit schon der Schlonz in den Startlöchern gestanden. Und nun war er da. Das Licht war fortan nur noch ein ständiges Auf und Ab. Ein Motiv, das wir gern noch machen wollten, wäre halt der Kirchenblick von Gălbinaşi gewesen, also praktisch der umgekehrte Blick zu heute Morgen. Rund um die Kirche hatte heute den ganzen Tag Hochbetrieb geherrscht. Der orthodoxe Gründonnerstag scheint von vielen Menschen ernsthaft mit Kirchgang begangen zu werden. Auch in anderen Dörfern hatten wir die Leute mit Gebinden und festlich geschmückten Körben zur Kirche strömen sehen. Unterhalb der Kirche führte ein Weg über die Bahn rüber in die Flussniederung. Den liefen wir ein Stück rein. Lichttechnisch hatten wir zwei Chancen. Zum Zug von Titan Sud kam die Sonne tatsächlich nochmal ganz ordentlich raus.


Zum Abschluss gab es den umgekehrten Blick vom Morgen mit der Kirche von Gălbinaşi.

Für den in Budeşti kreuzenden Gegenzug bauten wir uns spitzer unterhalb des Gleises auf, weil dort ein Graben voll war mit gelb blühenden Blumen. In dem Graben saßen irgendwelche Tiere, die elektronisch-melodisch klingende Laute von sich gaben. Da jedes dieser Wasserwesen eine andere Tonlage hatte, ergaben sich regelrechte Melodien, wobei der eine Ton aus der einen und der andere aus der anderen Richtung kam. Als sich dann aber der typische Pfiff eines westdeutschen Dieseltriebzuges in die Klänge einmischte, war das Licht leider ziemlich aus.

Wir fuhren ins Hotel zurück. Yannick fühlte sich nicht so gut und wollte sich hinlegen. Ich bin, weil nun für eine halbe Stunde wieder bestes Blau am Himmel war, nochmal Richtung Titan Sud gefahren. Doch die Streiflichtaufnahme wurde mir von einem LKW gnadenlos zugefahren. Nach einem Supermarktbesuch, bei dem eine Security Frau hinter der Kasse auch noch in meinen Rucksack schauen wollte, fuhr ich dann auch ins Hotel. Nach dem Frischmachen ging es zum Essen, wobei wir uns die Karten für die restlichen zwei Tage legten.

Freitag, 29.04.2016

Die Wettervorhersage für den Morgen war relativ uneindeutig gewesen. Bei Wetter hätten wir nochmal einen ähnlichen Start wie gestern absolviert. Doch die knallrot aufgehende Sonne stieg geradewegs in die dick aussehende Bewölkung hinein. Wir ließen es sehr langsam angehen und freuten uns auf die ausgiebige Nutzung des Frühstücksbuffets. Tja, da hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Heute war wohl wieder so wenig los, dass unten im Restaurant auf Bestellung serviert wurde. Aber das war auch gut und reichhaltig. Zu den Spiegeleiern gab es Schinken, Tomaten, Gurken und Schafskäse.

Nun hatte es doch stärker am Himmel aufgerissen. Als wir im Auto saßen, sollte etwa gleichzeitig ein Triebwagen in Titan Sud abfahren. Den schnappten wir uns einfach nochmal bei Căldăraru. Yannick lief die Autobahnböschung hoch und ich blieb einfach am Haltepunkt und verkniff mir das Bild, weil nun doch wieder ein Licht schluckendes Etwas vor der Sonne war.

Unsere grundsätzliche Tendenz rein reisetechnisch sollte uns zum Abschluss an die Schwarzmeerküste führen. Der Grund war wie immer das Wetter. Gerade der Freitag sollte insgesamt kritisch werden, der Samstag hingegen je weiter östlich desto besser. Nachdem es morgens völlig bewölkt gewesen war, hatten wir die Idee zu einem "kleinen" Umweg nach Constanţa über Galaţi und Tulcea.

Bevor wir zu der großen Fahrt starteten, sollte allerdings das Auto jetzt unbedingt mal gewaschen werden. Ich habe zwar schon viele Mietwagen ordentlich verdreckt abgegeben und nie für die Reinigung eine Rechnung zahlen müssen, doch man muss es nicht übertreiben. Der Wagen war von vorgestern derartig dick dreckverkrustet - das konnte man so nicht zurück geben. Und damit konnte man sich eigentlich auch gar nicht in der Öffentlichkeit zeigen ;-) In Deutschland wäre ich jetzt einfach in so eine Waschbox gefahren und hätte den Wagen für 2 Euro mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet. Aber in Rumänien darf man sich keinen Selfservice erhoffen.

Wir fuhren einfach mal in eine Halle mit Aufschrift "Auto Spalatorie" hinein und stellten uns hinter zwei Autos, die gerade mit weißem Schaum ummantelt waren. Bald kam einer der Angestellten zu uns. Nein, englisch könne er nicht. Ich hab dann sowas wie "komplett" gesagt, ohne zu diesem Zeitpunkt die Ausmaße dieser Komplettheit zu erahnen. Dieses Bewusstsein kam uns erst so nach und nach, als wir sahen, mit welcher Akribie die Wagen vor uns behandelt wurden. Na ja, als wir nach der Außenwäsche in die Box für die Innenreinigung gebeten wurden, lehnten wir dankend ab. Wir wollten es ja mal nicht übertreiben... Aber das Abtrocknen der Scheiben mit dem Ledertuch ließ er sich nicht nehmen. Ach ja, eines hatte die gründliche Aktion doch mit der simplen deutschen Hochdruckwäsche gemeinsam: Den Preis...

Strahlend und glänzend verließen wir Sector 3. Sollte die Polizei doch nach zwei Eisenbahnfotografen in einem total versifften Dacia Duster fahnden, da hatten wir denen jetzt aber ein Schnippchen geschlagen ;-) Auf der Autobahn ostwärts hatten wir praktisch nur blauen Himmel vor uns. Wir planten um: Keine Erkundungsrundfahrt, dafür direkt an die Schwarzmeerküste und schön Fotos machen. Um vor der Hochlichtphase vielleicht doch noch ein Bahnbild hinzubekommen, verließen wir die Autobahn in Drajna und schauten, ob an der Hauptstrecke was gehen könnte. Ein Stück westlich hatte man einiges an Raps gesehen.

Der an den Orten Drajna und Dragalina gelegene Bahnhof heißt Chiulniţa. Soll ja auch alles nicht zu einfach sein. Westlich des Bahnhofs folgt ein großes Areal mit vielen Beton Rohbauten, das mal ein großer Güterbahnhof gewesen sein oder als solcher geplant gewesen sein könnte. Die hier in Richtung Süden abzweigende schnurgerade Strecke nach Călăraşi hatte ebenfalls eine (projektierte?) Verbindungskurve nach Westen in diesen (projektierten?) Güterbahnhof.

Wer häufig meine Reiseberichte liest, kennt einige Weisheiten schon in- und auswendig. Eine davon ist, dass man vor Wolken nicht fliehen kann. So war es hier auch. Obwohl wir das Gefühl hatten, nun schon zig Kilometer unter blauem Himmel gen Osten gefahren zu sein, waren die Schlonzwolken so schnell hinter uns hergezogen, dass sie uns hier schon hatten. Da nun eh die Hochlichtphase begann, hatten wir keine Lust mehr auf Fotos und gingen doch noch die geplante Rundtour an. Dabei interessierte uns besoders, welche Fahrzeuge Transferoviar auf der Bahnlinie Galaţi - Bârlad einsetzt und ob außerhalb der Saison nun Lok bespannte Züge nach Tulcea fahren oder die letztes Jahr in der Saison beobachteten Malaxa 750.

Bis Slobozia Veche war sehr starker Verkehr. Doch danach wurde das Fahren auf der Landstraße immer angenehmer. Bloß die Landschaft... Sie war einfach nur ermüdend öde. Das war jetzt wirklich die tiefste Walachei, wie man sie sich vorstellt... Zwecks Wachhaltens spielten wir nun das Spiel, bei dem jeder eine Sache nennen muss, die gerade zu sehen ist, und deren Bezeichnung mit dem Buchstaben anfängt, mit dem das genannte Wort des Anderen aufgehört hatte. Das war ganz schön schwierig, war doch wirklich nicht viel zu sehen...

In Brăila wurde unsere Aufmerksamkeit wieder von interessanteren Dingen angezogen. Vor einem ziemlich fertig aussehenden Kraftwerkskombinat lag eine Straßenbahn Wendeschleife. Und die Strab Strecke führte wunderbar fotogen abseits der Straße an einer Baumreihe entlang. Ein Zug war gerade abgefahren. Wenn uns einer entgegen käme, würden wir ja nochmal dorthin umdrehen. Es kam aber keiner. Erst im Ortsbereich von Brăila, wo wir auf der Umgehungsstraße unweit des Zoos die Strab Trasse kreuzten, war ein Zug in der Ferne zu sehen. Wir hielten an und warteten auf ihn. Es schien sogar ein Duewag zu sein. Leider bog der Zug etwa zehn Mastfelder vor uns in eine Wendeschleife ab. Wären wir jetzt die zehn Mastfelder weiter gelaufen, hätten wir immerhin die nächste Strab bekommen. Wir sind aber nicht gelaufen. Auch diese Strab bog ab... Nun hatten wir keine Lust mehr. Aus der Gegenrichtung kam derweil die Bahn vom Kraftwerk angewackelt.


Ik bin een Berlina! Eine der seltenen 24er versucht gerade die Centura zu überqueren. Die gebraucht in Berlin gekaufte Tatra ist brechend voll! Offenbar war im Kombinat gerade Schichtwechsel!

Leider haben an Bahnübergängen offenbar die Autos Vorrang. Wir beobachteten (auch in der Ferne), dass Straßenbahnen bis zu fünf Minuten warten mussten, um eine Lücke zum queren der Straße zu finden... Und auf die nächste 24 zum Kraftwerk hätten wir wohl mindestens eine Stunde warten müssen, wie wir später recherchierten. Ansatzweise hatten wir uns sowas schon gedacht, denn dass rumänische Straßenbahnen auch selten fahren können, hatten wir ja in Arad schon gelernt.

Von Brăila nach Galaţi ist es nicht mehr so weit. Bereits kurz hinter Brăila ist in der Ferne die Schwerindustrie von Galaţi auf einem Hügel zu erkennen. Der gesamte rostige Komplex könnte als Kunstwerk durchgehen, so gewaltig und abwechslungsreich sind die alten Anlagen des Stahlwerkes. Eine Riiiiesenanlage auf einem Hügel, der von der Stadt aus über einen großen Betonviadukt erreicht wird. Und zu Füßen des Stahlwerkshügels liegt auf der Südseite ein großer Rangierbahnhof.

Entlang der Straßenbahngleise gelangten wir quer durch die Stadt zum Bahnhof. Die Bahnhofshalle machte einen relativ grundüberholten Eindruck. Selbiges sollte wohl auch dem Bahnsteigbereich angediehen werden, doch die moderne Überführung war außer Betrieb und sah so aus, als ob auch nicht gerade mit Hochdruck an der Fertigstellung gearbeitet wird. Überhaupt wirkten einige handwerkliche Kreationen auf der Baustelle einfach nur erbarmungswürdig. Der Transferoviar Zug aus Bârlad tauchte übrigens als ex deutscher 614 mit modernisierter Front auf. Wir hatten eher mit Wadloper gerechnet. Wobei wir halt nur diesen einen Umlauf gesehen haben.

Leider haben wir trotz Sonnenschein im Bf Galaţi keine Fotos gemacht, denn ein Polizist stand dort Streife und beobachtete uns sehr genau. Jedenfalls hatten wir das Gefühl. Der Geist des Fdl von Salcia Teleorman war noch mit uns! In der Bahnhofsgaststätte aßen wir mal wieder was eher Einheimisches: Tochitura de pui. Eine Art Hühnchengulasch an Maisbrei mit Spiegelei und Käse oben drüber. Sehr lecker!

Vom Bahnhof fuhren wir nun an die Donau und an der gesamten Riversite runter bis zur Fähre. Endlich mal eine Stadt mit einer Flaniermeile an der Donau. Der Industriehafen kommt erst außerhalb der Stadt. Und vom riesigen Stahlwerk ist an der Donau auch nichts zu sehen. Das liegt genau auf der anderen Seite (Westseite) der Innenstadt. Wir hatten Glück. Die Fähre lag da und wurde gerade beladen. Wir bekamen noch locker einen Parkplatz an Bord. Man fuhr auf der Steuerbordseite auf die Fähre und parkte dann seitlich ein, stand dann also in der oder gegen die Fahrtrichtung.


Unser Mietwagen auf der Donaufähre "Oltisoru 2".


Die Gegenfähre "Oltisoru 3".


Zur Abdeckung von Verkehrsspitzen setzt man noch die kleinere "Poienari 2" ein.

Endlich wieder in der Dobrogea! Das hätten wir uns letztes Jahr auch nicht träumen lassen, dass wir bereits neun Monate später wieder hier her kämen... Und es mag ja sehr subjektiv sein, aber plötzlich war nicht nur die Landschaft viel schöner, sondern die Dörfer wirkten ordentlicher, es lag kein Müll mehr herum, es war einfach schön hier! Dieser Abstecher durch die Dobrogea war übrigens der einzige Teil der Reise, in dem wir das Gebiet der Walachei verlassen haben.

Die Straße führte hinter dem Fährort I.C. Brătianu zunächst auf einem Damm durch die weiten Marschwiesen des Flusses. Einzeln stehende knorrige Bäume gaben der Landschaft etwas prächtiges. Später ging es dann häufiger in die Hügel hoch. Hier, am Nordwestende der Dobrogea, also quasi der Halbinsel zwischen Donau und Schwarzem Meer, ist die Landschaft schon mehr als hügelig, fast ein wenig mittelgebirgig. Von den Hügelkuppen hatte man wunderschöne Ausblicke auf die Berge rechts, aber vor allem über das Auenland der Donau links. Die Donau knickt bei Galaţi von ihrem Nordkurs nach Osten ab. Drüben am anderen Ufer konnte man eine moldawische Stadt sehen, dann folgte schon die Ukraine, die sich in der Form einer weiten Seenlandschaft präsentierte.

Zwischen den Orten Isaccea und Somova führte die Straße dann sogar abseits der Ebene durch die Hügel. Ein gepflegtes, von den Schafen kurz rasiertes Wiesental mit vielen prächtigen Laubbäumen ging es hoch. Man wäre am liebsten mal ausgestiegen und hätte einen Streifzug unternommen, zumal hier auch die Sonne recht konstant schien. Wir hatten allerdings einen anderen Programmpunkt. Wir erreichten nämlich Tulcea in dem Moment, an dem sich im Bahnhof der Zug nach Medgidia in Bewegung setzen sollte. Wir waren gespannt. Wäre es ein Malaxa oder etwas Lokbespanntes? Am Güterbahnhof sah es für uns so aus, als ob ein Güterzug dort startbereit stände, um hinter dem Personenzug loszufahren. Aber ganz sicher waren wir nicht. In der Ferne sah man aber schon den Personenzug kommen. Wie letztes Jahr handelte es sich um einen Malaxa 750. Für den fuhren wir den Bahnhof Cataloi an. Wegen einer Befehlsübergabe bekamen wir sogar Fotos in der Einfahrt und vor dem EG hin.


Nachdem wir die Ausfahrt aus dem Bahnhof Poieni letztes Jahr schon topp hinbekommen hatten, gibt es jetzt mit R 8654 die Einfahrt...


...und den Halt im Bahnhof, wo offenbar wieder Befehle ausgehändigt werden.

Ein Stück weiter, bis hinter Mihail Cogălniceanu, verfolgten wir den Malaxa noch. Am BÜ von Rândunica konnten wir ihn mitten im Raps fotografieren. Irrten wir uns oder war der Malaxa jetzt langsamer unterwegs als letztes Jahr?


78 0756 im Raps bei Rândunica.

Nun waren wir uns nicht ganz sicher, was wir weiter tun wollten. Den VT weiter verfolgen oder dem vermeintlichen Güterzug wieder ein Stück entgegen fahren? Letztes Jahr hatten wir auf dieser Strecke mit Malaxa eigentlich sehr gut "abgeräumt". Außerdem sah es südwärts nach totaler Verschlonzung des Himmels aus. Daher fuhren wir nochmal nach Cataloi hoch und beobachteten die Signale. Und tatsächlich - bereits nach kurzer Zeit konnte Yannick verkünden, dass das Esig gezogen war! Allerdings komischerweise das für die Gegenrichtung! Und das bei noch offener Schranke! Na ja, der Güterzug aus Tulcea konnte nun definitiv nicht mehr kommen - oder höchstens mit Kreuzung hier im Bahnhof.

Wir zogen allerdings auch die Möglichkeit in Betracht, dass die Einfahrt schon mal für den nordfahrenden Triebwagen in zweieinhalb Stunden gezogen worden war... Deshalb harrten wir hier nicht weiter aus, sondern fuhren in Richtung unseres Tagesziels Constanţa südwärts. Vielleicht würde uns ein Güterzug entgegen kommen, vielleicht aber auch nicht. Nach Kreuzung mit dem eben fotografierten südfahrenden Triebwagen in Babadag kam jedenfalls kein Güterzug. Und in Baia war ja schon die Triebwagen Kreuzung.

Uns war das ganze mittlerweile auch ziemlich egal, denn der Schlonz hatte den Himmel fest in Beschlag genommen. Wir hatten eine lange, interessante Fahrt hinter uns und durften jetzt mal gern im Hotel ankommen. So genossen wir mal wieder das ständige Auf und Ab der mäßig frequentierten schnurgeraden Landstraße nach Constanţa. Gegen Ende wurde es etwas nervig, weil ein Auto unmittelbar vor mir aus einer Haltebucht ausscherte, so dass ich stark in die Bremse gehen musste. Zwar fuhr dieses Etwas nun recht zügig vor mir her, doch ständig leuchteten die Bremslichter vor mir auf, selbst in Steigungen! Einmal bremste "es" unvermittelt und ohne jeglichen denkbaren Grund so weit ab, dass ich auch wieder gewaltig in die Eisen gehen musste. Als eine Überholmöglichkeit kam, sahen wir, dass es ein junges Mädel war. Sie hatte hinten auf dem Auto auch einen gelben Aufkleber mit einem "!" drauf kleben. Vielleicht das Zeichen für Fahranfänger? Oder für besonders gefährliche Fahrer? ;-)

Bei Querung des Poarta Albă - Midia Năvodari Kanals hat man links von sich eine richtig tolle, alte, fotogene Eisenbahnbrücke im Verlauf einer der Hafenstrecken. Und da kam gerade im Moment unserer Vorbeifahrt herrlich fotogerecht ein Güterzug drüber gefahren! Zum Glück schien die Sonne nicht mehr, sonst hätte die verpasste Möglichkeit wegen fehlender Haltemöglichkeit schon etwas weh getan...

Unser gebuchtes Hotel Arion lag im südlichen Teil Constanţas. Das hatten wir uns so ausgesucht, weil wir morgen nochmal schauen wollten, was denn außerhalb der Saison so nach Mangalia fährt. Das Stadtviertel war dann ein wenig ernüchternd. Das Hotel sah zwar äußerlich gut aus, lag aber inmitten einer dieser grauen, trist wirkenden Betonwohnsiedlungen. Später mussten wir allerdings konstatieren, dass das eine ganz normale rumänische Großstadt-Wohnsiedlung war und dort ganz normale Leute wohnten. Bei der Ankunft wuselten auch viele Jugendliche um das Hotel rum, doch machten die nüchtern betrachtet einen völlig normalen Eindruck und gingen ihren Beschäftigungen nach, z.B. auf dem nahen Bolzplatz.

Ein Restaurant gab es aber leider nicht im Hotel. Da wir uns in Constanţa nicht auskannten, sind wir einfach nochmal rüber nach Eforie Nord gefahren, unserem Standquartier vom letzten Sommer. Diesmal war der Ort nahezu ausgestorben! Aber ein vom letzten Jahr erinnerlicher Italiener hatte immerhin auf! Das Restaurant war sehr nett und gemütlich eingerichtet. Sein Besitzer oder dem Stil nach eher seine Besitzerin hatte viel Phantasie in die Inneneinrichtung gesteckt. Leider waren wir die einzigen Gäste. Der Preis von 34 Lei für die Portion Spaghetti Carbonara war nun auch nicht gerade rumänisches Preisniveau. Aber der Snack tat gut.

Von unserem Hotelzimmer hatten wir einen tollen Blick über den Hafen. Direkt unterhalb des Hotels lag der Haupt Hafen-Güterbahnhof. Dennoch konnten wir trotz offenen Fensters gut schlafen.

Samstag, 30.04.2016

Der Hafen im Gegenlicht bot auch einen wunderschönen Anblick. Leider konnte dieser Anblick nicht ganz verhehlen, dass wir auch heute durchaus ein Wolkenproblem bekämen. Aber egal, unser Zeitplan stand fest. Was klappt, das klappt, was nicht, das nicht. Erstmal waren wir sehr positiv überrascht, was das Hotel alles auf dem kleinen, aber feinen Frühstücksbuffet zusammengezaubert hatte.


Morgendlicher Blick aus unserem Hotelzimmer über den Hafen von Constanţa.

Um Punkt 7.40 saßen wir im Auto. Als erstes wollten wir den schönen Blick auf den Lacul Techirghiol (nur echt mit der Mondrakete dahinter) mal mit einem kurzen Zug umsetzen, nachdem das letztes Jahr mit dem immer länger werdenden Zug nicht ganz so gut geklappt hatte. Wir waren gespannt, ob hier, wie auf vielen Bildern von außerhalb der Saison gesehen, tatsächlich mit Malaxas gefahren wird. Aber eine Garnitur mit 89er und zwei Wagen, wie uns vorhin eine entgegen gekommen war, wäre uns auch sehr recht. Alte 89er Mittelführerstandsloks gibt es im Personenverkehr ja sonst kaum noch zu beobachten...

Am Motiv angekommen, gab es erstmal eine große Überraschung. Da stand ein Schiff im Weg! Was macht man, wenn man alte, ausgediente Boote der Grenzpolizei loswerden will? Ganz einfach! Man ständert sie auf einer Wiese als Denkmal auf! In Eforie hatten wir schon so ein Teil gesehen! Leider hatte mittlerweile der Hochnebel den Himmel fest in Beschlag genommen. So brauchten wir uns dann auch nicht darüber aufzuregen, dass die 60er, die nun auftauchte, mit Graffiti besprayt war und der Zug mal wieder deutlich länger als erhofft war.


Da steht ein Boot auf der Wiese! Und R 8383 bekommt doch mehr Licht ab, als ich es beim Schreiben des Berichtes in Erinnerung hatte. Kurz vor Tuzla rollt der Zug am See Balta Tuzla entlang.

Ein Anliegen unseres heutigen Abstechers an die Mangalia Piste war auch, die Erkundung der letztes Jahr aus Zeitgründen nicht erforschten Streckenabschnitte durchzuführen. Einer dieser Abschnitte war der zwischen Tuzla und Costineşti, wo die Bahn einmal den Hügel hoch und auf der anderen Seite wieder runter führt. In der Ferne sieht man das Meer blinken. Auf der Karte waren keine Bahn parallelen Wege eingezeichnet. Aber als wir die südlichste Stelle des Tuzlarer Straßennetzes an der Bahn aufsuchten, führten sehr wohl beiderseits des Gleises Feldwege entlang - zumindest bis zur höchsten Stelle. Auf der Ostseite des Gleises anscheinend auch weiter. Wir warteten hier trotz des Hochnebels auf den Zug aus Mangalia. Der Zug war so kurz, dass er in einen Sonnenspot passte...


Von Costineşti her erklimmt eine 65 mit dem nicht all zu langen R 8384 den Scheitelpunkt. Links hinten ist ganz schwach das Meer zu sehen.


Ob der Bauer wohl weiß, was für einen schönen Arbeitsplatz er hat?

Viel besser hatte uns allerdings der Blick in die andere Richtung, also auf Tuzla und den Lacul Techirghiol, gefallen. Den hätten wir gern gehabt! Wir wollten den nachher mit dem 10.37 Zug nach Mangalia jedenfalls versuchen. Der Wetterbericht hatte nämlich deutliche Aufklarung im Laufe des Vormittags versprochen. Erstmal erkundeten wir allerdings relativ simpel von der Schnellstraße aus das letzte uns unbekannte Stück von Neptun nach Mangalia und den Bahnhof Mangalia. Dort war nun gerade erst der Zug mit der Graffiti 60 angekommen. Die Polizeipräsenz, das Aussehen der Lok und das baldige Abhängen der Lok ließen aber keine Fotoambitionen aufkommen. Laut Aushängen ist über das Osterwochenende der "Zug des Grauens" spontan eingelegt worden, der unbequeme Doppelstock-Nachtzug aus Sibiu.

Mit einem Schlenker durch den abseits der Hauptstraße gelegenen Ort Costineşti, der in meinen Augen mit Abstand den sympatischsten Eindruck der rumänischen Küstenorte macht, landeten wir wieder am Scheitel südlich Tuzla. Wir schöpften jetzt richtig Hoffnung, denn vom Meer her löste sich die Hochnebeldecke tatsächlich immer mehr auf. In Ruhe planten wir unsere Motivvarianten. Komischerweise war zur Planzeit nix vom Zug zu hören, kein Pfiff in der Ferne. Das lag daran, dass auch nichts kam. Dafür hatten sich die Wolken bald vollkommen aufgelöst. Von dieser Seite her wurde die Sache entspannend.


Während wir auf den Zug warten, können wir Gemüsegärten vor den sich rapide auflösenden Hochnebelwolken fotografieren.

Ein Blick zur Online Auskunft brachte Klarheit. Der Zug war gerade erst mit +35 in Constanţa abgefahren! Da konnte man ja noch etwas die Natur genießen. Es blühte hier gut, zwischen den Wiesen lagen kleine Gartenparzellen und über den Feldweg wieselten Massen von kleinen Wieseln. Dann war es so weit und zwischen den Häusern Tuzlas tauchte eine mir bis dato unbekannte Lokfront auf. Der Zug war mit einer der letzten im Personenverkehr eingesetzten 89er bespannt! Und die Garnitur aus einem Dosto und zwei normalen Wagen war ja schon mal ganz ansehnlich!


Da kommt er nun: R 8385 erklimmt die Steigung von Tuzla herauf. Im Hintergrund links liegt der Lacul Techirghiol, dahinter sieht man Industrie von Constanţa. Die 89 freut uns besonders. Für Malaxas auf dieser Strecke muss man wohl im Winter wiederkommen. Am Osterwochenende war ja eine Art Neben-Saisonspitze, auch wenn z.B. Eforie Nord gestern Abend einen vollkommen toten Eindruck gemacht hatte.

Wir hatten vorhin schon ein zur Verfolgung geeignetes Motiv zwischen Neptun und Mangalia ausgemacht, wo wir den Zug nochmal nahmen. Und diesmal musste auch ein Bild im Endbahnhof sein. Wir gingen dazu einfach mal in die Offensive und fragten einen Polizisten, ob wir den Zug fotografieren dürften. Klar durften wir. Er war freundlich, doch in seinem Blick konnte er seinen Gedanken "Was für eine blöde Frage" nicht ganz verbergen...


R 8385 ist in Mangalia angekommen.

Es war jetzt Mittag. Um 18.15 sollte unser Flieger in Otopeni starten. Zeit für eine gemütliche Rückfahrt über die Autobahn! Nur in Medgidia fuhren wir kurz runter, weil uns der Gleiszustand der Strecke nach Negru Vodă interessierte. Ergebnis: Gleis blank, Strecke äußerlich in gutem Zustand. Offenbar ist hier noch Güterverkehr.


Am Wegesrand mitgenommen: R 8386 in Eforie Nord, wo der Bahnsteig des Durchgangsgleises auf der EG abgewandten Seite liegt. Zp9 gibt es aber vom EG her...

Um diese Erkenntnis reicher ging es weiter. Die Donaubrücken imposant wie immer, an der Brückenmautstelle null Wartezeit. Da konnten wir uns an der nächsten Raststätte einen kleinen Imbiss genehmigen. Unspektakulär war der Rest. Gegen 15.30 fuhren wir bei der Sixt Autoabgabe auf den Hof. Der Sixt Mensch war fast dauernd am telefonieren, auch als er uns in seinem Transporter zum Terminal brachte. Das war dann nochmal eine original rumänische Fahrweise...

Beim Check in wurde ich darauf hingewiesen, dass ich mich in Frankfurt beim Umsteigen beeilen möge. Mein Koffer bekam einen leuchtend orangen "HOT" Anhänger. Ich peilte erst gar nicht wofür, aber Yannick orakelte, dass das für dessen bevorzugte Behandlung in Frankfurt sei. Da könnte er wohl Recht gehabt haben...

Es lief alles reibungslos. Dabei war die Sicherheitskontrolle die geringste Hürde. Vielmehr stand uns noch die Passkontrolle bevor. Und da wir ja davon ausgingen, dass der Fdl von Salcia Teleorman uns am Mittwoch als Spione beim Dorfpolizisten angezeigt hat, dieser die Erforschung einer rumänischen Bahnstation neuester Technologie per Fotoapperat mitsamt unserem Nummernschild an die Securitate weitergemeldet hat, diese bei Sixt als Kfz-Halter unsere Namen erfragt und uns letztendlich zur Fahndung ausgeschrieben hat, also deshalb rechneten wir jetzt bei der Passkontrolle natürlich mit einer diskret vorgetragenen Bitte ins Hinterzimmer. Hmm, waren wir etwa enttäuscht, als wir die Pässe einfach mit einem geschäftigen "mulţumesc" zurück bekamen? Aber der alt ehrwürdige Fdl von Salcia im Kreise Teleorman hatte sein Ziel erreicht. Seine Rache dafür, dass wir ihn übergangen hatten, war, dass wir uns überhaupt Gedanken darum machten ;-)

LH 1421 Bukarest 18.15 OESZ – Frankfurt 19.45+12 MESZ

Der Flug war angenehm. Wahnsinnig viel konnte man unten nicht erkennen. Und es gab Warsteiner aus der Blechflasche mit EM-Ganzwerbung. Trotz Ankündigung rollten wir in Frankfurt dann doch nicht so ganz pünktlich ans Dock. Deshalb gab es eine schnelle Verabschiedung von Yannick, bevor ich mich auf den Irrweg durch die Flughafenterminals gemacht habe.

Vielleicht hätte ich es fotografieren sollen. Die Schilder widersprachen sich wirklich! Angekommen waren wir irgendwo im Bereich der hohen Z-Gates, Z60 oder so. Ich musste zu Gate A14. Dort, wo der lange Flugsteig-Finger in das Terminalgebäude mündet, waren am Ausgang unseres Ganges die niedrigen A-Gates A1 bis A16 oder so nach links ausgeschildert. Über den Zugängen zum Quergang nach links stand nun aber nichts von A-Gates, dafür standen nach rechts alle A-Gates dran. Ich bin extra nochmal zurück. Dort hatte A1-16(?) links dran gestanden. Da war ein Infostand. Dort fragte ich, wo ich denn zu A14 käme. Sie sah aus ihrem Blickwinkel nur die Schilder rechts und links in den Quergang und wies mich entsprechend nach rechts. Fehler!!!

In diesem „Finger“ kamen erstmal nur Z-Gates. Ich lief und lief. Ich rannte. Z11/12, 100m Rollband, Z13/14, 100m Rollband, Z15/16, alles absolut menschenleer, verwaiste Gänge, verwaiste Gates, geschlossene Läden, 100m Rollband, Z17/18 usw. So ging es bis Z25. Der kleine Jan mutterseelenallein! Der Finger war praktisch zuende! Doch der Wegweiser zu den A-Terminals ging weiter geradeaus. Da kamen paar Passkontrollbuden, deren Einwohner sich sichtlich langweilten und mich beinahe wie einen Fremdkörper anschauten. Willkommen im Schengenraum! Dahinter führte mich eine Treppe abwärts in das Untergeschoss des Fingers. Plötzlich herrschte Trubel, dicht gedrängt liefen hier die Menschen umher, unglaublich!

Der Wegweiser zu A14 wies mich nun in die entgegengesetzte Richtung! Wir waren hier bei A25! Und ich musste nun den ganzen Finger wieder zurück laufen bis A14! Der Unterschied war nur, dass ich in dem Gewühle dieser Etage nicht so gut voran kam wie oben. A24/25, 100m Rollband, A22/23, ich schaute auf die Uhr, 20:08, das Gate wird ja wohl bis 20:15 offen sein?, 100m Rollband, A20/21, 100m Rollband. Und so weiter! Dann kam ich bei A14 an, total außer Puste und nass von Schweiß! Und was war? Das Gate war noch nichtmal geöffnet…

LH 036 Frankfurt 20.30 – Hamburg 21.35

Ob im ICE hinter Hannover oder bei solch einem Spätflug Frankfurt – Hamburg, ich habe immer das Gefühl, dass dort Hamburger unter sich sind. Hamburg ist keine Flugdrehscheibe, und wer jetzt im Flieger saß, der wollte nach Hamburg, der wohnte dort. Man begrüßt sich mit „moin!“ und die Stimmung ist gelöst, denn es geht nach Hause! Diesmal war sogar unsere Fußballmannschaft an Bord. Ich kenn‘ die ja nicht, aber mir war schon aufgefallen, dass viele Fußballfans unter den Passagieren waren. Und als diese plötzlich alle ganz aufgeregt anfingen, mit ihren Smartphones paar uniform in Hemd und grauen Pullovern gekleidete sportlich aussehende Männer zu fotografieren, habe auch ich kapiert, wer das sein könnte. Schnell mal nachgegoogelt: Ja, HSV hatte gerade in Mainz 0:0 gespielt. Immerhin gab es für die Mannschaft nur Economy…

Die Fußballfans machten durchwegs einen vernünftigen Eindruck. Nach einem Unentschieden gibt es ja auch weder zu jubeln, noch Agressionen abzureagieren. Witzig waren die drei in der Reihe vor mir. Die kommentierten in echtem trockenen Hamburgisch den Flug. Als wir mal wieder irgendwo auf dem Rollfeld standen, meinten sie „Mit dem ICE wären wir schon in Kassel“. Später in der Luft meinten sie „Jetzt gibt er Gas“ und „Der hält sich genau an die Autobahn. Jetzt sucht er die A7“. Aber sie hatten eine gute Orientierung. Im Anflug auf Hamburg konnte der am Fenster seinen Freunden genau erklären, dass man gerade die A1 gequert habe, dass da hinten Wedel liegt, und – besonders wichtig und mindestens dreimal erwähnt! – dass man genau über das Volksparkstadion flöge.


Heimat! Wenn er diesen Fluss sieht, fühlt sich der Hamburger zuhause :-) Nein, das ist nicht die Donau. Das ist die Elbe. Ob die auch ihre Nebenbahnen hat? ;-)

Der „HOT“ Aufkleber an meinem Koffer hatte ganze Arbeit geleistet! Mein Koffer kam ziemlich schnell auf dem Förderband angefahren, während der HSV noch warten musste. So um und bei 22.30 hatte ich nach reibungsloser S-Bahn- und Busfahrt meinen Wilstorfer Hügel wieder erreicht.

Zum Abschluss möchte ich nicht versäumen, Yannick Dank zu sagen für eine wieder mal schöne, trotz der Regentage ganz ertragreiche Tour, auf der man alles nicht ganz so ernst genommen hat. Außer den Fdl von Salcia Teleorman natürlich ;-)

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