Zum HST-Wechsel nach Schottland

Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.

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Nachdem ich in 2018 zweimal Billigstflüge ohne Gepäck und bestenfalls einen stornierbaren Leihwagen für die britische Insel gebucht, dann aber alles wegen ungünstiger Wetterprognosen verfallen lassen habe, stieg jetzt doch mal wieder die Lust auf einen Britannienurlaub. Da es nach einer alleinigen Tour aussah, hatte ich auch Lust zu der einen oder anderen 1.Kl Bahnfahrt, so dass Schlechtwetterprogramm geboten war. Und so legte ich mich auf die ersten paar Tage dann auch gleich mal fest. Ich buchte einen sehr günstigen Ryanair-Flug Hamburg - London Stansted, ein Hotel für Samstagnacht in London, den Caledonian Highland Sleeper für Sonntagnacht London - Inverness, wo ich mich allerdings nicht weiter aufhalten wollte, und einen Sixt Leihwagen von Edinburgh Waverley nach Manchester, der mir noch gut vier Tage flexibles Programm entweder in Schottland oder in den Pennines ermöglichen würde und der günstig genug war, dass man ihn auch mal zugunsten weiterer Bahnfahrten oder Wanderungen stehen lassen konnte.

Fotomäßig hoffte ich darauf, nochmal die rotweißen HSTs von LNER in Schottland fotografieren zu können, die im Laufe des Jahres ersetzt werden sollen durch neue Hitachi Hybrid-Triebzüge. HST = High Speed Train, die eleganten Dieseltriebzüge für den einstigen IC-Verkehr. Die rotweißen HSTs sind nicht so eine "Massenware" wie die blauen von der Great Western Railway, die ja auf vielen Linien im Halbstundentakt fahren bzw fuhren - sie werden gerade abgelöst. Nein, die rotweißen HSTs kommen nur mit wenigen Durchläufern aus dem Süden ins schottische Hinterland zum Einsatz, fahren dann auf der Eastcoast Mainline von London komplett unter Draht bis Edinburgh und erst von hier ohne Strippe nach Inverness (1 Paar) und nach Aberdeen (4 Paare, eines davon von Leeds statt London). Das wars. Während die rotweißen HSTs also demnächst aus Schottland verschwinden, wird der schottische "Regionalexpress"verkehr nun aber ganz neu durch HSTs bedient. Es handelt sich um freigewordene Great Western HSTs, die auf vier Mittelwagen verkürzt bereits vereinzelt in Schottland unterwegs sein sollten. Die könnte man also auf den schottischen Strecken auch gleich mitnehmen. Einziges Problem: Die Wetteraussichten für Schottland waren wie immer inselweit am ungünstigsten. Ich würde die Richtung für die Fototage kurzfristig vor Ort entscheiden.

Samstag, 16.02.2019

Um 7 Uhr verließ ich meinen Wilstorfer Hügel und rollerte mit dem Koffer zur Bushaltestelle. Nach einer reibungslosen S-Bahnfahrt war ich kurz nach 8 am Flughafen. Vor den Ryanair-Schaltern war zum Glück nichts los, denn die drei anwesenden Schalterdamen mussten sich erstmal lautstark von einem Counter zum über- und überübernächsten schreiend über ihren Feierabend abstimmen. Dabei stellten sie fest, dass in einer Dreiviertelstunde nur noch eine von ihnen da wäre, was von der betreffenden Kollegin mit lautstarkem Protest quittiert wurde. Die große Hoffnung lag nun auf einer gewissen Chantalle, auf deren rechtzeitiges Erscheinen allgemein gehofft wurde. Als das dann so halbwegs geklärt war und der Puls wieder runter fuhr, konnte das Check-in weitergehen.

Sicherheit klappte reibungslos, dahinter an den Gates traf ich mich noch mit Nils und Juliane, die zeitgleich zu einem günstigen Wochenendflug nach Valencia aufbrachen. Bald wurde es aber Zeit zum Gate zu gehen. Bei der Passkontrolle etwas Panik. Es gab da jetzt auch diese automatischen Kontrollen, doch auch hier funzte mein Reisepass nicht. Der Betreuer meinte, der Chip sei wohl kaputt. Dann wäre diese Frage vom Anfang meines USA-Reiseberichtes Sept 2018 auch geklärt... An personenbedienten Kontrollen war zunächst nur eine geöffnet, und das dauerte... Aber dann wurde eine zweite geöffnet und ich kam noch rechtzeitig ins gerade geöffnete Gate.

Ryan Hamburg 9.25 MEZ - Stansted 10.00 GMT

Der Start ermöglichte schöne Ausblicke auf den Hamburger Westen. Bald kamen Bremerhaven und die Jademündung in Sicht. Der Flieger war ausgebucht, aber der Flug war angenehm. Nach dem Traumwetter in der Heimat begann die geschlossene Bewölkung mit Erreichen der Insel. Hatte ich in Hamburg noch befürchtet, dass meine Winterjacke viel zu warm wäre, tat ich dies in Stansted nicht mehr.

Die Einreise klappte zügig. Noch gab es EU-Einreisespuren... Genial fand ich, dass man auf dem Weg vom Flugsteig bis zur Terminalhalle an so vielen Fahrkartenautomaten vorüber kam, dass die Schalter in der Haupthalle und im Tiefbahnhof kaum was zu tun hatten, weil alle Leute schon vorher an den Automaten gelöst hatten. So kam ich zügig zu meinem FIP-Ticket für gut 9 £. Der nächste Zug war meiner.

Greatanglia Stansted Airport 10.30 - London Liverpool St 11.17

Ich weiß ja nicht, wann ich eher gemerkt hatte, mal wieder angekommen zu sein. War es, als mir im Flughafen ein Mann entgegen kam, der wie Mr Bean aussah, oder war es, als der Zug durch diese typische Landschaft mit diesen knorrigen Bäumen glitt? Schön, dass das Land so viele Klischees bedient... Ich freute mich, hier zu sein. Ich war ziemlich weit vorn in den Stansted-Express eingestiegen und genoss die Fahrt im leeren Wagen.

In Liverpool Street gab ich erstmal meinen Koffer ab. Musste halt sein, auch wenn man den Preis von 12,75£ pro Tag einfach nur irre nennen kann. Dann lief ich zur Underground Station der Central Line runter und zog mir erstmal eine Tageskarte. Irgendwie glaubte ich gelesen zu haben, dass es eine Zweizonen-Tageskarte für etwas über 6£ geben würde, aber das muss wohl altes Zeug gewesen sein. Nein, ich durfte 13,10£ bezahlen, bekam dafür immerhin auch eine 6-Zonen Tageskarte, von denen ich allerdings viere gar nicht brauchte. Vielleicht hätte ich es doch mal probieren sollen, einfach meine Kreditkarte an den Oystercard-Leser zu halten und jede Fahrt einfach abbuchen zu lassen, maximal aber den Tageskartenpreis. Ich wusste nur nicht, wie das bei den Bussen geht. Und ich wollte viel Bus fahren heute.

Deshalb hielt ich mich nach dem Kartenkauf auch gar nicht groß im Untergrund auf, sondern besorgte mir erstmal ein Sandwich und diesen tollen Apfelsaft, den es nur in England gibt, und speiste erstmal in der Bahnhofshalle sitzend. Dabei konnte ich das verzweifelte Bemühen eines Sicherheitsbeamten beobachten, eine Horde Kids davon abzuhalten, mit ihren Bikes durch die Halle zu brettern. Wie rabiat die Jugendlichen ihn zur Seite gestoßen haben... Dann suchte ich die Bushaltestelle der Linie 8. Den ersten Bus verpasste ich, weil ich gerade mit WhatsApp zugange war und nicht bemerkt hatte, dass die 8 als dritter Bus an (eigentlich vor) der Haltestelle gehalten hatte. Dumm gelaufen, doch der nächste Bus kam bestimmt.

Mit diesem ging es dann schön oben in der zweiten Reihe sitzend einmal durch die ganze Innenstadt über Bank, St Pauls bis zur Tottenham Court Road. Boa, war das langsam. Londoner Ampeln können ewig rot, und es gibt einfach zu viele Haltestellen. Aber es war natürlich trotzdem ein Erlebnis, mal wieder nach langer Zeit durch die Londoner Innenstadt zu gurken. Meinen Haupt-Programmpunkt des Nachmittags hatte ich allerdings noch nicht erreicht. Dazu musste ich nach einem Schlenker durch die Monmouth Street (welcher Londoner kennt wohl das wunderschöne walisische Städtchen Monmouth?) ab Cambridge Circus mit der 14 weiterfahren. Vorbei am Piccadilly Circus und Green Park endete die Reise für mich in Knightsbridge. Nein, ich hatte jetzt nicht vor, bei Harrods einzukaufen. Im Gegenteil, raus aus dem Gewühl, eine Wanderung stand an! Eine Stadtwanderung!

Durch eine enge Häuserschlucht strebte ich nordwärts. Irrte ich mich oder kam mir bereits hier zwischen den Häusern der Geruch von Pferdemist entgegen? Ganz abwegig war das nicht, denn nach Querung einer letzten Straße lag die weite Fläche des Hydeparks vor mir. Durch den lief ich nun in westliche Richtung. Trotz des trüben Wetters machte ich paar Bilder von der Tierwelt. Die Eichhörnchen sprangen die Leute regelrecht an, um Futter zu erbetteln. Und es störte die Tierchen auch nicht, beim Vergraben der geheimen Wintervorräte fotografiert zu werden.


Bettelndes Eichhörnchen fällt Touristen an...

Sicherlich habe ich schon "raffiniertere" Parkanlagen gesehen. Aber will der Hydepark überhaupt "Park" sein? Vielleicht ist es gerade diese weite offene Fläche, die rund um den See "The Serpentine" den so dringend benötigten Kontrast zum Gewühl der Großstadt darstellt. Durch die "Kensington Gardens" lief ich nun nordwestwärts weiter. Von einigen minimalen Anhöhen kann man schön in die Weite des Parks blicken, der eigentlich diese typische englische Landschaft mit Wiesen und einzelnen knorrigen Bäumen, die ich vorhin beschrieben hatte, in die Großstadt holt.


Der Reitweg ist im Hydepark besonders breit; wohl nur für die Königin...;-)

Unterwegs erblickte ich manche weitere Sehenswürdigkeit aus der Distanz: Die Royal Albert Hall oder den Kensington Palace. Ich hätte Sight-Bingo spielen und immer wieder was wegstreichen können. In der nordwestlichen Ecke des Parks verließ ich selbigen auf die Bayswater Road, die bald in die Notting Hill Gate übergeht. Jetzt näherte ich mich so langsam meinem wirklichen Ziel, dem Stadtteil Notting Hill. Dieser Stadtteil ist von der Krimi-Autorin Deborah Crombie in ihren Büchern rund um Inspector Kincaid und Gemma Jones so ausführlich und lebhaft beschrieben worden, dass ich richtig Lust darauf bekommen hatte, diesen Stadtteil zu besuchen.

Und ich wurde keineswegs enttäuscht. Das heißt doch - hier begann ich das trübe Wetter zu verfluchen, weil man hier einfach fotografieren wollte, aber jegliches Licht fehlte. Von der Underground Station Notting Hill Gate wandte ich mich nordwärts und gelangte langsam auf die Portobello Road. Langsam deshalb, weil heute Samstag war und die Straße dicht bevölkert war. Der Grund lag am anderen Ende der Portobello Road, die ich nun aber erstmal für einen Schlenker verlassen "musste". Über die Straße Kensington Park Gardens gelangte ich zu dem Punkt, an dem einem die Erkenntnis kommt, dass der Stadtteilname seinen Namensteil "Hill" zu recht trägt. Von der St Johns Church geht es in alle Richtungen ziemlich bergab...


Schöne Bausubstanz in den Kensington Park Gardens...


...und im abzweigenden Stanley Crescent.

Besonders interessierte mich ein Haus etwas westlich von St Johns. Laut einer Karte in einem der Crombie-Bücher sollte das das Wohnhaus des Inspectoren-Paars sein. Ich frage mich, ob jeder Buchautor einfach auf einer Karte ein Kreuz machen und damit solche Leute wie mich anlocken darf. Nun ja, ich habe wenigstens nicht geklingelt und gefragt, ob der Inspector zuhause ist...


Hier wohnen Inspector Kincaid und seine Frau in den Deborah Crombie Krimis. Dass die Hütte etwas groß für einen Staatsdiener im gehobenen Dienst ist, wird in den Büchern erklärt, mit einem ganzen Mehrfamilienhaus hatte ich aber nicht gerechnet...

Nicht nur die Bausubstanz in dieser Gegend war wunderschön. Interessant finde ich auch die "Privatparks" hinter den Häusern. Wo sich in einem herkömmlichem Großstadtviertel die Hinterhöfe befinden, gibt es hier regelrechte Parks, die nur von den Anliegern der umliegenden Häuser genutzt werden dürfen. Natürlich waren diese Parks auch schon Thema in den besagten Krimis. Bei diesem Wohlstand, den diese Häuser ausstrahlen, ist es kaum zu glauben, dass Notting Hill mal ein sehr armer Arbeiterstadtteil war - hauptsächlich bewohnt von Menschen aus der Karibik.


Lansdowne Road.


Arundel Gardens.

Als letzter Punkt stand nun der Besuch des Portobello Marktes an. Dabei handelt es sich hauptsächlich um einen Antiquitätenmarkt. Es gibt an der Portobello Road einige Markthallen mit festen Ständen, doch samstags ist ein Teil der Portobello Road für Autos gesperrt (durch den anderen Teil kommen die Autos aber auch kaum durch, weil die Straße voll mit Fußgängern ist) und voll mit Marktständen. Ich fand interessant, wie weit der Begriff "Antiquitäten" gefasst war, mit alten Fotoapperaten oder Comics hatte ich weniger gerechnet...


Portobello Road, der nicht für Autos gesperrte Bereich...


Markttreiben in der Portobello Road. Rechts ist der Buchladen aus dem Film Notting Hill mit Julia Roberts und Hugh Grant zu sehen.


Auch antike Kameras werden angeboten. Das Schild hat leider gespiegelt, die Aufschrift lautet "Photography striktly allowed". Das hätte ich mir mal für rumänische Bahnhöfe ausleihen sollen...

Natürlich gab es auch Kulinarisches zu entdecken. Darauf hatte ich ehrlich gesagt fest gebaut :-) Nachdem ich einige Köstlichkeiten probiert hatte (nein, nichts vom Stand mit den deutschen Spezialitäten...), konnte ich mich langsam mal wieder nach einer Bushaltestelle umsehen.


Auf dem Portobello Market kommen "internationale Spezialitäten" nicht zu kurz...

Mit der 52 fuhr ich nun nach Victoria, wobei es fürs Geld immerhin eine gewaltige Umleitung über Shepherd's Bush gab. Nachdem der Fahrer kapiert hatte, dass er den vor ihm her fahrenden planmäßigen Bus auch mal an einer Haltestelle überholen konnte, ging es schön flüssig etwa 15 min ohne Halt durch den Londoner Westen. Von Victoria nahm ich die 11 nach Liverpool Street, wo ich ja meinen Koffer abholen musste. Wegen zweier ziemlich möppelnder Gestalten in der vorderen Reihe war ich allerdings drauf und dran, ab Westminster die U-Bahn zu nehmen. Doch als dort ein Platz in der vorderen Reihe (also neben besagtem Paar) frei wurde, beschloss ich dann doch "Nase zu und durch". Also ging es nun wieder durch die gesamte Innenstadt zurück.

Irgendwo schmiss der Busfahrer uns dann aber alle unvermittelt raus. Hmmm, was sollte das denn jetzt? Die Erklärung war eine Großbaustelle am Bf Liverpool St, wegen der die Busfahrt halt zwei Blocks vorm Bf endete, so weit waren wir immerhin schon. Nach dem Abholen des Koffers war die nächste Herausforderung, den Zugang zur Circle Line zu finden. Ich hab mich völlig bescheuert angestellt, dabei ist der Eingang zur Underground von der Haupthalle riesengroß. Aber aus meiner Blickrichtung muss wohl immer was davor gewesen sein...

Als ich's dann hatte, gelangte ich zügig nach King's Cross (wobei beide Sperren meine Tageskarte nicht lesen konnten, seit Oystercard werden die Magnetstreifenleser vielleicht zu wenig genutzt?), von wo ich mit dem Koffer zehn Minuten in das gebuchte Travellodge an der King's Cross Road rollerte. Und im Hotel ging es nochmal denselben Weg über lange Gänge in das entlegenste Zimmer. Ok, das war jetzt leicht übertrieben. Und ich bin immer froh, Zimmer am Ende der Flure zu bekommen, weil die in der Regel ruhiger sind. Um 18 Uhr bezog ich das Zimmer, und ich war fix und fertig!

Eigentlich hatte ich fest vorgehabt, nach einem Auffrischen nochmal mit nem Doppelstöcker in die Innenstadt zu fahren. Aber wollte ich das wirklich? Die Alternative war noch ein kleiner Spaziergang ins nahe gelegene Islington. Auf der Karte sah der Straßenzug Chapel Market sehr nett aus. Auf dem Rückweg könnte ich mir Getränke fürs Hotelzimmer besorgen, denn ich hatte nach den exotischen Happen vom Portobellomarkt nur noch Durst.

Ich entschied mich für Islington. In der Straße Chapel Market gab es tatsächlich eine Vielzahl netter kleiner Restaurants. Ein Inder wäre es direkt gewesen, der war schön leer, so dass ich da auch allein reingegangen wäre. Aber ich hatte nunmal vorhin auf dem Markt hinreichend gespeist. Baulich war die Straße Chapel Market nicht so umwerfend. So kehrte ich bald um und besorgte mir auf dem Heimweg ins Hotel zwei lecker Cider von "Henry Westons" aus Herefordshire, die nicht zu süß waren und deshalb richtig gut schmeckten. Einen Salat hatte ich mir auch noch mitgebracht. Als ich den auf hatte, hatte ich wieder Hunger... Da blieb nur die Vorfreude auf das morgige Frühstück. Tja, so fand der Rest des Abends in der pulsierenden Metropole London also im Hotelzimmer statt. Aber es war ja nicht so, dass ich heute nichts gemacht hätte...

Sonntag, 17.02.2019

Der Blick aus dem Fenster sah ganz vielversprechend aus. Paar Schlonzfelder, aber viel besser als gestern. Das und ein ordentliches Frühstücksbuffet waren imstande, die Lebensgeister zu wecken. Ich ließ mir Zeit. Weitere Fragen konnte ich im Hotel zu meiner Zufriedenheit beantwortet bekommen. Ich hatte nochmal im Internet recherchiert, wie das mit dem kontaktlosen Bezahlen per Kreditkarte in den Bussen funktioniert. Da soll man nur einchecken. Deshalb war an der Ausgangstür also kein Kartenleser, alles klar! Eine weitere Frage beantwortete mir die Rezeption: Ja, ich konnte den Koffer im Hotel lassen. Das war dann auch richtig professionell geregelt mit Nummernmarken - eine für'n Koffer und eine für den Besitzer. Die Kofferkammer war auch verschlossen. Kosten: Lediglich eine freiwillige Spende für nen guten Zweck. Dicker Daumen hoch für das Travelodge an der Kings Cross Road, das mit einem Einzelzimmerpreis von 70 £ für London eher zu den preiswerteren Unterkünften gehört.

So lief ich vom Koffer befreit nur bis zu einer nahe gelegenen Bushaltestelle. Von hier gab es einen Bus 57 nach London Bridge. Von dort würde ich mich auf "Freifahrt" mit den Vorortzügen nach Clapham Junction oder Battersea Park zu möglichen Motiven durchschlagen können. Tatsächlich gab der Kartenleser im Buseinstieg beim Vorhalten der Kreditkarte grünes Licht, super Sache, nie wieder Oystercard! Leider war es auch am Sonntagmorgen nicht möglich, einen Platz in der vorderen Reihe zu ergattern, aber was solls. Von London Bridge fuhr ich mit einem Southeastern Service to London Charing X bis Waterloo East, wo ich eigentlich nur umsteigen wollte nach Clapham. Doch die Stadtkulisse in Waterloo East gefiel mir, so dass ich erstmal dort blieb. Dieses "erstmal" wurden dann aber doch anderthalb Stunden, weil die Sonne zunächst ewig im einzigen Schlonz weit und breit drin hing. Außerdem konnte es nicht schaden, paar Schatten aus dem Gleis schrumpfen zu lassen. Einer der Stationmaster hatte mich vom Nachbarbahnsteig rufend angesprochen, ob alles ok wäre. Ich sagte, was ich vorhatte, bekam über die Gleise rübergeschallt eine UVV-Unterweisung ("gelbe Linie auf dem Bahnsteig bla bla bla...") und alles war gut.


Ein Southeastern Stromschienen-Triebzug der Reihe 375 in der schmucken blauen Farbgebung in Waterloo East.


Aus der Gegenrichtung kann ein einfahrender Lokalzug mit der Pyramide "The Shark" im Hintergrund umgesetzt werden.


Nochmal ein 375 mit etwas mehr Bahnhofsgemäuer. Das Riesenrad "London Eye" schaut hinter den Wolkenkratzern hervor. Das waren also schon wieder zwei Punkte für mein Sight-Bingo.

Irgendwie fiel es mir aber schwer, den Bahnhof zu verlassen. Als ich dann wirklich endlich meinte, es vom Bahnsteig zu haben, und selbigen verlassen hatte, "machten" mich mehrere Aussichten von der Bahnsteigüberführung an. Das ging dann zwar durch eine dreckige Scheibe, aber mit Tele dürfte noch was brauchbares rausgekommen sein. Ein Stück weiter stand übrigens ein Klavier, mit dem sich Fahrgäste die Wartezeit vertreiben konnten...


Waterloo East: Zwischen zwei Zügen etwas auf dem Klavier klimpern...


Zwischen Wolkenkratzern und Hinterhof-Landschaft: Ein Southeastern 465 rollt von Charing Cross kommend nach Waterloo East ein.


Etwas weiter um die Kurve rum blickt man längs über die Themsebrücke auf den Bahnhof Charing Cross im Hintergrund. Ein 376 und ein 475 begegnen sich hier.

Nun hatte ich es aber doch endlich mal mit Waterloo East. Nicht aber mit Waterloo "Hbf". Ich war dort schon in den Zug nach Clapham Junction eingestiegen und hatte auch gleich mal das Klo frequentiert, als mir auffiel, dass man da doch was machen können müsste. Sowohl ein 158 in der neuen (Un-) Farbe der Great Western Railway als auch ein älterer 455er standen günstig. Der 158 wurde mir leider kurz vor der Abfahrt zugefahren, aber nach dem langen Fußmarsch von einem Bahnsteigende zum Ende des Nachbarbahnsteigs gelang immerhin der urige 455 prima.


Wir befinden uns im flächenmäßig größten Bahnhof des Vereinigten Königreichs: London Waterloo. Drei 455 stehen nebeneinander für die nächsten Dienste bereit. Nein, stimmt gar nicht, der mittlere wird gerade als Rangierfahrt abgeräumt und der rechte lief gerade ein.


Einzig der linke 455 vom Bild eben stand als Zug bereit und wird dann bei der Ausfahrt als Southeastern Railway Service to Chessington South bei der Abfahrt verewigt.

Nun ging es aber nach Clapham. Leider war dort ausgerechnet das Gleis, auf dem man am besten Züge von London hätte fotografieren können, gesperrt. Aber man konnte dennoch paar schöne Teleschüsse umsetzen. Ein Güterzug kam etwas überraschend, ich hatte gar nicht Realtimetrains befragt. Die UVV-Unterweisung in Clapham Junction lief etwas anders: Auf Schildern am Bahnsteigende war alles aufgeführt, was der geneigte Eisenbahnfotograf doch bitte beachten möge. Interessant dabei: Bloß keine Warnweste tragen, denn Warnwestenträger erfordern von den Lokführern besondere "Behandlung" (Tröten, auf bestätigendes Handzeichen achten). Einer der Stationmaster schaute trotzdem alle halbe Stunde bei mir vorbei, aber nur um am Gittertor am Bahnsteigende zu rütteln, dass es auch verschlossen ist. Muss wohl eine feste Routine sein.


Ein Colas Güterzug rollt langsam in die Bahnsteige von Clapham Junction hinein.


Clapham Junction soll der Bahnknotenpunkt mit den weltweit meisten Zugfahrten sein. Eine davon verließ den Bahnhof auf den Gleisen der Southwestern Railway in Richtung Waterloo, während sich im Hintergrund auf den Gleisen von Southern zwei 377er begegnen.


Ein ausfahrender Southwestern Railway 455 begegnet seinem Pendant in Southern Lackierung.


Ganz im Norden des Bahnhofs liegen die Gleise von London Overground, auf denen sich gerade zwei Züge (Class 378) begegnen,...


...oder auf denen ein 378 in neuerer Farbgebung in den Bahnhof einfährt. So viele Gleise ohne Strippe, ist das nicht herrlich? Die Stromschienen fallen ja kaum auf.


Auf den Southern Gleisen nähert sich schon wieder ein 377 vor der von Bauboom geprägten Stadtkulisse...


...oder es begegnet ein roter Gatwick-Express einem Southern 455.


Auch von der Straßenseite kann sich der Bahnhof Clapham Junction sehen lassen.

Als ich es im Bahnhof von den verschiedenen Positionen hatte, lief ich mal im Ort paar Brücken ab. Die Ausblicke waren natürlich aus Funk und Fernsehen bekannt, aber das Licht war noch ziemlich spitz. So richtig klar war es auch nicht mehr. Aber aus spitzerer Perspektive konnte man was machen. Und zwischendurch konnte man mal im Park relaxen.


Von einer Brücke südlich des Bahnhofs Clapham Junction blicken wir noch auf einen 455 in Southwestern Lackierung und...


...auf einen von Southern.

So gegen 15 Uhr bewölkte es sich stärker. Das machte nichts, ich hatte eh keine Lust mehr. Mittagessen war ja nun ausgefallen. Um die Lebensgeister etwas anzukurbeln, setzte ich mich ins Nero-Café am unteren Stationseingang. Dort nahm ich mir einen Platz an der Glaswand zum Stationseingang. Plötzlich dachte ich, was bewegt sich denn dort unten zu meinen Füßen? Da saß direkt vor meinen Füßen auf der anderen Seite der Glaswand eine Obdachlose auf ihrem Schlafsack. Die war erst durch den Tisch vor meinen Blicken verborgen gewesen...


Schon ein etwas eigenartiges Gefühl, wenn einem beim Kaffeetrinken eine Obdachlose zu Füßen sitzt... Ich hatte sie erst gar nicht gesehen.

Da die Toilette im Café Schlange hatte, ließ ich zur Rückfahrt nach Waterloo den roten Zug sausen und wartete auf einen blauen mit Toiletten. Gut, dass Southwestern Railways das so deutlich über die Lackierung kennzeichnet... Witzig ist im Klo der massive Verriegelungshebel der Tür, der aber gegenüber der Tür an den Bedienknöppen angebracht ist.

Nun hatte ich ja noch viel Zeit. Ich suchte mir ab Waterloo eine Busverbindung in Richtung Hotel und fand Linie 4 in Richtung Islington. Ewig tat sich an der zugigen Haltestelle unter den Bahnunterführungen gar nichts. Dabei sollte der Bus alle 12 Min fahren (genaue Zeiten stehen bei mehr als 15min-Takt nie dran). Nach wohl über 20 Minuten kamen drüben auf der anderen Straßenseite zwei Vierer hintereinander an. Da war einer wohl im Verkehr hängen geblieben. Es dauerte noch ewig, bis beide Busse irgendwo in der Ferne, gefühlte fünf fast immer rote Ampeln weiter, wendeten und der eine zumindest vor fuhr.

Ich war happy, endlich mal nen Platz in der ersten Reihe bekommen zu haben. Insofern war es mir egal, dass der zweite Bus wohl bald gefolgt war und uns dann auch schlauerweise irgendwo überholte. Mein Konzept war nun folgendes: Von Angel Station in Islington durch den Chapel Market zurück zum Hotel laufen und bei dem Inder, den ich gestern gesehen hatte, zu schauen, ob man da vielleicht auch schon kurz vor 17 Uhr was zu essen bekäme. Denn ich war mir sicher, dass ich mir heute den Inder verdient hatte.

Tja, alle Lokale waren offen und gut besucht, nur der Inder hatte dicht. Vor der Kofferabholung schaute ich noch zu einem Inder in unmittelbarer Hotelnähe. Da saßen zwar auch keine Gäste, aber immerhin leuchtete "open". Ja, open war auch, aber mit der warmen Küche war das leider nix, so wurde mir beschieden. Immerhin war es nun deutlich nach 17 Uhr. Na gut, also alles weitere mit Koffer. Ich hatte vorhin schon mal in einer ruhigen Minute nach Indern in der Nähe der Euston station gegoogelt und auch einen gefunden. Also mit meinem Koffer an drei Fernbahnhöfen vorbeigerollert (was ist St Pancras für ein prächtiger Bahnhofsbau!) und an der U-Bahn Station Euston Road rechts abgebogen. An einigen Kreuzungen gab es für die Fußgänger gar keine Ampeln. Wozu auch, in London scheinen Fußgängerampeln eh nicht beachtet zu werden... Durch ein Wohnviertel bin ich dann nordwärts gelaufen. Ein Block weiter gab es tatsächlich - nicht einen Inder, sondern derer gleich drei!

Ich blieb bei dem recherchierten "Chutney's". Dort war interessanterweise ein Buffet aufgebaut. Einen brauchbaren Platz für mich und mein Gepäck wurde auch gefunden, prima! Nervig war nur, als eine Kundin reinkam, die wohl was im Restaurant verloren hatte. Nun begann direkt bei mir im Rücken eine wilde Suche an der Garderobe und in einem Tischdecken-Schrank. Ich verzog mich währenddessen ans Buffet. Das war wirklich phantastisch! Raffiniert abgeschmeckte und gewürzte Salate und Speisen warteten da. Allein der Sprossen-Rosenkohl-Salat, wunderbar.


Das Chutney's unweit der Euston Station kann man empfehlen - hier stehen raffinierte Gewürze im Vordergrund!

Dass es sich um ein komplett vegetarisches Buffet handelte, merkte ich erst beim Hauptgang. Aber das tat der Sache keinen Abbruch - das Buffet war toll. Ebenso wie das Mangolassi, das ich zusammen mit einer ganzen Literflasche Wasser zu mir nahm. Eine Schanklizenz für Alkohol hatte man nämlich auch nicht. Doch, das war gut, auch ohne Fleisch und Kobra Bier. Und Bahnbezug hatte das Chutney's auch: In regelmäßigen Abständen rumpelte die Underground unter dem Restaurant durch.


Fahrgäste die auf Anzeigetafeln starren: Nirgends können sie das so schön wie in Euston.

Zufrieden zog ich gegen 19.30 zum Bahnhof Euston, wo ich mich in der Virgin Lounge nieder ließ. Die war allerdings ganz schön voll und die Luft war schlecht. So war ich ganz froh, als um 20 Uhr die Durchsage kam, dass der Caledonian Sleeper bereitgestellt sei. Ich schrieb eben noch den Reisebericht zuende und rollerte dann mit Umweg über Marks&Spencer auf dem Vorplatz, wo ich ein Mosaik Pale Ale aus Suffolk und ein Wimbledon Ale in der speziellen Marks&Spencer Abfüllung mitnahm, zum Nachtzug. Dieser stand auf Gleis 1, wohin ein verschlungener Weg von der Rampe zu Gleis 2 und 3 führte. Auf Höhe der Bereitstellungslok erstmal zwei Schlangen. Hier wurde direkt eingecheckt.


Am Zugende ist erstmal Queuing angesagt: Links für Inverness, rechts für Aberdeen und Fort William.

Und wieder mal hat sich niemand für die Fahrkarte interessiert. Nur die Reservierung war von Interesse. Es ist unglaublich. Kein Wunder, dass man sich über Missbrauch von Buchungscodes wie für FIP beklagt und diese Codes nicht mehr anbietet, wenn niemand vor Ort die Berechtigung zu sehen verlangt (ich unterstelle mal, dass man sich auch da nur für das Dokument mit der Platznummer interessiert). Im Abteil lagen Karten aus, auf denen man alle offenen Fragen rund um das Frühstück beantworten und die man dann außen an die Tür hängen sollte. Das war eine gute Lösung!

Caledonian Sleeper Euston 21.00 - Inverness Mo 8.41

Ich genoss die Ausfahrt aus London im dunklen Abteil sitzend. Das Ale war sehr lecker. Auf dem Gang war allerdings Highlife, dauernd rannten Kinder schreiend hin und her. Dachte ich, dass die ja sicher bald mal müde werden, hatte ich mich getäuscht. Das ging bis nach 11, danach wurde es weniger ;-) Na ja, immerhin residierten die nicht im Nachbarabteil...

Hier noch paar Impressionen aus den alten Schlafwagen, die noch im Frühjahr durch die neuen ersetzt werden sollen:







Montag, 18.02.2019

Besonders gut habe ich nicht geschlafen. Der Zug war so mieserabel gekuppelt, dass jeder Geschwindigkeitswechsel mit einer ziemlichen Eruption einher ging und ich mich krampfhaft im Bett festhalten musste. Außerdem quietschte es laut aus dem Wagenübergang. Na ja, bissi mochte ich wohl geschlafen haben. Ab Edinburgh wurde es ruhiger. Ob das an der DB Lok lag, die den Zug nun zog? ;-) Um 7 lief ich in den Loungewagen, um dort mein Frühstück zu mir zu nehmen. Das hatte ich auch gestern auf der Karte so angekreuzt, doch irgendwie hatte man nicht mit mir gerechnet. Aber kein Problem, das freundliche Personal räumte schnell einen von zwei okkupierten Personaltischen und ich konnte schön den anbrechenden Tag bei "Egg Royale" auf dem Drumochterpass genießen. Da wir rund zehn Minuten Verspätung hatten, bekam ich die höchste Stelle sogar schon mit.


Egg Royale mit Ei auf Lachs im Highland Sleeper irgendwo zwischen Dalwhinnie und Kingussie.

Angekreuzt hatte ich eigentlich "Highland Breakfast", aber mir wurde beschieden, dass das nicht so gut sei, und dass ich mal Egg Royale probieren solle. Das war auch wirklich gut. Wegen der Verspätung hatte man eine Kreuzung von Aviemore nach Kingussie verlegt, so dass wir sogar auf +18 kamen. Aber in Inverness trafen wir pünktlich ein; der Sleeper hat Wahnsinnsfahrzeiten. Etwas irritiert war ich von den vielen blauen Flächen am Himmel. Angesagt war für heute Regen und null Sonnenstunden. In Pitlochry, Kingussie und Aviemore sah es stark nach Signalarbeiten aus. Das Ende der Alttechnik mit Semaphores scheint hier vermutlich eingeläutet zu werden.


Die DB hat unseren Serco Caledonian Sleeper über die Highland Mainline nach Inverness gezogen. Die Wagen werden gleich von einem kleinen Rangierhobel in die Abstellung gebracht.

Mein weiteres Konzept sah nun vor, direkt wieder nach Edinburgh zurückzufahren. Und, wie man es anhand Realtimetrains schon erahnen konnte, hatte ich richtig Glück: Ich erwischte den vermeintlich einzigen Scotrail-Umlauf, der als Inter7City aus einem der verkürzten HSTs bestand - mit einem kompletten Wagen 1.Kl! Ansonsten waren auf der Highland Mainline bislang nur 158er zu sehen gewesen.


In Inverness stand dann tatsächlich zu meiner Freude ein HST als Scotrail Service to Edinburgh bereit!

Scotrail HST Inverness 9.44 - Edinburgh 13.25

Der Zug bestand neben den Triebköpfen aus 1x A und 3x B, allesamt in der Farbgebung von First Great Western. Nur der hintere TK hatte die Inter7City-Farbgebung. Jetzt weiß ich auch endlich, welche neben Glasgow, Edinburgh, Perth, Dundee, Inverness und Aberdeen die siebte Stadt ist: Stirling. Da ich die Verpflegungslage nicht kannte, hatte ich mir ein Sandwich und eine Hot Chocolate in den Zug mitgebracht, doch nach der Kartenkontrolle überreichte mir der 1.Kl-Aufwärter eine Breakfast Box mit einem Muffin, einer Müslischnitte und einem Fruchtcocktail und einen Kaffee. So konnte ich die schöne Strecke aus diesem komfortablen Regionalzug ein zweites Mal genießen.


Für das Foto hätte ich aber auch etwas aufräumen dürfen... Einwegfrühstück im Abellio Scotrail Kurz-HST nach Edinburgh.

In Inverness war bereits der Tesco-Gz angekommen - mit Class 66. Der in Tomatin entgegen kommende Regio war nun doch mal ein 170. Und in Kingussie kreuzten wir tatsächlich mit einem zweiten Kurz-HST-Umlauf. Die Einheit war komplett Great Western blau. Hinter Dalwhinnie und in Dunkeld & Birnam kamen weitere 170 entgegen. Sie sind also doch noch präsent. Hinter Perth ging es über die eingleisige Verbindung rüber nach Ladybank und dann auf der Aberdeener Strecke weiter. Die sonnigen Abschnitte im Gebirge waren weitestgehend vorbei, jetzt entsprach das Wetter eher der Vorhersage.

Inzwischen hatte ich mich für das weitere Vorgehen entschieden. Ich hatte etwas Blut geleckt und überhaupt die HSTs hier oben auf dem Zettel. Sowohl die roten Fernverkehrs-HSTs als auch die "neuen" Scotrail Züge. Erstgenannte sollen vermutlich noch im Laufe dieses Jahres durch Hitachi-Hybridzüge ersetzt werden. Und Zweitgenannte werden auch nicht ewig in der Great Western Lackierung durch Schottland fahren. Ich buchte für zwei Nächte ein Zimmer in einem Best Western am östlichen Rand von Dundee. Denn für morgen war die Vorhersage immerhin nicht ganz hoffnungslos.

Unweit des Flughafens von Edinburgh stand ein Fotograf auf einer Brücke und hatte unseren Zug sogar mit Sonne bekommen. Rund um den Firth of Forth hatte es am Himmel großflächig aufgemacht und ließ auch mich ein wenig hoffen, ob ich gleich noch das eine oder andere Foto abgreifen könnte.

Zunächst stand allerdings die größte Herausforderung der Tour an: Finde das Sixt Büro des Bahnhofs Edinburgh Waverley! Nachdem ich wie so'n Blöder einmal um den Bahnhof rumgeirrt bin (wobei das angesichts tausend verschiedener Ebenen gar nicht einfach war), griff ich zum Äußersten und wählte den Telefonjoker. Der Vermieter hatte mich nämlich gestern schon angerufen, angeblich um mir den Weg anzusagen. Ich stand da auf der Brücke in Clapham, verstand nichtmal die Hälfte und war nicht wirklich aufnahmebereit. Außerdem dachte ich mir "Ischa im Bahnhof, was brauch' ich da eine Wegbeschreibung?"

Ich wählte also jetzt meinerseits die Nummer, sagte ihm, dass ich auf der North Bridge stände, und fragte, wo ich hin müsste. Von seiner Antwort verstand ich etwa so viel wie gestern, nämlich nix. Wir probierten es andersrum: Ich beschrieb ihm, was ich sah. Nun kamen wir der Sache näher: 180°-Drehung und dann an nem Reiterdenkmal und ner Baustelle vorbei bergab zu Starbucks und dahinter rechts rein. So weit, so gut. Da unten wäre ich aber kein Stück weiter gegangen, wenn nicht jetzt die Wegweiser von Sixt eingesetzt hätten. Sie wiesen mich in ein Parkhaus. Und tatsächlich - dort war eine ehemalige Besenkammer zum Sixt-Büro umfunktioniert worden. Der Mann hieß McSowienoch und hatte vollstes Verständnis für meine Verständnisprobleme. Er spräche ja auch nicht englisch, sondern schottisch, erklärte er selbstbewusst. Na, da war ich bloß froh, dass er es nicht mit gälisch probiert hat... Mit einem 320er BMW, natürlich Automatik, bekam ich immerhin ein nettes kleines Upgrade.

Die nächste Herausforderung war, aus dieser Stadt hinaus zu kommen. Die angedachte Route wurde plötzlich zur reinen Bus- und Straßenbahnstraße. Eines konnte ich sehen: Edinburgh ist eine graue, aber großartige Stadt! Diese vielen monumentalen Bauten machten schon Eindruck. Irgendwann hatte ich die richtige Ausfallstraße zu fassen. Für einen Montagnachmittag herrschte erstaunlich wenig Verkehr. Ich gelangte zügig zur neuen Forthbridge und steuerte nun erstmal einen Nachmittagsblick bei Kirkaldy an. Dort traf ich zeitgleich mit dem rotweißen HST aus London ein. Ärgern musste ich mich nicht, denn der Himmel hatte sich inzwischen völlig zugezogen. Das machte alles keinen Sinn mehr.

Ich fuhr einen Feldweg rein und nutzte eine kleine Ausbuchtung, um erstmal das Auto herzurichten. Leider schien der Zigarettenanzünder keine Energie zu liefern. Da musste ich mir für den Betrieb meiner Tablet-Karte etwas anderes ausdenken. Für's erste hatte ich ja das Navi.

Eine Stunde später war ich in Dundee und checkte im Best Western Woodlands ein. Das lag schön ruhig in einem Wohngebiet des Stadtteils Broughty Ferry mit Einzelhausbebauung. Böses schwante mir bloß, als ich das Zimmer 101 bekam. Das klang nach Unruhe... Die Befürchtung war nicht ganz falsch. Es lag im Erdgeschoss am Anfang eines Flurs, und draußen war direkt eine Terrassentür in den Innenhof. Zum Glück wurde die aber nicht als Raucherecke genutzt. Im Prinzip war es sogar schön ruhig. Nur aus dem Nachbarzimmer war immer mal eine unnötig laute Stimme zu hören.

Obwohl ich mich heute eher wenig körperlich betätigt hatte, war ich ganz gut "erschlagen". Mittlerweile war es kurz vor halb sechs. Ich hatte schon recherchiert, dass im benachbarten Monifieth ein Inder sei. Dorthin brach ich gegen sechs auf. Doch das Ortszentrum von Monifieth war eine ziemliche Ernüchterung. Bis auf zwei wenig vertrauenserweckende Takeaways (eines asiatisch und eines alles) gab es da nichts. Ich beschloss, nochmal in der anderen Richtung auf Dundee zu zu kundschaften. Dort kam vor den Hafenanlagen noch das Stadtteilzentrum von Broughty Ferry. Das wirkte deutlich sympatischer, und hier fand ich dann auch den Inder meines Vertrauens. Es gab ein leckeres Lamm-Auberginen-Curry. Dass Fleisch beim Inder nicht im Vordergrund stehen muss, hatte ich ja gestern gelernt. Auch hier war der Lamm-Anteil sehr zurückhaltend. Nur der Preis war nicht zurückhaltend: Zehn Pfund mehr als gestern im teuren London! Nun ja... Nach einer Getränkebesorgung im nahen Tesco ging es zurück ins Hotel, wo ich im Prinzip sofort hätte ins Bett gehen können. Es war aber erst kurz nach halb acht! Um viertel vor 10 setzte ich den Plan aber in die Tat um und...

Dienstag, 19.02.2019

...schlief neun Stunden tief und fest, wachte aber genau 6.49, eine Minute vor der eingestellten Weckzeit, von selbst auf. Wie gesagt, hatte zumindest BBC für den Morgen immerhin drei wolkenlose Stunden angekündigt. Viel vom Himmel konnte ich aus meinem Innenhof-Fenster ja nicht erkennen, aber das, was ich sah, bestätigte dies und beflügelte mich. Frühstück hatte ich nicht gebucht, so dass ich nach einem Zimmerkaffee direkt los konnte.

Ein klarer Morgen begrüßte mich da. Mein Konzept wies mich nun nordostwärts. Der erste rotweiße HST sollte es an altbekannter Stelle bei Inverkeilor sein. Im Licht der gerade aufgegangenen Sonne ging es die halbe Stunde dort hin. Zwei Minuten durch ein geöffnetes Tor auf eine Wiese laufen, und ich war dort. Alles war topp, kein neuer Solarpark zerstörte das Motiv. Jetzt musste es nur mit der Sonne passen. Denn einige Wolkenfelder waren doch unterwegs - anfangs zwar noch von der Sonne entfernt, später aber nicht mehr so. Ein erster 170 klappte schon mal topp im bestialischen Morgenlicht.


Ein 170 in der Relation Aberdeen - Glasgow hat die Lunan Bridge passiert und wird gleich durch Inverkeilor fahren.


Blick in die weiten Hügel bei Inverkeilor.

Beim HST wurde es dann wirklich richtig spannend. Sicherheitshalber schnallte ich mir mein Teleobjektiv auf, da man in der Ferne auch eine schön freie Stelle hatte. Die Spannung stieg. Ein Gewölk war gerade durch, doch das nächste drohte schon im Hintergrund. Am Ende kam es umgekehrt wie vor 7 Jahren - und das war auch gut so: Hinten war der Zug dunkel, vorne im Hauptmotiv hatte er topp Licht!


Der LNER Service von Aberdeen to London Kings Cross folgt einige Minuten später. Der rotweiße HST macht sich ebenfalls hervorragend bei Inverkeilor.

Das sind so die Momente, wo man sich beinahe sagt: Die Tour hat sich gelohnt! Jedenfalls habe ich mich über das Bild riesig gefreut. Denn die Tage dieser rotweißen HSTs sind definitiv gezählt. Die Tage der Kurz-HSTs beginnen hingegen gerade. Wobei - so bequem die auch sind, aber Erfahrungen auch aus Deutschland zeigen, dass solche Neueinführungen von Uraltmaterial oft eine kurze Halbwertzeit haben. Insofern war es klar, dass ich auch die Kurz-HSTs "gierig" mitnehmen würde. Und nun sollte sogleich einer als Nachschuss kommen, den ich seitlicher machen wollte. Ein großes Wolkenfeld zog nun aber erstmal vor die Sonne. Ich wollte fast schon zum Auto laufen, denn soooo viel Zeit bis zum nächsten hatte ich auch nicht. Doch komischerweise blieb die Brücke ständig in der Sonne, während ich im Schatten stand. Das ging wohl fünf Minuten so, und dann wurde es sogar langsam wieder vor der Brücke hell. Der Zug ging in Sonne, schade nur, dass es kein HST war...


Oberhalb des Dorfes Lunan hat man schöne Ausblicke auf das Meer.

Für den nächsten Kurz-HST von Aberdeen wollte ich mal etwas nördlich bei Boddin schauen. Ich konnte die kleine Straße, an der ich geparkt hatte, weiterfahren und gelangte näher an die Küste. Auf einer Klippe stand ein alter Steinturm, davor in eine Felsmulde eingeschmiegt ein kleines Farmhäuschen. Das war wieder Britannien vom feinsten. So ging es weiter, auch das Dorf Lunan war herzallerliebst, mit einem mittelalterlichen Steinbrückchen über den gleichnamigen Bach. Später, wo die hier an der Küste langführende Bahn von der Straße überquert wurde, war es traumhaft schön. Leider fehlte der geeignete Fotostandpunkt, um das auch umsetzen zu können. So bin ich sicherheitshalber nach Inverkeilor zurück gefahren. Tja, aber auch dieser HST war ein 170.


Und ein 170 etwas seitlicher mit der Lunan Bridge. Schade, einen Kurz-HST hätte man hier gern mitgenommen.

Gut, damit musste ich rechnen. Ich war ja nunmal mitten in der Umstellungsphase hier aufgetaucht. Aber wenn wirklich mal alles als HST fährt, was im Fahrplan vorgesehen ist, wird man hier gut zu tun haben. Inwieweit einem die Farbgebung dann gefällt, muss sich zeigen; das erwartete schottische Blau mit dem stilisierten weißen Kreuz wird es ja anscheinend nicht. Ok, jetzt war etwas Zeit. Ich besorgte mir an der Tanke in Montrose Sandwiches und Getränke und fuhr dann zu einem der traumhaftesten Fotostandpunkte, die ich kenne. Die Motive in beide Richtungen sind "schön", doch was die Stelle ausmacht, ist einfach ein herrlich ungestörtes Warten beim Blick auf das Topp-Panorama des Meeres. Eben so eine Stelle, die "Urlaub" ist. Auch hier tauchten zwei als HST geplante Scotrail-Züge als 170 auf, doch als ich anfing, bei den Regios gar nicht mehr bezüglich geplanter Baureihe nachzuschauen - da begannen plötzlich die Kurz-HSTs zu rollen. Mir war es recht, ich stand bereit!


Bei Boddin, südlich von Montrose gelegen, kommt mir der erste Kurz-HST vor die Linse. Der Zug ist in der Relation Glasgow - Aberdeen unterwegs. Nur der vordere Triebkopf entspricht der endgültigen Farbgebung, der Rest ist noch Great Western blau. Zufällig ist das die Garnitur, mit der ich gestern von Inverness nach Edinburgh gefahren war.

Zu meiner Freude klappte auch der zweite Rotweiße aus Aberdeen mit Sonne. Im Westen stand nun die ganze Zeit schon die angekündigte Bewölkung in Form von hohen Wolken. Ab 12.00 dachte ich schon, dass es das gewesen wäre. Doch immer wieder zerfaserte das Zeug und ließ beträchtlichen Sonnenschein durch. Ich blieb einfach hocken und schaute mir den Verkehr an. Irgendwann waren es dann doch immerhin drei Kurz-HST-Umläufe gewesen - leider aber keiner, der noch komplett mit beiden Triebköpfen in Great Western Farbgebung unterwegs war. Aber das waren jetzt Gedanken auf hohem Niveau...


Der zweite LNER Service Aberdeen - London bei Boddin mit der Nordsee im Hintergrund. Die rotweiße Farbgebung ist noch aus der Zeit, als Virgin Trains diese Verkehre betrieben haben. Wegen finanzieller Schwierigkeiten von Stagecoach, die hinter Virgin Trains stecken, musste die staatliche LNER (London North Eastern Railway) diese Verkehre übernehmen. Angesichts der bevorstehenden Ausmusterung der HSTs erhielten die aber kein neues Farbschema mehr.


So ein Fotopunkt ist Urlaub! Rechts vom Auto ist auf der Halbinsel das Gemäuer des Lime Kiln zu sehen. Links die Boddin Farm.


Blick über die Lunan Bay im Gegenlicht.


Der Fahrweg nach Boddin (in meinem Rücken). Oben beginnt der Park des Dunninald Castle.


Der erste LNER HST von Süden taucht auf. Der Zug kommt von Leeds. Inzwischen hat der Bauer den Acker links umgegraben.


Und wieder ist es ein Kurz-HST, der von Glasgow nach Aberdeen durchkommt - nunmehr der dritte in Folge (Nr 2 hatte mittleren Wolkenschaden). Die Triebköpfe sind neu beklebt, die Zwischenwagen sollen ihre Beklebung bzw Lackierung aber erst mit deren Umbau erhalten. Und der Umbau verzögert sich momentan stark, da die ausführende Firma Probleme hat.


Die erste Kurz-HST-Garnitur ("mein" Zug von gestern) kehrt schon wieder aus Aberdeen zurück. Bis zum Umbau der Zwischenwagen haben diese noch Knalltüren und können von innen nur mit dem legendären Griff durchs Fenster und Betätigung der Außenklinke geöffnet werden. Also nicht sooo tauglich für den Regionalexpress-Verkehr...

Irgendwie mag es phantasielos sein, aber hier an der schottischen Ostküste landet man immer wieder an den gleichen Stellen. Ich hatte auch nichts dagegen, all diese schönen und von Frits-Tours bekannten Motive nun mit roten oder kurzen HSTs zu wiederholen. Der nächste Programmpunkt wäre Carmont. Nach 15 Uhr gibt es dort immer (!) den letzten HST nach London und einen nordfahrenden Güterzug. Bis dahin war allerdings noch viel Zeit. Den Blick von der Brücke bei Boddin hatte ich jetzt hinreichend.

Ich konnte die verbleibende Stunde nutzen, um mir unterhalb der Fotobrücke die Steilküste und den alten Lime Kiln, einen Ziegelofen bzw dessen Ruine, anzuschauen. Beim Parkplatz entdeckte ich allerdings auch einen Fußpfad, der auf der Steilküste nordwärts führte. Den testete ich als erstes aus. Und ich muss sagen, hinter jeder Wegbiegung wurden die Ausblicke imposanter. Da nun plötzlich die Sonne wieder mit voller Kraft und anscheinend für länger schien, konnte ich sogar paar Fotos machen. Dazu blühte sogar der Ginster schon zum Teil. Der Weg endete an einem kleinen stillgelegten Friedhof. Die verfallenen Gebäude dessen konnten sogar mit Zug zusammen auf den Chip genommen werden.


Verfallene Häuser an der Steilküste bei Boddin.


Die Ginsterblüte beginnt dieses Jahr bereits im Februar!


In dieser völlig abgelegenen Ecke trifft man auf spektakuläre Felsformationen: Der Elephant Rock.


Ein stillgelegter Friedhof dient als Kulisse für einen 170 von Aberdeen nach Edinburgh.

Anschließend ging es wie eigentlich beabsichtigt noch zum Kiln runter. Man wusste gar nicht, was man faszinierender finden sollte, das alte Gemäuer oder die Naturkulisse der Steilküste. Als diese kleine Exkursion beendet war, schien es sich endgültig zuwölken zu wollen. Es war nicht nur die hohe Wolkenschicht da, sondern auch noch massig "ehrliche" Wolken zusätzlich. Aber ich hatte eh nichts anderes zu tun und folgte einfach mal dem Konzept nach Carmont. Da stellte ich mich etwas dusselig an. Ich hatte Carmont ins Navi eingegeben und nicht bedacht, dass der Ort ganz woanders liegt. So musste ich einen elenden Umweg fahren. Na gut, verpasst hatte ich dadurch wettertechnisch natürlich nichts. Und für den roten HST war ich rechtzeitig da.

Was ich kaum zu hoffen gewagt hatte, geschah: Nachdem der HST zwar nur mit einer Ahnung von Licht abgegangen war, kam zum Güterzug und einem 158 die Sonne nochmal voll raus! Und ein Kurz-HST ging dann immerhin noch im Halblicht.


Der werktägliche Containerzug nach Aberdeen ist eine feste Größe - Zuglok ist eine DRS Class 66. Der Zug ist übrigens komplett zu sehen.


Wenn der 158 so schön beleuchtet wird, muss er auch mal gezeigt werden. Im Hintergrund die Blockstelle Carmont, bei der gerade ein grüner LKW über die Gleise rumpelt.


Große Freude: Die dritte Kurz-HST-Garnitur kommt auch noch bei passablem Licht durch die Fotokurve von Carmont gerollt. Und der grüne LKW kommt schon wieder zurück...

Diese Bilder empfand ich einfach nur als Bonus. Immerhin hatte es ja heute ab 12 gar keine Sonne mehr geben sollen. So war ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Langsam wuchsen hier die Schatten (es ist schließlich erst Februar!), und es zog sich auch wieder zu. Ich beschloss, einfach mal über weiße Straßen parallel zur A90 durch die Hügel zu fahren und bei zunehmender Dunkelheit auf die Schnellstraße zu wechseln. Dazu musste ich mir jetzt die Stromversorgung für mein altes Karten-Tablet mit Powerbank einrichten und die Steckdose für meinen Musik-USB-Stick suchen.

Als ich das alles hatte, begann eine wunderschöne Autofahrt über einsamste kleine Sträßchen am Rande des Gebirges entlang. Rechts von mir lag eine Gegend, in der es weit und breit keine Straßen gab, sondern nur Natur pur. Die Route ging von oberhalb New Mills (Bk Carmot) mit nordwestlichem Bogen auf Auchenblae zu, vorm Ort allerdings nach rechts und abseits von allen Ortschaften durch die Ländereien des Drumtochty Castles, von dem man aber nur die alte Kirche in dem einsamen Waldtal sah. Was für ein Anblick, hier mitten in der Natur dieser Sakralbau! Bei Clattering Bridge ging es auf die B974, der ich nun südwärts nach Fettercairn folgte. Immer wieder ließen Parks und Mauern die Nähe eines Castles erahnen. Was hat die Adligen früher in diese Einsamkeit gezogen? Das kann ja nur die Moorhuhnjagd gewesen sein...

Von Fettercairn auf der B966 (B-Straßen sind hierzulande nur Kommunalstraßen; es herrschte kaum Verkehr) unter einem großen Steinbogen hindurch nach Edzell, dann wieder auf weißen Straßen über Bridgend of Lethnot nach Tigerston. Da es schon ordentlich dämmerig wurde, ging es nun stramm südwärts und bei Careston auf die A90. In Dundee ging es nur kurz ins Hotel und dann wieder nach Broughty Ferry zum Inder. Auch wenn er teuer war, war das Essen ja wirklich gut. Und ich hatte mir heute den Inder redlich verdient. Danach gab es einen Spaziergang auf die Mole, von wo aus ich zwei Schiffen bzw ihrer tollen Beleuchtung bei der Ausfahrt aus dem Firth of Tay zuschauen konnte. Dann machte ich am örtlichen Bahnübergang noch zwei Videoaufnahmen vom zurückkehrenden Containerzug und von einem rotweißen HST.


Broughty Ferry @ night. Der Ort gehört schon zu Dundee, ist aber östlich der Hafenanlagen eher für sich gelegen. Ein sympatischer Ort.

Spätabends verlängerte ich das Hotel um eine Nacht bis Donnerstag, weil ich morgen von hier aus evtl was mit der Bahn machen wollte. Das ging aber nur mit Zimmerwechsel, aber ich könne den Koffer im Zimmer stehen lassen, der würde dann transferiert.

Mittwoch, 20.02.2019

Die Vorhersage für heute war eindeutig gewesen. Null Stunden Sonne, sogar Regen. Ich hatte den Wecker so gestellt, dass ich um 8:49 mit dem Rotweißen, dem LNER HST ab Arbroath fahren konnte. Ich wusste nur noch nicht genau, ob ich mir dann Edinburgh anschaue, oder ob ich weiterfahre und eine Zugrunde via Newcastle - Carlisle drehen würde. Das wollte ich dann etwas von der Stärke des Regens abhängig machen ;-)

Weil ich nicht ganz sicher war, ob ich den dicken oder den dünnen Pullover anziehen sollte, schaute ich nur mal eben schnell für Edinburgh nach den Temperaturen. 8-11 Grad, ok. Doch Moment mal, was war das denn für ein gelbes Symbol neben der Temperatur? Große Sonne, kleine Wolke? Hääääh? BBC sah immer noch Komplettbewölkung vor. Aber so komplett falsch können die Schweizer doch auch nicht liegen (ich verwende in letzter Zeit hauptsächlich Meteoblue)?

Nein, das wollte ich mir jetzt genauer anschauen, bevor ich in den Zug steige. Ich konnte immer noch zwei Stunden später mit dem Rotweißen nach Edinburgh fahren. Aktuell war allerdings in Dundee nichtmal im Ansatz was von Wolkenlücken erkennbar. Was tut man da? Klar, erstmal frühstücken! Selbiges gab es vom Buffet und konnte erstmal Kräfte wecken. Dann fuhr ich los. Immer noch keine Wolkenlücken erkennbar. Südlich der Taybrücke fuhr ich ran und ging in mich. Ggf könnte ich immer noch in Leuchars an den Bahnhof fahren und ab dort den Zug nehmen. Das Satellitenbild zeigte nun, dass es eigentlich komplett bewölkt sei, nur über dem Firth of Forth schien es aufzureißen. Hmm, das konnte dann relativ stationär sein. Und dort hatte ich zwischen Burntisland und Aberdour ein schönes Motiv aus dem Zug gesehen. Hin da!

Tatsächlich war im Laufe der Fahrt vor einem eine gewisse Helligkeit erahnbar. Beim Näherkommen merkte man, jaaaa, über dem Forth sind paar blaue Flächen, aber eben auch nur paar und eher mittig über dem Fjord. Westlich von Burntisland wollte ich eine auf der Karte verzeichnete Nebenstraße runter an den Forth fahren, doch nach 100m griente mir ein Schild "private road, bla bla bla" (das bla bla bla steht natürlich für die üblichen Drohungen) entgegen. Also zurück zur Hauptstraße hoch, da war immerhin ein winziges Stück Seitenstreifen, an dem kein Grund erkennbar war, weshalb man da nicht stehen dürfte.

Dann die Private Road abwärts gelaufen. Unten kreuzte sie den Küstenwanderweg und führte dann über eine Bahnbrücke auf eine Halbinsel. Der Blick von der Brücke war zwar nicht mein Motiv, wäre aber in beide Richtungen topp gegangen. Und während ich darüber noch sinnierte, kam unten in einem ersten Lightspot ein rotweißer HST in die Gegenrichtung, also nach Aberdeen, angefahren. Für den hätte ich auch locker noch die Kamera aus dem Rucksack bekommen. Warum spreche ich die ganze Zeit im Konjunktiv? Die Brücke war gesperrt, komplett verrammelt. Und wenn die Briten etwas verrammeln, dann richtig.


Verrammeln können die Briten. Wenn man irgendwo nicht reinlaufen soll, dann kann man es in der Regel auch nicht.

Auch von der über die *Hier könnt ihr einen Kraftausdruck eurer Wahl einfügen*brücke angebundene *Kraftausdruck*halbinsel hätte man jedenfalls topp von Osten auf "meine" freie Stelle am Forth-Ufer knipsen können. Die Insel war Brachland, kein Haus drauf. Ein alter Anleger zwar, aber der war nochmal extra verrammelt. Na gut, den HST hatte ich nicht geplant, den Brückenausblick auch nicht, also wanderte ich mal den Wanderweg westwärts. Die Steilküste war hier bewaldet, aber dennoch wunderschön. Man kreuzte sogar einen Wasserfall, wie ihn ein Parkarchitekt nicht hübscher hätte anlegen können. Paar kleine Quellen sprudelten aus der Felswand.

"Meine" Stelle war bald erreicht. Dass hier der Wanderweg auf die Wasserseite der Strecke wechselt, hatte ich vom Zug und auf der Karte gesehen. Tatsächlich war der Wanderweg zu den Steinen am Wasser dann auch NICHT hermetisch abgeriegelt. Hätte ja sein können, dass die Steine in Privatbesitz gewesen wären... Nichtmal ein Schild stand da, das mich über die Gefahren solcher Steine informierte. Heißt das, dass ich jemanden verklagen kann, wenn ich auf den Steinen ausrutsche? Ich meine, da hätte mich doch jemand drauf hinweisen müssen, dass die rutschig sind, oder etwa nicht? Na gut, lassen wir das jetzt (man möge bitte die Ironie in den letzten Worten zur Kenntnis nehmen). Jedenfalls hatte man, auch wenn man tiefer stand, einen topp Blick auf die Bahnstrecke. Tja, aber was machte die Sonne? Nach der Aufhellung eben an der *Kraftausdruck*brücke habe ich nicht all zu viel Sonnenschein gesehen. Allerdings waren im Westen, wo das Wetter offenbar her kam, durchaus blaue Stellen am Himmel zu sehen.

Als der erste Kurz-HST ohne Sonne passierte, überlegte ich, ob das alles Sinn machte, oder ob Edinburgh Sightseeing doch das bessere Ziel gewesen wäre. Dabei konnte ich ja Edinburgh die ganze Zeit besichtigen; ich stand genau gegenüber, "nur" der Firth of Forth war dazwischen. Ich drehte mich schon gar nicht mehr nach den Wolken um. Aus Richtung Edinburgh kam erstmal gar nichts mehr, offenbar eine größere Störung in Haymarket. Mein wichtigster Zug, der zweite Rotweiße aus Aberdeen näherte sich unaufhaltsam. Eine blaue Fläche von hinter mir auch. Der HST war bald überfällig. Die Aufhellung ließ sich Zeit. Der HST hätte nun wirklich schon seit Minuten durch sein sollen. Laaaangsam wurde es heller. Sonne voll da. Banges Warten. HST kommt ganz hinten um die Ecke. Licht geht aus. Und gleich wieder an, nur ne kleine Störung. Der HST klappt mit voller Sonne, bis auf einen kleinen vernachlässigbaren Schattenansatz im letzten Drittel!


Und wieder mal ist mir das Glück hold: Der zweite LNER Service des Tages von Aberdeen nach London hat etwas Verspätung aufgebaut und tauchte erst auf, als der Himmel über dem Forth mal großflächiger aufriss.

Wahnsinn! Damit hatte ich nicht gerechnet. Gut, dass ich nicht in Leuchars in diesen Zug gestiegen bin, wie ich es vor dem Blick auf den Satellitenfilm vorgehabt hatte. Dann hätte ich mich beim Durchfahren dieser Kurve vielleicht doch ein kleines bischen geärgert... Da jetzt paar größere blaue Flächen am Himmel unterwegs waren, blieb ich einfach mal da. Bzw ich musste nur paar Steine dichter ans Ufer rücken, denn die Flut kam mit aller Macht. Die Gischt spritzte hoch auf.


Schön in Britannien ist immer, dass neben den interessanten Zügen meist ein gewisses "Grundrauschen" auf der Schiene herrscht: Zahlreiche Triebwagenleistungen sorgen für viel Bewegung auf den Gleisen. So kam, als der Himmel im Hintergrund mal besonders schwarz war, ein 170 vorüber. Diese VTs stellen noch das Rückgrat des schottischen Nahverkehrs außerhalb der Metropolen dar. Hier könnte es ein Zug des Fife Circle gewesen sein, einer Nahverkehrslinie, die von Edinburgh über die große Taybridge in das "Königreich Fife" führt, dort eine Schleife via Burntisland, Kirkaldy, Glenrothes with Thornton, Dunfermline beschreibt und zurück über die Taybridge nach Edinburgh führt. Die Class 170 Triebwagen finde ich durchaus fotogen; da gibt es schlimmeres in UK.

Über den Fahrplan verloren sowohl realtimetrains als auch ich bald den Überblick. Der Fahrplan war ziemlich aus den Fugen geraten. Mein Haupt-Augenmerk lag nun noch auf dem Mini-HST von Inverness, doch da der Abschnitt Perth - Ladybank eingleisig und ohne Kreuzungsmöglichkeiten war, ging nun die Verspätung eines Nordfahrers auf den HST über. Dass zur erwarteten Zeit auch ein Kurz-HST nordwärts und hinter dem Invernesser ein weiterer Kurz-HST südwärts kam, verwirrte mich vollends. Letzterer bestand sogar aus einer vollständig "verschotteten" Garnitur. So sollen sie mal alle aussehen! Ach ja, auch hier wieder viel Sonnenglück: Beide Südfahrer kamen in Sonne, der Nordfahrer hatte einen Spot.


In kurzem Abstand passierten nun drei Kurz-HSTs meine Stelle zwischen Aberdour und Burntisland: Zunächst vermutlich ein Zug von Edinburgh nach Aberdeen, der dann aber für das heutige Durcheinander erstaunlich pünktlich gewesen wäre. Bei drei der Mittelwagen hat man den Zierstreifen abgezogen...


Nun tauchen zwei HSTs von Norden auf. Der eine bestand wieder aus "meiner" Garnitur, die ich von Interness hatte, und es könnte sich auch um dieselbe Zugleistung gehandelt haben.


Wenige Minuten später taucht unversehens eine komplett modernisierte HST-Garnitur auf, vermutlich dann aus Aberdeen. So sollen die Kurz-HSTs also alle künftig aussehen. Der letzte Wagen hat den gelben 1.Kl-Streifen übrigens nur über 3/4 des Wagens, das restliche Viertel trägt einen roten Streifen. Vielleicht gibt es dort sogar eine kleine Fressluke.

Auch hier am Forth war es wunderschön. Mit dem Softcase meines Tablets und einem aufgerollten Regenponcho unterm Hintern konnte ich wunderbar auf den Felsen sitzen, den Schiffen beim Auslaufen zuschauen oder mal nach Edinburgh rüberwinken. Insofern zog es mich auch gar nicht so stark weg. Andererseits hatte ich es hier. Also auf! Weit kam ich allerdings nicht, denn der Blick vom Wanderweg oberhalb der Bahn über die Fotokurve rüber war auch ganz und gar nicht verkehrt. Leider war zu allem Überfluss auch noch Hochnebel aufgezogen, der die Sonnenintervalle hier am Ufer noch weiter runter fuhr. Aber ein 170 mit Dreiviertellicht-Spot und einer, der mir vor Erreichen des günstigsten Auslösepunktes zugefahren wurde, gingen noch.


Der etwas spitzere Blick vom Wanderweg auf die Fotokurve: ein 170 ist gerade unter der *Kraftausdruck*brücke hervor gekommen. Im Hintergrund sind schon Häuser von Burntisland zu sehen.

Nachdem ich vorhin in einer Sonnenpause schon mal den Wanderweg nach Aberdour weiter gelaufen war, wo aber die Bahn komplett hinter Bäumen verlief, ging ich jetzt nochmal das Stück in die andere Richtung bis zum Bebauungsbeginn von Burntisland weiter. Aber auch hier war die Bahn zugewuchert. An einer Stelle führte ein Pfad in einem Bachbett unter Wanderweg und Bahn hindurch auf die *Kraftausdruck*-Halbinsel. Dieser Pfad kam von einem völlig verwilderten Grundstück, das nicht ganz so verrammelt war, das aber auch mit "private bla bla bla" gekennzeichnet war. Ich fragte mich nur, was an der Halbinsel wirklich privat war (zumindest die Brücke war es wohl kaum); vermutlich war das ganze wieder so eine idiotische Haftungsgeschichte...

Egal, darüber regte ich mich jetzt nicht mehr weiter auf. Was lag jetzt näher als den Nachmittag an der Forthbridge zu verbringen? Auch wenn der Hochnebel den Himmel gerade vollkommen erobert hatte, konnte man dort zumindest mal vorbeischauen. Ich wollte auch ganz gern wissen, ob man überhaupt noch auf die alte Roadbridge zum fotografieren drauf kommt. So fuhr ich also nach North Queensferry. Die alte Forth Roadbridge entpuppte sich als reine Bus- und Taxibrücke! Das dürfte die aufwändigste Busspur der Welt sein! Somit fiel der Parkplatz an der Schnellstraße schon mal aus. An der Landstraße unten drunter nach North Queensferry war die nächste Parkmöglichkeit das nahe gelegene Hilton Hotel. Dessen Parkplatz war groß genug.

An der alten Roadbridge dann die Ernüchterung: Bitte nutzen Sie den Fuß- und Radweg auf der Westseite der Brücke! Der Weg auf der Ostseite war gesperrt. Damit hatte sich die alte Roadbridge als Ausguck auf die Bahnbrücke erstmal erledigt. Mal sehen, wie lange die Restauration der alten Brücke dauert, der all diese Einschränkungen wohl geschuldet sind. Ich lief wieder zum Auto und versuchte nun, in dem Wohngebiet am Bahnhof von NQ neue, bessere Ausblicke zu erreichen. Doch weiter oberhalb ging nichts. Aber man konnte von der altbekannten Aussichtsterrasse einen neuen (?) Schotterweg ein Stück hinein laufen, der dann tatsächlich einen schönen seitlicheren Ausblick eröffnete. Allerdings war man hier am Erschließen von Baugrund, so dass der Punkt nur von vorübergehender Dauer sein dürfte.

Paar Lücken im Hochnebel waren ja da, aber die Sonne kam bestenfalls halbherzig raus, später gar nicht mehr. Mittlerweile war es nach 16 Uhr, und man konnte an die Rückreise nach Dundee denken. Während ich die Dreiviertelstunde in NQ ausharrte, kamen mindestens drei Kurz-HSTs durch, auch der komplett modernisierte. Natürlich hätte ich auch ohne Sonne mal ein Foto machen können, aber meine Motivation dazu hielt sich gerade stark in Grenzen. Deshalb nur mal für die, die mit dem Begriff "Forthbridge" noch nichts anfangen können, ein Foto von 2015, aufgenommen von der Forth Roadbridge:


Nur mal zur Erläuterung ein Foto von der gewaltigen Brücke über den Firth of Forth aus 2015: Der dieses Jahr entdeckte Aussichtspunkt muss hinter dem bewaldeten Hügel links liegen.

Ich fuhr wieder den direkten Weg zurück. Trotz des Landstraßen-Abschnittes glaubte ich schneller zu sein als über die Autobahn via Perth. Die Fahrt ging dann auch zügig vonstatten. Gegen 17.30 war ich wieder im Hotel und ließ mir das neue Zimmer zuweisen. Das war diesmal im Neubau und deutlich netter! Mein Koffer stand wie versprochen bereit. Nach etwas Frischmachen fuhr ich wieder zu meinem Stamm-Inder, wo ich nun auch erstmal paar Fragen nach dem Woher und Weshalb beantworten musste. Hatte ich den Inder verdient? Och ja, für einen ursprünglich mit null Sonnenstunden angekündigten Tag ist ja bischen was gegangen, wenn auch nur an einem Motiv. Die heutigen Bilder hätte ich nicht missen mögen. Also: Alles richtig gemacht!


Für das Zimmer hatte ich mir noch zwei Fläschchen Innis&Gunn Bourbon Barrel Scotch Ale mitgenommen. Ich finde die britischen Ales hochinteressant, weil die so dermaßen unterschiedlich schmecken. Und auch dieses hatte einen ganz eigenen rauchigen Geschmack. I like it!

Für morgen kündigte Meteoblue sogar kompletten Sonnenschein an! BBC sah hingegen gar keine Sonne. Yr.no orakelte höchstens für den Nachmittag Sonne; das war in etwa das, was wetterwitzonline ebenfalls glaubte zu wissen. Wer wird siegen? Heute war der Punkt ja ziemlich eindeutig an BBC gegangen, auch wenn ich Meteoblue dankbar sein muss, mich zu Streckenaufnahmen bewegt zu haben. Was mag also morgen rauskommen?

Donnerstag, 21.02.2019

Der örtliche Meteoblue-Mitarbeiter für den Bezirk Angus war offenbar auch schon aufgewacht und hatte einen Blick in den Himmel geworfen. Entsprechend hatte man nun die Vorhersage angepasst: Sonne nur nachmittags. Das entsprach dann ja halbwegs den anderen Vorhersagen. Ich gab mich nun erstmal wieder dem Frühstücksbuffet hin. Dann noch dies und das im Zimmer rumpütschern. Kurz nach 9 checkte ich aus. Die Übernachtung war im Voraus gebucht, aber was war mit den Frühstücks? Sie wollte mich so gehen lassen. Auf meine Frage, ob die Frühstücks inklusive waren, fiel ihr ein, dass ich doch 10£ bezahlen müsse. Hmm, ich habe jetzt nicht weiter gefragt, die letzte Nacht war teurer als die beiden ersten gewesen; vielleicht war da ja das Frühstück mit drin...

Von einem hellen Schein weit im Süden ließ ich mich jetzt nicht zu Hektik animieren. Nein, ich wählte Plan B: Rein ins Auto, Musik angemacht und in nordwestlicher Richtung aufgebrochen. Eine Autofahrt durch die Highlands sollte es sein. Als ich vorgestern von Carmont über die Nebenstraßen zurück gefahren war, sagte ich ja, dass westlich meiner Route eine einsame Gegend ohne jegliche Straße läge. Um diese Gebirgsregion fuhr ich nun auf der anderen Seite, also westlich und nördlich, herum. Auf dem ersten Stück, noch im Flachland, fielen mir zahllose alte Bahnanlagen auf, Dämme, vermutlich sogar ein Gleisdreieck, eine alte Bahnhofsanlage. Das war in der Gegend von Newtyle. Enorm, was für ein dichtes Netz es hier gegeben haben muss. Weiter ging es die B954 hoch, und zwar so richtig in die Wildnis. Kirkton of Glenisla war einer der wenigen berührten Orte.


Das Forter Castle ist einer der für die Highlands typischen Wohntürme.

Nach einem kleinen Pass gelangte ich an die A93. Die Nummer klingt wichtig, es war aber nur ganz wenig Verkehr. Abseits der Straße mal wieder ein kleiner Ort, der sichtliche Wintersport-Kapazitäten besaß: Spittal of Glenshee. Dann ging es ordentlich aufwärts bis auf den rund 700m hohen Glenshee Pass.


Kahl sind die Hänge, tief die Wolken: An der A93 oberhalb von Spittal of Glenshee.

Von diesem Pass sah ich genau gar nichts, weil der mitten in den Wolken hing. Dichter Nebel! Auf der Nordseite des Passes verlor die A93 sogleich rasch an Höhe. Im Tal vor mir tauchten sogar erste Wolkenlöcher auf! Ein Stück weiter lag der mit seinen alten Gebäuden durchaus prächtige Ort Braemar. Das schien mir ein Touristenort zu sein, und ich fragte mich, ob die Leute, die hier in Hemdsärmeln durch die zunehmenden Sonnenstrahlen liefen, nicht vielleicht mit Skiern im Gepäck angereist sind? Ich meine, wir haben Mitte Februar in den schottischen Highlands!

Zugegeben - die Sonne beflügelte mich jetzt doch ein wenig. War ich vorher mit 40mph durch die Landschaft geöttelt, nutzte ich nun die erlaubten 60 aus, wobei das nicht immer ging, denn ich war in Crathie auf die Nebenstraße auf der südlichen Talseite ausgewichen. Die war nicht ganz so schnell befahrbar.


Erste Sonnenstrahlen hinterm Pass.


Mein Mietwagen und eine Telefonzelle, in der sich allerdings die örtliche Leihbücherei befindet.


Ballater und die Brücke über den River Dee.

Über Ballater und Banchory ging es dann nach Stonehaven, wo etwas Nahrung aufgenommen wurde, denn danach stand wie immer um diese Zeit in dieser Gegend ein entspannter Aufenthalt in Carmont an. Das ist eben auch einer dieser Punkte, wo man einfach schön warten und die Dinge beobachten kann, die sich da auf der Schiene tun. Ein Grund dafür, dass man hier immer wieder landet, ist aber auch, dass bisherige Aufenthalte wettertechnisch nie unproblematisch waren. Auch heute, nachdem man bis Stonehaven nun durch 50% Sonnenschein gefahren war, lag ausgerechnet der Fotoabschnitt noch lange im Schatten einer Hochnebelwalze, die sich standhaft im Süden hielt, während der Hang hinter der Blockstelle ständig in der Sonne lag.

Diese Stelle ist wolkentechnisch wirklich unglaublich! Es hatte wirklich so ausgesehen, als ob der Wind die Nebelwolken bald weggepustet hätte. Eine Zeit lang lag der Fotoabschnitt auch in der Sonne. Aber die Wolken gewannen immer wieder die Oberhand, während es rings herum immer blauer am Himmel wurde. Immerhin konnte ich die Zeit nutzen, mir das PremierInn in Portlethen (Aberdeen Süd) zu buchen. Eine Nacht durfte es noch hier oben sein, bevor ich dann mal langsam Richtung Manchester aufbrechen musste, von wo ich Samstag Mittag fliegen wollte.


Ein 170 mit Werbung für die Transportpolice und ihre Aktion "See it, say it, sorted" rollt durch Carmont. Näheres zur Aktion wird einem per Lautsprecher auf jedem Bahnhof eingetrichtert: http://www.blockstelle.de/1200/GB2017-08-weitere/Sound-Security.m4a

Derweil hatte es wieder ganz schön zugewölkt. Eigentlich kam gar keine Sonne mehr auf die Bahn. Neben den hochnebelartigen Wolken trat jetzt auch wieder dieser Schlonz in Aktion, den man hier nachmittags so häufig hat. Als die Signale für den Rotweißen, auf den es mir natürlich auch hier besonders ankam, gezogen waren, blieb ich geradewegs im Auto sitzen. Als es hinter der Bahn auf den Äckern nach einer bescheidenen Form von Aufhellung aussah, stieg ich dann doch mal lieber aus. Jetzt waren auch paar helle Flecken auf den Wiesen diesseits der Bahn erahnbar. Wenn die sich doch vereinigen würden... Jedenfalls wanderten die diesseitigen Sonnenflecken auf die Bahn zu. Und drüber weg. Der Zug kam hinten um die Ecke. Wieder ein Spot auf den diesseitigen Feldern! Wieder auf dem Weg zum Fotoausschnitt! Der Zug auch. Es passte!


Der dritte LNER HST des Tages von Aberdeen nach London passiert die Fotokurve von Carmont in einem kleinen lichten Moment.

Irgendwie mögen mich die Rotweißen! Das finde ich ganz große Klasse! Natürlich hätte man das Motiv auch gern mal in Volllicht komplett ausgeleuchtet, aber so ein Spot sieht ja auch klasse aus. Und angesichts der Wolkenlage war das jetzt wirklich 100% mehr als man erwarten konnte. Hier noch weitere Züge abzuwarten, schien mir gar keinen Sinn mehr zu machen. Ich aß meinen Salat auf und wollte noch einen kleinen Spaziergang auf einen Hügel unternehmen. Doch war ich noch keine drei Schritte gegangen, da blinzelte mir Sonnenlicht entgegen. Die Sonne stand inzwischen so tief, dass sie unter dem ganzen Hochnebelgedöhns wieder hervor kam. Zwar verschleiert, aber es wirkte fast wie volles Licht. Ok, Spaziergang abgesagt und nochmal auf Züge gewartet. Allerdings herrschte gerade Zugflaute. Einzig ein 158 von hinten profitierte so richtig von dem Licht. Nach einem 170, der auch noch brauchbares Licht hatte, musste ich allerdings aufbrechen.

Denn, wie immer, folgte nun der Muchalls Mills Viaduct im Programm. Und der dafür vorgesehene nordfahrende Rotweiße näherte sich auch schon so langsam. An der richtigen Abzweigung von der A90 musste ich erstmal vorbeifahren, weil ich auf der Schnellstraße gerade überholt wurde. Ich hätte aber auf der Überholspur stark abbremsen müssen, um rechts abzubiegen. Diese Straße ist wirklich mörderisch... Aber ich schaffte es dicke rechtzeitig mit U-Turn in Muchalls. Und zum HST gab das Abendlicht wirklich nochmal alles!


Zum Tagesabschluss klappt auch noch der Muchalls Mill Viaduct mit bestmöglichem Schein der Abendsonne. Der erste LNER HST des Tages von London nach Aberdeen passiert die Brücke vor der Kulisse der Nordsee eine Viertelstunde vor Erreichen seines Ziels.

So viel Glück ist ja fast beängstigend... Einen nachfolgenden Triebwagen nahm ich auch noch mit, doch dann stand die Erkundung einiger Brücken an. Zwei davon waren Feldwegbrücken in südlicher Richtung. Die Abzweigungen waren so unscheinbar und man kann auf der Schnellstraße ja nicht plötzlich in die Eisen gehen, so dass ich mir die Abzweigungen nur merkte, in einem Riesenschlenker durch Stonehaven wendete und dann mit Rechtsabbiegen in die eine Feldwegzufahrt musste. Ein Schild war dabei so blöde angebracht und zeigte an, dass man links an ihm vorbei fahren sollte. Da war ich schon am Abzweig vorbei. Der Gegenverkehr, den ich ja nun durchlassen musste, mochte denken, dass ich da für eine Geisterfahrt bereit stehe. Zum Glück war der Wendekreis des BMW klein genug, um die fünf Meter auf der Gegenfahrbahn zurück fahren und dann in den Feldweg abzweigen zu können.

Die Aufregung hat sich immerhin gelohnt. Den ersten HST könnte ich dort morgen früh machen, wenn das Motiv auch eher "einfach" war. Das Meer ist leider zu weit rechts. Am späteren Nachmittag wäre die Brücke topp. In einer Autopause fuhr ich nochmal langsam auf der Schnellstraße zur zweiten Brücke weiter. Der Blick war etwas hügeliger, aber wegen eines leichten Einschnittes für den Frühzug nicht geeignet. Dann wusste ich das jetzt auch! Eine weitere Brücke galt es noch zu testen: Die in Muchalls. Zwar nicht direkt von der Brücke, aber von einer wilden Wiese daneben konnte man ebenfalls schön die Bahn einsehen, sogar mit kleinem Viadukt. Das wäre hinsichtlich Frontlicht aber eher etwas für den zweiten Rotweißen.

Mit diesen Möglichkeiten im Hinterkopf ging es in den Endspurt ins Hotel. Portlethen war ja praktisch Wohnen im Motiv. Nach dem Check in fuhr ich eine Versorgungsrunde durch den Ort. Die Riesen-Supermärkte ließ ich links liegen - zu riesig für meine kleinen Getränkebedürfnisse. Doch ich entdeckte unweit des Bahnhofs eine kleine Ladenzeile, bestehend aus einem Dönerladen, einem Friseur, einer Spielhalle und einem kleinen Supermarkt. Dort bekam ich sogar wieder meinen Lieblingscider, Henry Westons aus Herefordshire.

Wo ich heute NICHT essen gehen würde, das hatte eigentlich schon den ganzen Tag festgestanden: Beim Inder. Nein, ich freute mich einfach ganz simpel auf einen Hamburger im Kettenrestaurant neben dem Premier Inn. Die Hotelkette Premier Inn arbeitet immer mit einem Kettenrestaurant zusammen, das sich nebenan ansiedelt und wo es auch das Frühstück gibt. Hier war es eine Filiale von Brewers Feyre. Hmmm, irgendwie hatte ich von denen in Erinnerung, dass mir da was nicht gefallen hatte und dass nur das Frühstück gut war. Als ich drin war, kam die Erinnerung wieder: Bei einem der letzten Male hatte uns niemand gesagt, dass man zum Thresen gehen muss, um zu bestellen. Das kennt man zwar von britischen Pubs, aber von den anderen Kettenrestaurants (ich sprech jetzt nicht von Burgerbratern) eher nicht. Na ja, diesmal wurde es beim seating gleich dazu gesagt. Die Burger waren dann auch ganz ok, aber die Pommes ekelhaft süß. Mein Favourit unter den Premier Inn "Beirestaurants" ist der Beefeater Grill. Die haben richtig gute Hamburger!

Gegen 20 Uhr verzog ich mich mit meinem Cider aufs Zimmer. Auch wenn heute "nur" zwei Motive geklappt hatten, so konnte ich angesichts der Gesamtwetterlage wohl sehr zufrieden sein. Besonders toll war, dass es wieder mit den rotweißen LNER-HSTs geklappt hatte, die ja nun bald weg sollen. Für morgen verspricht sogar BBC für den gesamten Tag Chance auf Sonne. Meteoblue funzt gerade nicht.

Freitag, 22.02.2019

Der Morgen sah dann auch ganz vielversprechend aus. Zwar stand massig Schmodder am Himmel, doch die Sonne hatte einen relativ klaren Spalt zwischen Horizont und Aufsteigen in den Schmodder hinein. Ich stellte mich an den Muchalls Viaduct. Etwas Beifang ging hier im schwachen Morgenlicht, mehr aber auch nicht. Als der Rotweiße kam, war die Sonne bereits in den Schmodder hineingestiegen.


Eigentümliche "gelbe" Beleuchtung herrscht nach Sonnenaufgang am Muchalls Viaduct. Ein Cross Country 220 von Dundee rollt hoch nach Aberdeen, um von dort seine lange Reise einmal "quer durch" bis Penzance anzutreten, der längste durchgehende Zuglauf Großbritanniens.

Zwar waren einige blassblaue Stellen am Himmel zu sehen, aber erstmal musste die Sonne durch dieses komische Wolkenband durch. Und ich hatte plötzlich einen Riesenappetit auf Beans und Fried Eggs. Also auf und zurück zum Brewers Fayre! Das Frühstück baute dann auch ganz gut auf. Mich jedenfalls. Das Wetter weniger. Und wieder war das Personal völlig überrascht, dass ich das Frühstück bezahlen wollte bzw musste...

Nach dem Frühstück machte ich zwar in Muchalls noch nen kleinen Klippenspaziergang, aber es wurde schnell deutlich, dass man auf sonnige Zugfotos hier jedenfalls nicht mehr zu hoffen brauchte. Dahingegen zeigte BBC nachmittags für Berwick-upon-Tweed Sonne satt an! War das ein Angebot? Richtung Süden musste ich ja eh, da war der kleine Schlenker über Berwick dicke drin.


Abschied von der schottischen Ostküste. Es hatte sich völlig zugezogen.

Das Navi wies mich diesmal komplett über vierspurige Straßen bis Perth und dann über die Autobahn nach Edinburgh. Das war angenehmes Fahren. Selbst durch den Ballungsraum von Edinburgh ging es reibungslos, und die nun folgende A1 war meistens auch noch vierspurig. Was die Laune trübte, war der Blick in den Himmel. Als nach zweieinhalb Stunden Fahrt noch immer kein wirklich blauer Himmel in Sicht kam, wurde man etwas nachdenklich. Das avisierte Motiv lag nördlich von Berwick - noch in Schottland. Burnmouth sollte es mal wieder sein.

Nachdem ich in der kleinen Feldwegzufahrt angehalten hatte, rief ich zuerst nochmal den BBC-Wetterbericht auf. Aha, der Beginn der Aufklarung war auf 16 Uhr verschoben worden. Fern im Westen war ein heller Schein zu sehen. Ich beschloss, dem eine Chance zu geben, und zwischenzeitlich einen Spaziergang auf den Klippen zu machen, die man beim Foto im Hintergrund hätte. Der Coastpath auf der Steilküste war natürlich auch hier wieder wunderschön. Tief unter einem in einer Schlucht lag der Hafen von Burnmouth. Weit bin ich auf dem Wanderweg aber nicht gekommen. Die Auflockerungen waren jetzt doch so nah gekommen, dass der eine oder andere müde Sonnenstrahl hervor brach. Also zurück zum Fotostandpunkt.

Es blieb dann aber bei kurzen Intermezzos. Und wenn Sonne, dann maximal im Drittellicht. Nein, das hatten wir damals mit Frits-Tours wesentlich toller hinbekommen. Ich hätte halt auch hier nochmal gern einen rotweißen Zug bekommen, denn auch die hier hauptsächlich verkehrenden IC225-Triebzüge (oder Wendezüge?) sollen demnächst von den Hitachis abgelöst werden. - Zu allem Überfluss fand sich an der kleinen Feldzufahrt plötzlich noch ein Auto mit drei krassen Diggers ein, die vor der Steilküste ihr Fotoshooting begannen. Da ich auch zwangsläufig im Bild war, frage ich mich, mit was für Kommentaren ich mich wohl in deren Blog wiederfinde...


Burnmouth wurde beleuchtungstechnisch zum Satz mit X. Einzig schön war der Spaziergang auf den Klippen im Hintergrund.

Nein, ich hatte echt keine Lust mehr. Auf dem Satellitenbild sah es so aus, als ob es ca 50 Meilen weiter südlich richtig sonnig wäre. Ich beschloss einfach mal weiterzufahren. Es war gerade 14 Uhr - vielleicht würde ja noch was gehen. Leider war die A1 ab hier fast nur noch normale Landstraße. Ich hatte gar nicht in Erinnerung, dass sich das Stück von Berwick bis Newcastle derartig hinzieht... Bei Stannington fuhr ich von der hier gerade mal wieder vierspurigen A1 runter und auf einem Feldweg an die Bahn ran (Briery Hill Lane), denn die Sonne schien jetzt endlich mal mit konstanter und vollerer Kraft. Man konnte dort was machen, man musste es aber nicht.


Blick von der Briery Hill Lane bei Stannington. Ein Cross Country 221 etwas nördlich von Newcastle.

Nachdem ich gerade einen der Rotweißen verpasst hatte und die Sonne wieder rumschwächelte, es im Süden aber nach einem Ende der Wolkendecke aussah, hielt es mich dort nicht lange. Vielleicht hätte ich doch hier bleiben sollen, denn in Newcastle verlor ich erstmal im Stau viel wertvolle Zeit, und das besagte Wolkenende lag wohl eher draußen auf See. Im Westen nahmen hingegen die Wolken wieder zu bzw die Sonne sank jetzt in sie hinein.

Südlich von Ferryhill verließ ich die Autobahn (jaaaa, ab Newcastle ist die A1 endlich zur M1 mutiert!) nochmal und fuhr eine Nebenstraße an die Bahn ran. Hauptgrund war jetzt eigentlich die Hotelbuchung. Ich hatte mich entschieden, den heutigen Tag als Fahrtag zu verbuchen und die Fahrt bis zum Ziel Großraum Manchester durchzuziehen. Dann konnte ich morgen nochmal vor Abflug das dann hoffentlich bessere Wetter nutzen. Das mir wohlbekannte Premier Inn Stockport Central war preislich ok, also gebucht. Das Navi warf als Ankunftszeit 19 Uhr aus - das war ja durchaus im Rahmen. Nach paar Baumbildern ging es weiter. Für Bahnbilder hätte ich auf einen Acker laufen müssen. Ich war schon am überlegen, habs dann aber bleiben lassen. Das war auch gut so. Denn ich saß gerade wieder im Auto, als der Bauer mit seinem Trecker unter wütendem Gehupe angefahren kam. Ich stand in der Ausbuchtung, die er für sein Gefährt brauchte, während er das Tor aufschließen musste. Tja, liebe englische Bauern, wenn ihr nicht alles so verrammeln würdet, kämt ihr schneller aufs Feld! Zwar war neben dem Tor ein Tritt für einen public footpath, aber ich war trotzdem froh, schnell wegfahren zu können und ihm nicht noch erklären zu müssen, was ich auf seinem Acker mache.


Typische britische Baum- und Knicklandschaft bei Bradbury.

Die weitere Fahrt war ok, aber mit Zunahme des Verkehrs auch anstrengender. Ich fuhr und fuhr. Langsam senkte sich die Dunkelheit über die Midlands. Bevor ich bei Leeds auf die M62 in Richtung Manchester abbiegen musste, empfahl mir das Navi wegen 25 Min Zeitverzögerung durch Stau eine südlichere Route zu nehmen. Hmm, nanu? Es gibt doch nur eine Autobahn über den Pennines Kamm hinüber? Na, vielleicht ja eine vierspurige A-Straße? Die A628 erwies sich dann allerdings als eine äußerst kleine, kurvenreiche Straße über das Gebirge hinüber. Da war am Schluss der langen Fahrt bei dem Gekurbel durch die Finsternis des Gebirges nochmal richtig Konzentration angesagt. Und das blöde Navi hatte die Straße wohl mit durchgehender Höchstgeschwindigkeit gerechnet. Am Ende wäre der Stau auf der Autobahn vielleicht doch eine Minute schneller gewesen...

Spätestens seit heute Mittag war mir klar, wo ich heute Essen gehen wollte. Natürlich nochmal beim Inder. Nach der langen Fahrt hatte ich ihn mir auch verdient. Ich entschied mich, vom Hotel die gut zehn Minuten zu dem Inder zu laufen, bei dem wir auch letztes Mal waren. Das war dann auch ein gutes Abschlussessen. Und die Rechnung bestätigte nochmal, dass der Inder in Broughty Ferry wirklich arg teuer gewesen war - aber gut! "Traditionell" wurde der Abend bei einer Flasche Henry Westons Cider auf dem Zimmer beschlossen.

Samstag, 23.02.2019

Der Blick aus dem Fenster fiel auf recht blauen Himmel, allerdings durchsetzt mit viel Schlonze. Der Tatendrang war aber geweckt. Heute würde ich vorm Abflug quantitativ nachholen, was ich in den letzten Tagen nicht geschafft hatte. Vor allem freute ich mich auf viele Güterzüge, durchaus mit Chance auf Class 60. Hmmm, war im Cider gestern was drin? Allerdings waren für die drei Stunden, die ich zwischen vermutetem Beginn der Sonnenausleuchtung und Aufbruch zum Flughafen hatte, in Realtimetrains tatsächlich drei Güterzüge in die richtige Richtung verzeichnet!

Mein Plan war, einfach ein Stück die Buxton Road raus zu fahren und verschiedene begutachtete, aber nie umgesetzte Motive in Chinley umzusetzen. Um 7.30 startete ich nach einem Zimmerkaffee. Für den Frühstückshappen hatte ich noch das Frühstückspäckchen aus dem Inter7City vom Montag im Gepäck. Das sollte reichen. Erstmal suchte ich den Haltepunkt Chinley auf, wo als erstes Licht auf die Strecke fiel. Gestern hatte ich auf Flickr Bilder aus der Zeit gefunden, als dies ein Bahnhof war, mit Signalbox und vielen Semaphores. Die Herrlichkeit war leider verschwunden.


So kam ich sogar noch zu einem Pacer-Foto. Einer der "All stations" Bummelzüge durch das Hope Valley rollt in den Chinley Halt ein.


Als Transpennine Schnellzug taucht einer der typischen 185 "Desiros" auf. Ich nahm ihn zusammen mit etwas typischer Bebauung auf.

Was die Güterzüge angeht, so kam das, was kommen musste. Realtimetrains meldete einen nach dem anderen als Ausfall. Soviel also dazu. Ich wartete einen Takt des Personenverkehrs im Orts- bzw Haltepunktbereich ab. Für den nächsten Takt verpflanzte ich mich auf zwei Brücken östlich der Station. An der ersten fand ich erst im vierten Anlauf den kleinen Mauerspalt, durch den ein (ehemaliger?) public footpath von der Straße auf eine Wiese und die anschließende Brücke führte. Tja, schöner Ausblick! Hier wäre ein Güterzug topp gekommen...


Der nächste Bummelzug ins Hope Valley besteht aus einem 150 in neuerer Lackierung. Hier ein Güterzug, ein einziger... Das wäre es wirklich gewesen.

Wenn man hügelauf schaute, fiel der Blick auf die weiten Wiesen- und Heidehänge der Pennines. Bei der zweiten Brücke war ich mir fast sicher gewesen, dass die nicht öffentlich erreichbar sei, also nur eine Wiesenüberfahrt des Bauern. Entlang der Straße reihte sich hier ein Grundstück an das andere. Doch bei genauerem Hinsehen führte auf Höhe der Brücke ein Feldweg zwischen zwei Häusern hindurch an die Straße. Ich hatte den erst für eine Hauszufahrt gehalten. Von der zweiten Brücke hatte man schön die erste im Bild.


Die Pennines, wie ich sie liebe...


Der nächste Transpennine Schnellzugtakt an den Brücken östlich von Chinley.

Ich liebe dieses offene Gebirge. Nun ja, so hatte ich ja doch noch etwas Programm gehabt und die Quantität meiner Fotoausbeute anheben können. Das Wetter war schön sonnig, aber durch den Schlonz fehlte dann doch der blaue Himmel, den man gern im Hintergrund hat. Insofern war ich nicht böse drum, nach diesem Takt entspannt zum Flughafen zu fahren. Aus Richtung Buxton Road kommt man jetzt sehr zügig dorthin, denn die neue Schnellstraße zur Ostanbindung des Flughafens ist fertig.

Die Autoabgabe klappte reibungslos. Der Shuttlebus stand schon bereit. Niemand drin, aber laut aufgedrehte Gutelaunemusik schallte aus dem Radio. Als der Fahrer kam, ein älterer Einheimischer, sang er lauthals mit, als er mich allein durch den sonnigen Tag zum Terminal chauffierte. Isn't it a lovely day?

Der Kofferannahmeautomat hat sich nicht über die 15,6kg des Koffers beschwert. 15kg waren im Preis enthalten; mein Konzept wäre sonst gewesen, meine alten Schuhe wegzuschmeißen, die lagen schon griffbereit obenauf. Was dann aber sehr lange dauerte, war die Sicherheitskontrolle. Nicht das Warten darauf, sondern das Warten auf die penible Extrakontrolle meines Rucksacks. Vor meinem Rucksack waren fünf weitere Gepäckladungen zur Extrakontrolle ausgeworfen worden, so dass mein Rucksack erst nach rund zehn Minuten dran kam. Erst musste die Kameraausrüstung komplett nochmal separat durchleuchtet werden, und dann fand der Sicherheitsmann, übrigens auch total gut gelaunt und freundlich, auch noch Augentropfen in meiner Tablettentüte. Die Tropfen haben bestimmt schon zehn Sicherheitskontrollen unbemerkt überstanden... Und was tat er mit den Tropfen? Er stopfte sie in eine weitere Plastiktüte und mit ihr wieder in meine Tablettentüte! Wie war das noch mit Vermeidung von Plastikmüll? Welchen sicherheitstechnischen Mehrwert hat es, wenn man ein Tropfenfläschchen in eine Plastiktüte steckt??? Aber dank meiner rechtzeitigen Anreise zum Flughafen hatte ich trotzdem noch schön Zeit für die traditionellen Fish&Chips im Giraffe-Restaurant.

EZY 1843 Manchester 13.25 GMT - Hamburg 15.00-15

Der Flug war völlig angenehm. Man konnte durchgängig die Landkarte studieren, die vorm Fenster unter einem ausgebreitet war. Man sah die Pennines, dann die vielen Kohlekraftwerke mit ihren vielen Kühltürmen, und irgendwann war die See erreicht. Da war die Landkarte unten nur noch blau. Irgendwie dauerte das Blau dann aber ganz schön lange. Ich saß links. Wir flogen offenbar genau über der west- und ostfriesischen Küstenlinie entlang. Bald kam die Inselkette in Sicht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst Wangerooge identifizieren konnte, alles davor hielt ich für (mir unbekannte) niederländische Inseln. Ich dachte, Norderney hätte ich wohl am Flughafen und Leuchtturm identifizieren können...


Blick auf Manchester.

Zum Landeanflug ging es genau über die Elbe. Man sah Brunsbüttel, Itzehoe, die Kreidegruben von Lägerdorf, später Ulzburg, Ellerau, und dann waren wir bald da. Die Landschaft mit ihren Knicks und einzelnen knorrigen Bäumen hatte sich eigentlich kaum geändert...

Etwa zur planmäßigen Ankunftszeit des Fliegers saß ich bereits in der S-Bahn. Als der Zug vor der Einfahrt Ohlsdorf zum Stehen kam, gab es in breitestem Hamburgisch die Durchsage "Hier spricht der Mann ganz vorn im Zug...", woraufhin er genau erklärte, welcher Zug jetzt mit welchem noch durchkreuzen muss, damit es weiter ging. Er endete damit, dass er versprach, im weiteren Fahrtverlauf über die Verspätung informieren zu wollen. Die ausländischen Gäste mussten nach der langen deutschsprachigen Durchsage eine extreme Großstörung befürchten...

Nach einer ätzenden Fahrt in einem völlig überfüllten Metronom (S-Bahn hatte SEV) und nachdem die Busfahrerin in Harburg beinahe falsch abgebogen wäre, dies aber gerade noch mitten auf der Kreuzung merkte, traf ich einmal mehr wohlbehalten wieder auf meinem Wilstorfer Hügel ein. In Deutschland, aber auch zumindest in den südlichen Zweidritteln der britischen Insel sollten jetzt paar Tage mit Sonne pur folgen. Die hätte man natürlich gut in der Urlaubswoche gebrauchen können. Musste mein Gehirn den Körper anweisen, Ärgerhormone auszustreuen? Och nö! Mein Wunschziel, da oben in Schottland noch paar rote HSTs zu bekommen, hatte doch wirklich geklappt. Nein, ein wunderschöner, abwechslungsreicher Kurzurlaub (auch London war toll!) liegt hinter mir.

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