Mit der Bahn in die Schwarzen Berge

Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.

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Ich stieg in Harburg in die S-Bahn, fuhr drei Stationen und stieg wieder aus. Fertig. Tiefe Täler, Höhen von bis zu 116m, ein Wildpark und viel Wald: Die Schwarzen Berge, ein Teil des Hamburger “Mittelgebirges” “Harburger Berge”, liegen direkt vor der Haustür.

Stopp! Das war zu einfach.

Es gibt noch mehr schwarze Berge. Seit 2006 gibt es (wieder) ein ganzes Land der schwarzen Berge: Montenegro - oder auf einheimisch Crna Gora. Der kleine, junge Staat, der lange Zeit ein Teil von Jugoslawien war, liegt durch hohe, wilde Bergregionen abgeschottet an der Adriaküste. Markenzeichen: Malerische Küstenstädtchen und eben die wilde Bergwelt, gegen die die Harburger Berge natürlich flachste Marsch sind. Nach Montenegro führt eine der als am eindrucksvollsten beschriebenen Bahnstrecken Europas. Unter den zahlreichen Kunstbauten befindet sich auch die lange Zeit höchste Eisenbahnbrücke der Welt, der Mala Rijeka Viadukt. Diese Strecke galt es zu befahren und fotografisch umzusetzen.

Der schnellste Weg von den Harburger Schwarzen Bergen nach Crna Gora dürfte der Tag-Nacht-Tag Sprung via Wien, Budapest und Belgrad sein. Da ich das Mais- und Sonnenblumenfeld zwischen Wien und Belgrad allerdings bereits vom Zug aus kenne und landschaftlich nicht sooo aufregend finde, ich hingegen paar andere Strecken und Züge auf dem Balkan ebenfalls gern mal fahren wollte und ich dafür auch eine günstige Bereisungsverbindung fand, sollte es auf Umwegen nach Montenegro gehen. Je eine Schiffs- und eine Busverbindung würden die Bahnreise komplett machen. Angesichts des Zustandes der Bahnen auf dem westlichen Balkan und angekündigter Zugstreichungen würde für solch eine Tour dieses Jahr vielleicht die letzte Gelegenheit bestehen. Yannick aus Frankfurt fand an der Touridee gefallen und begleitete mich.

Freitag, 24.08.2012

So erschien ich um 8 Uhr mit Sack und Pack am Harburger Bahnhof. Als erstes hörte man eine laut gackernde Gruppe von Frauen in der Eingangshalle. Mein 'pessimistischer Realismus' analysierte sofort: Die wollen zum ICE 91 und haben Plätze in Wagen 23. Da nach Wien nur ein Halbzug fährt und freitags ja doch mit büschen mehr Verkehr zu rechnen ist, hatte ich uns nämlich - völlig verweichlicht - Reservierungen besorgt. Im Wagen 23.

ICE 91 Hamburg-Harburg 8.14 - Wien Westbf 17.22

Der Zug wurde in geänderter Wagenreihung angekündigt. Bei einem ICE-T Doppel kann das natürlich vieles heißen. Letztendlich war nur der vordere Zugteil - der nach Wien - umgedreht. Dadurch war unser Platz freundlicherweise zum Vorwärtsplatz geworden. Die Gackergruppe war fünf Sitzreihen hinter uns. Stößchen!

In diesem Zusammenhang machte ich in Uelzen eine interessante Beobachtung. Eine 146 rangierte einen ganzen Zug mit Wagen ins Bw, die außen bunt mit der Aufschrift 'Ruhewagen' beklebt waren. Ich trau' der Firma Metronom durchaus zu, die Ruhe in diesen Wagen erfolgreicher durchzusetzen als der DB Fernverkehr das in all den Jahren hinbekommen hat. (Nachtrag: Das war der Ideenzug. Der Ruhewagen ist nur eine der Ideen in diesem Zug). Unser Wagen 23 war allerdings eh kein Ruhewagen. Ein kleiner Rundgang durch den Zug zeigte, dass dort überall herrliche Ruhe herrschte, dass aber alles besetzt oder reserviert war. Nur im Abteil hinterm Kutscher war es ruhig und frei. Dafür roch es dort arg nach Zigarettenrauch. Stinkende Klamotten gleich zu Beginn der Reise mussten nun auch nicht sein.

Zwischen Unterlüß und Eschede ging es in den ausgedehnten Wäldern durch blühendes Heidekraut. Das sah trotz des leicht regnerischen Wetters wunderschön aus. Abgesehen vom gelegentlichen Gegacker von den hinteren Reihen wurde die Fahrt sehr angenehm. Man konnte sich in den bequemen Polstern zurücklehnen, Musik hören und die regenverhangene Landschaft vorbeiziehen lassen. Momentan hörte ich das Album 'Monster Moves' von The Daniel Pemberton TV Orchestra rauf und runter. Mein Lieblingsstück ist natürlich 'The Train from Bloemfontain'. http://www.youtube.com/watch?v=qizz7Wrrpao&feature=related. Das Album gibt es nur als Download.

In Fulda stand Yannick pünktlich bereit und es ging planmäßig weiter. Ab hier füllte sich der Zug beträchtlich. Die Idee mit der Reservierung war vielleicht nicht die schlechteste. Ab Nürnberg stimmte in die Gackerfonie von den hinteren Plätzen auch noch eine kaukasische Familie ein, deren Sprache offenbar nur in laut funktionierte. Das war der echte Stereosound!

Mittlerweile blinzelte gelegentlich die Sonne hinter den Wolken hervor. Man meinte selbst im klimatisierten Zug, dass es wärmer wurde. Grundsätzlich war die Klimaanlage allerdings sehr gut eingestellt. Man muss sich ja nicht immer fühlen wie im Eisschrank. Das Tempo wurde nun deutlich beschaulicher, die Landschaft lohnte die ausführliche Betrachtung aber schon. Zuletzt war ich hier im NOHAB bespannten Sonderzug in den Kosovo gefahren; Erinnerungen an eine tolle Fahrt wurden wach.

Hinter Regensburg war man sich einig, dass man jetzt gern langsam mal ankommen dürfte. Zum Glück hatten wir 'nur noch' vier Stunden im ICE zu fahren...

In Österreich schien der Lärmschutzwand Wahn noch schlimmere Ausmaße als in Deutschland angenommen zu haben. Manch ein Blick aus dem Zug auf die Donau ist Geschichte.

Hinter Passau war der Zug deutlich leerer geworden. Das wunderte mich, denn man wird innerdeutsche Kundschaft doch wohl erstmal in den innerdeutschen Zugteil buchen? Wir konnten uns nun jedenfalls auf zwei Reihen verteilen. In unserem Wagen mochten wohl gut 30 Leute über die Grenze gefahren sein. In Wels und Linz konnte ich keinen Zustieg beobachten. Ein IC nach Wien mit vielen freien Abteilen verließ Wels bei unserer Einfahrt. Der ICE spielt in Österreich für den Binnenverkehr wohl keine Rolle. Vor Linz begann der Himmel sich immer mehr aufzublauen. Das sah schon mal klasse aus. Die Hitze draußen konnten wir nach einem kalten Morgen und der Fahrt im klimatisierten Zug noch gar nicht richtig realisieren.

Hinter Linz lief ich mal durch den Zug und besorgte uns Schokokuchen aus dem Bistrowagen. Der Kuchen war sogar ganz lecker. In der gesamten 2. Kl saßen nun rund 120 Fahrgäste. An einem Freitag hatte ich mit viel stärkerer Auslastung gerechnet. Die Kinder der kaukasischen Familie tobten nun lautstark über zwei Vierersitzgruppen herum. Das ertrug ich nur noch angesichts eines deutlich näher rückenden Zugendbahnhofes. 1117km bin ich sicher noch nie am Stück mit einem ICE gefahren. Immerhin - bis auf eine kleine Anschlussaufnahme in Würzburg lief die gesamte Fahrt vollkommen pünktlich ab! Respekt!

Unser ICE 91 wird in Wien West abgeräumt. Mit diesem Zug haben wir schon einen beträchtlichen Teil der Gesamtentfernung zurückgelegt!

RJ 67 Wien West 17.54 - Györ 19.24

Meine erste Fahrt im berühmt berüchtigten Railjet! Also, eng fand ich ihn nun wirklich nicht, im Gegenteil. Alles andere, was man so hört, stimmt aber; die Einrichtung wirkt zumindest in der zweiten Klasse billig, die dünnen Polster durchgesessen und knartschig, Lehnen nicht verstellbar. Der Railjet war sehr gut gefüllt. Erst bekamen wir nur einen Platz in einem Vierer, doch ab Meidling konnten wir uns in die 'Reihe' umsetzen. Verglichen mit der ICE Fahrt verging dies kurze Stück rüber nach Ungarn wie im Fluge. Oder sollte ich sagen 'wie im Jet'? Pünktlich trafen wir in Györ ein. Bis hierhin hatten wir immerhin schon knapp 2/3 der Distanz nach Montenegro zurückgelegt. Es war Zeit abzubiegen. Erster 'Zielpunkt' unserer Reise sollte ein Zug mit einem ganz besonderen Zuglauf sein. Als dieses Jahr erstmalig im Fahrplan die Möglichkeit auftauchte, im Nachtzug auf die kroatische Halbinsel Istrien zu reisen, wusste ich, dass ich das gern mal machen wollte. Und dazu waren wir in Györ genau richtig.

Noch herrscht im Bf Györ abendliche Ruhe. Das sollte sich bald ändern.

Bis jetzt hatte alles so gut geklappt, dass wir hier volle anderthalb Stunden Aufenthalt hatten. Zunächst zogen wir mit unseren Koffern stadtwärts und suchten einen Supermarkt auf. Auf unsere englisch gestellte Frage, ob Kreditkarten akzeptiert würden, wurden wir erstmal gefragt, ob wir auch deutsch könnten. Kreditkarte ging, somit waren schon mal paar Getränke unser. Da wir nun aber noch was von einem Bäcker- und Dönerstand am Bahnhof wollten, zog ich doch mal 2000 Forint, die wir komplett auf den Kopf hauten. Mit Döner und Teigtaschen bewaffnet setzten wir uns nun auf eine Bahnsteigbank. Wir konnten einen Typen beobachten, der es während eines Railjetaufenthaltes nicht schaffte, mit drei riesigen Plastiksäcken in den Zug einzusteigen und vom Schaffner eiskalt sitzen gelassen wurde - in meinen Augen völlig zu recht.

Wir waren irritiert über die Massen, die am Abfahrtsbahnsteig unseres 'Istra' warteten. Allerdings hatten wir auch nicht gewusst, dass der Istra hier als Anhängsel diverser Eilzüge über Land fährt.

B 1246/1472 'Istra' Györ 20.45 - Pula Sa 11.17+30

Der Nachtzug traf als zweiter Zugteil einer Fuhre aus Budapest ein. Die vorderen Halberstädter gingen geradeaus weiter. Zwei weitere Halberstädter, ein alter Görlitzer WL, ein Bc, ein klimatisierter Sitz-Abteilwagen und der Packwagen bekamen nach Einfahrt hinten eine Diesellok vorgespannt. Der alte Schlafwagen war unser. Da heute das letzte Verkehrswochenende des ungarischen 'Istra' war und alle Fahrgäste, die heute mit runter fahren würden, keine Möglichkeit mehr zur Rückfahrt hätten (außer mit demselben Zug paar Stunden nach Ankunft), rechneten wir mit einem ganz leeren Zug. Wie groß war nun unsere Verwunderung, dass Schlaf- und Liegewagen komplett ausgebucht waren! Auch der Sitzwagen war hinter Györ zu 80% voll. Es waren viele jüngere Leute an Bord, aber auch normale Urlauber. Wie kommen die Leute zurück? Wieso ist jetzt schon Saisonschluss? Wieso wird es den Zug vielleicht nie wieder geben, obwohl er so voll ist? Das ist doch verrückt!

Das Zuglaufschild des "Istra".

Die Fahrt in den Abend war richtig stimmungsvoll. Nicht nur der Zuglauf nach Istrien macht diesen Zug zu etwas besonderem, sondern auch die Streckenführung in Ungarn und die Tatsache, dass der Zug auf drei Abschnitten mit Diesel fährt. Hinter Györ ging es sogleich auf eine beschaulich wirkende eingleisige Dieselpiste. Im Scheinwerferlicht der Lok konnte man jede Menge Formsignale sehen. Die Weichenwärter standen auf den Balkonen ihrer Endstellwerke, die Rotbemützten nahmen die Vorbeifahrt des Zuges vorm Bahnhofsgebäude stehend ab oder gaben nach Halt den Abfahrauftrag mit der grünen Lampe. Irgendwann ein Kreuzungsaufenthalt. Der Stationsvorsteher gibt die Feinabstimmung zum Halteplatz per Kreissignal - und zwar so, dass der Überweg zum Gegenzug frei bleibt. Die Zikaden zirpen laut durch die Nacht, sonst Stille. Der Bahnhof liegt mitten auf dem Land. In der Ferne Scheinwerferlicht, Glanz auf den Schienen. Eine Diesellok mit zwei Mitteleinstiegswagen kommt entgegen.

Gelegentlich konnte man aus dem Abteil die warm herüber grüßenden Lichter einer einsamen Station sehen, ansonsten ging es durch viel Dunkelheit.

In Celldömölk werden hinten die zwei Halberstädter abgehängt. Unsere Diesellok zieht uns vor und drückt dann den Istra an zwei andere Halberstädter ran, die schon mit Ellok am anderen Ende dastehen. Paar Jugendliche verfrachten ihre Fahrräder in den Packwagen und schon gehts los. Der Istra hat nach Györ zum zweiten Mal die Fahrtrichtung gewechselt. Jetzt gehts erstmal wieder elektrisch weiter.

Der dritte Richtungswechsel folgt in Zalaegerszeg. Von hier geht es erstmal über heftige Schienenstöße aus dem Ort. Danach bin ich erstmal 'weg'.

Samstag, 25.08.2012

Wach werde ich durch einen enenergischen Stoß gegen die Tür, wobei die Schritte weitergehen. Ich dachte, der Schaffner will uns vor Hodos Bescheid geben, dass gleich die Grenzer kämen. Ich war mir über die Schengen-Verhältnisse hier in der Gegend nicht ganz im Klaren. Wir müssen in dem Moment aber schon in Slowenien gewesen sein. Wir beschleunigten aus einem Bahnhof und dann flogen wir auf dem ausgebauten Paneuropäischen Korridor Nr 5 nur so dahin. Fast zweifelte ich daran, dass wir hier ja wieder Diesel vorhaben mussten. Die 664 gab alles. Motorsound hörte ich nicht, dafür hallte immer wieder das herrlich amerikanisch klingende Horn durch die Nacht, das slowenische GMs doppelt hörenswert macht. Wir glitten herrlich ruhig mit gefühlten 160 km/h dahin, die die Lok aber definitiv nicht hergibt. In Ptuj brausten wir mit unverminderter Geschwindigkeit durch die Weichen und über die Draubrücke, von der man auf die schön beleuchtete parallele Straßenbrücke schauen konnte. Maribor erreichten wir mit ca 30 Min Verspätung, wodurch sich der Aufenthalt auf 70 Min verringerte. Hier wurden wir hinter eine Reihe Sitzwagen gestellt. Der Istra wechselte zum vierten Mal die Fahrtrichtung.

Weshalb der Istra nun im Savetal an jeder Milchkanne halten musste, ist mir schleierhaft. Da der Tf seinen Zug offenbar für eine U-Bahn hielt, bekam ich jedes einzelne Bremsmanöver super mit und musste mich am Bett festklammern, obwohl ich ansonsten passabel geschlafen habe. Hinter Ljubljana wurde man von der Sonne begrüßt.

Das gepflegte Innere unseres Schlafwagen-Oldtimers.

Leider waren die Scheiben unseres Abteils ein wenig blind. (Nachtrag: Yannick meinte eine Woche später, dass ich nichts gegen diesen Wagen sagen soll, der verglichen mit später genutzten Wagen zwar alt, aber gepflegt war). Die Scheibenblindheit machte aber nichts. Unsere Lieblingsplätze waren eh auf dem zugeklappten Waschbecken sitzend am geöffneten Fenster oder am offenen Gangfenster stehend. Trotz des Alters des Wagens funktionierte alles wie es sollte, also alle Lichter und das Wasser. In Hrpelje-Kozina fuhr unsere Ellok, eine 363, mit den ersten fünf Wagen nach Koper davon. Vor unseren Zugteil setzte sich mal wieder eine 664, die zu meiner Freude sogar richtig herum stand.

In Hrpelje-Kozina kommt die 664 vor den Zugteil nach Pula.

In Prešnica, wo sich Istrianer- und Koperbahn trennen, stand auf der bekannten Fotowiese natürlich auch ein Fotograf. Nun ja, so konnten wir mal den umgekehrten Blick genießen. In Rakitovec wurden wir belohnt. Die Grenzorgane benötigten für den gut gefüllten Zug sehr viel Zeit. Als sie bei uns durch waren, stiegen wir aus und konnten paar nette Fotos von einem der längsten Schnellzüge machen, der in der 'Neuzeit' je auf der Istrianerbahn verkehrte. Vier jungen Mädchen ging es schlechter. Sie mussten den Zug verlassen. Keine Ahnung, wie die von diesem einsamen Gebirgsdorf wieder weg kommen wollten.

Grenzauenthalt in Rakitovec, einem slowenischen Gebirgsdorf in absoluter Abgeschiedenheit.

Überrascht war ich vom Streckenstück über die Grenze, das komplett saniert schien. Und das für ab übermorgen nur noch ein einzelnes Güterzugpaar am Tage! Das ist krass! Wo vor zwei Jahren noch Schritttempo herrschte, brausten wir jetzt jedenfalls regelrecht an der Felswand entlang. In Buzet konnten wir auch nochmal fotografieren, aber das war nicht ganz so überzeugend. Wir bekamen die vollkommen ausgeblichene und jetzt falschrum stehende 2062 036 vor, die den Istra schon den ganzen Sommer über befördert hatte.

Im kroatischen Grenzbahnhof Buzet wird die slowenische 664 schon wieder abgenommen und durch eine baugleiche Lok aus Kroatien ersetzt. Die Loks sehen nur so unterschiedlich aus, weil sie verschiedenherum stehen.

Wir hatten nun 40 Min Verspätung und damit überhaupt kein Problem, denn unser Nachmittagsprogramm würde ziemlich entschleunigt sein. Insofern konnten wir die herrliche Fahrt durch die sonnige und schon wieder ganz schön warme mediterrane istrische Landschaft entspannt genießen. Nach der Ankunft in Pula gab es natürlich paar weitere Fotos. Glücklicherweise wurden die Wagen nicht von der falschrum stehenden Zuglok weggesetzt, sondern dafür trat natürlich der örtliche Rangierhobel auf den Plan. Also, es gibt hier ganz offensichtliches Einsparpotential ohne gleich Züge streichen zu müssen... Die Rangierarbeiten ermöglichten jedenfalls noch paar hübsche Perspektiven.

Der Istra ist in Pula angekommen...

...und wird von der Rangierlok weggesetzt.

Danach rollerten wir mit unseren Koffern zum Hotel Riviera, denn für heute war der Zielort schon erreicht. Die Freude auf eine Dusche wurde allerdings enttäuscht, denn der Hinweis bei der Buchung, dass der Check-in erst um 14 Uhr beginnt, war wörtlich zu nehmen, wie wir an der Rezeption erfuhren. Das Gepäck durften wir natürlich dort lassen. Nächster Programmpunkt war ein Besuch des Fährbüros. Die Suche war etwas dadurch beeinträchtigt, dass die ganze Hafenstraße zur Zeit großflächig abgesperrt war. Letztendlich fanden wir es direkt unter dem großen länglichen Werbeplakat, das man von der Bahnhofstraße aus an einem Haus auf der anderen Seite des Hafenbeckens sehen kann. Als wir dort unsere 200 Kuna abgedrückt hatten, gab es lecker Pizza in der Altstadt. Die Tische befanden sich prima im Hausschatten, durch die Gasse wehte ein Lüftchen; so ließ sich das gut aushalten. Um Punkt 14 Uhr checkten wir ein.

Ich kannte das Hotel von 2003. Offensichtlich dürfen die sich jetzt nichtmal mehr Hotel nennen; die offizielle Bezeichnung ist 'Guesthouse „Hotel Riviera”'. Trotzdem ist der Schuppen eine Wucht. Es handelt sich um einen Prunkbau aus der K&K-Zeit. Der Haken ist nur, dass an dem Haus im letzten halben Jahrhundet nicht viel gemacht wurde. Weder Renovierugen noch Modernisierungen, um das 'Hotel' auf den Stand der Zeit zu bringen. Die Inneneinrichtung war auf das notwendigste beschränkt. Nur das Bad war in den letzten fünf Jahren mal neu gekachelt worden. Uns störte alle Abgewohntheit nicht, denn nur dadurch kamen wir für 35 Euro pP in den Genuss einer Suite mit Blick über den gesamten Hafen. Und überhaupt in den Genuss, so einen Palast überhaupt mal betreten zu können. Da das Frühstück erst ab 7 serviert wurde und wir dann schon am Anleger sein wollten, wurden uns Lunchpakete zugesagt. Und nun war dringliches Frischmachen angesagt.

Nach einer kleinen Ruhephase war es im Zimmer allerdings nicht mehr auszuhalten. Vielleicht war es einen Tick kühler als draußen, aber im Zimmer fehlte einfach das Lüftchen, das draußen ging. Wir liefen nochmal in die Altstadt, drangen diesmal allerdings ein ganzes Stück weiter vor, bis wir ein Eiscafe fanden, wo man auch schön draußen sitzen konnte. Auch hier ging wieder ein angenehmer Luftzug. Das Eis war allerdings eklig süß und die Sahne hatte etwas Baizer ähnliches. Gegen 17 Uhr lustwandelten wir zum Bahnhof, um der Abfahrt des Istra zu huldigen. Der Bahnhof füllte sich, aber fast hatten wir das Gefühl, dass der Zug hinwärts voller gewesen war. Für die Ausfahrt stellte der Weichenwärter sogar eine Flankenschutzweiche in abweisende Stellung. In einem Bahnhof, wo zu jeder einzelnen Weiche hingelaufen werden muss, ist das ja durchaus beachtlich.

Der "Istra" steht in Pula zu seiner letzten Fahrt nach Budapest bereit. Wird es diesen Zug nächstes Jahr überhaupt wieder geben?

Der Istra im Bf Pula.

Kurz vor der Abfahrt kommt der Gegenzug in Form eines Schwedentriebwagens rein. Dass die kroatische Bahn sich derartig zukleistern lässt ist mindestens genauso armselig wie das Geschmier selbst.

Der Istra fährt ein letztes Mal für 2012 mit den ungarischen Kurswagen aus.

Danach kehrt wieder Ruhe im Bahnhof Pula ein. Die Fahrkartenausgabe wird allerdings weiter geöffnet haben, denn in knapp zwei Stunden soll noch ein Triebwagen abfahren. Natürlich ist für die Fahrkartenausgabe eigenes Personal eingeteilt.

Nach den Bildern ging es schon wieder in die Stadt. Diesmal zwecks Verproviantierung. Uns stand der Sinn auf einen Obstabend auf unserem schönen Balkon. Ok, Yannick lief das Wasser im Mund schon wieder zusammen, als wir in der Fußgängerzone an den diversen Fischkonobas vorüber kamen. Aber wir blieben standhaft. Mit Nektarinen, Äpfeln, Pfirsichen, Erdbeerjoghurt, Orangeneistee und Grapefruitfanta bewaffnet ging es auf den Balkon, wo es besonders hinsichtlich der Getränke kein halten gab.

Ein Bild vom Kolosseum muss natürlich sein.

Blick von unserem Hotelbalkon zum Kolosseum.

Es war noch immer sehr warm. Der Wind extrem zurückhaltend. Erst als es vollkommen dunkel war, wurde es zumindest draußen etwas angenehmer. Eigentlich hätten wir gern noch die Ankunft unseres Schiffes beobachtet, doch gegen halb 10 siegte mehr und mehr die Müdigkeit. Und den genauen Fahrplan hatten wir nicht. Als ich aus dem Bad kam und zu Bett ging, lag der Kahn plötzlich da.

Die Dämmerung senkt sich über den Hafen von Pula. Und es ist immer noch sehr sehr warm.

Sonntag, 26.08.2012

Das Zimmer muss voller Mücken gewesen sein. Eine Jagd hielt ich angesichts der hohen Decke für aussichtslos. Deshalb steckte ich mir Ohropax rein, um das Gefiepe nicht zu hören. Um 6.30 checkten wir aus, bekamen unsere gut gefüllten Frühstückstüten und liefen die 300m zum Schiff.

Heute hatten wir die Gelegenheit, den gestrigen Programmpunkt "Istra" mit unserem zweiten Tourziel per Schiff zu verbinden. Dabei handelte es sich um den Katamaran von Pula nach Zadar. An der äußerst stilllegungsbedrohten Strecke Zadar - Knin hatte ich zwar schon einige Fotos gemacht, aber zu einem Abfahren dieser langen Nebenbahn hin und zurück hatte ich mich nie überwinden können. Die Schiffslinie von Pula bot nun eine willkommene Gelegenheit, die Strecke in die Gesamtroute einzubauen.

Schnellboot Pula 7.00 - Zadar 12.00

Leider war es auf dem Katamaran nicht erlaubt hinauszugehen. Die Rücklehnen der Sitze hatten nur Schulterhöhe. Zum Schlafen also eher untauglich. Dennoch schaffte Yannick, die gesamte Fahrt zu verpennen. Auch ich konnte noch ne Mütze Schlaf nachholen. Wenn man im Sitz etwas vorrutschte, ging das. Beim Auslaufen durch die Bucht von Pula sorgte das wirklich anständige Lunchpaket vom Hotel zusammen mit einem hervorragenden Bordkaffee für das nötige Wohlbefinden. Wie gesagt, da fuhren wir noch langsam durch die geschützte Bucht.

An Bord ging's bergauf. Blick durch den noch leeren Katamaran "Bišovo".

Auf der offenen See wurde unser Böötchen zum Spielzeug der Wellen. Während aus dem Bordlautsprecher Marmor und Eisen auf kroatisch brachen, gab der Käptn Gas und wir schaukelten stramm in südöstliche Richtung davon. Es ging sogar über ein kleines Stück relativ offene See rüber nach Unije. Sowohl Ort als auch Landschaft dieses kleinen Eilandes machten einen sehr sympatischen Eindruck. Während der Haltezeiten durfte man sogar auf das Vorderdeck raus, so dass auch mal ein Foto ging.

Unije. Die Insel sah so aus, als ob der Urlauber dort viel Ruhe bekommt.

Danach flog unser Eilkatamaran sogar sehr ruhig und sanft über das Wasser. Vermutlich waren es die Strömungsverhältnisse an der Südspitze Istriens gewesen, die das Schiff erst so stark durchgeschüttelt hatten. Die nächste Insel Mali Lošinj war ein ganzes Stück größer und das bisher leere Schiff füllte sich beträchtlich. Der Hafen ist nur über einen langen Fjord, der „längs“ durch die Insel führt, erreichbar. Während der Liegezeit kam die Sonne mehr und mehr hinter den Wolken hervor. Zwei Mütter mit einigen Kleinstkindern waren zugestiegen. Sie brauchten wohl eine Stunde, bis die Kinder aufhörten zu schreien. Danach gab es wenigstens einige ruhige Phasen. Für die Mütter war das Schwerstarbeit...

Mali Lošinj. Nach dem Halt gehts im Langsamgang die zwanzig Minuten durch den Fjord zurück.

Die zwei anderen Anleger, die bis Zadar noch kommen, nimmt das Schiff sonntags gar nicht mit. Jetzt in der Hochsaison hat der Katamaran jeden Wochentag ein anderes Bedienungskonzept. Es wurde nun sehr dunstig. Die Wetterberichte waren sich für heute auch nicht ganz einig gewesen. Da wurde alles von 'leicht bewölkt' bis 'Gewitter' angesagt. Nun ja, Hauptsache ist, dass die Wolken sich bis morgen verpieseln. Denn wir hatten zwei Fototage eingeplant. Aber ganz so weit sind wir noch nicht. Der kühle Teil des Tages in dem klimatisierten Schiff ging langsam dem Ende entgegen. Zadar rückte näher und ich musste nun Yannick wachbekommen.

Ankunft unseres Katamarans in Zadar.

In Zadar war es drückend heiß. Das Boot legte am äußersten Ende der Altstadt Halbinsel an, also so weit wie möglich vom Bahnhof entfernt. Aber wir hatten ja Zeit. Gemütlich rollerten wir mit unseren Koffern einen kleinen Schlenker durch die Altstadt und dann zum Bahnhof. Wie in allen alten Städten Dalmatiens ist auch in Zadar die Altstadt sehr sympatisch. Am Bahnhof hatten wir nun viel Zeit. Nach einer Stunde hatten wir uns gerade bereit gemacht, den einfahrenden Zug zu fotografieren, da wurde es plötzlich vollkommen finster und fing an zu stürmen. Von Nordwesten waren von uns unbemerkt schwarze Wolken aufgezogen. Ein Sonnenbild vom stehenden VT ging dann aber doch noch.

Der 7122, ein ex schwedischer Y1, passt sich in der Gestaltung dem Bahnhofsgebäude von Zadar an.

Danach im Konzum ggü des Bf Proviant besorgt, dann konnte es auch bald losgehen:

Pu 5702 Zadar 14.30 - Knin 16.49

Auf diese Strecke hatte ich mich sehr gefreut und wurde nicht enttäuscht. Erst gab es jedoch leider eine Diskussion mit dem Schaffner. Der meinte mal wieder, dass ich hier ja zwangsläufig auf der Rückfahrt sein müsse, weil das zwei Tage netzweit gültige Feld meiner Mitarbeiter-Netzkarte von gestern ja schon entwertet war, und ich deshalb ein neues Feld entwerten müsse. Genau diese Diskussion hatte ich oben bei Varazdin vor Jahren schon mal. Ob das in Kroatien grundsätzlich anders gelebt wird? Er ließ mich allerdings gewähren. Mal sehen, wie gut nachher das IC Personal Bescheid weiß.

Von innen machte der Y1 auch keinen besseren Eindruck.

Gut, nun also zur Strecke, die sehr abwechslungsreich durch diesen kargen Landstrich führt. Obwohl ich schon einiges mit dem Auto an dieser Strecke fotografiert habe, entdeckte man aus dem Zug doch so einige neue Möglichkeiten. Sehr imposant ist dabei erwartungsgemäß der Abschnitt zwischen Bulić und Ostrovica, wo man sich mal einiges erwandern müsste. Den Kegelberg in Ostrovica finde ich immer wieder markant. Eigentlich hätten wir dort mal um einen Fotohalt bitten sollen, wir mussten ja nicht unbedingt überall mit -3 abfahren. Aber der Schaffner war halt bischen komisch und dieser vollgesiffte VT auch nicht so die Bereicherung fürs Motiv.

In der Ferne rechts ist schon der Kegelberg von Dalmatinska Ostrovica zu erkennen.

Sehr gespannt war ich auch auf das letzte Stück mit dem Abstieg in die Krka-Schlucht. Dieses Stück ist praktisch mit dem Auto nicht erreichbar. Das Gleis kam hoch oben am Schluchtrand raus und senkte sich dann immer weiter in die Tiefe. Dabei wurde ein Tunnel nach dem anderen durchfahren. Auch ein kleiner einsamer Haltepunkt lag hier, der aber nur von einer Fahrtrichtung bedient wird. Was dafür wohl der Grund sein mag? Plötzlich öffnete sich die Schlucht und wir waren in Knin. Die knapp zweieinhalb Stunden waren schnell vergangen.

Es geht in die Krka-Schlucht hinab.

Nachdem hinter Zadar noch paar Leute mehr drin saßen, kamen in Knin nur noch ca 10 Fahrgäste an. Fernreisende dürften die wenigsten gewesen sein. Demgegenüber standen ein Tf, ein Zf, die Fdl von Zadar, Bibinje, Škabrnje, Benkovac und Kistanje, mindestens die Weichenwärter von Bibinje und Benkovac, eine Putzfrau, die in Zadar einmal durch den VT feudelte, was an dessen schmuddeligem Gesamtbild auch nichts änderte, und mindestens eine Fahrkartenverkäuferin in Zadar. Ohne die wäre vermutlich der Laden zusammengebrochen (Vorsicht, Ironie!). Außer uns lösten alle Fahrgäste beim Schaffner ihre Fahrkarten. Dieses ganze Personal also für einen VT, der dreimal am Tag diese Strecke hin und her fährt. Plus ein Güterzugpaar bis Bibinje. Sollte tatsächlich der Personenverkehr eingestellt werden, wird vermutlich trotzdem jeder Bahnhof für den Gz besetzt bleiben... Ich bin ja auch nicht für blindwütige Rationalisierungen, vor allem nicht, wenn sie die Streckenkapazität einschränken. Aber das hier ist viel zu viel!!!

Wir sind in Knin angekommen. Der Bahnsteig wurde allgemein über die Gleise durch das kleine Tor verlassen, obwohl es eine Bahnsteigunterführung gibt.

In Knin mussten wir nicht lange warten. Unser IC zur Weiterfahrt nach Split kam pünktlich aus Zagreb.

Pünktlich trifft IC 1523 aus Zagreb in Knin ein. Die Fahrleitungsreste stammen noch von der Unabahn, über die einstmalig die Hauptanbindung Knins und der Dalmatianerbahn an die weite Welt stattfand. Nach dem Balkankrieg wurde diese aber so häufig durch die Grenze zu Bosnien gekreuzt, dass sie praktisch nicht mehr benutzt wird (elektrisch schon gar nicht).

IC 1523 Knin 17.01 - Split 18.47

Der Zug hatte eine illustre Zusammenstellung: 2.Kl Abteilwagen, Speisewagen (aber nur mit Getränke- und Snackverkauf), 1.Kl Großraumwagen. Wir bezogen unser Abteil, in dem schon ein Ehepaar auf unseren Fensterplätzen saß. Ich sitz' eh gern am Gang, Yannick war einverstanden und so ließen wir die Leute da sitzen. Sie war asiatisch, er nicht, unterhalten haben sie sich auf englisch, aber er schien uns auch ganz gut zu verstehen, was er sich uns gegenüber aber nicht anmerken lassen wollte. Der Schaffner hatte nichts gegen meine Fahrkarte einzuwenden und schrieb sogar seine Zugnummer in das Feld unter dem gestrigen Datum. So gehört sich das! (Stempelzangen gibt es hierzulande nicht). Yannick wollte unbedingt mal Minenwarnschilder sehen. Das klappte hinter Žitnić. Danach erkundeten wir den Zug. Der Knabberwagen (Speisen gabs ja nicht) war nett eingerichtet, leer und bot guten Rundumblick. Und 12 Kuna für ne Cola waren auch nicht zu viel.

Der Cafeteriawagen bot ausreichend Platz, einen schönen Rundumblick und Eisenbahnvideos.

Auffällig waren ja nun die Videos, die auf dem großen Bildschirm über dem Thresen flimmerten. Eisenbahnvideos. 1061er und orange 1141 zogen da ihre Runden durch schöne Landschaften. Die Erklärung folgte sogleich. Der Speisewagenbetreuer hatte uns in Knin wohl den Zug bei der Einfahrt fotografieren sehen und fragte, ob wir denn auch (!) bahninteressiert wären. Die Videos wären von einem Freund von ihm. 'Sicherheitshalber' tauschten wir unsere Emailadressen aus. Ansonsten war es schön, untermalt vom Gedonner der GM mal wieder die in den letzten Jahren häufig fotografisch beackerten Gegenden im Zug zu durchfahren. Oberhalb Kaštel Stari war die Feuerwehr an mehreren Stellen dabei Böschungsbrände zu löschen. Der Zug fuhr etwas langsamer und hupte paarmal, mehr nicht. In Deutschland wäre die Strecke eine halbe Stunde lang dicht gewesen. Pünktlich spuckte uns der Spliter Stadttunnel in den Bahnhof aus.

Wir waren noch nicht am Ziel, so einladend Split beim Durchrollern mit unseren Koffern auch mal wieder war. Die letzte Etappe des Tages stand mit einem dritten Verkehrsmittel an. Die Warnungen des Auswärtigen Amtes vor nächtlichen Autofahrten in Bosnien ignorierend hatten wir genau das vor: Mit Leihwagen nach Mostar. Keine Sorge, unsere Fahrt mit Öffis ins Land der schwarzen Berge werden wir genau hier wieder aufnehmen. Aber paar Fototage müssen für uns zwischendurch halt mal sein.

Der Autoeurope Voucher wies uns zu Unirent, dem einzigen Spliter Autovermieter, der auch Sonntagabend geöffnet hat. Was wir dort aber erhielten, erschien anfangs nur etwas lütt, hatte dann aber ernsthafte Probleme, die Steigung hoch zur Autobahn zu nehmen. Immerhin merkten wir bald, dass es besser ging, wenn man bergauf die Klimaanlage ausmachte. Dann zog dieser Unter-Mini-Chevy Spark, diese überdachte Zündkerze, ein wenig besser an. „Spark parkt stark“ – mehr aber auch nicht.

Meine Erwartung, dass es spätestens hinter der bosnischen Grenze durch finstere, einsame Berglandschaft ginge, lag vollkommen falsch. Die Gegend war restlos zersiedelt. Es ging fast ununterbrochen durch Bebauung und der Verkehr war lebhaft. Aber die Warnungen des Auswärtigen Amtes konnte ich nachvollziehen. Fehlende reflektierende Fahrbahnbegrenzer und auf Nebenstraßen mangelnde Markierungen machten das ganze nicht wirklich zum Vergnügen; gerade wenn man vom Gegenverkehr geblendet wurde. Der Grund für diesen späten Ritt war, dass die ganzen Wunschmotive, die ich im Neretvatal noch offen hatte, nur morgens umsetzbar sind. Deshalb ging auch einfach keine Möglichkeit mit Autoleihe in Mostar, weil nach Ankunft des Spätzuges die Autovermieter dicht haben und morgens erst so spät aufmachen, dass das Morgenprogramm fast vorbei ist.

Wir brauchten eine Weile und dank Einbahnstraßen eine Ehrenrunde durch die Stadt, bis wir mittels Nachfrage in einer anderen Unterkunft die richtige Sackgasse zu unserer Pension 'Shangri La' fanden. Wer derartig gute Kritiken im Internet bekommt, braucht an der Hauptstraße offenbar nur einen winzig kleinen Wegweiser. Die Gasse führte steil empor und ich musste mangels anderer freier Parkplätze nach dem Wenden auch in der steilen Gasse stehen bleiben. Ich legte lieber mal zusätzlich einen Stein vors Rad. 19.10 waren wir in Split ins Auto gestiegen und gegen 22.00 Uhr waren wir nun angekommen.

Auf unser Klingeln kam bald jemand und wir wurden herzlich empfangen. Der Wirt erzählte, er sei auch Fotograf und hätte ein Fotogeschäft oder Atelier in Jablanica gehabt, das er aber nach dem analogen Niedergang hatte aufgeben müssen. Das Wirtspaar zeigte uns auch die Dachterrasse, von der man einen gigantischen Ausblick über die Stadt hatte. Leider roch es sehr stark nach Feuer. Unsere Gastgeber meinten, das käme von den Buschbränden im Norden. Erst wenn der Wind dreht, wird die Luft wieder klarer. Im Übrigen wurde die Pension ihren guten Internet-Kritiken vollkommen gerecht. Die Zimmer waren topp und es gab freies WLAN.

Dann packte uns aber doch noch der Hunger. Paar Schritte zu Fuß und wir waren in der traumhaften Altstadt, wo wir vor einem schönen Grillrestaurant draußen in der Gasse sitzend bis nach Mitternacht den Ćevapi und Mostar Piwo frönen konnten.

Montag, 27.08.2012

Im Laufe der Nacht hatten wir Fenster zu und Klimaanlage angemacht, weil der Brandgeruch zu stark wurde. Der Morgenblick aus dem Fenster fiel auf wolkenlosen, aber dunstigen Himmel. Wir schauten noch kurz auf der Dachterrasse vorbei, von wo wir Gewahr wurden, dass nordwärts im Gebirge fett die Wolken hingen. Das war genau unsere Richtung! Aber der Wetterbericht war von Anfang an für heute nicht ganz so optimistisch gewesen wie für die folgenden Tage.

Unser reichhaltiges Lunchpaket lag im Kühlschrank für uns bereit. Frühstück hätte es erst ab 8 gegeben. Dann nahmen wir Kurs auf die Wolken. Wir wollten einfach schauen was geht. Zur Not hätten wir ja auch noch den morgigen Tag. Und tatsächlich waren die Wolken bis Drežnica noch aufgelockert. Erst dahinter hing es fett in den Bergen, wobei sich unter den Wolken auch die eine oder andere Rauchschwade eines Feuers befand. Wir warteten einfach mal in Drežnica auf einem Parkplatz mit schönem Ausblick. Immerhin hielt sich die Sonne immer wieder für längere Zeit. Der fast pünktliche B 396 klappte schon mal gut.

Der B 396 mit zwei ŽRS- und einem HŽ-Wagen in der Mitte rollt an der Neretva entlang.

So richtig außerordentlich war allerdings der Ausblick für die andere Richtung. So blieben wir für den B 391 gleich dort. Dieser stellte uns mit seiner ca 30minütigen Verspätung schon wieder gut auf die Probe. Allerdings lösten sich die Wolken, die so aussahen, als ob sie vor die Sonne zögen, immer rechtzeitig auf, so dass das Motiv praktisch durchgängig Licht hatte, während zwei Berge weiter ständig der Schatten festhing. So mag man das und so klappte letztendlich auch der Zug.

Mit ordentlich Verspätung kommt B 391 entgegen. Er verlässt gerade den Hp Drežnica stara und quert die Drezankabrücke.

Nun war noch der neue IC 543 angesagt. Wir schauten erkundenderweise ein Stück in die nördliche Finsternis, aber abgesehen von Feuerwehren bei der Arbeit und einer Radarkontrolle entdeckten wir nichts von Belang. Deshalb verlegten wir uns wieder zur Neretva-Straßenbrücke in Drežnica. Dort pfiff ein Wahnsinnssturm durch das Tal. Meinen Sonnenhut nahm ich lieber in Gewahrsam. Als der IC paar Kurven weiter schon in Sicht kam, näherte sich plötzlich von hinten eine Wolke, die so gar nicht vorauszuahnen war, da sie in die Gegenrichtung zu den bisherigen Wolken zog. Zum Glück bemerkte die Wolke ihre Geisterfahrt noch rechtzeitig vor Erreichen des Auslösepunktes und drehte wieder um. Das Bild vom IC vor dem wolkenverhangenen Tal war im Kasten!

Die ŽFBH hat vor paar Jahren den Prototypen 4412 001 des Končar Elektrotriebwagens für Kroatien eingekauft und fährt damit seit August 2012 erstmalig einen Umlauf als "Intercity" zwischen Zenica und Mostar. Hier bei Drežnica hat IC 543 sein Ziel Mostar fast erreicht.

Das war's erstmal an Programm. Auf einen Güterzug zu warten, mochte vielleicht nicht den ganz großen Sinn machen. Nach 11 soll ja ab Konjic der Bummelzug über den Ivanpass fahren. Zu verlieren hatten wir nichts, vielleicht wäre da oben ja doch etwas Sonne. Als wir gerade durch Konjic durch waren, fuhren wir plötzlich parallel zu einem Kesselwagenzug! Wo kam der plötzlich her? Durchs Neretvatal ist er jedenfalls die letzten Stunden nicht gefahren. Für diesen schnell zum Stinkefingerfelsen und zum Bf Grad hoch gefahren. Ersteres ging mit Sonne, zweiteres nicht. Ein Nachschuss wäre interessant gewesen. Hinten waren zwei grüne Personenwagen und eine rote Nachschub 441 eingereiht. Wegen überhand nehmender Wolken warteten wir nicht mehr auf den Bummelzug.

Ok, der Stinkefingerfelsen ist ja schon vom letzten Jahr bekannt.

Ein kurzer Abstecher auf die andere Seite des Ivantunnels ergab, dass es dort sehr bedeckt aussah. Im Ivan Passtunnel der Straße waren Arbeiten zugange. Mitten im Tunnel standen zwei Mann mit Kelle und regelten den Verkehr. Die waren kaum erkennbar.

Oberhalb von Jablanica brennen die Berge.

Es ging gemütlich zurück bis Jablanica, wo wir 'Essen im Motiv' praktizierten. An der Straße oberhalb des großen Bahnviaduktes drehten sich in den zahlreichen Grillrestaurants die Lämmer fleißig am Spieß. Wir ließen uns je zwei kleine Portionen sehr gut schmecken, bevor wir paar Meter weiter für den IC in Fotoposition gingen. Dieser bzw die hier zur Planzeit wieder vermehrt auftretenden Wolken machten die Sache spannend. Keine Ahnung, wie man von Mostar bis hier eine Viertelstunde Verspätung aufbauen kann, aber dann kam er immerhin in einer der seltener werdenden wolkenfreien Phasen. Somit wurde auch dieses Bild ein Treffer.

Die moderne Variante der ŽFBH befindet sich nun wieder auf dem Rückweg, hat schon eine Viertelstunde Verspätung und quert den imposanten Neretva-Viadukt von Jablanica.

Nun gab es hier unten praktisch gar keinen Programmpunkt mehr. Was wir brauchten, war ein ruhiges Plätzchen zum entspannen, an dem man auf einen etwaigen Gz warten konnte. Ein solches war z.B. die Drezankabrücke in Drežnica von der Westseite. Mit Getränken aus dem Supermarkt stellten wir uns dort einfach mal hin. Interessant waren die Böen, die immer wieder das Tal hinauf und hinab stürmten. Wenn sie aufeinander prallten, wirbelte das Wasser gischtartig auf und produzierte Regenbogenfarben. Das Auto wurde oft ganz schön durchgeschüttelt. Es ließ sich gut aushalten, zumal es heute nicht so heiß und auch nicht so drückend war. Nur der dezente Brandgeruch war schade. Dass kein Zug kam natürlich auch.

Als die Brücke immer mehr dem Schatten zum Opfer fiel, packten wir zusammen und erkundeten zwei Seitenstraßen. Die eine zweigt direkt oberhalb unseres Erholungspunktes im Drezankatal ab und führt steil bergauf, dann durch einen Tunnel wieder in das Neretvatal, wo der Tunnel hoch oberhalb des Flusses rauskommt und in eine Schotterpiste am Talhang übergeht. Ich glaubte etwas über diesen Tunnel gelesen zu haben und dass das ein einstiger Schmalspurbahntunnel gewesen sei. Aber warum so hoch oben? Beiderseits des Tunnels sah es auch nicht gerade nach ehemaligem Bahnkörper aus.

Der zweite Abstecher war die Seitenstraße nach Grabovica. Diese eröffnete uns einige gigantisch-stimmungsvolle Ausblicke auf die Staumauer, Felsen und lodernde Brände, deren Rauch die Felskulisse besonders mystisch wirken ließ. Von hier oben konnte man auch die Bogenbrücke der Bahn über die Diva Grabovica schön einsehen. Starkes Weitwinkelobjektiv wäre für Fotos allerdings obligatorisch.

Das könnte doch eine Filmkulisse aus dem Herr der Ringe sein, oder? Mystische Neretvaschlucht bei Grabovica mit den Feuern von Gondor und der Brücke von Mordor. Äääh, oder so ähnlich.

Gegen 19.30 trafen wir wieder in der Pension ein. Diesmal konnte ich das Auto ohne Angst um die Bremsen im Hof einer benachbarten Ruine abstellen. Der Wirt passte genau auf, dass die Autos so standen, dass Spätaufsteher nicht die Frühaufsteher zuparken. Die Bezahlung machten wir auch schon mal klar, 49 Euro fürs DZ die Nacht. Für so eine tolle Penson war das ein guter Preis. Nach einer Runde Ausspannen ging es nochmal in die Altstadt, die mir als Nicht-Orient-Kenner immer wieder ein wenig wie ein Märchen aus 1000 und einer Nacht vorkommt. Sie ist ja durchaus von osmanischen Einflüssen geprägt. Die Gassen mit den vielen Händlern haben wirklich schon etwas fremdartiges. Wunderschön!

Leider war unser Restaurant von gestern restlos besetzt, so dass wir uns nebenan reinsetzen mussten. Die Ćevapi waren leider nicht ganz so gut wie die gestrigen. Totmüde ging es zurück in die Pension, wo uns allerdings die Lust auf Nachtaufnahmen überkam. Dieser Lust kamen wir von der Dachterrasse aus noch für ein halbes Stündchen nach.

Blick von der Dachterrasse unserer Pension. Links ist das alte Gebäude des Mädchengymnasiums zu sehen. Der Berg im Hintergrund ist der Hum, von dem aus im Krieg massiv die Stadt beschossen wurde.

Hier ist die Altstadt etwas näher heran geholt. Auffällig ist der überdimensionierte Kirchturm der Franziskanerkirche. Hier in Mostar prallen die Kulturen von katholischen Kroaten und muslimischen Bosniaken auch nach dem Krieg noch massivst aufeinander. Den Kroaten nahmen die Moscheen in "ihrem" Westteil der Stadt überhand, die Bosniaken müssen nun "dafür" die Provokation in Form des überdimensionierten katholischen Kirchturms und des 33m hohen beleuchteten Kreuzes auf dem Hum (oberes Bild) ertragen.

Um 22.30 waren wir endgültig im Zimmer.

Dienstag, 28.08.2012

Die acht Stunden Schlaf waren bitter nötig gewesen. Ausgeruht konnten wir die Sachen ins Auto schaffen und losfahren. Diesmal waren nordwärts keine Wolken am Himmel, dafür war die Luft aber geschwängert vom Rauch der Waldbrände. Die Sonne beleuchtete die Gegend regelrecht rot. Rund um Drežnica wars am schlimmsten. Wir wollten gern nach Grabovica, wo ich vor allem das Motiv mit der Bogenbrücke dieses Jahr, bei meinem dritten Besuch hier, endlich mal umsetzen wollte. Dort war das Sonnenlicht zum Glück nicht rot gefärbt. Die Schatten waren allerdings problematisch. Für den nordfahrenden B 396 gab es eine Verarztung an der einzigen beschienenen Stelle.

Der B 396 vor der Felskulisse der Neretvaschlucht. Heute führt der Zug nur zwei Wagen.

Für den in Jablanica kreuzenden B 391 suchten wir eine ähnliche Stelle. Erst als der Zug längst überfällig war und die Bogenbrücke vollständig vom Licht erfasst wurde, wechselten wir schnell dorthin. Davon ließ sich allerdings der Zug nicht sonderlich beeindrucken, denn der kam immer noch nicht. Das war nicht das erste Mal, dass ich hier ewig gewartet habe. Leute mit Stangen in den Händen liefen über die Brücke. Eine Streckensperrung? Nein, die Leute verschwanden hinter der Brücke in der Botanik. Immer noch kein Zug. Der war nun schon über eine Stunde überfällig. Bald müsste der IC kommen. Na, hoffentlich jedenfalls. Doch auch dieser kam zur Planzeit nicht. Die Panik wuchs. Konnte ich auch dieses Jahr keinen Haken an das tolle Motiv setzen? Doch dann endlich die Erlösung! Langsam kam IC 543 angeschlichen! Tja, und was ist jetzt mit dem B 391? Wir beschlossen, einfach noch eine Weile abzuwarten. Und niemand traute sich zum Auto, um den Frühstücksbeutel zu holen... Immerhin ging die Rechnung auf. Bosnische Züge können viiiel Verspätung haben, aber kommen tun sie irgendwann. In diesem Fall war es rund 100 Min nach Plan.

Endlich hat es mit dem Topp-Motiv der Schlucht geklappt. B 391 quert die Brücke über die aus einer Seitenschlucht in die Neretva mündende Diva Grabovica.

Heute Abend war in Split schon wieder Autoabgabe angesagt. So richtig Plan hatten wir erst wieder für den Nachmittag. Da wollten wir natürlich das 16 Uhr Konzert in den Hängen von Kastela hören und die Verursacher fotografieren. Dann fahren nämlich von Split / Solin zwei GM bespannte Züge lautstark die Rampe ins Gebirge hoch. Aber bis dahin war ja noch laaange Zeit. So beschlossen wir, uns erstmal um den bald anstehenden 11.24 Regio von Konjic den Ivan hoch zu kümmern. Wir fanden auch ein klasse Motiv mit dem Viadukt über die Hauptstraße, unter dem man schon zigmal durchgefahren ist, den man aber nie auf Motivtauglichkeit untersucht hat. Nun hatten wir die Rechnung ja mal ganz gewaltig ohne die bosnische Föderationseisenbahn gemacht. Wir standen unmittelbar hinterm Startbahnhof, aber der Zug kam nicht! Als er eine halbe Stunde überfällig war, gaben wir ihm noch fünf Minuten bis 12.05. Kurz vor Ablauf dieses Ultimatums kam --- eine Lok von oben angefahren! Klar: Die Zuglok des Regio hatte wohl schnell noch einen Güterzug die Rampe hochschieben müssen. Weshalb das nun unbedingt zu der Zeit des Regio sein musste, weiß wohl nur die ŽFBH. Der fragliche Güterzug kann schließlich kaum von weiter her gekommen sein; dann hätten wir ihn gesehen.

Eine zurückkehrende Schiebelok und mutmaßliche Zuglok des Regio von Konjic rollt gemächlich zwischen Ovčari und Konjic über den Viadukt der Hauptstraße.

So langsam mussten wir uns auf die Reise zurück nach Kroatien machen. Deshalb sparten wir uns hier die Warterei, bis der Bummel endlich kommen würde. Tja, wenn wir den späteren Ist-Ablauf des Nachmittags gekannt hätten, hätten wir ruhig warten können. Auf Openstreetmaps hatten wir gesehen, dass man nicht über Mostar fahren muss, sondern die Nebenstraße bei Drežnica ins Drezankatal hinein, die mich bei all den Aufenthalten hier ohnehin mal zu fahren gereizt hatte. Die Straße musste so richtig durchs Gebirge führen und käme bei Posušje kurz vor der kroatischen Grenze wieder aufs Hauptstraßennetz.

An der Mündung in die Neretvaschlucht hat auch das Drezankatal Schluchtcharakter. Bald jedoch wurde das Tal etwas offener und eröffnete einen imposanten Ausblick auf allerhöchste Bergspitzen rundherum. Ein sagenhaftes Panorama! Und da würde sich also die Straße irgendwo hinüberschlängeln. Wir konnten es uns kaum ausmalen. Aber oberhalb der Ortschaft Drežnica waren viele Serpentinen eingezeichnet. Irgendeinen Weg würde die Straße schon finden. Ich überlegte, über welche der hohen Bergscharten der wohl führen würde. Zunächst einmal kamen wir aber immer wieder durch kleine Dörfer, in denen erstaunlich viel Leben herrschte. Schulkinder liefen zum baden (wohin auch immer), Erntehelfer zelebrierten ihre Mittagspausen in kleinen Cafes. Die Straße wandt sich höher und höher. Die mächtigen Bergspitzen rückten näher und näher.

Das Tal von Drežnica mit seinen verstreuten Höfen und imposanter Bergkulisse.

Nach Passieren eines weiteren Dorfzentrums, in dem auch der weiße Linienbus stand, den wir gestern mehrfach das Tal haben hochfahren sehen, ging die Straße unvermittelt in eine Buckelpiste über. Ups, das war so nicht geplant gewesen. Auf dieser Piste sollten wir die Berge erklimmen? Das konnten wir getrost vergessen. Es blieb uns nichts anderes übrig als umzukehren und die halbe Stunde zur Neretva zurück zu fahren. Unser Nachmittagsprogramm konnten wir mal getrost knicken. Wir überlegten noch, in Drežnica Hp auf den IC zu warten, aber in dem Bereich herrschte durch den starken Branddunst mal wieder Rotlicht. Und das Seitenlicht war noch nicht wirklich voll da. Und überhaupt hatten wir keine Lust und alles war bäh!

Wir fuhren ab Mostar denselben Weg zurück wie auf der Hinfahrt und kamen auch ganz gut durch. Wenigstens sah man jetzt auch was von der Landschaft. Aber als das Nachmittagslicht besser und besser wurde und abseits der Brände der Himmel in wolkenlosem tiefblau über uns lag, waren wir über den verpassten Fotonachmittag doch sehr vergrätzt.

Wenigstens konnten wir den tiefblauen Himmel für ein Bild von unserem Spark nutzen, hier kurz vor Imotski.

Als wir auf kroatischer Seite die Autobahn erreicht hatten, machte sich vor uns allerdings doch wieder ein eigenartiger Wolkenschleier bemerkbar. Beim Näherkommen zeigte sich, dass auch Kastela und der weitere Streckenverlauf bis Perković in den leichten Dunstwolken irgendwelcher Buschbrände lag. Allerdings hatten wir auch im HŽ System bemerkt, dass wir den Gz 60308 irgendwo hinter Labin noch kriegen konnten. Yannick war online und konnte so lange vermelden 'Labin - keine Meldung', bis wir bei Preslo ein Motiv gefunden hatten. Im nur leicht gelblichen Licht der Ascheschwaden konnten wir den Zug nett umsetzen. Nun hofften wir auf einen Kreuzungsaufenthalt in Primorski Dolac und fuhren dem Zug schnell hinterher. Doch die nahmen ihn noch vorm Regio bis Perković durch, so dass wir umdrehen und über die Autobahn nach Split fahren konnten.

Einmal konnten wir ihm huldigen, dem 60308. Doch die Rauchschwaden in der Luft können nicht geleugnet werden, als der Zug sich bei Preslo optimalst in den Motivausschnitt einpasste. Ein Y1 wird an vorletzter Stelle überführt.

Um 18.15 waren wir dort. Tanken, Autorückgabe und Busticketkauf klappten wie am Schnürchen. Der Mann von Unirent schaute sich das Auto sehr genau an, hatte aber nichts zu beanstanden. Im Bf Split konnten wir den aus Perković zurückgekehrten Bummelzug nach Lokumlauf fotografieren und den IC 1523 bei der pünktlichen Ankunft beobachten. Diesmal war statt des 1.Kl Großraumwagens ein AB Abteilwagen eingereiht.

Nun rollern wir zum zweiten Mal über die Spliter Hafenpromenade, ohne diese wunderschöne Stadt weiter zu besichtigen. Etwas schade...

Im Bf Split steht der nächste Pu nach Perković bereit.

Die am Busbahnhof gekaufte Fahrkarte wies uns in einen Bus von Promet Makarska. Ein Bus nach Dubrovnik stand schon bereit, doch auf unsere Frage "Ploće?" wurden wir angewiesen, auf einen anderen Bus zu warten.

Bus Split 19.00+20 - Ploće 21.32+43

Die Firma Promet Makarska gab echt alles, um Leute fürs Bahnfahren zu begeistern. Leider fehlte diese Alternative auf diesem Stück. Das kroatische Ploće wird bahnmäßig nur im Transit durch Bosnien erreicht. Wir mussten nun also das bahnfreie Stück per Bus überbrücken. Der Spaß am Busfahren ging damit los, dass der Bus schon mit guter Verspätung auftauchte, wir fürs Deponieren der Koffer im Gepäckfach noch paar Kuna (ca 1 Euro) extra zahlen durften und der Bus dann den Weg auf die Küstenstraße einschlug und nicht zur Autobahn. Über die Küstenstraße wollte der in zweieinhalb Stunden in Ploće sein? Im zähen Verkehr aus Split raus hatten wir unsere Zweifel, zumal an jeder Straßenecke gehalten wurde. Als wir das malerisch zwischen senkrechten Felsen und Meer gelegene Omiš (1/5 des Weges) nach einer Stunde Fahrzeit erreichten, überlegten wir schon, ob sich die geplante Ankunftszeit Ploće vielleicht auf den folgenden Tag bezog...

Hinter Omiš nahm die Besiedlung allerdings ab und der Bus konnte schneller fahren. Unmittelbar rechts der Straße fiel der Fels oft steil ab ins Meer. Hoffentlich verstand der Fahrer sein Handwerk. Der Ausblick auf das vom zunehmenden Mond beschienene Meer und die erleuchteten Küstenstädtchen war wunderschön. Immerhin lernte man mal eine neue und wirklich reizvolle Strecke kennen, denn bisher war ich in dieser Relation nur über die Autobahn gefahren.

Als in der Ferne die Lichter von Makarska auftauchten, meinte ich noch scherzhaft zu Yannick, dass hier ja der Sitz des Busunternehmens sei und vermutlich erstmal Fahrerwechsel oder gar ein Buswechsel ansteht. Wir fuhren in den Busbahnhof ein und es wurden fünf Minuten Pause angekündigt. Allerdings waren das kurze fünf Minuten. Es ging schnell weiter, prima. Das 'Prima' blieb uns allerdings im Halse stecken, als der Bus noch im Stadtgebiet in den Betriebshof der Busgesellschaft einbog! Ohne irgendeine Info an die Fahrgäste standen wir dort 10-15 Minuten rum und es wurde am Bus gewerkelt. Besonders bitter war das für die Fahrgäste, die kurz hinterm Ort wieder aussteigen wollten. Einige wurden allmählich unruhig. Aber immerhin ging es ohne Buswechsel weiter.

Es war schon spät und wir wollten einfach nur ankommen. Doch so einfach sollte das nicht sein. Irgendwann bekam ein Junge das Kotzen und zur Entsorgung der gefüllten Tüte musste neben einer Mülltonne angehalten werden. Der Beutel wurde 2m an der Tonne vorbei in die Büsche geschmissen. Und dann kam noch Gradac, eine kleine, an sich unbedeutende Bushaltestelle vor Ploće, wo wir allmählich dachten, dass wir es bald geschafft hätten. Es war nun schon 22.00 Uhr. In Gradac hatte offenbar ein Kontrolleur von Promet Makarska seinen stationären Kontrollpunkt aufgebaut. Laute Rufe 'Kontrolla' oder so hallten durch den Bus und ein Typ mit Taschenlampe nahm an den mittlerweile nur noch wenigen Fahrgästen eine Vollkontrolle vor. Während dieser Zeit ging es natürlich kein Stück weiter. Was für ein Schwachsinn, der Busschaffner hatte schließlich unsere Karten schon gecheckt. Wahrscheinlich musste kontrolliert werden, ob der Schaffner richtig kontrolliert hatte.

Erst um 22.15 rollten wir mit nunmehr 43 Min Verspätung auf den Busbahnhof von Ploće. Wir waren die einzigen Aussteiger und schnell raste der Bus weiter seinem Ziel Metković entgegen. Und wir rollerten mit unseren Koffern einmal halb ums örtliche Hafenbecken zum Hotel Bebic, wo man freundlicherweise trotz der Verspätung die Reservierung aufrecht gehalten hatte. Da es eine kurze Nacht werden würde, ging es bald auf die Pritsche. Das Hotel war mal wieder voller Kinder und entsprechend laut.

Mittwoch, 29.08.2012

Um 6 Uhr rollerten wir wieder zurück zum Bahnhof. Der viertelstündige Fußweg auf der Hafenpromenade ist schön zu gehen. An einem Kiosk kurz vorm Bahnhof konnten wir uns sogar noch alle Zutaten für ein Zugfrühstück besorgen. Das nächste Hauptziel der Tour stand an, eine Zugfahrt durch die Neretvaschlucht und über den Ivan. Damit weichen wir mal wieder von der direkten Richtung zum Land der Schwarzen Berge ab, denn das hätte man gut in einer knapp eintägigen Busfahrt entlang der Küste über Dubrovnik erreicht.

B 396 Ploće 6.28 - Sarajevo 10.22+28

Als Zug stand eine Garnitur aus je einem HŽ- und ŽSR Wagen bereit. Der ŽFBH Wagen fehlte also. Wir bezogen unser Abteil im ersten, dem HŽ Wagen.

Der B 396 legt seinen Grenzaufenthalt in Metković ein. Die Sonne kann sich kaum gegen die Brandschwaden in der Luft behaupten.

Trotz regem Zustieg in Čapljina behielten wir bis Mostar unser eigenes Abteil. Ab dort war ein englisch sprechendes Paar mit drin und ab Konjic auch noch eine Frau. Im Nachbarabteil grölten ab Konjic paar Jugendliche rum und hauten gegen die Abteilwände, als wenn sie diese einreißen wollten. Dass man in der Bahn immer wieder solchen sozialen Randerscheinungen ausgeliefert ist, ist ein erheblicher Nachteil für die Bahn. Im Auto hat man seine Ruhe vor solchen Deppen. Aber dieses ist gewiss kein spezielles Balkanproblem; da hat man in Deutschland auch schon so seine Erlebnisse gehabt. Die Verspätung des Zuges entstand 'schleichend'. Wir fuhren durchgehend bummelig, obwohl z.B. im Neretvatal die Strecke saniert ist und an beiden vergangenen Tagen der B 396 dort von uns pünktlich und in zügiger Fahrt beobachtet wurde. In Čapljina kamen wir noch pünktlich los, Mostar +8, Jablanica +15. Die Kreuzungen mit den beiden Gegen-Pz in Jablanica und Konjic wurden nicht verlegt.

Was das Wetter angeht, so herrschte anfangs alles andere als eitel Sonnenschein, obwohl ein sonniger Tag angekündigt war. Nur matt kämpfte sich die Sonne als rot leuchtende Kugel hinter den Rauchschwaden der Waldbrände hervor. In der Neretvaschlucht wären wir heute nicht besonders glücklich geworden. Man konnte die Sonne erahnen, aber von 'Sonnenschein' konnte keine Rede sein. Ich machte einige Fotos aus dem Zugfenster.

Nun erleben wir in der Neretvaschlucht den umgekehrten Blick. Doch was hatten wir an den Vortagen noch Glück mit dem Licht gehabt!

Grabovica.

Hinter Grabovica.

Ebenfalls hinter Grabovica.

Hinter der Neretvaschlucht war hingegen alles bestens und wir fuhren in einen Tag mit tiefblauem Himmel hinaus. Es war wirklich schön, diese dreimal per Auto zum fotografieren besuchte Strecke nun mal vom Zug aus in der umgekehrten Perspektive zu erleben. Einen kleinen Kulturschock gab es hinterm Ivantunnel. Bei Tarčin ist ja dieser Talkessel, um den die Bahn über vier Viadukte herumführt. Von einem Punkt aus kann man einen Zug auf drei Viadukten fotografieren. Dieser Talkessel ist jetzt vollkommen planiert und Großbaustelle wie für einen Flughafen.

Der Talkessel oberhalb Tarčin: Irgendwie wird gerade alles planiert.

Zum Vergleich genau der umgekehrte Blick aus dem letzten Jahr.

In Sarajevo ging die Umsteigezeit mit Fotos, Fahrkarte kaufen (für Bosnien gibt es keine Mitarbeiter-Netzkarte) und Getränke besorgen schnell rum. Die Dame am Schalter freute sich riesig, ihre Deutschkenntnisse an mir auszulassen. Entsprechend wohlwollend wurde ich bedient. Eigentlich hätten wir uns gern noch ausführlicher mit Lebensmitteln bevorratet, aber dafür wurde nach paar Strab-Fotos die Zeit knapp.

B 396 verlässt Sarajevo gen Zagreb. Beim Kopfmachen ist dem Zug mit der neuen Lok auch der fehlende ŽFBH-Wagen zugestellt worden, so dass der Zug nun seine planmäßigen drei Wagen hat.

Die alte Zuglok fährt ins Depot.

Eine Tatra auf dem Bahnhofsvorplatz von Sarajevo.

B 450 Sarajevo 11.49+2 - Beograd 20.06+5

Auch hier schaukelte sich die Verspätung wieder hoch. Ausgerechnet der Hauptstadt nahe Abschnitt schien total herunter zu sein. Vor diversen nicht funktionierenden BÜs musste fast zum Stillstand abgebremst werden. In Zenica waren es schon wieder +20. Doboj nur +15/+15, doch dann kam die ganz große Bummelei mit 10er La-Stellen und Halt vor diversen Bahnübergängen, deren Sicherung man offenbar nicht über den Weg traute. Das Resultat war Modrica mit +30, Bosanski Šamac an +37, Slawonski Šamac dito, ab +30. In Slawonski Šamac kreuzten uns gleich drei Züge: Der gääähnend leere B 259 von Budapest, ein Gz mit ŽRS 661 und ein ankommender Pu-VT. Ein Güterzug hatte uns zuvor schon einen Bf vor Modrica gekreuzt. Die Kroaten spannten uns eine 1142 vor, die ich gern fotografiert hätte. Aber Möglichkeiten dazu gab es leider nicht.

Der Zug bestand aus einem Wagen der ŽS und einem modernisierten Bom der ŽRS, den wir zu unserem Zuhause für die 8 Stunden kürten. Der Wagen war sehr gepflegt und im Prinzip hätte ich gar nichts gegen so eine lange Fahrt in diesem schönen Abteilwagen gehabt. Aber das nervige war die Kürze des Zuges gepaart mit dessen vorrangiger Funktion als Nahverkehrszug. Nie hatte man das Abteil mal für sich. Bis Zenica teilten wir uns das Abteil nur mit einem Studenten. Ab dort zog eine vierköpfige Familie bei uns ein. Und die wollte auch ganz nach Belgrad. Doch eine derartig lange Fahrt zu sechst im Abteil konnten die sich offenbar auch nicht vorstellen. Die Oma machte sich aktiv auf die Suche nach anderen Plätzen. Bald zogen die beiden Damen um und nur noch der Pappa mit seinem kleinen Jungen blieb bei uns. Doch irgendwann bei Maglaj meldete Omma, dass Enkel und Pappa auch nachkommen könnten. Das eigene Abteil behielten wir aber nicht lange. Ab Doboj saßen bei uns zwei Eisenbahnerinnen in zivil (wohl Verwaltung), die eine lange Diskussion mit dem Zugführer führten, während wir parallel zum Unterlauf der Bosna dahinbummelten. Die eine stieg in Modrica aus, die andere in Bosanski Šamac. Was für ein langer Arbeitsweg, jedenfalls bei der Reisegeschwindigkeit. Über die Grenze nach Kroatien saßen 72 Fahrgäste in den beiden Wagen. Es kann also niemand sagen, dass der Zug nicht genutzt würde. An den kroatischen Stationen gab es nur minimalsten Fahrgastwechsel.

Eine ŽFBH-212 steht in Doboj mit einem Güterzug. Da Doboj ŽRS-Territorium ist, wird es sich wohl nicht um einen Rangierdienst gehandelt haben. Bis hier waren uns schon zwei dieser Loks entgegen gekommen: Eine vor Mostar und eine vor Zenica.

Vinkovci verließen wir nur noch mit +20. Schon witzig, gerade vor 30 Min war man von den kroatischen Grenzorganen kontrolliert worden, da kamen sie jetzt im Zulauf auf die serbische Grenze schon wieder durch. Im B 450 muss man viermal den Pass vorzeigen und dreimal wird die Lok gewechselt. Das macht die Fahrt auf der zweiten Hälfte recht unterhaltsam, nachdem landschaftlich natürlich die erste Hälfte durchs Bosnatal klar hervorzuheben ist.

Zwischen Bosanski und Slawonski Šamac rollen wir auf die Savebrücke zu. Tschüß Bosnien!

Den serbischen Grenzbahnhof Šid verließen wir mit +17. Die Grenzaufenthalte gingen trotz starker Besetzung alle recht flott. Angenehmerweise hatten wir seit der bosnisch-kroatischen Grenze sogar ein eigenes Abteil. Auch wenn die Mitreisenden alle angenehm waren und man auch das eine oder andere Wort gewechselt hat, so ist das eigene Abteil einfach ungezwungener. Auf den langen Geraden in Serbien nutzten wir diese Ungezwungenheit für paar Fotos mit der schönen Abendstimmung. Der Zug hatte seit dem kroatischen Strizivojna-Vrpolje eine Rasanz entwickelt, die nach dem Gekrieche durch Bosnien wirklich wohltuend war. Auch in Serbien ging die Fahrt flott vonstatten, wobei zweimal jemand auf freier Strecke rausgelassen wurde.

Auch in den modernisierten Boms gibt es noch das alte Problem, dass die Fenster nie offen bleiben. Auf dem Balkan ist man dazu erfinderisch. Yannick bevorzugte für uns allerdings die Zettelmethode. Die Idee zu diesem Foto kam übrigens auch von ihm.

Wir waren uns einig, dass die Fahrt doch sehr kurzweilig gewesen ist, freuten uns aber auch sehr auf einen schönen Grillteller zum Abendessen. Landschaftlich hatten wir nun das Maisfeld Wien - Belgrad erreicht und damit auch wieder den direkten Weg von den Hamburger Schwarzen Bergen nach Crna Gora. Es war allerdings ein lohnender Umweg gewesen.

Unser schönes Bom-Abteil im B 450 von innen.

Zum Glück waren wir in beiden Zügen durch Bosnien von Rauchern im Abteil verschont geblieben. Beide Züge hatten keinerlei gekennzeichnete Nichtraucherabteile und es wurde dem blauen Dunst in anderen Abteilen und auf dem Gag nach Herzenslust gefrönt. Nach unerwartet fast pünktlicher Ankunft in Belgrad gab es ein Ankunftsbild. Der Belgrader Hbf war richtig belebt. Die Tische der Bahnhofsgastronomen draußen auf dem Bahnsteig 1 waren restlos belegt, viele Leute warteten zudem auf ihre Züge. Das kannte ich so noch gar nicht, fand es aber sehr erfreulich.

Erst am Endbahnhof bekommen wir einen Schnappschuss vom B 450 hin. Daneben steht eine saubere Elektritschka.

Wir tauschten paar Euro gegen Dinare um und rollerten dann mit unseren Koffern einen der Bahnsteige ganz bis zum Ende. Dort einmal quer über paar Gleise, na, wohin kommt man da? Richtig, zum Restaurant Romantika, das einigen DSOlern sicher noch bekannt ist. Das war allerdings nur der zweite Anlaufpunkt. Der erste war unser Hotel 'Zeleznicar' gleich daneben. Dabei handelt es sich um die Eisenbahnerunterkunft, von der ein Teil zum Hotel befördert wurde. Ich hatte es über HRS.com für 25 Euro pP buchen können. Wir rechneten mit allereinfachsten Verhältnissen, doch der Raum hatte sogar Klimaanlage und Kühlschrank. Sauber wars auch. Da gab es nichts dran auszusetzen. Beschlossen wurde der Abend als alleinige Gäste des Restaurant Romantika. Wir bestellten eine Grillplatte und ließen uns vom Wirt noch etwas anderes empfehlen. Das entpuppte sich als äußerst leckerer Schweinebraten mit Kartoffelpüree. Dazu das hier gebraute Staatsbahnbier, wie uns der Kellner stolz auf deutsch erklärte. Wir hatten aber auch einen Hunger nach der langen Fahrt ohne Speisewagen!

Von dieser Mahlzeit muss auch mal ein Bild sein. Dass mein Bierkrug außerhalb des Ausschnittes steht, ist aber Zufall ;-)

Donnerstag, 30.08.2012

Die Schattenseite der gestrigen Völlerei zeigte sich ab 5 Uhr, wo ich mal dringend 'um die Ecke' musste. Und um 7 wieder. Das wars dann aber zum Glück. Irgendwas war wohl nicht ganz astrein gewesen. Ab 8 gab es das Hotelfrühstück im Romantika. Gefragt wurden wir nur, ob Tee oder Kaffee gewünscht wird. An Essen gab es nur furchtbare knautschige Brötchen, Spiegelei und eklige Würstchen. Ich versuchte mich mit einem halben Brötchen und Spiegelei, aber durch die frühmorgendlichen Magenbeschwerden hätte mir eher der Sinn nach Marmeladenbrot gestanden. Von unseren Plätzen hatten wir direkten Ausblick auf die Braukessel, in denen die Staatsbahn ihr eigenes Bier braut, das ich gestern ja hier schon kosten durfte.

Wir sahen zu, dass wir zum Bahnhof kamen. Auf dem Weg dorthin, natürlich wieder mitten übers Bahngelände, kamen wir auch an einem Schuppen vorbei, in dem ein mir bis dahin unbekannter VT stand. Das musste so ein neues Russenteil sein. Und ich muss sagen, die Dinger gefallen mir ausnehmend gut. Schöne Form, tolle Farbgebung in rot und weiß. Im Bahnhof selbst stand eine Doppelgarnitur dieser Triebwagen bereit zu einer Schulungsfahrt. Leider war man erst bei der Lektion über die Fahrtvorbereitungen angekommen, so dass ich mich mit einem Teilschattenbild zufrieden geben musste. Gut, dass ich schnell abgedrückt hatte, etwas später wurde der Zug von zwei grimmig dreinschauenden Polizisten flankiert.

Der neue "Russe" steht zu Schulungszwecken im Bahnhof Belgrad.

Heute sollte es in die letzte Bahnetappe gehen. Eine Tagesfahrt auf einer der aufregendsten Bahnstrecken Europas nach Podgorica. Wir hatten bei WASTEELS, der Reiseagentur am Bahnhof, telefonisch Reservierungen für den Zug bestellt, die wir nun abholen wollten. Allerdings wegen Yannicks Interrail nur 2.Kl, obwohl ich die Strecke gern stilvoll 1.Kl gefahren wäre. Die Dame hinterm Schalter erinnerte sich an mich und wollte sich schon an den Ausdruck machen, da fragte 'er' vom Nachbarplatz, was für Fahrkarten wir denn hätten. Wir zeigten sie ihm und er meinte nach Kenntnisnahme meiner 1.Kl Mitarbeiterfahrkarte, ob wir denn wirklich 2.Kl fahren wollten. Wir wiesen auf Yannicks Interrail hin und fragten, was er uns da anbieten könnte. Er rechnete herum und meinte, dass er für rund 1200 Dinare (rund 10 Euro) etwas machen könne. Das war uns die Sache wert, da er in der 1.Kl auch noch 2x Fenster buchen konnte. Als er sah, dass ich bei der DB bin, erzählte er auf gutem Deutsch, dass er mal für die DB in Frankfurt und Mainz gearbeitet habe. Und ich fragte ihn, ob er denn Herr Popovic wäre und erzählte ihm, dass seine Agentur in einem 'großen deutschen Bahnreiseforum' immer wieder empfohlen wird. Gern hätten wir uns länger unterhalten, aber wir mussten noch Lebensmittel kaufen und dann bald zum Zug.

Auf dem Nachbargleis traf eine Elektritschka ein.

B 431 Beograd 9.10+5 - Podgorica 19.28

Hinter der serbischen 461 folgten ein ŽCG A, ein ŽCG B, beides klimatisierte Abteilwagen. Dann ein ŽS B mit Barabteil, ein ŽS B, ein deklassierter ŽS A. Die ŽS Wagen gehörten sämtlichst zu dem Typ Großraum ohne Klimaanlage mit Klappfenstern. Für die Aus-dem-Fenster-lehn-Fraktion war der Zug also definitiv nichts.

In unserem Abteil saß die ersten anderthalb Stunden noch ne Frau still und friedlich in ihrer Ecke. Als sie raus war, zog Yannick die Sitze auseinander und machte erstmal sein Schläfchen, während ich einfach nur das Reisen genoss. Denn das war es wirklich. Die Freude konnte auch der offensichtlich upklassierte montenegrinische 2.Kl Wagen, in dem die erste Klasse untergebracht war, nicht verderben. Etwas nervten vier Polizisten, die ständig mit böser Mine durch den Zug liefen, ihr 1.Kl Abteil vollquarzten und sich lautstark unterhielten. Gestern der B 450 wurde auch schon auf serbischer Seite von Polizisten begleitet. Da war mir doch der motivierte Speisewagenbetreuer lieber, der mit Kaffee für 116 Dinar durchkam. Der Schaffner wollte erst, dass ich auf meiner Karte das neue Datum eintrage, erkannte dann aber selbst seinen Fehler (wieder die Sache mit dem zwei Tage gültigen Feld). Gegen Yannicks 1.Kl Aufpreis hatte er auch nichts.

Bis Valjevo ging es meist extrem langsam durch viel flaches Land. Bei Vreoci hatten wir sogar eine Parallelfahrt mit dem Schmalspurkrokodil einer Kohlenbahn auf einem Dreischienengleis. Teils wurde extremst langsam gefahren. Vor vielen BÜs musste angehalten werden. Die Schranken waren offen. Ob sie funktionslos oder wegen der Bummelei vorm Zug schon wieder hoch gegangen sind, kann ich nicht beurteilen.

Hinter Valjevo wurde die Strecke gebirgiger. Sie schlängelte sich durch ein enges Waldtal in die Höhe. Viele Tunnel reihten sich aneinander und es wurde eine Rundkehre durchfahren. In Pozega stand ein Einwagenzug in Richtung der mittlerweile elektrisch befahrbaren Strecke nach Kraljevo bereit.

Bis Užice war die Landschaft nun wieder ein wenig ebener. Danach ging es sogleich in die ersten Tunnel und wir befanden uns schlagartig wieder auf einer Gebirgsbahn. Erneut folgte die Bahn einer Waldschlucht. Die Bahn überquerte den zuständigen Bachlauf paarmal über Viadukte. Das ganze öffnete sich bald auf eine kahle Hochpräriefläche, die geradezu nach Fotos schrie. Bald folgte ein über 10 km langer Passtunnel, in dem wir 'beruhigenderweise' paarmal stehen blieben. Danach kam irgendwann ein Revisor in zivil durch und wollte unsere Karten sehen. Wieder keine Einwände. Über mein entwertetes Feld von gestern unterhielt er sich mit den beiden Zubs in seinem Gefolge, Ergebnis war aber ein allgemeines Kopfnicken und 'da-da-da!'

Das ist Reisen: Eigenes Abteil und Füße hoch!

Für mich tat sich nun ein ganz anderes 'Problem' auf. Ich kam aus dem Notieren von Motiven gar nicht mehr raus. Zwischen dem Passtunnel und Priboj gab es, auch auf dem bosnischen Transitstück, von Wiesenhängen und mit Viadukten tausend Fotomöglichkeiten. In dieser unwegsamen Gegend musste ich in meiner Osmand App (Open Streetmaps für Android, trotz Fehlern sehr zu empfehlen) doch immer mal den einen oder anderen Bf in eine andere Lage schieben. Hinter Priboj lief die Strecke ein ganzes Stück an einem herrlichen Stausee entlang. Hinter Pripolje mal wieder ein sehr hoher Viadukt über das Tal. Wie an vielen anderen gesehenen Brücken gibt es auch hier einen Posten mit kleiner Bude. Was auch immer dessen Aufgabe sein mag. Der serbische Grenzbahnhof Vrbnica liegt vollkommen malerisch neben einem Kloster zu Füßen einer senkrechten Felswand.

Davon mussten wir einfach Bilder haben. Wir wechselten uns ab: Einer blieb an der ersten Tür, um sie notfalls aufzuhalten, der andere sprintete schnell vor. Die Grenzer waren im Zug und den Lokführern schien's egal zu sein.

Der einsam neben einem Kloster an der Felswand gelegene serbische Grenzbahnhof Vrbnica.

Wenige Kilometer weiter querten wir den Fluss. Willkommen in Montenegro, im Lande der schwarzen Berge! Der Zug wurde plötzlich richtig schnell! Na ja, zumindest abschnittsweise. In Bijelo Polje war auch wieder Fotohalt. Die Eisenbahner trugen hier alle auf der Uniform das fesche, leuchtend rote Logo mit dem Länderumriss und dem stilisierten Mala-Rijeka-Viadukt.

Wir haben das Zielland erreicht! Unser B 431 in Bijelo Polje, dem montenegrinischen Grenzbahnhof. Der Güterzug mit MonteCargo Lok wird von B 431 überholt.

Die weitere Strecke führte meist hoch über den Tälern entlang. Tunnel und teils sehr hohe Viadukte reihten sich aneinander. In Mojkovac stand eine ozeanblau-beige West-V60 der ŽCG mit einem Bauzug. An vielen Stellen waren EU geförderte Ausbaumaßnahmen zugange. Hinter Kolašin geht es richtig durch die Wildnis hoch am Hang entlang. Der Abschnitt, an dem auch der Mala Rijeka Viadukt liegt, ist ja schon hinreichend dokumentiert worden. Die Fahrt durch die Felstürme ist wirklich an Gigantismus kaum zu überbieten. Nach oben senkrechte Felswände, nach unten senkrechte Felswände. Und zwar nicht nur 50m, sondern mehrere hundert Meter hoch. Die Leute traten nach und nach hinaus auf den Gang, um rechts den Ausblick in die Tiefe zu genießen.

Etwas Sorgen machten uns das sehr rote Sonnenlicht und der extreme Dunst, der bei Kolašin begann. Kein Zweifel: Wir hatten uns zielgerichtet mal wieder eine Waldbrandregion für die kommenden Fototage ausgesucht. Man konnte vor lauter Dunst fast nicht bis zum Talgrund sehen. Ein Schnüffeln am offenen Klofenster ergab allerdings keinen nennenswerten Brandgeruch wie neulich in Mostar.

Pünktlich erreichten wir Podgorica. Dank weitestgehend eigenem Abteil (obwohl der Zug stark besetzt war) ging damit eine richtig tolle Bahnreise zuende. Und damit stand schon mal eines fest: Die größte Verspätung der von uns genutzten Verkehrsmittel auf dem Weg ins Land der schwarzen Berge (nicht aber auf Wegen im Land selbst) hatte der einzige von uns genutzte Linienbus! Wir rollerten eben zum gebuchten Hotel Evropa rüber und erhielten ein ganz tolles großes Zimmer nach hinten raus. Das stimmte schon mal froh. Nun mussten wir noch zum Flughafen, um den Mietwagen abzuholen. Dazu nahmen wir uns am Bf eine Taxe zum Festpreis von 10 Euro. Ich glaub, mehr als "ten euro" hörten wir den Taxifahrer die ganze Fahrt über auch nicht sagen.

Wir trafen um 19.50 am Sixt Schalter ein, doch trotz offizieller Öffnungszeit bis 20 Uhr war niemand dort. Erst als sein Nachbar, der Herr Europcar, ihn für uns anrief, tauchte er um 5 nach 8 auf. Das war insofern bemerkenswert, da das Schlitzohr gleich mal 20 Euro für Abholung nach Schalterschluss berechnete. Dies wiederum begründete er damit, dass wir ja erst für 20.30 Uhr gebucht hatten. Na gut, da konnten wir erstmal nichts gegen sagen. Nun stellte sich uns natürlich die Frage, weshalb Autoeurope uns eine Ausleihe außerhalb der Öffnungszeiten verkauft hat ohne auf die Mehrkosten hinzuweisen. Die Mühle, die wir erhielten, war ein Fiat Panda, bei dem erstmal diverse Schadstellen angekreuzt werden mussten. Das Fenstergummi vorn rechts war verrutscht und die Scheibe auf der Fahrerseite klapperte. Beim Öffnen und Schließen der Hintertüren konnte man sich aller Aufmerksamkeit sicher sein, so laut quietschten und knarzten die Türen. Aber er fuhr. So konnten wir gegen 9 den schönen, eindrucksvollen Reisetag mit einem herrlichen Abendessen im Hotelrestaurant beschließen. Yannick nahm die große 500g Fleischplatte, für mich gab es Popeci, drei aufgerollte Schnitzel mit Käse und Schinken gefüllt. Dazu Nikšić Piwo. Lecker!

Freitag, 31.08.2012

Der einzige momentane Lichtblick sollte das Hotel bleiben. In einer zum Glück nur leicht nach Brand stinkenden Waschküche wachten wir auf. Grässlich! Aber so konnten wir uns nach diversen Frühstücks-Lunchpaketen und den üblen Würstchen von gestern endlich mal in aller Ruhe einem richtig schönen Frühstücksbuffet widmen. Wie lecker konnte doch ein banales Marmeladenbrot sein? Dazu gab es frische Melonenstücke und Kaffee. Das konnte man gut aushalten. Angesichts der Dunstglocke entschieden wir uns zu einer Bereisung der restlichen Strecke nach Bar. Gegen halb 9 zogen wir zum Bahnhof rüber. Der Bummel war zwar gerade weg, aber vielleicht würde ja noch ein verspäteter Nachtzug kommen. Im Prinzip war es dann auch so. Der Nachtzug aus Subotica, der planmäßig der nächste Zug war, hatte reichlich Verspätung. Wir verstanden zwar nix von der Durchsage, aber das Murren der Menge sagte alles. So konnten wir uns allerdings den B 430 anschauen, der auf Gleis 1 einfuhr und weit vorzog. Das Ergebnis des weiten Vorziehens war, dass die Leute im hinteren (montenegrinischen) B-Wagen im Gang standen, während vorn in den serbischen Wagen noch gut Plätze frei waren. Aber auch die 1.Kl war voll. Fast in jedem Abteil saß man zu sechst. Was hatten wir gestern Glück gehabt!

Als die MonteCargo-644 dem B 430 seinen Autowagen zustellte, konnte die Sonne den Dunst noch nicht so recht überwinden.

B 1137 Podgorica 9.25+70 - Bar 10.27+60

Eine montenegrinische Lok zog eine abgebügelte serbische. Es folgten Schlaf- und Liegewagen, dahinter B, A, A, AB, Ac, bis hier alles ŽS. Am Schluss ein Bc der CD. Die meisten Sitzwagen also mit 1.Kl beschriftet. So setzten wir uns einfach mal da rein. Meine Güte, was für ein keimiger Wagen! Wir mochten gar nichts berühren. Yannick stand sofort wieder, nachdem sich die dunkle Stelle auf seiner Armlehne als feucht erwiesen hat. Ein benutztes Taschentuch lag auf dem Mülleimer. Mann, war das alles ekelhaft. Ich war gespannt, was der Schaffner zu meiner Fahrkarte mit dem gestrigen Datum sagen würde. Der schaute jedoch nur von außen ins Abteil. Als er die Netzkarten in unseren Händen sah, winkte er ab und lief weiter. Der 'gemeine' Montenegriner ist offenbar nicht der Freund vieler Worte, den Eindruck hatten wir gestern auch schon bekommen.

Die Seebucht in Vranjina war vollkommen ausgetrocknet. Es folgte der Damm durch den Skutarisee. Zum Meer hin muss anschließend noch eine hohe Bergkette durchquert werden. In dem langen Basispasstunnel kam in der Finsternis ein Typ an unser Abteil und wollte irgendwas. Sehr vertrauenserweckend! In Sutomore warteten zig Taxen auf dem kleinen Vorplatz auf die Massen der erholungshungrigen (nach der Zugfahrt erst recht) Urlauber. In Bar fuhr der Gegenzug, eine Elektritschka in alter blauer Lackierung, los, als wir noch nicht ganz zum halten gekommen waren. Aber damit hatten wir gerechnet. Man kann es in Bar ja auch mal paar Stunden aushalten. Wir machten paar Fotos vom angekommenen Zug und schauten beim Wegrangieren zu. Was für ein Kontrast zwischen dem verwarzten ŽS- und dem frisch lackierten CD-Liegewagen! Yannick meinte dazu nur trocken, dass die serbische Bahn lieber Bier braut als Wagen instand zu halten.

B 1137 nach der Ankunft in Bar.

Zum Abstellbahnhof müssen die Züge erst vom Bahnsteig nordwärts rausgezogen und dann an den Bahnsteigen vorbei in weit südlich gelegene Gleise gedrückt werden. Als nichts mehr zu beobachten war, machten wir uns auf den Weg zum Strand. Uns schwebte der Besuch eines traumhaft gelegenen Restaurants am Strand vor. Da waren neulich auf DSO ja mal paar Bilder zu sehen... Vorbei an paar Konobas in Bahnhofsumgebung stiefelten wir also Richtung Stadt. Der Dunst hatte sich inzwischen als purer Wasserstoff entpuppt. Es war megaschwül und drückendst heiß geworden. Die Straße in die Stadt führte durch usselige Gewerbegegend und war höchst unerfreulich. Als sich das auf der Karte angesteuerte Ziel als ätzender Militär- und Polizeihafen entpuppte, drehten wir stehenden Fußes wieder um und liefen durch den heißen Wasserdampf zum Bahnhof bzw zu einer davor gelegenen Konoba zurück. Dort konnten wir herrlich lauschig in einem überdachten Gartenbereich sitzen und zu eiskalter Cola Ćevapi und Pleskjiavica verspeisen. Schon wieder ist ein großes Plus an die hiesige Gastronomie zu vergeben, während wir ansonsten noch auf den 'großen Durchbruch' warteten.

R 6154 Bar 14.05+12 - Podgorica 15.01+12

Der Zug bestand aus zwei klimatisierten Abteilwagen. Der Schaffner verlor auch keine Worte. Er trug einfach kommentarlos das heutige Datum ins nächste freie Feld meiner Fahrkarte ein, obwohl das Feld mit dem gestrigen Datum noch Gültigkeit hatte. Nun ja, mir war es jetzt egal, denn ich brauchte es nicht mehr. Aber die Kollegen, die den Balkan bereisen, sollten mit sowas rechnen!

Wir hielten uns gar nicht lange in Podgorica auf. In Bar hatte einer dieser neuen Autologistikzüge mit schönen blau lackierten Wagen leer zur Rückfahrt nach Serbien bereitgestanden. Außerdem stand bald der Bummel ins Gebirge an. Wir fuhren mit unserem kleinen Panda nordwärts und ab Bioče rechts Richtung Klopot hoch. Gegenüber vom hoch am Hang gelegenen Bf Bioče entdeckten wir ein hübsches Gehöft für den Vordergrund. Der bald kommende Regio war da eher Beiwerk.

Der Nachmittagsbummel hoch in die Berge rollt hoch am Hang auf den Bahnhof Bioče zu.

Wir fuhren die Straße weiter. Sie kreuzt die Bahn am aufgelassenen Hp Potkrs. Dort erwischten wir den Zug, der den Schlenker über den Mala Rijeka Viadukt nehmen musste, ein zweites Mal. Das war schön, da er die 461 im gut aussehenden Neudesign vor hatte. Die wollte man gern mal in groß haben.

Derselbe Bummel nochmal am aufgelassenen Hp Potkrs unweit der Ortschaft Klopot.

Nun machten wir den 'Fehler', diese sich durch die Berge windende Straße weiter nach Kolašin zu fahren. Landschaftlich wars eine Show. Die Bergwelt in diesem Land ist wirklich etwas spezielles. Kleine Weiler mit minimaler Landwirtschaft schmiegten sich in die schroffe Bergwelt vor gigantischer Kulisse noch viel höherer Berge ein. Die schmale Straße hatte wohl keine 200m gerade Strecke. Gelegentlich kamen museale Holzlastwagen entgegen, die fast die gesamte Straßenbreite beanspruchten. Da war es günstig, wenn man nicht zu schnell war. Das beste war eine Flussbrücke, deren einer Teil ein Stück eingesackt war. Ließ sich dennoch gut befahren, war halt etwas 'hügeliger'. Irgendwann trafen wir dann doch noch in Kolašin ein. Leider war nun gar nicht mehr so viel Zeit zum B 431. Für den hatten wir eigentlich auf eine schöne Gegenlicht Silhouette im Dunst auf einem der zahlreichen Viadukte gehofft. Doch die Viadukte im Bereich von Kolašin waren dazu leider sämtlichst ungeeignet. Einen Fahrweg bei Oblutak befuhren wir auf der Suche nach einem aus dem Zug erkannt zu haben geglaubten Viadukt viermal - sehr zur Verwunderung der dort flanierenden Einheimischen. Letztendlich erwischten wir nur den Autologistik Zug auf einem Viadukt in Oblutak, der B 431 muss uns durch die Lappen gegangen sein. Schade, der Blick in Richtung rot untergehender Sonne war mit den verschiedenen Helligkeitsabstufungen der Hänge im Dunst erwartungsgemäß klasse.

Der Autologistik-Zug hat sich mit zwei Retouren auf dem ersten Wagen auf den Rückweg zur Neubeladung in Kragujevac (Serbien) gemacht und befährt einen kleineren Viadukt nördlich von Kolašin. Die Züge gehören zu einem ganz neuen Autologistik Verkehr, mit dem Fiat seine Neuwagen zum Schiff nach Bar schafft.

Mittlerweile waren wir uns übrigens sicher, dass der ganze Dunst hier in Montenegro seine Ursache nicht in den Bränden hatte, denn es roch nur mal punktuell leicht brenzlig und nicht so extrem wie in Bosnien. Es handelte sich einfach um 'normale' Schwüle. In der Dämmerung fuhren wir nun die Hauptstraße zurück. Die benötigte immerhin 70km für die Distanz zwischen den beiden Nachbarorten. Und sie war nicht viel unspektakulärer als die Bahn, steigt sie doch steil am Hang entlang ab, führt über viele Viadukte und durch viele Tunnel.

Abenddämmerung in den Bergen westlich von Kolašin.

Besonders imposant wird nun aber der Teil tief unten in einer Schlucht. Rings um einen die mehrere hundert Meter hoch aufragenden senkrechten Felswände. Leider musste man sich stark auf den Verkehr konzentrieren. So war man doch froh, als das Ziel erreicht war. Zur Belohnung gab es 'Karadjordjeva Snicla', eine riesige Schnitzelrolle mit Saucenfüllung, die ich kaum schaffte. Yannick begnügte sich mit 'leichtem' Hähnchenfilet. Davon gab es aber auch einen großen Teller voll...

Samstag, 01.09.2012

Beim Züge fotografieren in Montenegro hatten sich zwei Probleme herauskristallisiert. Und unser spezielles dritte Problem zeigte sich ebenfalls. Problem 1 und Hauptproblem ist, dass die meisten Motive im spektakulärsten Streckenteil - soweit sie überhaupt zugänglich sind - am günstigsten mit nachmittäglichen Südfahrern umzusetzen sind. Es gibt aber keine nachmittäglichen Südfahrer. Vormittags ginge auch einiges, aber dafür gibt es auch nur einen geeigneten Zug. Problem 2 ist der Umstand, dass praktisch kein Zug ohne Graffiti unterwegs ist. Ok, darauf waren wir eingestellt und bereit, es zu ertragen. Und unser spezielles drittes Problem ist, dass der Dunst wieder fett und schwer in der Luft hing. Entsprechend gering war unser Tatendrang.

Nach dem Frühstück zeigte sich immerhin ein gewisser Schattenwurf. So fuhren wir mal los und kundschafteten erstmal einen BÜ und eine Brücke in der Ebene aus. Als in der Ferne schon der Regio nach Bar zu sehen war, sahen wir zu, dass wir ihm nach Vranja voraus kamen. Das klappte im Prinzip auch, doch als wir oben am Friedhof angekommen waren, kam er auch schon, so dass man nur noch die Kamera hochreißen konnte. Das Optimum war der gewählte Bildausschnitt jedenfalls nicht.

Der Morgenzug nach Bar passiert das bekannte Motiv in Vranjina. Das Wasser des Sees ist quasi abgelassen.

.. Wir warteten noch auf B 430. Für den stellte ich mich nun auf den Friedhof, wo paar Blumen geschmückte Gräber als Vordergrund dienten. Auch dieser Zug ging ohne Autoschaden. Zum Graffiti sagen wir mal nichts...

Aufgrund des Dunstes muss für B 430 etwas Vordergrund her. Mir gefallen Friedhöfe gut als Vordergrund, dennoch war ich froh, dass auf dem Friedhof kein Publikumsverkehr war.

Yannick war noch etwas höher gekraxelt.

Nächster Programmpunkt sollte der aus dem Gebirge kommende Regio sein. Für den ging es nun wieder ganz durch Podgorica durch. Erst schauten wir in der Schlucht am nördlichen Stadtrand, beschlossen dann aber, weiter oben was zu machen. Dazu ging es wieder die von gestern bekannte Straße nach Klopot hoch. Den Ortsnamen hatten wir uns gut merken können. Der Mala Rijeka Viadukt kam im Gegenlicht bei dem Dunst phantastisch. Wir machten nun allerdings den Fehler, hier den Regio im Gegenlicht verarzten zu wollen. Der Regio ließ uns erstmal ewig in der prallen Sonne warten. Währenddessen konnte man sich an einem Feigenbaum bedienen, den Yannick freundlicherweise als solchen identifiziert hatte. Dann kam der Bummelzug endlich und war in der Brücke fast gar nicht zu sehen. Da hätte man wohl für den einzigen fotogeeigneten Zug des Vormittags dankbarere Motive finden können...

Nicht suchen: Dies ist eine Bildvariante ohne Zug! Der 198m hohe Mala Rijeka Viadukt ist momentan das zweithöchste Eisenbahnbrückenbauwerk der Welt und die höchste Eisenbahnbrücke Europas! Vom Fertigstellungsjahr 1973 bis 2001 handelte es sich sogar um die höchste Eisenbahnbrücke der Welt. Der Mala Rijeka Viadukt wird allerdings der weltweit höchste Eisenbahnviadukt ohne Bogen bleiben.

Nun hatten wir über Mittag keinen so rechten Plan. Yannick wollte gern mal schauen, ob in Tuzi was vom Albanien Gz zu sehen ist. So fuhren wir dort mal hin, wieder ganz durch Podgorica durch. Das geht zum Glück schön flott auf vierspurigen Straßen. Problematisch sind nur die vielen doppelspurigen Kreisverkehre, deren Regeln einem Großteil der montenegrinischen Autofahrer offenbar nicht bekannt ist, was sich immer wieder zeigte. Bezeichnend war, dass man vorm Kreisverkehr alle Linksabbiegerpfeile auf der Fahrbahn beseitigt hat. Offenbar meinten viele Autofahrer, sie sollten bei der Einfahrt in den Kreisel schon links abbiegen. Überhaupt hat der montenegrinische Straßenverkehr schon deutlich mehr von der chaotischen Fahrweise, die ich aus Griechenland kenne, als von der aus Kroatien oder Bosnien bekannten.

Tuzi. Willst Du Dich mal richtig runterziehen lassen, fahr' bei schwüler Mittagshitze nach Tuzi. Völlig chaotischer Verkehr, Leute mit Lumpenkarren, ein völlig dreckig aussehender Riesenmarkt, och nö, das passte alles nicht in meine heile Welt. Am Bahnhof herrschte auch Grabesstille, so dass wir uns bald wieder auf den Rückweg machten. Um die Zeit bis zu den Nachmittagszügen abzuwarten, setzten wir uns in eine Ausflugsgaststätte direkt am Skutarisee bei Vranjina. Dort flogen zwar paar Fliegen zu viel um uns rum, aber die Spaghetti Frutti di mare waren klasse. Nicht nur zwei versteckte Muscheln, sondern bald mehr verschiedenste Frutti als Nudeln. Der Kellner war auf unsere englisch geäußerte Bestellung hin erst montenegrinisch wortlos, doch als er uns als Deutsche identifizierte, konnte er plötzlich sprechen, sogar deutsch und freundlich!

Danach hatten wir noch genug Zeit, uns für die Elektritschka ein Motiv zu suchen. Nach etwas Hin und Her entdeckten wir günstige Möglichkeiten bei einem Damm unmittelbar nördlich des großen Tunnels, der an die Küste ranführt, südlich des Hp Crmnica. Hier gab es mehrere Variationsmöglichkeiten vor toller Gebirgskulisse. Es war ein wenig aufgeklart, die Sonne brannte heftig vom Himmel. Bald tauchten aber statt des Dunstes richtige Wolken auf. Immerhin gingen vorher vier Züge mit Sonne. Das war schon mal was schönes. Und man stand und saß da einfach herrlich in aller Abgeschiedenheit. Mal schauten frei laufende Pferde und Rinder vorbei, eine Hornisse flog auch durch die Gegend, beachtete aber selbst Yannick nicht, der alle anderen Insekten magisch anzog. Besonderes Leckerli für die Fotos war kurz vor Bewölkungsbeginn der B 1136, der vor dem ganzen Serbensiff als Kurswagen herrliche Schmuckstücke aus Russland, Ungarn und Tschechien führte.

Elekritschka nach Bar,...

... und wieder zurück.

Bummelzug nach Bar.

Höhepunkt war der B 1136, der vor den Serbenkeimlingen gepflegte Kurswagen nach Moskau, Budapest und Prag führte.

Man kennt das ja, dass auf einem schmalen Weg plötzlich ein Hase o.a. vor einem her läuft und keinen Ausweg nach rechts oder links findet. Wir hatten hier plötzlich ein Pferd vor uns! Das sah schon kurios aus, eine fette Tonne mit vier dürren Beinchen, die keinen Ausweg durch die Hecke fanden. Wir haben gewiss keine Jagd veranstaltet, aber wenn wir uns zurückfallen ließen, blieb der blöde Gaul auch stehen oder wurde langsamer. Irgendwann fand er aber doch einen Abzweig auf eine Weide. Wir waren uns einig, dass Rinder viel cooler sind als Pferde.

Nach Rückkehr in die Zivilisation musste natürlich am ersten Kühlschrank angehalten werden. Dort gab es klasse Bony Limonade aus Podgorica. Die war nicht so süß, und man hatte nicht den Eindruck, dass man hinterher durstiger als vorher war. Die dürften ihre Brause gern europaweit vertreiben.

Zurück im Hotel war erstmal frischmachen angesagt, dann gab es leider auch schon das Abschlussessen der Tour. Für mich gab es mal ganz simpel Gulasch mit Makkaroni. Ich konnte nicht schon wieder Unmengen an Fleisch verdrücken, nachdem wir mittags ja auch schon gegessen hatten. Yannick entschied sich für gegrillte Pute.

Sonntag, 02.09.2012

Wir waren ja nun an den Anblick eines grauen Dunsthimmels beim Aufwachen gewöhnt. So brauchten wir uns heute 'zum Glück' nicht umzugewöhnen. Wir konnten entspannt frühstücken. Besonders die Melonen waren wieder schön süß.

Vor der Autorückgabe hatten wir noch genügend Zeit, auf einen B 430 nach Vranjina zu fahren. Diesmal sollte es der Damm durch den Skutarisee sein. Allerdings waren wir bei der Waschküche nicht motiviert, auf den Felsen zu klettern. Wir nahmen den Zug ganz banal vom Restaurantparkplatz aus. Ich fand dafür eine Lücke im Straßenverkehr, Yannick hatte weniger Glück. Da er seitlicher stand, klebte ihm der LKW im Zug.

B 430 auf dem Damm durch den Skutarisee.

Und unser feuerroter Panda mit serbischem Kennzeichen.

Tja, das sollte es gewesen sein. Mit Tankstopp trafen wir um 10.10 Uhr am Flughafen ein. Auch hier lief die Kommunikation auf montenegrinische Weise ab. Der Sixtmensch gab insgesamt rund 10 Worte von sich, die Dame am Checkin von Montenegro Air benötigte nur drei: 'your luggage!' und 'passport'. Wirklich sehr effektiv hier! Etwas mussten wir noch warten, dann ging es durch die Kontrolle, die trotz kurzem Abtasten unproblematisch ablief.

YM 160 Podgorica 11.40 - Frankfurt 13.50

Der voll besetzte Flug war bis auf kurze Turbolenzen unspektakulär. Aufgrund der Dunstglocke gab es bis zu den Alpen nicht viel zu sehen. Immerhin spendierte die Airline ein schönes Käse-Putensalami-Sandwich, auf das sich sogar eine Gurkenscheibe und ein Salatblatt verirrt hatten. Überreicht wurde es mit dem Wort 'Sandwich'. Ein montenegrinischer Steward kommt aus sich raus! Toll!

In Frankfurt dachte ich nun Unmengen an Zeit zum ICE um 14.42 ab FFFbf zu haben. Doch ich hatte meine Rechnung ohne Fraport gemacht. Es kam die Durchsage, dass sich wegen Personalmangels die Ausgabe des Gepäcks für die Reisenden aus Montenegro verzögere. Letztendlich mussten wir über eine halbe Stunde warten. Doch Fraport konnte noch mehr: Wir waren in Terminal 2 angekommen. Nach kurzer Begrüßung von Yannicks Eltern und Verabschiedung von Yannick wiesen mich die Bahnhofswegweiser nach draußen zu einer Shuttlebus-Haltestelle, an der schon eine gefühlte Hundertschaft an Leuten stand. Wie krank ist das denn. Schnell wieder zurück ins Terminal und mit dem Skytrain zum T1 gefahren. Ich erreichte gerade noch im Regiobf die S-Bahn um 15.02, was mir letztendlich im Hbf nur ne längere Wartezeit bescherte.

ICE 72 Frankfurt Hbf 15.58 - Hannover 18.15

ICE 786 Hannover 18.45 - Hamburg-Harburg 19.58 (baubedingt andere Zeiten)

Man muss vielleicht mal solch eine Bahnreise über den Balkan gemacht haben, um die Deutsche Bahn gebührend würdigen zu können. Plötzlich fällt einem auf, dass Durchsagen freundlich klingen, dass das Personal zuvorkommend ist (nicht dass ich daran Zweifel gehabt hätte) und dass es sich einfach herrlich und vor allem zügig reisen lässt. So konnte ich diese ICE Fahrt richtig genießen.

Epilog

Zufrieden? Zufrieden! Sehr sogar. Auch wenn Streckenaufnahmen nicht im vollen gewünschten Umfang klappten, ist bei dieser langen Tour mit öffentlichen, möglichst schienengebundenen Verkehrsmitteln von der Fahrt her absolut alles glatt gegangen. Wir haben keinen einzigen Anschluss verpasst. Es gab keinen baubedingten Schienenersatzverkehr! Somit konnten wir an alle gewünschten Bereisungen einen Haken setzen. Die Reise sollte ein kleines Abenteuer werden und wurde im positiven Sinne ein richtig eindrucksvolles Erlebnis. Was freue ich mich gerade vor dem Hintergrund der angekündigten Zugstreichungen, diese Tour durchgeführt zu haben. Dass bei solch einer Bahnfahrt nicht die "perfekten" Streckenaufnahmen im Vordergrund stehen, ist auch klar. Wobei ich über die Aufnahmen aus Bosnien hocherfreut bin. Was hatten wir da zwischen all den Wolken und Brandschwaden für ein Glück!

Mit Montenegro habe ich nun das letzte mir noch unbekannte ex-Jugoland kennengelernt. Landschaftlich wurden alle Erwartungen erfüllt oder sogar noch übertroffen. Ob unsere paar Tage wirklich ausreichen, um etwas über die Mentalität zu sagen, darf gern bezweifelt werden. Auf die von uns beschriebene Wortkargheit stießen wir aber immer wieder. Ich war etwas überrascht, hier einen so deutlichen Unterschied zu Kroaten oder Bosniern festzustellen.

Was die Bahnaufnahmen in Montenegro angeht, so hätte man sich sicherlich etwas mehr erhofft, zumal die Wettervorhersage für unsere zwei Tage immer von "Sonne satt" gesprochen hatte. Aber ich hatte auch ein wenig das Fehlen der fotogeeigneten Züge im Gebirgsabschnitt unterschätzt. Hmm, mal sehen. Irgendwann muss man sich dem Land nochmal widmen, aber vielleicht erst, wenn sich das Fahrplanangebot auf der Bergstrecke etwas gemausert hat und/oder wenn die Graffitisituation besser geworden ist.

Potential für Angebotsausweitungen halte ich für gegeben. Da Montenegro neben der Küstenstraße nur über gewundene und nicht ungefährliche Gebirgsstraßen erreichbar ist, könnte die Bahn bei entsprechender Prioritätensetzung der Politik durchaus eine Chance haben. Dass die Prioritätensetzung zugunsten der Bahn laufen kann, zeigt ja der wohl weitestgehend fertiggestellte Ausbau der Nebenbahn nach Nikšić (mit Elektrifizierung!). Jetzt müsste nur noch das Fahrplangefüge angepasst werden. Die zwei Regios ins Gebirge hoch sind natürlich zu wenig. Ein Stundentakt ab Bar, der ab Podgorica wechselweise nach Nikšić oder Bijelo Polje weitergeführt wird, wäre eine gute Sache. Wenn man im Gebirge die zahlreichen vollkommen abseits gelegenen Halte einsparen würde, könnte Podgoricas Nachbarstadt Kolašin in derselben Zeit erreichbar sein wie mit dem Auto - aber viel stressfreier. Ein Standbein könnten auch touristische Verkehre sein. Wenn ein Kreuzfahrer in Bar landet, könnte man eine Schienenkreuzfahrt ins Gebirge und zurück anbieten. Ich bin gespannt auf die Entwicklung, gewisse Anzeichen lassen ja durchaus darauf hoffen, dass der Schienenverkehr in Montenegro eine deutlich bessere Zukunft hat als der in den umliegenden Ländern.

Was die Bahn in allen durchfahrenen Ländern angeht, so erstickt die Vorgehensweise, Züge zu streichen, jeglichen Ansatz von Produktivität. Es wird weniger produziert, die Fixkosten bleiben jedoch auf gleicher Höhe. Ohne vereinfachte Prduktionsverfahren und massiven Personalabbau werden die Bahnen irgendwann ganz eingehen, und dann ist der "Personalabbau" ungleich größer. Aber diese Einsicht wird gerade zu den starken Gewerkschaften noch nicht vorgedrungen sein. In Bosnien und vermutlich auch Serbien kommt hinzu, dass sowohl Strecken als auch Fahrzeuge einfach "runter" sind. Es wäre in meinen Augen mal wieder an der Zeit für eine Fahrzeugspende. Gerade unsere Rotlinge wären ideal für manch einen Verkehr auf dem Balkan. Aber ich habe keine Ahnung, unter welchen Voraussetzungen solch ein Deal zustanden kommen kann.

Für Yannick war das die erste Auslandstour dieser Art. Am besten gefiel ihm das vollkommen zwanglose Betreten der Gleis- und Bahnanlagen :-) Yannick, Deine Premierenfahrt hat mir viel Spaß gemacht und ich bin mir nach Deinen Äußerungen sicher, dass weitere Touren bis weit hinter die deutschen Grenzen folgen werden - mit tollen Bildergebnissen natürlich.

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